Se connecterVier Jahre!
Vier elende Jahre als seine Frau. Okay, nein! Nicht vier elende Jahre. Drei Jahre und vier elende Monate als seine Frau. Die ersten acht Monate unserer Ehe waren nicht ganz so schlimm. Die Ehe war zustande gekommen, weil sein Vater es so wollte. Sein Vater, Magnus Steele, war ein guter Mann, steinreich. Ein Guru in der Architekturwelt. Obwohl er nie den ersten Platz belegte, war er immer Zweiter oder, schlimmer noch, Dritter in der Branche. Ich hatte vor fünf Jahren als Praktikantin bei Steele Architectural Co. angefangen. Ich ahnte nicht, dass sich mein Leben so grundlegend verändern würde. Aber der Geschäftsführer, Herr Magnus Steele, war mir nach einem erbitterten Architekturwettbewerb in der Stadt wie ein Vater geworden. Meine Entwürfe stachen hervor. Meine Entwürfe hatten dem Unternehmen den ersten Platz eingebracht. Den allerersten seiner Art. Niemand hatte geglaubt, dass das Unternehmen all den führenden Firmen eine solche Ehre entreißen würde. Der Mann hatte mich belohnt, indem er mich auch nach meinem Praktikum weiterbeschäftigte. Er meinte, meine Entwürfe hätten das ermöglicht. Wir waren wie eine Familie geworden. Er war übertrieben freundlich. Als er vor vier Jahren von der Heirat mit seinem Sohn sprach, fand ich das nicht ganz selbstverständlich. Ich hatte keine Gefühle für ihn. Sein Sohn? Gabriel Steele? Der, der so viel Zeit in Musikstudios verbrachte. Er wusste weder etwas von Architektur noch vom Familienunternehmen, geschweige denn von Design. Sein Vater war überzeugt, dass die Firma mit mir als seiner Frau an seiner Seite erfolgreicher sein würde. Aber er war der Einzige, der sich freute, mich in seiner Familie zu haben. Seine Frau, Gabriels Mutter, Marisol Steele, wollte davon nichts wissen. Natürlich gehörte ich nicht der Gesellschaftsschicht an, die es erforderte, denselben Nachnamen wie sie zu tragen. Sie hatte sich immer dagegen gewehrt und mich jedes Mal, wenn ich vorbeikam, herablassend behandelt. Herr Steele drückte mir sanft die Hand und versicherte mir, dass sie sich schon noch ändern würde. Gabriel schien von der Idee nicht begeistert zu sein. Doch mit einer stagnierenden Musikkarriere und einem sterbenden Vater musste er sich entscheiden, womit er seine Familie ernähren konnte. Womit er seinen verschwenderischen Lebensstil finanzieren konnte. Ich war für ihn nur eine Gelegenheit, die er ergriff. Ein Mittel zum Zweck, um sein Geschäft am Laufen zu halten. Und ich, Maya Delaney, ich hätte Nein sagen sollen, nicht wahr? Ich hätte an mich selbst denken sollen. Ich glaube, da lag mein Fehler. Ich beschloss, den Wunsch eines sterbenden Mannes über mein eigenes Glück zu stellen. Aber wie hätte ich anders handeln können? Dieser Mann hatte meiner Mutter das Leben gerettet. Magnus Steele hatte die Arztrechnungen und die Operation meiner Mutter bezahlt. Dieselbe Gebärmutterentfernung, die ich selbst erlitten und für die ich so hart gearbeitet hatte – vergeblich. Dieselbe, die mir schlaflose Nächte bereitete, als ich meine Mutter beinahe an Gebärmutterhalskrebs verloren hätte. Evelyn hatte es ebenfalls für einen guten Plan gehalten. Gut für mich, gut für meine Familie. Ich hatte zugestimmt. Nicht etwa, weil der Nachname Steele in Manhattan fast jedem Mädchen den Kopf verdrehte, sondern weil Mr. Magnus Steele ein Mann war, dem ich einfach nicht widerstehen konnte. Es war eine kleine, intime Hochzeit am Strand. Wir waren direkt nach der Unterzeichnung der Heiratsurkunde dorthin gefahren. Gabriel hatte darauf bestanden, keine laute Feier zu wollen. Das war mir auch recht. Es machte keinen Sinn, Leute, die man kaum kannte, zur Hochzeit einzuladen, und es war schließlich unsere Hochzeit, keine Show, um etwas zu beweisen. Magnus Steele hatte uns den Schlüssel zu der Villa, in der wir jetzt wohnen, zur Hochzeit geschenkt. Er war der zweitglücklichste Mensch. Ich war die glücklichste. Gabriel Steele war schließlich ein gutaussehender Mann. Und wie Evelyn gesagt hatte, würden wir uns in der Ehe besser kennenlernen. Aber ratet mal? Ich habe in dieser Nacht allein geschlafen. Gabriel hatte mir gesagt, er müsse eine Cousine absetzen. Sie war extra für die Hochzeit angereist. Ich nickte. Wartete, bis ich eingeschlafen war. Am Morgen wachte ich auf und war allein im Zimmer. Moment mal! War es dieselbe Cousine, für die er jetzt in unserem Haus Platz machte? Warum erfahre ich von dieser Cousine nur von ihm? Ich wusste, dass ich kein enges Verhältnis zu seiner Mutter hatte, aber sie hatten nie Verwandte erwähnt, weder nah noch fern. Das Blut pochte in meinen Adern. Ich griff nach meinem Handy auf der breiten, cremefarbenen Kommode. Es zuckte an der Seite, und das Licht ging an. Wen genau wollte ich fragen, wer Amila war? Seine Mutter sprach nie freundlich mit mir. Meine Knie wurden weich. Es fiel mir so schwer, nicht zu glauben, was mir mein Verstand sagte. Gabriel wäre nicht so schlimm. Unsere Ehe war nicht die beste, aber er war ganz sicher kein Unmensch. Ich ließ mich aufs Bett fallen, die Laken wippten leise. Meine Gedanken schweiften zurück zu den letzten drei Jahren. Nach dem Tod seines Vaters hatte sich die Situation zwischen Gabriel und mir verschlechtert. Wenige Wochen nach seiner Beerdigung hatte Gabriel mich entlassen. „Ich brauche eine Frau, die sich um den Haushalt kümmert, Maya. Du kannst die Designs von zu Hause aus machen. Außerdem sollst du dich so richtig ausruhen. Der Arzt meinte, Stress könnte der Grund für deine zwei Fehlgeburten sein.“ Seine Worte waren endgültig. Ich sagte kein Wort. Ich konnte kein Wort sagen. Ich wünschte mir auch so sehr ein Kind. Aber ich wusste, dass ich nicht gestresst war. Wie sollte ich ihm das erklären? Er war schließlich schon der Geschäftsführer, und meine Designs hatten das Unternehmen zum Erfolg geführt. Ich schluckte schwer. Ich hielt mich im Dunkeln und überließ ihm den Ruhm für jedes Design, das ich von zu Hause aus anfertigte. Er musste mir nur sagen, was zu tun war, und zack! Ich präsentierte ihm ein Meisterwerk, während er über beide Ohren grinste. Dann kamen die langen Nächte. Die Auslandsreisen, die länger dauerten, als sie sollten. Gabriel hatte vergessen, dass ich schon fünf Jahre in dieser Branche gearbeitet hatte, bevor ich ihn heiratete. Ich wusste, wie alles lief. Und trotzdem log er mir dreist ins Gesicht. Wir hatten uns heftig gestritten, als er von einer einmonatigen Auslandsreise zurückkam. Es war eskaliert. Unsere Stimmen hallten von der Decke wider. Plötzlich schlug seine Hand hart in mein Gesicht, und ich wurde rot. Mir wurde schwindelig, als ich mich am Schrank festhielt, um nicht umzufallen. „Wie kannst du es wagen, mich so infrage zu stellen?! Es ist meine Firma. Mein Geschäft. Mein Haus und meine verdammten Regeln!“, donnerte er. Am nächsten Morgen hatte Gabriel mir befohlen, meine Sachen in das kleinere Zimmer gegenüber seinem zu bringen. Er sei es leid, dass ich ihn ständig nervte, sagte er. Ich dürfe mich seinem Zimmer nur nähern, wenn ich eingeladen sei. Lächerlich. Ich schnaubte verächtlich. Ich zog um. Es war besser, als ihn die ganze Nacht schnarchen zu hören, nachdem er seinen Abend mit Trinken und so weiter vergeudet hatte. Ich raffte mich auf und ging zur Kommode. Die Frau im Spiegel sah nicht so aus, als hätte sie in den letzten vier Jahren viel durchgemacht, abgesehen von den Augenringen. Dann hörte ich quietschende Autos in der Einfahrt. Ich eilte zum Fenster und zog den Vorhang ein Stück weit auf. Ein Lieferwagen bahnte sich seinen Weg auf den Hof. Das war der beste Inneneinrichter der Stadt. Hatte Gabriel sie beauftragt, dieses Zimmer herzurichten? Und das für die sogenannte Amila? Ich schnappte nach Luft. Meine Füße blieben wie angewurzelt stehen. Ich traute meinen Augen nicht und wollte auch nicht auf die Stimme in meinem Kopf hören. Unsere Ehe war doch gar nicht so schlecht, redete ich mir ein.Er räusperte sich, und im Raum wurde es wieder still.„Nach reiflicher Überlegung“, begann er mit fester, klarer Stimme, „habe ich beschlossen, einige Änderungen an unserer Führungsstruktur vorzunehmen. Elizabeth Anderson ist nicht länger als Head of Design für uns tätig. Ihre Position wird ab sofort von jemandem übernommen, der sich in kürzester Zeit durch harte Arbeit, Talent und Engagement bewährt hat.“Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich starrte auf den Boden, zu ängstlich, um aufzublicken. Geschah das wirklich? War es das, was ich gerade hineininterpretierte?„Maya Delaney“, fuhr Williams fort, während sein Blick quer durch den Raum den meinen suchte, „ist unsere neue Head of Design.“Ein Raunen und Gemurmel ging durch das Team. Ich stand wie erstarrt da; meine Lippen waren leicht geöffnet, doch ich brachte kein Wort heraus, und der Atem stockte mir im Hals.Head of Design? Ich? Die Worte wirkten zu groß, kamen zu überraschend. Ich war kaum ein paar Wochen hier, und doch trat
Ich ging zügigen Schrittes auf den Eingang der Lobby zu, die Tasche in der Hand, meine Absätze klackerten scharf auf dem Beton; ich nahm meine Umgebung kaum wahr, denn meine Gedanken waren schwer.Die Woche nach der UrbanAxis-Reise war nicht gerade leichter gewesen; das UrbanAxis-Projekt hatte Banks Holdings ein neues Gesicht verliehen. Die Woche war angefüllt mit neuen Kunden und Akten, die ständig über meinen Schreibtisch gingen. Mühsam – das trifft es wohl am besten.So sehr, dass ich meinen Arzttermin auf heute verschoben hatte. Als ich heute Morgen meinen Schreibtisch verließ, hatte ich nicht viel erwartet; vielleicht eine hohe Dosis Vitamine und eine neue Standpauke darüber, wie man Stress bewältigt.Genau das hatte ich erwartet! Stress hier, Stress da. Nicht ein ganz neues Leben, das in mir heranwuchs.Ein Leben wuchs in mir, während ich den Sex-Marathon mit Williams genoss. Himmel! Maya! schalt ich mich selbst.Worauf hast du dich da nur eingelassen? Ich ging weiter.Da ist Ma
Ich saß vor der Ärztin; meine Lippen waren fest zusammengepresst, meine Hände zitterten so stark, dass das Papier darin wie ein gefangener Vogel flatterte. Ich blinzelte hastig, um den verschwommenen Schleier vor meinen Augen zu vertreiben. Mein Mund öffnete sich, doch kein Laut drang heraus.Die Worte der Ärztin hallten in meinem Kopf wider; sie gratulierte mir, als wäre dies die beste Nachricht der Welt. Ich brachte kein einziges Wort heraus. Ich konnte nicht glauben, was mir das Ergebnis des Bluttests schwarz auf weiß entgegenschrie.Die Ärztin lehnte sich leicht vor; ihre Stimme klang sanft. „Frau Delaney? Ist alles in Ordnung?“Ich nahm das Papier von meinem Gesicht weg und zwang mich zu einem schwachen Lächeln, während ich ihr in die Augen sah.„Nein … Nein, Frau Doktor“, sagte ich leise, aber bestimmt. „Ich glaube, das kann nicht stimmen. Ich weiß, was ich spüre, und es ist definitiv keine Schwangerschaft. Ich hatte meine Periode erst letzte Woche – tatsächlich.“Sie nickte lan
Das Abendlicht fiel durch die großen Fenster der Hotellounge und warf lange Schatten auf den polierten Holzboden. Ich hatte mein Zimmer verlassen und war in die Lounge hinuntergegangen, wobei ich meinen Notizblock fest an die Brust drückte.Ich saß allein an einem ruhigen Ecktisch und nippte an einer Tasse Kräutertee – vielleicht würde er meiner Zunge guttun und sie wieder etwas beleben.Die TerraNova-Reise war anstrengend, aber produktiv gewesen. Meine Entwürfe nahmen Gestalt an, und zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl, etwas zu erschaffen, das wirklich mir gehörte.Schritte näherten sich. Ich musste nicht aufsehen, um zu wissen, wer es war. Schon vor dem dumpfen Geräusch der Schritte verriet mich ihr Duft.Evelyn blieb ein paar Schritte entfernt stehen; ihre Hände waren fest vor ihr ineinander verschränkt. Sie wirkte kleiner als sonst … die Schultern leicht hochgezogen, die Augen müde, aber entschlossen. Sie wartete, bis ich endlich den Blick hob.„Maya“, sagte sie leise
Das Morgenlicht fiel sanft durch die Vorhänge und tauchte das Zimmer in warmes Gold. Ich wälzte mich langsam im Bett hin und her … in Williams’ Bett.In den letzten Tagen, seit jener regnerischen Nacht, hatten wir abwechselnd in unseren jeweiligen Zimmern übernachtet. Und uns dabei schamlos unseren Sex-Marathons hingegeben … Man konnte wohl sagen, dass die große Entfernung zu dem Chaos, das uns in Manhattan erwartet hätte, einen ganz eigenen erotischen Reiz ausübte.Mein Körper fühlte sich schwer und auf eine Weise erfüllt an, wie ich es seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. Williams’ Arm lag um meine Taille, seine Brust drückte sich warm und fest gegen meinen Rücken. Sein Atem strich langsam und gleichmäßig über meinen Nacken.Einen Moment lang genoss ich diesen Augenblick, eingehüllt in seinen Duft und die Erinnerung an seine Hände auf meiner Haut – und an seine Stimme, die die ganze Nacht hindurch im Dunkeln meinen Namen geflüstert hatte.Ich drehte mich in seinen Armen um und öffne
Mit einem einzigen Ruck riss er mir die Shorts vom Leib und schleuderte sie irgendwohin – Gott weiß wohin; meine Oberschenkel lagen frei und zuckten im kalten Luftzug, der von der Tür herüberwehte.Dann drehte er sich wieder zu mir um und zog mir das Sweatshirt aus, als würde er einen kostbaren, süßen Schatz enthüllen. Sweatshirt und Bluse kamen in einem Zug herunter und landeten als Haufen auf dem Boden.Sein Blick wanderte zu dem roten Spitzen-BH, der meine vollen Brüste eng umschloss; seine Augen dunkelten nach, sobald sie auf die dunklen, hervorstehenden Brustwarzen fielen.„Ich liebe sie dunkel und pochend, Maya“, knurrte er, während er mir immer wieder Küsse auf die Lippen drückte; zwei Finger legten sich um eine Brustwarze, dann drückte er sie fest und süß zusammen.„Ugh-gh“, stöhnte ich auf und genoss den süßen Schmerz, von dem ich einfach nicht genug bekommen konnte. Für einen Moment vergaß ich alle Sorgen und alles, was die Medien zu sagen hatten.Meine Hände bewegten sich s
Das Handy vibrierte unaufhörlich auf dem Nachttisch. Ich griff danach und strich mit dem Finger über den Bildschirm, ohne hinzusehen.„Alles Gute zum Geburtstag, Maya … Ich hoffe, du hast heute viel Spaß.“ Die Stimme war tief, aber sanft. Männlich im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Herz hämmerte. I
Lautes Lachen weckte mich. Ich hatte letzte Nacht nicht früh geschlafen. Ich hatte bis in die frühen Morgenstunden an dem UrbanAxis-Immobilienprojekt gearbeitet.Gabriel hatte betont, wie wichtig es sei, die erste Skizze bis zum Morgen zu schicken. Als ich das Projekt endlich fertigstellte, war es
„Woher kommt bloß dieser ganze Lärm?“, murmelte ich leise. Ich wälzte mich im Bett hin und her. Die Laken quietschten unter meinem schweren Körper.Das kreischende Geräusch von etwas Schwerem, etwas Metallischem drang immer noch in das Zimmer oben. Ich seufzte resigniert. Der Schlaf wich endlich au
Evelyns Limousine bog in die Einfahrt ein und parkte direkt unter dem Mahagonibaum vor ihrem Apartment. Eine kühle Brise streichelte mein Gesicht, als ich aus dem Beifahrersitz stieg.Was war schlimmer als ein gebrochenes Herz? Zurückweisung, besonders ausgerechnet an dem Tag, an dem man sich so se







