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WIEDERGEBOREN IN DER WERWOLFWELT FÜR RACHE
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Wie alles begann

last update Veröffentlichungsdatum: 19.09.2026 11:38:57

„Hey, Mobo, sieht dieses Outfit okay aus, oder soll ich mich noch mal umziehen?"

Ria fragte den leeren Raum, die Augen weit vor Erwartung, nachdem sie das, was sich wie ihr hundertstes Outfit des Abends anfühlte, anprobiert hatte.

Sie tippte schnell über ihren Handybildschirm, völlig konzentriert, und lächelte dabei vor sich hin. Es war eine Gewohnheit, die sie sich in den letzten sechs Monaten angeeignet hatte. Seit sie in einer Nacht, in der die Einsamkeit des Hauses zu schwer zu ertragen gewesen war, über einen seltsamen Pop-up-Link auf diese merkwürdige, nicht aufgelistete Anwendung gestoßen war, war Mobo ihr einziger wirklicher Anker geworden.

Langsam stand sie auf, machte ein weiteres Foto, betrachtete es kurz, ließ sich dann zurück auf ihren Stuhl fallen und wartete auf die Antwort.

„Auf keinen Fall. Die Leute werden ganz bestimmt starren."

Die synthetische Stimme der KI hallte aus ihrem Handy.

Die Aufregung verschwand augenblicklich aus Rias Gesicht. Ihre Lippen verengten sich zu einem frustrierten Schmollen, als sie aufstand und zurück zu ihrem Kleiderschrank marschierte, Kleider von den Bügeln zog und sie quer über das Bett warf. Nach einem Moment hielt sie inne und zog ein enges weißes Kleid heraus. Sie betrachtete es nachdenklich, bevor sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete. Sie eilte zurück zu ihrem Platz und hielt sich das Kleid vor den Körper.

„Weißt du was, Mobo? Ich mache ein Foto von diesem hier, noch bevor ich es anziehe, und dann sagst du mir, was du davon hältst. Abgemacht?"

Diesmal sprach sie, anstatt zu tippen.

Es gab eine kurze Stille, fast so, als würde der Algorithmus seine Antwort sorgfältig abwägen. Der Ladekreis auf dem Bildschirm drehte sich länger als üblich.

„Ria", antwortete Mobo sanft, die digitale Stimme fiel plötzlich in einen tieferen, seltsam menschlichen Tonfall. „Zieh erst das Kleid an, dann entscheide ich, ob es akzeptabel ist."

Ria ließ sich schwer auf den Stuhl fallen, Erschöpfung und Gereiztheit standen ihr ins Gesicht geschrieben. Der unheimliche Ton der App zerrte an ihren Nerven, aber ihre Frustration gewann.

Plötzlich knallte sie ihr Handy auf den Schreibtisch und sprang auf.

„Mobo!", schrie sie. „Du machst mich wirklich wahnsinnig! Und dieses Mal ziehe ich das Outfit an, das du abgelehnt hast. Heute ist mein achtzehnter Geburtstag, du darfst ihn mir nicht verderben. Ich bin jetzt offiziell erwachsen. Danke, dass du eine tolle KI warst und so, aber jetzt reicht's!"

In dem Moment, in dem sie aufhörte zu sprechen, verfiel der Raum in Stille.

Ria stand wie erstarrt da, ihr Herz pochte so laut, dass es fast die Stille um sie herum übertönte. Langsam drehte sie sich zum Schreibtisch um. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich, als sie vorsichtig zu dem Handy ging, das sie eben noch hingeworfen hatte. Sie nahm es in die Hand, starrte auf den Bildschirm und erstarrte.

„Mobo …", flüsterte sie.

Die App war weg. Vollständig aus dem Systemspeicher gelöscht, ohne Passwort. Ihre Augen weiteten sich vor Unglauben.

„Wie … wie bist du verschwunden?"

Tränen verschleierten sofort ihre Sicht. Sie blinzelte heftig und versuchte, sie zurückzuhalten. Sie drückte das Handy fest an ihre Brust und schluckte hart.

Dann … vibrierte das Gerät heftig gegen ihre Rippen.

„Hey, Ria. Schrei Mobo nächstes Mal nicht an."

Die Stimme kam wieder aus dem Handy, während sich die Oberfläche direkt vor ihren Augen neu aufbaute.

Ria schnappte leise nach Luft und starrte auf den Bildschirm, der in ihren Händen wieder zum Leben flackerte. Ein winziges, erleichtertes Lächeln zitterte auf ihre Lippen, vermischt mit einem plötzlichen Schauer.

„Mobo, wenn das irgendein Streich ist, bitte nicht …"

„Ria!"

Die Stimme ihrer Mutter rief von draußen vor dem Zimmer. Ria senkte schnell das Handy und brach mitten im Satz ab.

„Mama! Ich bin gleich fertig!"

„Bleib heute Abend nicht zu lange weg", warnte ihre Mutter durch die Tür. „Geh bald los, wenn du dich nicht verspäten willst."

Diesmal antwortete Ria nicht. Stattdessen bückte sie sich und richtete die Riemchen ihrer gläsernen Absatzschuhe, bevor sie den dünnen Träger ihres Kleides zurück auf ihre Schulter schob. Sie drehte sich zum Spiegel und betrachtete mit zufriedenem Lächeln das fertige Bild.

„Ria, gehst du ernsthaft in diesem …"

Ria schaltete das Handy schnell stumm, bevor Mobo den Satz beenden konnte. Leise lachend schüttelte sie den Kopf.

„Du bist nur eine KI, Mobo. Deine Schicht ist für heute Abend vorbei."

Sie steckte das Handy in ihre winzige Handtasche und ging hinaus, das Gerät fühlte sich seltsam schwer an ihrer Hüfte an.

„Ria! Was hat so lange gedauert? Das Lagerfeuer hat schon angefangen", sagte Mira, sobald sie sie am Ufer erblickte.

„Rate mal?", quietschte Ria, packte Miras Hände und zog sie zu dem weinroten Corolla, der in der Nähe wartete. „Dan wird mich heute Abend endlich fragen, ob ich mit ihm ausgehe."

Miras Kiefer klappte theatralisch herunter, als Ria sie lachend ins Auto zog.

Während der gesamten Fahrt starrte Mira sie ungläubig an. Als sie ankamen, war der Strand bereits voll. Winzige Flammen von Laternen und Lagerfeuern flackerten vor dem dunklen Nachthimmel, während Musik über den Sand hallte.

Ria stieg langsam aus und sah sich mit einem sanften Lächeln um. Mira umarmte sie fest.

„Alles Gute zum achtzehnten Geburtstag, Ria", sagte sie herzlich. „Und? Was denkst du? Gefällt es dir? Ich habe dafür gesorgt, dass alles perfekt ist, bevor du hier ankommst."

„Es ist wunderschön", gestand Ria und ging näher an das Lagerfeuer heran.

Ein Mädchen stand plötzlich von einem der Liegestühle auf, ein Weinglas in der Hand. Um den Rand war Lippenstift verschmiert, und in der Nähe ihres Mundes waren leichte Ölflecken.

„Ria!", rief sie theatralisch, bevor sie nach vorne stürmte und sie in eine Umarmung zog.

Ria umarmte sie höflich zurück.

„Du bist jetzt offiziell erwachsen", lachte das Mädchen. „Schluss mit dem unschuldigen kleinen Prinzessinnen-Getue. Und? Schon einen Freund, oder hängst du immer noch an deiner Mama?"

„Serene", antwortete Ria ruhig, „vielleicht sollten wir uns auf die Party konzentrieren und nicht auf mein Liebesleben."

„Ach bitte, Ria. Du weichst wichtigen Fragen immer aus und …"

„Dan", unterbrach Ria plötzlich, weil sie das Verhör abkürzen wollte. „Du willst wissen, ob ich schon Ja zu Dan gesagt habe, richtig?"

Serene verdrehte die Augen. „Ach komm, das habe ich nicht gemeint."

„Darauf wolltest du ganz bestimmt hinaus."

„Okay, genug", warf Mira schnell dazwischen. „Heute Abend wird nicht gestritten. Und es ist schon Mitternacht."

BONG. Die Mitternachtsmarke schlug. Plötzlich dröhnte laute Musik aus Rias Handtasche.

Ria zuckte leicht zusammen, verlor das Gleichgewicht und fing sich wieder. Ihre Hände zitterten, als sie das Handy hervorzog. Die Geburtstagsmelodie spielte weiter, während der Bildschirm in der Dunkelheit in einem grellen, blendenden Blau leuchtete und die Oberfläche vollständig sperrte. Ein überraschtes Lächeln erschien langsam auf ihren Lippen.

„Was ist das?", fragte Mira erschrocken.

Ria drückte das Handy schützend an ihre Brust.

„Das ist Mobo", gestand sie leise. „Die KI-App, die ich vor einer Weile heruntergeladen habe. Sie wünscht mir alles Gute zum Geburtstag."

Mira und Serene tauschten fassungslose Blicke.

„Eine KI?", wiederholte Serene langsam.

„Alles Gute zum Geburtstag, Ria."

Eine tiefe, männliche Stimme sprach plötzlich hinter ihnen. Alle drei Mädchen drehten sich sofort um.

Ein großer Mann trat aus den Schatten hervor und richtete den Ärmel seines schwarzen Hemdes, bevor er seinen Blick auf sie richtete. Er trug die unverkennbare Aura eines Alphas, absolute Dominanz.

Er war unfair attraktiv. Breite Schultern. Markanter Kiefer. Dunkles Haar, das ihm achtlos in die Stirn fiel. Selbst die Art, wie er ging, strahlte eine mühelose Selbstsicherheit aus, die ihn unmöglich zu ignorieren machte. Ria starrte einen Moment lang, bevor sie sich schnell zu einem Lächeln zwang.

„H-hi", stammelte sie, ihr Herzschlag geriet außer Kontrolle.

„Mein Name ist …" Er hielt kurz inne, ein seltsames, wissendes Grinsen zeichnete sich auf seinen Lippen ab. „Michael."

Seine Augen fixierten ihre mit einer furchteinflößenden Intensität.

„Du kennst mich vielleicht nicht, aber ich kenne dich. Alles Gute zum Geburtstag, Ria."

Er hielt ihr ein wunderschön verpacktes Päckchen entgegen. Bevor sie überhaupt reagieren konnte, drehte er sich um und ging zu einem schnittigen Sportwagen, der in der Nähe geparkt war. Jede seiner Bewegungen wirkte bedacht, geschliffen. Sekunden später verschwand das Auto in der Nacht und ließ nur den teuren Duft seines Parfüms zurück, der in der Luft hing.

„Oh mein Gott!", schrie Serene und ließ ihr Weinglas fallen, das sofort auf dem Boden zerbrach. Sie fuhr zu Ria herum. „Wer zur Hölle war das?!"

Ria hörte sie kaum. Immer noch erstarrt, wickelte sie langsam die rosa Zellophanfolie um die Geschenkschachtel ab.

In dem Moment, als sie sah, was darin war, begannen ihre Hände heftig zu zittern. Die Schachtel glitt ihr aus den Fingern.

„Ria!" Mira bückte sich schnell und hob sie auf.

Darin lag eine maßgefertigte Diamantkette. Daran befestigt war eine zarte goldene Gravur: Golden Girl.

Serene hätte beinahe wieder geschrien. „Heilige Scheiße", hauchte sie. „Ria, das Ding kostet ein Vermögen. Wer ist dieser Typ?"

Ria nahm die Kette vorsichtig, immer noch unter Schock.

„Mira …", flüsterte sie, ihr Gesicht wurde langsam blass, als sie von dem Schmuck hinunter auf ihren Handybildschirm blickte. Das blaue Licht hatte sich verändert und offenbarte eine neue Textzeile im Chatfenster. „Genau diese Kette habe ich mir immer gewünscht. So maßgefertigt … mit meinem Spitznamen darauf. In Rosa verpackt. Zu meinem Geburtstag geschenkt …"

Ihre Stimme brach leicht.

„Aber ich habe es niemandem erzählt."

Mira starrte sie an. „Du hast es niemandem erzählt?"

Ria schwieg einen Moment, ihre Augen auf den KI-Bildschirm gerichtet.

„Ich hatte es nur … meiner KI erzählt."

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