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KAPITEL 2

last update publish date: 2026-06-16 06:55:06

Evie?

Der SUV rast durch die regennassen Straßen New Yorks wie ein wildes Tier, das vor einem düsteren Schicksal flieht. Auf dem Rücksitz wehre ich mich weiterhin, unter dem Gewicht des Mannes gefangen. Eine seiner Hände hält meine schmalen Handgelenke fest über meinem Kopf.

Jede meiner Bewegungen scheint ihn nur noch entschlossener zu machen. Sein Griff wird fester und erinnert mich auf erschreckende Weise daran, wie hilflos ich in diesem Augenblick bin.

„Lass mich los!“, schreie ich mit heiserer Stimme. Ich habe so viel geweint, dass mein Hals schmerzt. „Ich kenne dich nicht! Hilfe!“

Er lacht leise. Das tiefe Geräusch lässt mich zusammenzucken. Dann beugt er sich zu mir, ohne meinen Blick loszulassen, als wollte er sich jedes Detail meines Gesichts einprägen.

„Du wirst lernen, mich wieder zu kennen, mein Schatz“, murmelt er.

Ein heftiger Schauer läuft mir über den Rücken. Ich hasse es, dass ich überhaupt auf seine Nähe reagiere.

Der Mann auf dem Fahrersitz – einer der anderen Blonden – stößt ein raues Lachen aus, das durch den dunklen Wagen hallt.

„Soll ich die Musik lauter machen, Boss? Damit sie ihre Schreie nicht mehr hört?“, fragt er spöttisch. Sein Ton lässt mich noch ausgelieferter fühlen.

„Nein“, antwortet der Blonde, der mich festhält. Seine Augen verfolgen jede Veränderung meines Gesichtsausdrucks. „Ich will jedes Wort hören, das sie sagt. Jedes Schluchzen. Jede Bitte.“

Ich versuche, ihn mit dem Knie zu treffen. Er blockiert meine Beine, sodass ich mich kaum bewegen kann. Panik und Demütigung brennen in meinem Gesicht.

„Hör auf … bitte …“ Meine Stimme bricht. Tränen laufen über meine Wangen und zerstören den Rest meines Braut-Make-ups. Das weiße Kleid ist ruiniert, durchnässt von Regen und Blut.

„Ich wollte heiraten … Harvey …“

In dem Moment, in dem ich seinen Namen ausspreche, versteift sich der gesamte Körper des Mannes.

Er packt mein Kinn mit brutaler Kraft und zwingt mich, ihn anzusehen. Seine blauen Augen sind dunkel vor Zorn.

„Wage es nie wieder, seinen Namen in meiner Gegenwart auszusprechen“, knurrt er zwischen zusammengebissenen Zähnen. „Dieser verdammte Mistkerl hat dich mir weggenommen.“

Schluchzend drehe ich den Kopf so weit zur Seite, wie es sein Griff zulässt.

„Du verwechselst mich mit dieser Evie … Ich heiße Beatrice …“

Er lacht. Ein leises, gebrochenes, gefährliches Geräusch.

„Du bist Evie Callahan. Meine Ehefrau. Die Mutter unserer Tochter Claire.“ Seine Stimme wird hart. „Und ich werde dafür sorgen, dass du dich daran erinnerst, wer du bist.“

Der Wagen hält abrupt vor einem privaten Hangar. Ein weiterer Mann wartet bereits neben einem Privatjet.

Der Blonde hebt mich erneut aus dem SUV und wirft mich über seine Schulter, als wäre ich nichts weiter als ein Gegenstand.

Ich trete nach ihm, schlage gegen seinen Rücken und schreie, bis meine Kehle brennt.

„Hilfe! Bitte, helft mir! Er ist verrückt!“

Niemand kommt.

Niemand kann mir helfen.

Er trägt mich die Treppe zum Jet hinauf. Sobald wir die luxuriöse Kabine betreten, setzt er mich unsanft auf ein Ledersofa. Ich versuche, zur Tür zu fliehen, doch er packt mich an der Taille und drängt mich gegen die Kabinenwand, sodass mir jeder Fluchtweg versperrt ist.

„Es gibt kein Entkommen mehr“, flüstert er mir ins Ohr. „Wir fliegen nach Hause. Nach Dublin. Zu unserer Tochter und zu dem Leben, das du vergessen hast.“

Ich weine inzwischen leise. Mein ganzer Körper zittert.

„Bitte … Ich habe eine Familie … Harvey wird bestimmt …“

Er dreht mich zu sich um und umfasst mein Gesicht mit beiden Händen. Mit dem Daumen wischt er eine Träne von meiner Wange. Die beinahe sanfte Geste jagt mir mehr Angst ein als seine Wut.

„Harvey wird dafür bezahlen, dass er dich berührt hat.“ Sein Blick wird eisig. „Und du … du wirst lernen, den Mann wiederzuerkennen, der dich aus dem Reich der Toten zurückgeholt hat.“

Die beiden anderen Männer steigen in den Jet. Einer schließt die Tür mit einem letzten, schweren Klicken. Der andere lässt sich lachend auf das Sofa fallen.

„Sechs Jahre haben wir darauf gewartet. Willkommen zurück, Evie.“

Ich starre sie voller Entsetzen an.

„Ihr … ihr helft ihm alle …“

„Wir sind Brüder“, antwortet der Dunkelhaarige kühl und ruhig, während er bereits einen Laptop öffnet. „Und du bist die Frau unseres Bruders.“

Der Blonde trägt mich in das Schlafzimmer im hinteren Teil des Jets und schließt die Tür hinter uns ab.

Ich weiche zurück, bis meine Beine gegen das große Bett stoßen. Meine Augen sind vor Angst weit aufgerissen.

„Komm mir nicht näher.“

Er zieht seinen nassen Mantel und anschließend sein Hemd aus. Auf seiner Brust zeichnen sich Muskeln und Tätowierungen ab.

Eine der Tätowierungen zeigt mein Gesicht.

Um seinen Hals trägt er eine silberne Kette, an der ein Ehering hängt. Mein Blick bleibt daran hängen. Wieder regt sich etwas in mir – dasselbe seltsame, verwirrende Gefühl, das mich bereits in der Kirche überkommen hat, als ich ihm in die Augen sah.

„Das … das ist …“

„Deiner“, beendet er meinen Satz und kommt langsam näher. „Genau wie du zu mir gehörst.“

Ich versuche, ins Badezimmer zu fliehen.

Er packt mich an der Taille, wirft mich aufs Bett und hält meine Handgelenke mit einer Hand über meinem Kopf fest.

„Sechs Jahre, Evie“, knurrt er. „Sechs Jahre lang habe ich dich verloren geglaubt.“

Ich schluchze und schüttle verzweifelt den Kopf.

„Ich erinnere mich nicht an dich … bitte …“

Er hebt den Kopf und sieht mir direkt in die Augen.

„Dann werde ich dafür sorgen, dass du dich erinnerst. Und zwar von jetzt an.“

Sein Blick wandert zu meinem zerrissenen Brautkleid. Mit einer ruckartigen Bewegung zerreißt er den Stoff weiter, bis er an meiner Taille aufklafft.

In diesem Moment beginnt der Jet, über die Startbahn zu rollen.

Und während New York hinter uns zurückbleibt, begreife ich mit absolutem Entsetzen, dass dieser Mann nicht aufhören wird, bis er mich vollständig zerstört hat.

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