LOGINSirius, immer im NordenDeclanDas Arbeitszimmer ist still.Nur das leise Geräusch des Kamins und das gelegentliche Klicken der Tastatur. Ich sitze hinter dem alten Eichentisch, die Ellbogen auf das Holz gestützt, und starre ins Leere. Vor mir liegen Papiere verstreut — Verträge, Berichte, Angebote —, aber ich kann mich auf keinen davon konzentrieren.Es ist fast sechzehn Jahre her, seit alles begann.Sechzehn Jahre, seit ich eine Frau begraben habe, in der Annahme, sie sei Evie.Sechzehn Jahre, seit ich mit einem leeren Grab lebte.
Das Dach des Trinity College war still.Es war eine klare Herbstnacht, fast fünfzehn Jahre nachdem alles begonnen hatte. Die Luft war kalt, aber nicht eisig. Die Lichter der Stadt Dublin blinkten ringsum, aber hier oben schien der Himmel näher. Die Sterne waren klar, hell, fast arrogant in ihrer Beständigkeit.Claire stand neben mir.Sie war jetzt neunzehn. Groß, schlank, mit den blauen Augen ihres Vaters und einer Neugier, die nie nachlie&szl
Die erste starke Wehe kam um drei Uhr morgens.Ich lag in unserem Bett, als ich sie spürte. Es war nicht dieser leichte Schmerz, den ich in den letzten Wochen gespürt hatte. Es war etwas Tieferes, Intensiveres. Ich wachte sofort auf und legte die Hand auf meinen Bauch. Die beiden Babys bewegten sich gleichzeitig, als wüssten sie bereits, dass es Zeit war.Declan wachte im selben Moment auf. Er hatte immer einen leichten Schlaf. Harvey, der auf meiner anderen Seite lag, öffnete ebenfalls die Augen.— War es das? — fragte Declan und saß schon aufrecht im Bett.Ich nickte und atmete tief durch.
Wir kehrten in einer klaren Winternacht zum Observatorium zurück.Der Ort war genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Die Kuppel ließ sich noch immer öffnen und gab den Himmel frei. Der Marmorboden war noch immer kalt unter den nackten Füßen. An den Wänden hingen jene alten, handgemalten Karten, und die kleine Plakette mit meinen Initialen war noch da, etwas staubig, aber unversehrt.Declan hatte den Ort die ganze Zeit geheim gehalten. Nach allem, was geschehen war, hatte er nie wieder jemanden hierher gebracht. Bis heute.Wir drei waren allein.Claire war bei Maeve und Matthew. Die Zwillinge waren noch nicht geboren. Die Welt draußen war still. Un
Die Hütte in Vermont war still.Draußen fiel unaufhörlich Schnee. Drinnen gab es nur die Wärme des Kamins und die Spannung, die zwischen uns beiden in der Luft lag.Wir waren fast einen Tag allein. Ohne Declan. Ohne Kinder. Ohne Unterbrechungen. Und zum ersten Mal gab es keinen Krieg, kein Trauma in unseren Berührungen, nichts außer der rohen Wahrheit zwischen uns.Harvey lehnte an der Wand nahe dem Kamin, nur in Jogginghose. Das Hemd fehlte. Die braunen Augen fest auf mich gerichtet mit einer Intensität, die mich mitten im Zimmer stehen bleiben ließ.Er sagte zunächst nichts.Er
Das Haus war still.Claire verbrachte die Nacht bei Maeve und Matthew. Harvey war nach Boston gereist, um ein paar Angelegenheiten der Firma zu regeln, und würde erst am nächsten Tag zurückkommen. Zum ersten Mal seit langer Zeit war das Haus wieder nur unser.Nur Declan und ich.Ich stand auf der Veranda und sah in den dunklen Garten. Der Bauch war groß, schwer. Ich trug eines seiner weiten T-Shirts und nichts darunter. Die Nachtluft war frisch, aber nicht kalt. Declan erschien hinter mir, ohne Geräusche zu machen. Er legte die Arme um meine Taille, seine großen Hände ruhten mit einer Zartheit auf meinem Bauch, die er in der Öffentlichkeit selten zeigte.
Claire schläft tief, als Declan sie ins Bett legt. Mit einer Zärtlichkeit, die dem Mann, der mich am Altar entführt hat, völlig widerspricht, richtet er die Sternendecke, schiebt eine blonde Strähne aus ihrem Gesicht und bleibt einen Moment stehen – einfach nur, um seine Tochter zu betrachten, mit
Das Frühstück endet in angespannter Stille, die nur Claire nicht zu spüren scheint. Sie plaudert aufgeregt über ihre Pläne für den Tag, ahnungslos über den stillen Sturm, der sich zwischen mir und Declan zusammenbraut. Jedes Mal, wenn sich unsere Blicke kreuzen, spüre ich das Gewicht des Verspreche
Der Jet landete in Dublin unter einem strömenden Regen, der die ganze Welt wegzuspülen schien. Er trug mich aus dem Flugzeug, immer noch über seine Schulter gehängt wie eine Kriegstrophäe. Meine Fäuste schlugen vergeblich gegen seinen nassen Rücken, aber er spürte es kaum. Der eisige Wind und der s
Der SUV rast durch die regennassen Straßen von New York wie ein verzweifeltes Tier, das einem dunklen Schicksal entfliehen will. Auf dem Rücksitz wehre ich mich weiter, gefangen unter seinem Gewicht, meine zerbrechlichen Handgelenke von einer seiner Hände fest über meinem Kopf zusammengepresst.Jed







