Frevina
„Du glaubst, du kannst uns in unserem eigenen Revier jagen, kleiner Stern?“ Cains Stimme ist Samt, der um Stahl gewickelt ist, während seine Brüder mich in der schattigen Gasse flankieren. „Wir wissen genau, wer du bist.“
Ich war Polizistin. Dann tauchte die verstümmelte Leiche meines Bruders in einem Graben auf, und jedes blutgetränkte Beweisstück schrie den Namen des Vultures MC. Drei gnadenlose Brüder, die durch Angst, Schmerz und absolute Dominanz herrschten.
Also habe ich mir die Haare blond gefärbt, meine Identität ausgelöscht und bin direkt in die Höhle des Teufels marschiert. In ihre Bar. Ihr Revier. Ihre Welt aus Sünde und Barbarei. Ich würde sie von innen zerstören oder bei dem Versuch sterben.
Aber nichts hatte mich auf Cains raubtierhaften Blick vorbereitet, der mich mit einem einzigen Blick entblößt. Oder auf Jax’ verdrehtes Lächeln, das köstliche Qualen verspricht. Oder auf Ryders brutale Hände, die mich gegen kalten Backstein drücken, während sein Atem an meinem Hals brennt und dunkle Drohungen flüstert, die meinen Körper jeden Grundsatz verraten lassen, den ich je hatte.
Jetzt ertrinke ich in ihrer berauschenden Dunkelheit. Leder, Blut und roher männlicher Hunger, der alles auf seinem Weg verschlingt. Sie markieren mich, beanspruchen mich, brechen mich Stück für Stück auseinander, bis ich nicht mehr weiß, wer ich vor ihnen war.
Als ich endlich die schockierende Wahrheit über den Mord an meinem Bruder aufdecke, zerbricht alles, woran ich geglaubt habe. Der wahre Mörder hat sich die ganze Zeit versteckt, und nun stecke ich zwischen zwei tödlichen Welten fest. Meinem Eid als Polizistin und meiner Hingabe an diese wunderschönen Monster.
Doch wenn die Grenzen zwischen Gerechtigkeit und Rache, zwischen Pflicht und Verlangen verschwimmen – wie tief werde ich fallen, bevor ich mich selbst vollkommen verliere?