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KAPITEL 16

作者: Joy Leticia
last update publish date: 2026-08-19 23:14:13

16

MABEL POV

Ich dachte, das Video wäre der schlimmste Teil meines Tages.

Als ich an jenem Morgen aus meinem Wohnheim trat, fühlte es sich an, als hätte die gesamte Akademie es bereits gesehen, den Kuss, die Tränen auf meinem Gesicht, Xanders Hand an meiner Wange, alles seziert und wie Zahlungsmittel weitergereicht.

Ich hielt beim Gehen den Kopf gesenkt, wich jedem Blick aus, jedem Flüstern, das mir wie Rauch hinterherzog. Ich sagte mir, ich könnte Urteile überleben. Ich hatte Schlimmeres ü
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    19 MABELS SICHT In dem Moment, als die Tür hinter Xavier ins Schloss fiel, ertappte ich mich dabei, wie ich die Länge meines Zimmers auf und ab lief, seine letzten Worte wiederholten sich immer wieder in meinem Kopf, bis sie überhaupt keinen Sinn mehr ergaben. „Ich wünschte, ich könnte dir die Wahrheit sagen." Welche Wahrheit? Die Wahrheit worüber genau. Meine Gedanken spiralten in alle Richtungen gleichzeitig, blieben an jeder unbeantworteten Frage hängen, nur um in die nächste, noch verworrenere zu stürzen. Warum war er mitten in einem Lockdown hierhergekommen, nur um mich vor seinem Bruder zu warnen. Warum kümmerte es ihn, wen ich küsste, wo er doch derjenige war, der vor der gesamten Akademie gestanden und mich ohne Zögern abgelehnt hatte. Und welche mögliche Wahrheit konnte er verbergen, die er nicht einfach laut aussprechen konnte. Was ging hier eigentlich vor sich? Ich hörte lange genug auf zu laufen, um mein Handy zu greifen, meine Finger zitterten leicht, als ich Avas

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    18 MABELS SICHT Ich stand erstarrt da und beobachtete, wie Xavier über die Schwelle trat und in mein Zimmer kam, als hätte er jedes Recht, dort zu sein, als würde der Lockdown, der gerade die gesamte Akademie abriegelte, einfach nicht für ihn gelten. Selbst jetzt, selbst mit Verwirrung und Furcht, die sich in meiner Brust verwoben, bemerkte irgendein verräterischer Teil von mir immer noch, wie mühelos anmutig er war, die Art, wie er sich bewegte, als wäre jeder Schritt durchdacht und mit Präzision ausgeführt, die Art, wie seine bloße Anwesenheit den Raum um sich herum zu schrumpfen schien. Er schloss die Tür hinter sich mit einem leisen Klicken, sein Blick verließ mein Gesicht kein einziges Mal. „Wir müssen reden," sagte er. Mein Herz machte einen Sprung, bevor ich es aufhalten konnte, eine unwillkürliche, demütigende Reaktion auf vier einfache Worte von dem Jungen, der einst vor der ganzen Schule gestanden und die Bindung zwischen uns ohne ein Zucken abgelehnt hatte. Warum würd

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    17 MABELS SICHT Ich konnte nicht aufhören, aus diesem Fenster zu starren, mein Verstand weigerte sich zu akzeptieren, was meine Augen bereits bestätigt hatten. Das ist beides, seltsam und verwirrend, ich kann nicht lügen. „Mabel." Avas Stimme holte mich zurück, und als ich mich umdrehte, hielt sie mir ihr Handy entgegen, der Bildschirm leuchtete im schwachen Licht des Raums. „Die Studenten reden schon. Sieh mal." Ich nahm ihr das Handy ab, scrollte durch einen Strom von Nachrichten und Beiträgen, alle summten mit derselben verwirrten Spekulation. Jemand hatte meinen Vater ebenfalls von seinem Wohnheimfenster aus entdeckt, und jetzt schien die halbe Akademie dieselbe Frage zu stellen, die endlos in meinem eigenen Kopf kreiste. Warum stand Victor Sinclair mitten in einem Tatort, an einer Schule, die er in all meinen Jahren dort nie ein einziges Mal betreten hatte. „Ich muss wissen, warum er hier ist", sagte ich und griff bereits nach meinem eigenen Handy, meine Finger zitterten

  • Bestimmt für beide Alpha-Erben   KAPITEL 16

    16 MABEL POV Ich dachte, das Video wäre der schlimmste Teil meines Tages. Als ich an jenem Morgen aus meinem Wohnheim trat, fühlte es sich an, als hätte die gesamte Akademie es bereits gesehen, den Kuss, die Tränen auf meinem Gesicht, Xanders Hand an meiner Wange, alles seziert und wie Zahlungsmittel weitergereicht. Ich hielt beim Gehen den Kopf gesenkt, wich jedem Blick aus, jedem Flüstern, das mir wie Rauch hinterherzog. Ich sagte mir, ich könnte Urteile überleben. Ich hatte Schlimmeres überlebt. Ich hatte keine Ahnung, dass der Tag noch etwas weit Schlimmeres für mich bereithielt. „Du hast mir immer noch nicht gesagt warum", sagte Ava und fiel neben mir in den Schritt, ihre Stimme leise, aber beharrlich, dieselbe Frage, um die sie kreiste, seit sie es erfahren hatte. „Warum hast du ihn geküsst, Mabel? Du hast nicht einmal erwähnt, dass es passiert ist." „Ich war nicht bereit, darüber zu reden." Ich hielt meine Augen nach vorne gerichtet, meine Arme um meine Bücher geschlunge

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    15 XANDERS POV Ich glaube nicht, dass ich je jemanden so geküsst hatte wie ich Mabel in jener Nacht küsste. Es war nicht die einstudierte Art von Kuss, die ich über Jahre hinweg perfektioniert hatte, als genau die Person, die alle von mir erwarteten, achtlos und mühelos und bis zum Morgen vergessen. Das hier war anders. Sie hatte mich zurückgeküsst, als meinte sie es ernst, als hätte etwas in ihr endlich aufgehört, gegen sich selbst zu kämpfen, und als der leiseste Laut gegen meinen Mund aus ihr herausrutschte, verlor etwas Urwüchsiges in mir beinahe jeden Rest an Kontrolle, den ich noch besaß. Ich konnte es noch spüren, selbst nachdem wir uns voneinander gelöst hatten, die Wärme von ihr, die auf meinen Lippen verweilte, wie ihr Atem gestockt hatte, bevor sie die Kraft fand, sich zurückzuziehen. Was ich mir nicht erklären konnte, war, warum sich etwas schmerzhaft in meiner Brust verdrehte, als ich ihren Gesichtsausdruck sah, in dem Moment, als sie von mir wegtrat. Sie sah ersch

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    13 MABELS POV Die Aufzugtüren glitten auf, und mein ganzer Körper erstarrte. Xavier stand drinnen, eine Schulter gegen die verspiegelte Wand gelehnt, seine Beine an den Knöcheln überkreuzt, als hätte er nirgendwo auf der Welt zu sein. Seine Krawatte war gerade so weit gelockert, dass sie lässig statt unordentlich aussah, und seine Augen hoben sich für genau eine Sekunde zu mir, bevor sie wieder abglitten, als wäre ich eine Benachrichtigung, die er schon weggewischt hatte. Mein Herz tat etwas Dummes und Unmittelbares, ein hartes Klopfen gegen meine Rippen, das nichts mit Angst zu tun hatte. Ich befahl meinen Füßen, sich umzudrehen, ich sagte mir, es gäbe absolut keinen Grund, in eine kleine Metallbox mit dem Jungen zu steigen, der mich vor der halben Meute bei der Gefährtenerkennung abgelehnt hatte, dem Jungen, dessen Stimme immer noch irgendwo im hinteren Teil meines Schädels lebte und Worte sagte, die ich gerne ungehört gemacht hätte. Meine Füße hörten nicht zu. Sie trugen mich

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