LOGINKAPITEL 3
Aria sah zu, wie Isabella in der Menge verschwand.
Die Worte der Frau hafteten an ihr wie kalte Luft.
Früher oder später wird sie genau herausfinden, was du bist.
Ein Schauer lief ihr den Rücken hinunter. Als sie sich zu Damien umdrehte, war die leichte Atmosphäre von vorhin verschwunden. An ihrer Stelle lag Anspannung – Fragen, Geheimnisse und eine Distanz, die es nicht gegeben hatte, bevor Isabella seinen Namen ausgesprochen hatte.
„Wer genau war das?“ fragte Aria.
Damiens Kiefer spannte sich. „Jemand, den ich früher kannte.“
Aria verschränkte die Arme. „Diese Antwort sagt mir nichts.“
Ein schwaches Lächeln berührte seinen Mund. „Du bist beharrlich.“
„Und du weichst der Frage aus.“
Ihre Blicke hielten sich. Dann atmete Damien aus – tief und ergeben.
„Sie ist meine Ex-Verlobte.“
Aria blinzelte. Das war nicht die Antwort, die sie erwartet hatte.
„Ex-Verlobte?“
„Ja.“
„Und sie ist offensichtlich noch nicht über dich hinweg.“
„Das ist ihr Problem.“
Etwas in seinem Ton entlockte ihr ein kurzes Lachen. Der Klang überraschte sie beide.
Auf der anderen Seite der Dachterrasse wurde die Menge weiter dünner. Sophia war kurz vom Tanzen zurückgekehrt, nur um erneut in ein Gespräch mit einer Gruppe von Produzenten an der Bar gezogen zu werden. Sie hatte Arias Abwesenheit noch nicht bemerkt.
Genau deshalb war Aria noch dort allein mit Damien länger als sie sollte. Der Gedanke hätte sie mehr beunruhigen müssen, als er es tat.
Zum ersten Mal an diesem Abend wirkte Damien beinahe entspannt. Die scharfen Kanten in seinem Ausdruck wurden weicher. Aria wurde plötzlich bewusst, wie nah sie standen. Nah genug, um die harte Linie seines Kiefers zu studieren, die dunkle Intensität seiner Augen, den leisen Duft, der an ihm haftete – Holz, Rauch und etwas Wildes, das sie nicht benennen konnte.
Ihr Herzschlag stieg zu schnell. Sie schaute weg.
Schlechte Idee. Das war eine sehr schlechte Idee.
Sie hatte ihren Freund erst vor wenigen Stunden beim Betrug erwischt. Das Letzte, was sie brauchte, war ein anderer Mann – besonders einer, der sich so gefährlich anfühlte wie Damien Blackwood.
„Du denkst zu viel“, schnitt seine tiefe Stimme dazwischen.
Aria runzelte die Stirn. „Woher weißt du das?“
„Deine Stirn legt Falten, wenn du dir Sorgen machst.“
Ihre Augen weiteten sich. „Das hast du bemerkt?“
„Ich bemerke alles.“
Unerwartete Wärme zog durch ihre Brust. Jason hatte sie drei Jahre lang getroffen und nie auf solche Details geachtet. Damien kannte sie seit wenigen Stunden und sah irgendwie mehr.
„Das ist falsch“, murmelte Aria. „Sehr falsch.“
Aus dem Schatten am weit entfernten Rand der Dachterrasse beobachtete Isabella sie.
Ihre Nägel gruben sich in die Handfläche. Damien sah nie jemanden so an. Nicht einmal sie. Vom Moment ihrer Ankunft an hatte sie die Störung gespürt – die Reaktion seines Wolfs, scharf und unverkennbar.
Auf einen Menschen.
Unmöglich.
Es sei denn—
Ihre Augen weiteten sich, als die Wahrheit sie traf.
Gefährtin.
Die menschliche Schauspielerin war Damiens Gefährtin.
Wut schoss so heftig durch sie, dass sie brannte. Nach allem, was sie geopfert hatte. Nach Jahren, in denen sie ihren Platz an seiner Seite gesichert hatte. Eine menschliche Frau sollte das alles nehmen?
Nur über ihre Leiche.
Arias Telefon vibrierte.
Sie warf einen Blick auf den Bildschirm.
Jason.
Sogar blockiert hatte er eine andere Nummer gefunden. Die Nachricht ließ ihren Magen umschlagen.
Bitte sprich mit mir. Ich habe einen Fehler gemacht.
Ein Fehler – als ließe sich Verrat auf ein einziges achtloses Wort reduzieren. Ihr Ausdruck verdunkelte sich.
Damien bemerkte es sofort. „Was ist passiert?“
„Nichts.“
Sein Blick blieb auf ihr, unüberzeugt.
Aria seufzte. „Mein Ex-Freund.“
Verständnis zog über sein Gesicht. „Der, der dich verletzt hat.“
Sie nickte.
Zorn flackerte in Damiens Augen – zu scharf für einen Mann, der sie kaum kannte. Der Gedanke, dass ein anderer Mann seine Gefährtin zum Weinen gebracht hatte, weckte etwas Dunkles und Besitzergreifendes unter seiner Haut. Sein Wolf knurrte leise.
Mein.
Er ignorierte es. Kaum.
„Blockiere ihn noch einmal“, sagte er.
Aria lachte leise. „Du bist sehr bestimmend.“
„Nur wenn nötig.“
Der Mundwinkel hob sich, und Damien begriff etwas Beunruhigendes: Er mochte es weit mehr, als er sollte, sie zum Lächeln zu bringen.
Stunden später begann die Party endlich zu sterben. Die meisten Gäste waren gegangen. Stadtlichter glitzerten unter ihnen, und die Nacht fühlte sich seltsam endlos an. Keiner von beiden schien eilig zu haben, zu gehen.
Ein angenehmes Schweigen legte sich zwischen sie – dann stand Damien auf.
„Komm mit mir.“
Aria blickte auf. „Was?“
„Ich kenne einen Ort.“
Sie verengte die Augen. „Ein geheimer Ort?“
„So etwas in der Art.“
Sein Lächeln beruhigte sie keineswegs. Und doch vertraute sie ihm seltsamerweise mehr, als sie wahrscheinlich sollte.
„Gut“, sagte sie. „Aber wenn du heimlich ein Serienmörder bist, gehe ich.“
Damien lachte – echt, tief und warm. Der Klang schickte ein Flattern durch ihren Magen, dem sie keinen Namen geben wollte.
Keiner von beiden bemerkte das Paar Augen, das aus der Dunkelheit darunter zusah.
Oder den schwarzen SUV, der auf der anderen Straßenseite parkte.
Darin saß Isabella – kalt, still, berechnend. Während sie zusah, wie Damien Aria wegführte, hob sie ihr Telefon.
„Ich bin’s“, sagte sie, die Stimme eisig. „Finde alles über Aria Johnson heraus.“
Sie beendete den Anruf.
Ein grausames Lächeln krümmte sich langsam über ihren Mund.
Denn wenn Aria dachte, ihr größtes Problem sei ein betrügender Freund, würde sie sehr bald lernen, wie falsch sie lag.
KAPITEL 7Isabella Steele saß steif im Fond ihres Luxuswagens, die manikürten Nägel in den Bildschirm ihres Telefons gegraben. Die frischen Fotos ihres Spions zeigten Damien und Aria in einem leidenschaftlichen Kuss auf der Terrasse des Seehauses – Körper eng aneinandergepresst, Hände streifend, Verlangen unverkennbar.Wut explodierte in ihren Adern.Jahre, in denen sie sich als künftige Luna-Königin positioniert hatte, politische Spiele, kalte Nächte und erzwungene Lächeln ertragen hatte – und diese menschliche Schlampe stahl ihr alles.„Du erbärmliche kleine Hure“, zischte Isabella und zoomte auf Arias errötetes Gesicht. „Du glaubst, du kannst die Beine spreizen und dir nehmen, was mir gehört?“Ihre Lippen verzogen sich zu einem giftigen Lächeln. Mit eisiger Präzision wählte sie ihren Kontakt.„Verlass das Seehaus. Du hast für heute Nacht genug getan.“Doch als das Gespräch endete, glänzten ihre Augen von mörderischer Absicht. Dieser Krieg hatte gerade erst begonnen.Im SeehausDrin
KAPITEL 6Die Musik auf der Dachterrasse wurde lauter, und die Party fand endlich ihren zweiten Atem.Sophia drehte sich von der Tanzfläche weg und suchte die Bar ab, an der sie Aria zuletzt mit dem Mann in Schwarz gesehen hatte. Die Hocker waren leer. Der Platz um sie herum hatte sich mit Fremden gefüllt. Angst zog sich sofort unter ihren Rippen zusammen.Sie holte ihr Telefon hervor und wählte.Es klingelte.Und klingelte.„Aria, wo bist du?“ flüsterte sie. „Bitte geh ran.“Keine Antwort.Zu hastig drehte sie sich um und prallte gegen einen großen Mann, der bereits zum Ausgang ging – James Reed, das Telefon am Ohr, der Ausdruck scharf vor Dringlichkeit. Damiens Stimme war noch in seinem Kopf: „Seehaus.“ Jetzt.„Entschuldigung“, sagte Sophia.„Schon gut.“Er war verschwunden, bevor sie mehr sagen konnte.Erst als er im Treppenhaus verschwand, blickte sie hinunter und begriff, dass das Telefon in ihrer Hand nicht ihr eigenes war. Sie versuchte, die Nummer anzurufen, die ihn hätte erre
KAPITEL 5Arias Körper erstarrte.Die kalte Nachtluft fühlte sich plötzlich zu dünn an. Ihre Augen blieben auf den riesigen Wolf gerichtet, der nur wenige Meter entfernt stand – den Wolf, der gerade gesprochen hatte.“Mein Alpha.“Die Worte hallten wieder und wieder durch ihren Kopf.Das war nicht möglich. Wölfe sprachen nicht. Sie konnten es nicht. Und doch hatte sie es klar gehört. Sie war nicht betrunken. Sie träumte nicht. Und nach der Anspannung in Damiens Gesicht auch er nicht.Der große Wolf senkte den Kopf mit ehrerbietiger Genauigkeit.“Wir haben überall nach Ihnen gesucht, Alpha-König.“Arias Herz blieb stehen.Alpha-König?Sehr langsam drehte sie sich zu Damien um. Seine Schultern waren steif. Sein Kiefer verspannt. Zum ersten Mal seit ihrer Begegnung wirkte er echt besorgt – nicht um sich selbst. Um sie.„Damien…“ Ihre Stimme zitterte. „Wovon redet er?“Schweigen.Der Wald schien den Atem anzuhalten. Die Wölfe blieben reglos wartend, beobachtend.Damien schloss kurz die Au
KAPITEL 4Der Aufzug fuhr schweigend hinunter.Aria stand neben Damien und versuchte erfolglos, ihn nicht zu bemerken. Die private Kabine war groß genug für zehn Personen, und doch fühlte sie sich zu eng an – zu still, zu intim. Wärme strahlte von seinem Körper. Mit jedem Atemzug kehrte dieser seltsame Duft zurück: Holz, Rauch und etwas Wildes, das sie noch immer nicht benennen konnte. Jedes Einatmen ließ ihren Puls steigen.Lächerlich. Sie kannte ihn erst seit wenigen Stunden. Wenige Stunden sollten sich nicht natürlich anfühlen. Gefährlich vielleicht. Natürlich war das Problem.Die Türen öffneten sich zu einer unterirdischen Garage, gesäumt von Luxusfahrzeugen. Arias Augen weiteten sich leicht.“Wow.“Damien warf ihr einen Blick zu. “Was?““Du hast nicht übertrieben, als du gesagt hast, du seist Geschäftsmann.“Ein schwaches Lächeln zuckte an seinen Lippen. “So etwas in der Art.“Er führte sie zu einem eleganten schwarzen Wagen. In dem Moment, in dem er ihn aufschloss, blieb Aria st
KAPITEL 3Aria sah zu, wie Isabella in der Menge verschwand.Die Worte der Frau hafteten an ihr wie kalte Luft.Früher oder später wird sie genau herausfinden, was du bist.Ein Schauer lief ihr den Rücken hinunter. Als sie sich zu Damien umdrehte, war die leichte Atmosphäre von vorhin verschwunden. An ihrer Stelle lag Anspannung – Fragen, Geheimnisse und eine Distanz, die es nicht gegeben hatte, bevor Isabella seinen Namen ausgesprochen hatte.„Wer genau war das?“ fragte Aria.Damiens Kiefer spannte sich. „Jemand, den ich früher kannte.“Aria verschränkte die Arme. „Diese Antwort sagt mir nichts.“Ein schwaches Lächeln berührte seinen Mund. „Du bist beharrlich.“„Und du weichst der Frage aus.“Ihre Blicke hielten sich. Dann atmete Damien aus – tief und ergeben.„Sie ist meine Ex-Verlobte.“Aria blinzelte. Das war nicht die Antwort, die sie erwartet hatte.„Ex-Verlobte?“„Ja.“„Und sie ist offensichtlich noch nicht über dich hinweg.“„Das ist ihr Problem.“Etwas in seinem Ton entlockte
KAPITEL 2Aria konnte nicht erklären, warum sie geblieben war.Vielleicht lag es am Wein.Vielleicht an der leeren Stelle, die Jason hinterlassen hatte.Oder vielleicht an dem Mann neben ihr, dessen Gegenwart den Rest der Dachterrasse seltsam fern wirken ließ.Musik und Lachen umgaben sie weiterhin – hell und einstudiert. Gespräche stiegen und fielen wie Hintergrundgeräusche. Zwischen Aria und dem Fremden hielt sich eine stillere Strömung.Zum ersten Mal, seit sie Jason ertappt hatte, dachte sie nicht an ihn.Allein diese Erkenntnis erschreckte sie.Der Mann lehnte sich leicht zurück und betrachtete die Menge unter ihnen. “Du siehst nicht aus, als würdest du dich amüsieren.“Aria stieß ein leises Schnauben aus. „Woran hast du das erkannt?““Du starrst seit zwanzig Minuten auf dasselbe Glas.“Sie blickte hinunter. Er hatte nicht Unrecht.“Ich hatte einen schlechten Tag.““Das ist offensichtlich.“Die Direktheit überraschte sie. Die meisten Männer bemühten sich zu sehr, charmant zu sein







