LOGINAm Montag kündigte Maya Lin den Job, der sie langsam zerstörte. Am Mittwoch erwischte sie ihren Freund mit einer reichen Erbin im Bett. Am Freitag stand sie allein im strömenden Regen – ohne Zuhause, ohne Zukunft und ohne Hoffnung. Dann machte ihr Damien Thorne, ihr kalter, skrupelloser Milliardär und ehemaliger Chef, kein Angebot voller Mitgefühl, sondern einen Vertrag. Er braucht eine Ehefrau, um das Vermächtnis seines Großvaters und sein Firmenimperium zu schützen. Sie braucht einen Neuanfang. Ihre Ehe soll nichts weiter als ein Geschäft sein. Doch als machtgierige Familienmitglieder, gefährliche Firmenintrigen und schmerzhafte Geheimnisse ihre Vereinbarung bedrohen, entdeckt Maya hinter Damiens eisiger Fassade einen Mann, der ihr Herz Stück für Stück erobert. In einer Welt, in der jede Unterschrift ihren Preis hat, kann die Liebe den Vertrag neu schreiben?
View More„Sie irren sich, Miss Lin.“
Damien Thorne blickte nicht vom Tablet-Bildschirm auf. Sein Daumen huschte nach oben und scrollte mit kalter, rhythmischer Präzision durch ein Blatt mit Finanzprognosen.
Maya stand auf der anderen Seite des Mahagoni-Schreibtisches, die Hände um den Verschluss ihrer Lederhandtasche gefaltet. Ihr Kündigungsschreiben lag genau in der Mitte des dunklen Holzes, der weiße Umschlag bildete eine scharfe, saubere Diagonale zum polierten Holz.
„Die Übergabeunterlagen sind vollständig auf dem gemeinsamen Laufwerk indexiert, Mr. Thorne“, sagte Maya mit ruhiger, gleichmäßiger Stimme. „Meine Nachfolgerin findet dort jeden Kontakt, jeden Kalender Eintrag und jede aktive Datei nach Priorität kategorisiert.“
Damien hielt inne. Er legte das Tablet mit einem leisen Klicken beiseite und sah ihr mit seinen grauen Augen in die Augen. Sein Gesichtsausdruck verriet keinen Zorn, wie immer, nur die unerschütterliche Erwartung, die ihr Leben seit 36 Monaten bestimmt hatte. Er lehnte sich zurück, seine Schultern umrahmten die hohen Glasfenster der Chefetage.
„Drei Jahre“, sagte er leise. „Und Sie kündigen mir montagmorgens mit zwei Wochen Kündigungsfrist.“
„Zwei Wochen sind die übliche Vertragsfrist“, erwiderte sie.
„Mir ist der Vertrag egal, Maya. Mir geht es um Effizienz.“ Er trommelte mit dem Finger auf den Schreibtisch, direkt neben ihrem Umschlag. „Du hast drei Fusionszyklen in der Hochphase ohne einen einzigen Verwaltungsfehler überstanden. Du kennst meinen Zeitplan besser als meine Leibwächter. Was soll das? Eine Verhandlungstaktik?“
Ein scharfes, humorloses Lachen entfuhr ihr, bevor sie es unterdrücken konnte. „Eine Taktik? Nein, Damien. Ich bin einfach nur erschöpft.“
„Alle hier im Gebäude sind erschöpft. Wir übernehmen den Inlandslogistikmarkt.“
„Das tust du“, korrigierte sie ihn sanft. „Ich bin nur diejenige, die die Flüge bucht.“
Damien stand auf, seine große Gestalt verdeckte das graue Morgenlicht. Er ging um den Schreibtisch herum und blieb nur wenige Zentimeter vor ihr stehen. Der vertraute Duft seines teuren Zedernholzparfums umwehte sie, ein sinnliches Signal, das meist bedeutete, dass ein achtzehnstündiger Arbeitstag bevorstand.
„Ohne die Struktur dieses Büros halten Sie es keinen Monat aus, Miss Lin“, sagte er mit gefährlich leiser Stimme. „Sie sehnen sich genauso sehr nach Chaos wie ich.“
„Ich will vor Mitternacht nach Hause“, sagte sie und sah ihm direkt in die Augen. „Ich will etwas essen, das nicht aus einer Plastikverpackung kommt. Ich habe genug.“
Sie drehte sich um und ging hinaus, die schwere Glastür fiel hinter ihr ins Schloss.
„Das wirst du bereuen, Maya“, sagte Nino, seine Stimme hallte am Mittwochnachmittag durch den Flur ihrer Wohnung.
Maya stand im Türrahmen ihres Schlafzimmers. Ihre Finger umklammerten den Griff ihres Koffers so fest, dass die Plastikhülle ächzte. Darin lagen die Bettlaken in einem wirren Knäuel. Ciara Albright saß noch immer auf der Matratzenkante und knöpfte lässig ihre Seidenbluse zu. Ihr Gesichtsausdruck ließ sich von der Störung nicht im Geringsten stören.
„Ich glaube nicht“, sagte Maya. Ihre Stimme klang nicht mehr so forsch wie sonst, sondern hohl und emotionslos, und ihre Brust fühlte sich leer an. „Du sollst heute Abend noch weg sein.“
Nino lachte spöttisch auf und trat einen Schritt auf sie zu. Er sah ungepflegt aus, sein Designerkragen saß schief. „Raus? Ich zahle sechzig Prozent der Miete. Du bist diejenige, die nie da ist. Du bist praktisch mit Damien Thorne verheiratet. Schlaf doch auf seiner Bürocouch, wenn du den Ort ja so viel lieber magst als diese Beziehung.“
„Ich habe am Montag gekündigt, Nino.“
Er erstarrte, den Mund leicht geöffnet, als die Worte bei ihm ankamen. Dann kehrte ein langsames, abwehrendes Grinsen auf sein Gesicht zurück. „Tolles Timing. Jetzt bist du also arbeitslos und obdachlos. Weil du nach dieser Szene ganz sicher nicht hier bleibst.“
Maya antwortete ihm nicht. Sie drehte sich um, ging zurück ins Schlafzimmer, zog ihre Schlüssel aus der Manteltasche und ließ sie auf die Kommode fallen. Sie landeten mit einem metallischen Klirren, das sich endgültig anfühlte. Ciara beobachtete sie mit einem schwachen, spöttischen Lächeln und fuhr sich mit der Hand durch ihr perfekt gestyltes Haar.
„Sieh sie nicht so an, als wäre sie die Bösewichtin, Maya“, fügte Nino mit verschränkten Armen hinzu. „Wir sind seit sechs Monaten getrennt. Du hattest einfach keine Zeit, es zu bemerken.“
Die Worte trafen sie wie ein Schlag, aber sie weigerte sich, die Schultern hängen zu lassen. Sie schloss ihren Koffer, zog den Griff hoch und rollte ihn an ihm vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
Die Herbstluft draußen war bitterkalt und stach ihr ins Gesicht, als sie den nassen Bürgersteig betrat. Sie hatte kein Ziel, keine Arbeit, und ihr Handy hatte nur noch zwölf Prozent Akku. Sie schleppte ihren Koffer zur U-Bahn-Station, jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der vorherige, als würde die Last ihres gesamten Lebens in der Dunkelheit hinter ihr zusammenbrechen.
Die Plastikverpackung des durchweichten Sandwiches aus dem Supermarkt klebte an Mayas Fingern, als sie unter dem flachen Metalldach stand. Wasser spritzte über den Rand und benetzte ihre schmutzigen Turnschuhe. Ihr Handy war vor zwanzig Minuten ausgegangen und hatte ihr die letzte Karte und jeden Rest Stolz geraubt. Der Freitag war gekommen und hatte sie völlig ihrer Orientierung beraubt, gestrandet unter einer flackernden Leuchtreklame, die leise und nervtötend vibrierte.
Der heftige Regenguss hörte plötzlich auf, auf ihre linke Schulter zu prasseln.
Maya blickte auf und erwartete einen Fremden, doch sie sah nur die scharfen, vertrauten Linien einer anthrazitgrauen Schirmkuppel. Neben ihr auf dem nassen Asphalt stand Damien Thorne. Sein dunkler, taillierter Wollmantel war an den Schultern feucht, doch er sah aus, als käme er direkt aus einem Konferenzraum. Seine silberne Armbanduhr spiegelte sich im grellen Grün des Ladenschildes.
„Sie sehen schrecklich aus, Miss Lin“, sagte Damien, seine Stimme durchdrang den Sturm.
„Gehen Sie, Damien“, murmelte sie und zog ihre dünne Strickjacke enger an sich. „Ich arbeite nicht mehr für Sie.“
„Eine Assistentin Ihres Kalibers sollte wissen, dass man sich bei strömendem Regen mit einem Koffer eher eine Lungenentzündung holt als Lösungen findet.“ Er rückte den Griff seines Regenschirms zurecht, um sicherzustellen, dass sie vollständig geschützt war. „Ich habe einen Vorschlag.“
Maya atmete müde und rasselnd aus. „Ich gehe nicht zurück zu Thorne Global. Suchen Sie sich ein anderes Ziel für Ihre Forderungen.“
„Das hat nichts mit administrativer Unterstützung zu tun.“ Damien trat näher, seine Stiefel klackten auf dem nassen Asphalt. Er sah sie mit stechender, kalter Intensität an. „Ich brauche bis Sonntagabend eine Frau, um die Fusion mit dem Auslandsunternehmen zu sichern, und Sie brauchen einen Lebenssinn. Heiraten Sie mich, Maya.“
Sie starrte ihn an und wartete auf die Pointe, doch sein Gesichtsausdruck blieb völlig ausdruckslos. „Sie haben den Verstand verloren. Das ergibt absolut keinen Sinn.“
„Geschäftlich ist es absolut sinnvoll“, erwiderte Damien mit sachlichem Tonfall, unbeeindruckt von ihrem Unglauben. „Mein Vorstand verlangt vor der Abstimmung am Montagmorgen den Nachweis familiärer Stabilität. Ihre berufliche Tätigkeit ist derzeit nicht existent, Ihre Wohnsituation ist gefährdet und Ihr Privatleben stellt eine öffentliche Belastung dar.“
Bevor sie die schiere Dreistigkeit seiner Worte begreifen konnte, griff Damien in seine Innentasche, zog ein trockenes, frisches Dokument hervor und hielt es ihr hin.
„Unterschreiben Sie“
, flüsterte er, „und ich kaufe den Mietvertrag Ihrer Ex bis Mitternacht ab.“
Der Regen peitschte über das Rollfeld, während die Triebwerke des Gulfstream mit ohrenbetäubendem Dröhnen aufheulten und das Flugzeug langsam vorwärtsrollte. Um sie herum hielten die bewaffneten Sicherheitsleute ihre Positionen, die Waffen im Anschlag. Sie warteten darauf, dass das Flugzeug die Startbahn verließ, bevor sie ihren Auftrag beendeten.Damien blickte auf das leuchtende Display seines Telefons und richtete seinen Blick dann sofort auf das Bugfahrwerk des rollenden Jets. Fest um die Hydraulikvorrichtung war ein kleines, schweres Aluminiumgehäuse befestigt. Eine rote LED blinkte daran.Eine ferngesteuerte Druckladung.Wer auch immer ihnen die Satellitenortung geschickt hatte, hatte zusätzlich einen Notfallplan vorbereitet, um sicherzustellen, dass Arthur den Boden niemals verlassen würde.„Runter!“, brüllte Damien.Er warf seinen Arm schützend über Maya und zog sie hinter den verstärkten Motorblock des Wagens, während er gleichzeitig die Override-Taste auf seinem Bildschirm b
„Steig ein.“ Damien wartete nicht darauf, dass Maya das auf dem Bildschirm leuchtende Foto verarbeitete.Er war bereits in Bewegung. Er warf das verschlüsselte Telefon auf die Mittelkonsole und glitt hinter das Steuer des gepanzerten Wagens. Der Motor heulte auf, ein tiefes, raues Geräusch, das durch die Betonwände der unterirdischen Garage vibrierte.Maya ließ sich auf den Beifahrersitz fallen und zog gerade den schweren Sicherheitsgurt über ihre Brust, als die Reifen kreischend über den Asphalt rutschten. Das Fahrzeug schoss die Ausfahrtsrampe hinauf, raste durch die sich öffnenden Sicherheitstore und hinaus in den unerbittlichen Regen Manhattans.„Arthur“, sagte Maya. Sie stützte eine Hand am Armaturenbrett ab, als Damien scharf nach links lenkte und die Federung des Wagens den heftigen Wechsel der Fahrtrichtung abfing. „Damien, er hat dich praktisch großgezogen. Er hat nach der Beerdigung den gesamten Übergang im Vorstand geleitet. Warum sollte er so etwas tun?“„Dreißig Milliarde
Damien fing sie auf, bevor ihre Knie auf das zerbrochene Glas trafen. Der Aufprall presste ihm die Luft aus den Lungen, als ihr plötzlich schwerer, regloser Körper in seine Arme sank. Er ging mit ihr zu Boden, seine breiten Schultern schützend vor ihren Körper gelegt, während um sie herum die scharfkantigen Glassplitter den Boden bedeckten.„Maya.“ Er veränderte seinen Griff und stützte dringend ihren Nacken. Ihre Haut war eiskalt und völlig farblos. Ihre dunklen Wimpern flatterten unkontrolliert über ihren blassen Wangen.Um sie herum herrschte im Penthouse völliges Chaos. Taktische Polizeibeamte riefen sich überlappende Befehle zu und drückten die schreiende Ciara Albright mit Gewalt gegen die zerstörte Trockenbauwand. Die grellen, flackernden Lichtkegel ihrer schweren Taschenlampen schnitten durch den dichten Chemikaliennebel und beleuchteten die völlige Verwüstung des Wohnzimmers. Damien ignorierte all das.„Ich brauche einen Sanitäter!“, brüllte Damien. Die rohe, donnernde Lautst
„Gib Schub“, befahl Damien und starrte unverwandt auf den Status der Satellitenverbindung auf der Hauptkonsole des Jets. „Bring uns jetzt zurück nach Manhattan.“Der Privatjet raste durch die dunklen Wolken. Die Turboprop-Triebwerke dröhnten bei voller Leistung.Im Hauptbereich der Kabine herrschte eine dichte, erdrückende Stille.Damien saß steif in seinem Ledersitz, die Fäuste fest auf seinen Knien geballt. Sein Blick blieb auf den Boden gerichtet. Jeder Muskel war angespannt, als könnte er das Flugzeug allein mit seiner Willenskraft dazu zwingen, schneller über den Atlantik zu fliegen.Maya saß ihm gegenüber. Ihr gesprungenes Tablet lag auf ihren Knien. Ihre Finger tippten schnell über das Glas und riefen jede interne Kameraübertragung auf, die mit ihrem Penthouse verbunden war.„Sie hat die Sperre der Hauptlobby umgangen“, sagte Maya. Ihre Stimme blieb flach und kontrolliert, obwohl der schnelle Puls an ihrem Hals deutlich sichtbar war. „Die Sicherheitsprotokolle zeigen, dass vor











