LOGINAm nächsten Morgen verließ Valarian die Schmiede früh.
Aldrens letzte Worte gingen ihm noch immer durch den Kopf.
„Komm zurück.“
Mehr hatte sein Onkel nicht gesagt.
Valarian wusste nicht, was Aldren über den Dungeon wusste. Aber er wusste, dass er Antworten brauchte.
Auf dem Marktplatz traf er seine drei Freunde.
Goland bemerkte ihn zuerst. „Da bist du ja.“
Neben ihm standen Lily und Elara.
Die drei kannten sich bereits seit ihrer Kindheit. Sie waren gemeinsam in der Kirche aufgewachsen, nachdem sie dort als Kinder zurückgelassen worden waren. Sie waren nicht miteinander verwandt, doch für sie machte das keinen Unterschied.
Sie waren Geschwister.
Goland hatte schon damals die Rolle des Beschützers übernommen. Er war körperlich der stärkste von ihnen und verfügte über eine besondere Fähigkeit, die Lichtmagie hervorrief. Im Kampf stellte er sich immer an die erste Stelle.
Lily war das genaue Gegenteil. Sie war freundlich, vorsichtig und manchmal etwas ungeschickt. Dafür besaß sie eine heilende Gabe, die mit der Zeit immer stärker wurde.
Elara war eine Magierin, deren Magie selten so funktionierte, wie sie es plante.
„Du siehst aus, als hättest du nicht geschlafen“, sagte Lily.
„Habe ich auch nicht.“
Elara grinste. „Das klingt nach einem guten Anfang.“
Goland verschränkte die Arme. „Du willst wirklich zu diesem Dungeon?“
Valarian nickte.
„Ich muss herausfinden, warum er nach einem Schmied gerufen hat.“
Goland seufzte. „Dann gehen wir mit.“
Lily sah ihn an. „Das war keine Frage.“
„Ich weiß.“
Elara hob die Hand. „Ich komme natürlich auch.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu der verlassenen Bergfestung.
Schon von weitem wirkte der Ort unheimlich. Alte Mauern ragten aus dem Fels, überwuchert von Moos und Ranken. Niemand wusste mehr, wer die Festung errichtet hatte.
Unter ihr lag der Dungeon.
Der Eingang führte tief in den Berg.
Kaum hatten sie die ersten Gänge betreten, hörten sie es.
Hämmern.
Valarian blieb stehen.
„Das ist dasselbe Geräusch.“
Goland zog sein Schwert.
„Dann sollten wir herausfinden, woher es kommt.“
Sie gingen weiter.
Plötzlich stürmten mehrere Goblins aus einem Seitengang.
Goland trat sofort nach vorne. Licht sammelte sich um seine Klinge, als er den ersten Goblin mit einem einzigen Schlag zurückschleuderte.
Ein zweiter sprang auf Lily zu.
Valarian stellte sich dazwischen und blockierte den Angriff mit seinem Schmiedehammer.
„Nicht schlecht“, murmelte er.
Elara hob beide Hände.
„Jetzt ich!“
Ein magischer Kreis erschien vor ihr. Einen Augenblick später schoss eine Druckwelle durch den Gang und schleuderte mehrere Goblins gegen die Wand.
Elara starrte auf ihre Hände.
„Das war nicht ganz das, was ich vorhatte.“
„Aber es hat funktioniert“, sagte Valarian.
Lily kümmerte sich währenddessen um eine kleine Verletzung an Golands Arm.
„Du blutest.“
„Nur ein Kratzer.“
„Dann kannst du ja stillhalten.“
Sie legte ihre Hand auf die Wunde. Ein schwaches Licht erschien und ließ die Verletzung langsam verschwinden.
Gemeinsam drangen sie tiefer in den Dungeon vor.
Je weiter sie kamen, desto älter wurden die Räume.
Schließlich erreichten sie eine große steinerne Tür.
In ihrer Mitte befand sich ein Symbol.
Ein Hammer.
Valarian blieb davor stehen.
Er kannte dieses Zeichen.
Doch er wusste nicht, woher.
Die Tür ließ sich nicht öffnen.
Goland versuchte es mit Gewalt. Nichts geschah.
Elara untersuchte die Magie.
Auch sie fand keinen Weg.
Valarian betrachtete stattdessen das Hammersymbol.
Es war nicht auf die Tür gemalt.
Es war eingelassen.
Er fuhr mit den Fingern darüber.
Dann sah er auf seine Kette.
Der kleine Hammeranhänger.
Er wusste noch immer nicht, was das alles bedeutete.
Aber zum ersten Mal hatte er das Gefühl, dass seine Vergangenheit und dieser Dungeon irgendwie miteinander verbunden waren.
Für einige Augenblicke bewegte sich niemand. Der Kampf war vorbei, doch die Stille fühlte sich kaum besser an als das Heulen der Wölfe zuvor. Überall im Haus und auf der Straße lagen die Körper der sechs Wolfssoldaten, während kalter Wind durch die offene Tür zog. Valarian saß auf dem Boden und presste eine Hand gegen seine Seite. Jeder Atemzug schmerzte. Goland lehnte schwer atmend an der Wand, Blut lief über seinen Arm und seine Kleidung war an mehreren Stellen aufgerissen. Elara hielt sich die Seite und Lily kniete zwischen ihnen, obwohl auch sie verletzt war.„Wenn du noch fester zugreifst“, sagte Elara erschöpft, „wächst das Schwert irgendwann an deiner Hand fest.“Goland sah auf seine blutige Hand. „Dann verliere ich es wenigstens nicht.“Trotz ihrer Schmerzen musste Elara kurz grinsen. Lily kümmerte sich inzwischen um Valarians Wunde und legte beide Hände darauf. Ein schwaches Licht breitete sich aus.„Du solltest dich zuerst um dich kümmern“, sagte Valarian.„Und wer kümmert s
Weit im Norden, jenseits der großen Wälder und hinter den schwarzen Bergen, lag ein Ort, den die Menschen seit Jahrhunderten mieden.Das Dunkle Tal.Hohe Felswände ragten in den Himmel. Dichter Nebel kroch zwischen abgestorbenen Bäumen hindurch und selbst der Wind schien diesen Ort zu meiden. Zwischen den Bergen erhob sich eine gewaltige schwarze Festung. Dunkle Banner hingen von ihren Türmen, darauf ein Symbol, das in keinem menschlichen Königreich bekannt war.Hunderte Wölfe bewegten sich durch den Burghof.Einige waren gewöhnliche Bestien, andere trugen Rüstungen und Waffen. Sie standen nicht wie wilde Tiere zusammen. Sie waren eine Armee.Die großen Tore der Festung öffneten sich.Varok trat ein.Er durchquerte den Burghof, ohne die anderen Wölfe eines Blickes zu würdigen, und betrat schließlich den großen Saal im Inneren der Festung.Doch Varok war dort nicht allein.Links vom schwarzen Thron stand ein gewaltiger Riese. Seine Haut war von alten Narben übersät und selbst im Sitzen
Am nächsten Morgen brachen Valarian und seine Freunde früh auf. Die Sonne war noch nicht vollständig über den Bergen aufgegangen, als sie die Stadt hinter sich ließen und der Straße nach Norden folgten.Die Nachricht der Abenteurergilde hatte nur wenige Informationen enthalten. Mehrere Dörfer waren innerhalb kurzer Zeit verlassen worden. Es gab keine Berichte über Angriffe, keine Hinweise auf einen Krieg und keine Spuren eines Kampfes. Die Menschen waren einfach verschwunden.Die Reise nach Norden dauerte mehrere Tage. Mit jedem weiteren Kilometer wurden die Felder seltener, die Wälder dichter und die Temperaturen niedriger. Am Nachmittag des dritten Tages erreichten sie schließlich das erste Dorf.Kein Rauch stieg aus den Schornsteinen. Mehrere Türen standen offen, doch kein Mensch war zu sehen.Sie durchsuchten die ersten Häuser und fanden überall dasselbe Bild. Essen stand noch auf den Tischen, Kleidung lag auf Betten und in einem Haus war sogar ein Stuhl umgekippt. Es gab keine Sp
Der Weg zurück in die Stadt verlief deutlich ruhiger, als Valarian erwartet hatte. Nachdem sie sich weit genug von der alten Festung entfernt hatten, war das Grollen endgültig verstummt. Auch das gewaltige Hammersymbol über dem Eingang war verschwunden. Der Dungeon lag wieder still und verborgen zwischen den Bergen, als wäre dort nie etwas geschehen.Eine Weile sagte niemand etwas. Goland ging voraus, sein Schwert hing wieder an seinem Rücken, doch Valarian bemerkte, dass er sich immer wieder umdrehte und in Richtung der Berge sah. Lily lief neben Valarian, während Elara ein Stück hinter ihnen zurückgefallen war und nachdenklich auf ihre Hände blickte.„Also“, sagte Goland schließlich, „wir haben einen Dungeon betreten, Goblins getroffen, einen Drachen gefunden, Valarian hat eine seltsame Klinge geschmiedet und anschließend wurden wir von einer Gruppe bewaffneter Abenteurer angegriffen.“Lily musste lachen. „Wenn du es so aufzählst, klingt es wirklich verrückt.“Elara holte zu ihnen a
Der erste Bewaffnete machte einen Schritt nach vorne.Goland stellte sich sofort vor Lily und Elara. Licht begann sich um seine Hand zu sammeln, während sein Blick auf den Mann gerichtet blieb.„Ihr seid uns gefolgt“, sagte Valarian.Der Mann verzog keine Miene. Hinter ihm standen mindestens acht weitere Abenteurer. Einige trugen Schwerter, andere Speere. Sie hatten sich vor dem Eingang der alten Festung verteilt und versperrten ihnen den Weg.„Wir sind dem Ruf gefolgt“, antwortete der Mann.Valarian runzelte die Stirn. „Welchem Ruf?“Der Mann sah auf die schwarze Klinge in Valarians Hand.„Dem, was im Dungeon erwacht ist.“Für einen Moment sagte niemand etwas.Dann trat Elara etwas näher an Valarian heran.„Ich wusste es.“Goland sah kurz zu ihr. „Was wusstest du?“„Dass wir nicht einfach einen riesigen Drachen treffen und anschließend problemlos nach Hause gehen.“Lily schluckte. „Elara, vielleicht ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.“„Wann wäre ein besserer?“„Am besten gar kei
Hinter der Tür lag ein Raum, der vollkommen anders aussah als alles, was sie zuvor gesehen hatten. In der Mitte stand ein schwarzer steinerner Amboss, auf dem eine unfertige Klinge lag. Sie bestand aus demselben schwarzen Metall, das Valarian in der Schmiede berührt hatte. Daneben lag ein alter Schmiedestempel, dessen Zeichen Valarian jedoch nicht kannte.Auf dem Amboss befand sich eine Inschrift.„WENN DER SCHMIED ZURÜCKKEHRT, WIRD DAS TOR WIEDER GEÖFFNET.“„Der Schmied“, murmelte Lily.Alle sahen Valarian an.Er trat näher an den Amboss und legte vorsichtig eine Hand auf die unfertige Klinge. Sofort begann das schwarze Metall zu leuchten. Blaues Licht zog sich durch die Oberfläche, während feine silberne Linien sichtbar wurden.Valarian wich überrascht zurück. „Das war nicht ich.“Elara hob eine Augenbraue. „Du hast sie angefasst.“Bevor Valarian antworten konnte, begann der gesamte Raum zu beben. Steine lösten sich aus der Decke und die Wände verschwammen, als würden sie sich im Wa







