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Der Hammer fiel.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Das gleichmäßige Geräusch hallte durch die kleine Schmiede. Funken sprühten vom Amboss, während Valarian den Hammer erneut hob und mit kontrollierter Kraft auf das glühende Metall schlug.
„Nicht so viel Kraft“, sagte Aldren hinter ihm. „Du willst das Metall formen, nicht erschlagen.“
Valarian hielt kurz inne und sah über die Schulter. „Es hat sich aber gewehrt.“
Aldren schnaubte amüsiert. „Metall wehrt sich nicht. Es zeigt dir nur, dass du etwas falsch machst.“
Valarian verdrehte die Augen und wandte sich wieder dem Werkstück zu. Seit Jahren stand er an diesem Amboss. Aldren hatte ihm alles beigebracht, was er über das Schmieden wusste. Nicht nur, wie man ein Schwert herstellte, sondern auch, wie man erkannte, welches Metall sich für welche Aufgabe eignete.
Für Valarian war Aldren mehr als nur sein Onkel. Nachdem seine Eltern gestorben waren, hatte Aldren ihn aufgenommen und großgezogen. Er war derjenige gewesen, der ihm eine Familie und einen Platz in der Welt gegeben hatte.
An der Wand hingen mehrere alte Waffen. Schwerter, Äxte und Speere, die verschiedene Abenteurer einst bei Aldren in Auftrag gegeben hatten.
Einige von ihnen waren niemals zurückgekehrt.
Valarian betrachtete die Waffen.
„Warum gehen Menschen überhaupt in Dungeons?“, fragte er.
Aldren legte sein Werkzeug beiseite. „Weil dort Schätze liegen. Magische Gegenstände. Seltene Materialien. Und weil manche Menschen glauben, sie könnten mit einem Schwert jedes Problem lösen.“
„Und du?“
„Ich glaube, dass man einem Dungeon besser fernbleibt.“
Valarian wollte gerade antworten, als plötzlich die Tür der Schmiede aufgerissen wurde.
Ein Mann taumelte herein.
Seine Kleidung war zerrissen, Blut lief über seinen Arm. In seiner Hand hielt er ein Stück Metall, so schwarz, dass es beinahe das Licht der Schmiede zu verschlucken schien.
Er machte noch zwei Schritte, bevor er zusammenbrach.
Valarian sprang vom Amboss auf.
„Was ist passiert?“
Der Mann versuchte zu antworten. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Der Dungeon ...“
Aldren kniete neben ihm.
„Welcher Dungeon?“
Der Mann hob zitternd den Kopf.
„Er hat ... nach einem Schmied gefragt.“
Valarian erstarrte.
Aldren sah sofort zu ihm.
„Fass es nicht an.“
Doch Valarians Blick war bereits auf das schwarze Metall gerichtet.
Es lag direkt vor ihm.
Etwas daran fühlte sich vertraut an.
Beim nächsten Schritt rutschte sein Hemd leicht nach oben. Eine schlichte Kette mit einem kleinen Hammeranhänger kam zum Vorschein. Valarian trug sie seit seiner Kindheit. Sie war eine Erinnerung an seine Eltern und für ihn seit Jahren etwas völlig Selbstverständliches.
Er streckte die Hand nach dem schwarzen Metall aus.
„Valarian!“
Zu spät.
Seine Finger berührten das Metall.
In diesem Augenblick verschwand jedes Geräusch aus der Schmiede.
Dann hörte er einen Hammer.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Tief aus den Bergen.
Eine Stimme folgte.
„Was gebrochen wurde, muss ersetzt werden.“
Valarian riss die Hand zurück.
Das schwarze Metall war verschwunden.
Auf seiner Handfläche erschien stattdessen eine dünne schwarze Linie.
Aldren starrte darauf.
Zum ersten Mal sah Valarian Angst in den Augen seines Onkels.
Draußen erklang erneut das Geräusch eines Hammers.
Valarian sah zu den Bergen.
Er wusste nicht, warum.
Aber er wusste, dass der Dungeon ihn gerufen hatte.
Für einige Augenblicke bewegte sich niemand. Der Kampf war vorbei, doch die Stille fühlte sich kaum besser an als das Heulen der Wölfe zuvor. Überall im Haus und auf der Straße lagen die Körper der sechs Wolfssoldaten, während kalter Wind durch die offene Tür zog. Valarian saß auf dem Boden und presste eine Hand gegen seine Seite. Jeder Atemzug schmerzte. Goland lehnte schwer atmend an der Wand, Blut lief über seinen Arm und seine Kleidung war an mehreren Stellen aufgerissen. Elara hielt sich die Seite und Lily kniete zwischen ihnen, obwohl auch sie verletzt war.„Wenn du noch fester zugreifst“, sagte Elara erschöpft, „wächst das Schwert irgendwann an deiner Hand fest.“Goland sah auf seine blutige Hand. „Dann verliere ich es wenigstens nicht.“Trotz ihrer Schmerzen musste Elara kurz grinsen. Lily kümmerte sich inzwischen um Valarians Wunde und legte beide Hände darauf. Ein schwaches Licht breitete sich aus.„Du solltest dich zuerst um dich kümmern“, sagte Valarian.„Und wer kümmert s
Weit im Norden, jenseits der großen Wälder und hinter den schwarzen Bergen, lag ein Ort, den die Menschen seit Jahrhunderten mieden.Das Dunkle Tal.Hohe Felswände ragten in den Himmel. Dichter Nebel kroch zwischen abgestorbenen Bäumen hindurch und selbst der Wind schien diesen Ort zu meiden. Zwischen den Bergen erhob sich eine gewaltige schwarze Festung. Dunkle Banner hingen von ihren Türmen, darauf ein Symbol, das in keinem menschlichen Königreich bekannt war.Hunderte Wölfe bewegten sich durch den Burghof.Einige waren gewöhnliche Bestien, andere trugen Rüstungen und Waffen. Sie standen nicht wie wilde Tiere zusammen. Sie waren eine Armee.Die großen Tore der Festung öffneten sich.Varok trat ein.Er durchquerte den Burghof, ohne die anderen Wölfe eines Blickes zu würdigen, und betrat schließlich den großen Saal im Inneren der Festung.Doch Varok war dort nicht allein.Links vom schwarzen Thron stand ein gewaltiger Riese. Seine Haut war von alten Narben übersät und selbst im Sitzen
Am nächsten Morgen brachen Valarian und seine Freunde früh auf. Die Sonne war noch nicht vollständig über den Bergen aufgegangen, als sie die Stadt hinter sich ließen und der Straße nach Norden folgten.Die Nachricht der Abenteurergilde hatte nur wenige Informationen enthalten. Mehrere Dörfer waren innerhalb kurzer Zeit verlassen worden. Es gab keine Berichte über Angriffe, keine Hinweise auf einen Krieg und keine Spuren eines Kampfes. Die Menschen waren einfach verschwunden.Die Reise nach Norden dauerte mehrere Tage. Mit jedem weiteren Kilometer wurden die Felder seltener, die Wälder dichter und die Temperaturen niedriger. Am Nachmittag des dritten Tages erreichten sie schließlich das erste Dorf.Kein Rauch stieg aus den Schornsteinen. Mehrere Türen standen offen, doch kein Mensch war zu sehen.Sie durchsuchten die ersten Häuser und fanden überall dasselbe Bild. Essen stand noch auf den Tischen, Kleidung lag auf Betten und in einem Haus war sogar ein Stuhl umgekippt. Es gab keine Sp
Der Weg zurück in die Stadt verlief deutlich ruhiger, als Valarian erwartet hatte. Nachdem sie sich weit genug von der alten Festung entfernt hatten, war das Grollen endgültig verstummt. Auch das gewaltige Hammersymbol über dem Eingang war verschwunden. Der Dungeon lag wieder still und verborgen zwischen den Bergen, als wäre dort nie etwas geschehen.Eine Weile sagte niemand etwas. Goland ging voraus, sein Schwert hing wieder an seinem Rücken, doch Valarian bemerkte, dass er sich immer wieder umdrehte und in Richtung der Berge sah. Lily lief neben Valarian, während Elara ein Stück hinter ihnen zurückgefallen war und nachdenklich auf ihre Hände blickte.„Also“, sagte Goland schließlich, „wir haben einen Dungeon betreten, Goblins getroffen, einen Drachen gefunden, Valarian hat eine seltsame Klinge geschmiedet und anschließend wurden wir von einer Gruppe bewaffneter Abenteurer angegriffen.“Lily musste lachen. „Wenn du es so aufzählst, klingt es wirklich verrückt.“Elara holte zu ihnen a
Der erste Bewaffnete machte einen Schritt nach vorne.Goland stellte sich sofort vor Lily und Elara. Licht begann sich um seine Hand zu sammeln, während sein Blick auf den Mann gerichtet blieb.„Ihr seid uns gefolgt“, sagte Valarian.Der Mann verzog keine Miene. Hinter ihm standen mindestens acht weitere Abenteurer. Einige trugen Schwerter, andere Speere. Sie hatten sich vor dem Eingang der alten Festung verteilt und versperrten ihnen den Weg.„Wir sind dem Ruf gefolgt“, antwortete der Mann.Valarian runzelte die Stirn. „Welchem Ruf?“Der Mann sah auf die schwarze Klinge in Valarians Hand.„Dem, was im Dungeon erwacht ist.“Für einen Moment sagte niemand etwas.Dann trat Elara etwas näher an Valarian heran.„Ich wusste es.“Goland sah kurz zu ihr. „Was wusstest du?“„Dass wir nicht einfach einen riesigen Drachen treffen und anschließend problemlos nach Hause gehen.“Lily schluckte. „Elara, vielleicht ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.“„Wann wäre ein besserer?“„Am besten gar kei
Hinter der Tür lag ein Raum, der vollkommen anders aussah als alles, was sie zuvor gesehen hatten. In der Mitte stand ein schwarzer steinerner Amboss, auf dem eine unfertige Klinge lag. Sie bestand aus demselben schwarzen Metall, das Valarian in der Schmiede berührt hatte. Daneben lag ein alter Schmiedestempel, dessen Zeichen Valarian jedoch nicht kannte.Auf dem Amboss befand sich eine Inschrift.„WENN DER SCHMIED ZURÜCKKEHRT, WIRD DAS TOR WIEDER GEÖFFNET.“„Der Schmied“, murmelte Lily.Alle sahen Valarian an.Er trat näher an den Amboss und legte vorsichtig eine Hand auf die unfertige Klinge. Sofort begann das schwarze Metall zu leuchten. Blaues Licht zog sich durch die Oberfläche, während feine silberne Linien sichtbar wurden.Valarian wich überrascht zurück. „Das war nicht ich.“Elara hob eine Augenbraue. „Du hast sie angefasst.“Bevor Valarian antworten konnte, begann der gesamte Raum zu beben. Steine lösten sich aus der Decke und die Wände verschwammen, als würden sie sich im Wa







