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Author: Pawn
last update publish date: 2026-07-31 16:42:25

Reapers Sicht

Ich wandte mich an einen der Wachen am Platz und fragte, was geschehen war.

„Sie wurde mit Eiern beworfen, sobald sie hereinkam“, sagte er, ohne mir direkt in die Augen zu sehen.

„Von wem?“

„Hauptsächlich von Familienmitgliedern. Ein paar andere haben sich dann auch noch angeschlossen.“

Ich sagte nichts, die Kiefer angespannt. Irgendwo unter meinen Rippen staute sich Wut auf, die nirgendwohin zu fließen wusste. Ein Teil von mir wollte direkt zu den verantwortlichen Familien marsch
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  • Die Gezeichnete der Flucht   156

    Arias Sichtweise„Rael!“ Mein Schrei riss sich rau aus meiner Kehle, als ich mitansah, wie mein Sohn auf das dunkle Hafenwasser aufschlug und unter der aufgewühlten Oberfläche verschwand, während das Schiff sich immer weiter entfernte.Knox zögerte keine Sekunde; er riss sich die Jacke vom Leib und sprang ins Wasser, noch bevor ich überhaupt begriffen hatte, was geschah. Mit kräftigen Schwimmbewegungen steuerte er auf die Stelle zu, an der Rael in den Fluten untergetaucht war.„Kann er gut genug schwimmen?“, keuchte ich Diesel zu, der neben mir aufgetaucht war. Seine Knöchel waren von der vorangegangenen Auseinandersetzung blutig, doch sein Blick war nun voll und ganz auf das Wasser gerichtet.„Er hat geübt“, sagte Diesel, auch wenn in jedem seiner Worte die Anspannung mitschwang. „Fen hat ihm die Grundlagen beigebracht, damals an Blackfangs kleinem Teich. Aber dieses Wasser hier ist anders – Hafenströmungen, Schiffsverkehr ...“Ich ließ ihn nicht ausreden; meine Augen waren verzweife

  • Die Gezeichnete der Flucht   155

    Wir waren zwei Tage zuvor in Port Meridian eingetroffen; Osrics Tarnung – Verhandlungen über legitime Handelsgeschäfte – hatte uns einen vorsichtigen Zugang zu dem gefährlichen, chaotischen Gebiet des Hafens ermöglicht, während wir fieberhaft versuchten herauszufinden, wo genau Rael festgehalten wurde.„Da“, drang Diesels Stimme leise aus dem Ohrhörer, den Osric uns gegeben hatte; sie klang dringlich, trotz seiner offensichtlichen Bemühung um Diskretion. „An den Docks, auf der anderen Seite. Ich sehe ihn. Alder hat ihn bei sich.“Mein Herz setzte fast aus; die Erleichterung über die Gewissheit, dass er noch lebte, rang mit der Panik angesichts des Zeitpunkts. „Lagebericht.“„Sie gehen an Bord eines Schiffes. Sie legen bald ab, wenn man nach der Hektik der Besatzung geht.“„Wir müssen jetzt handeln“, sagte Aria neben mir und wandte sich bereits in die Richtung, die Diesel angegeben hatte – ungeachtet Osrics warnender Hand auf ihrem Arm.„Vorsicht“, mahnte Osric. „Wenn man uns dabei beo

  • Die Gezeichnete der Flucht   154

    Raels SichtweiseSie hielten mich in einem fensterlosen Raum gefangen – nur Steinwände und eine einzige Tür, die von außen verriegelt wurde. Immerhin hatten sie mir ein vernünftiges Bett und regelmäßige Mahlzeiten zugestanden, auch wenn die Angst in meinem Magen nie ganz nachließ.Ich hatte versucht, die Tage anhand der Mahlzeiten zu zählen, die man mir brachte, auch wenn ich mir über die Genauigkeit nicht ganz sicher sein konnte. Drei, vielleicht vier Tage waren vergangen, seit man mich hierhergebracht hatte; die Frau, die mich am Kai begutachtet hatte, schaute gelegentlich vorbei – stets mit demselben berechnenden Blick, den sie schon in jenem ersten, schwierigen Moment gezeigt hatte.„Dein Käufer trifft morgen ein“, teilte sie mir bei einem dieser Besuche mit und beobachtete meine Reaktion mit offensichtlichem Interesse. „Du solltest froh sein. Das Warten hat endlich ein Ende.“„Ich bin über all das ganz und gar nicht froh“, sagte ich und zwang meine Stimme zur Ruhe, obwohl ihre Wo

  • Die Gezeichnete der Flucht   153

    Aus Kaels Sicht„Erzähl uns alles“, sagte ich mit scharfer Dringlichkeit in der Stimme, während Torin sich auf den Stuhl im Lagezentrum setzte; ihm war die Erschöpfung nach seinem harten Ritt nach Blackfang – angetreten, sobald sich die Nachricht von Raels Entführung verbreitet hatte – deutlich anzusehen.„Port Meridian agiert unabhängig von jedem Rudelgebiet oder der Autorität des Rates, sei es in der Vergangenheit oder Gegenwart“, erklärte Torin und breitete eine grobe Karte auf dem Tisch aus. „Es wurde vor Generationen von Interessengruppen gegründet, die erkannten, dass strikte Neutralität profitabel ist; sie sind bereit, mit jedem Handel zu treiben – ungeachtet der politischen Lage –, solange die Bezahlung stimmt.“„Sklavenhändler“, sagte Aria mit gepresster Stimme, in der kaum unterdrückte Wut mitschwang. „Dieses Wort hast du schon einmal benutzt. Ich muss genau verstehen, was das speziell für Rael bedeutet.“Torins Miene verriet echtes Mitgefühl, auch wenn er offensichtlich sch

  • Die Gezeichnete der Flucht   152

    Aus Raels SichtDas Boot schaukelte gleichmäßig unter mir, und ich presste mich gegen die feuchten Holzplanken. Ich versuchte, langsam zu atmen – so wie ich es mit Mama geübt hatte –, obwohl mein Herz so heftig hämmerte, dass ich fürchtete, die Männer, die mich bewachten, könnten es tatsächlich hören.Diesmal waren es zwei; sie waren anders als die Männer, die mich zuvor mitgenommen hatten. Diese hier redeten kaum und sahen mich nicht einmal direkt an – außer um die Seile zu überprüfen, mit denen meine Handgelenke gefesselt waren. Sie waren fester gebunden als beim letzten Mal, so fest, dass meine Finger schon leicht taub wurden.Ich dachte an Fen, daran, wie er meinen Namen gerufen hatte, als sie mich fortzerrten, und an die Kampfgeräusche, die mir noch nachklangen, während sie mich durch den Hinterausgang der Werkstatt zwangen. Ich hoffte, dass es ihm gut ging. Ich hoffte, dass Mamas Visionen bereits wirkten, so wie sie es früher getan hatten.„Wohin bringen sie mich?“, fragte ich u

  • Die Gezeichnete der Flucht   151

    Arias Sichtweise„Fen!“, hallte Diesels Ruf das Flussufer entlang. Ich drehte mich um und sah ihn über einer Gestalt kauern, die an die Wurzeln eines umgestürzten Baumes gesunken war – im flackernden Fackelschein kaum zu erkennen.Ich rannte los, Knox dicht hinter mir. Wir ließen uns beide neben Fens zugerichtetem Körper auf die Knie fallen; Erleichterung und neue Angst überkamen mich gleichzeitig, als ich sah, dass er zwar lebte, aber offensichtlich schwere Verletzungen erlitten hatte.„Fen“, sagte ich und untersuchte ihn vorsichtig auf die schlimmsten Verletzungen. „Kannst du mich hören?“Seine Augen flatterten auf; Schmerz und Erschöpfung waren ihm anzusehen, trotz seiner offensichtlichen Bemühung, sich zu konzentrieren. „Aria. Sie haben ihn mitgenommen. Ich habe versucht, sie aufzuhalten – ich schwöre, ich habe so hart gekämpft, wie ich nur konnte ...“„Ich weiß“, sagte ich mit brüchiger Stimme, obwohl ich mich ihm zuliebe zusammenreißen wollte. „Das ist nicht deine Schuld. Erzähl

  • Die Gezeichnete der Flucht   2

    Der Wolf hinter dem LederKnox' SichtweiseSchurken bekamen keine zweite Chance.Auch Ausreißer nicht.Und doch, da war ich wieder und brach meine eigenen Regeln.Der Duft von Blut und Waldmoschus lag schwer in der Luft, durchzogen von etwas, das ich nicht genau benennen konnte.Ich kauerte mich ne

  • Die Gezeichnete der Flucht   1

    Ausreißer bekommen keine zweite Chance.Arias SichtweiseDer Wind heulte durch die rissige Metallverkleidung wie ein Geist, der in einem Schrei gefangen ist.Ich zog meine Jacke enger, was aber kaum etwas half. Das verdammte Ding war eher zerrissenes Leder als Isolierung, aber es gehörte mir. Eines

  • Die Gezeichnete der Flucht   5

    Der Preis der FreiheiArias SichtweiseIch konnte sie an den Toren hören.Motoren dröhnten wie Knurren. Schritte hallten wider. Eine tiefe Stimme sprach mit eiskalter Autorität zu einem der Späher der Schwarzen Kralle.Mein Onkel.Sie würden mich holen kommen.Ich wich vom Fenster zurück und presst

  • Die Gezeichnete der Flucht   4

    Tinte, Narben und GeheimnisseKnox' SichtweiseIch mochte Unbekanntes nicht.Und Aria Crest war eine verdammt unbekannte Größe.Sie bewegte sich, als wäre sie für den Kampf ausgebildet worden, zögerte aber vor jedem Schlag, als hielte sie sich zurück. Sie verhielt sich nicht wie ein unterwürfiger

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