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Author: Pawn
last update publish date: 2026-07-07 01:42:20

 Wird Knox sterben?

Arias Sicht

Ich schlug die Tür hinter mir zu, als ich eintrat. Mein Brustkorb hob und senkte sich schnell, mein Mund kribbelte noch von seinem Kuss.

Was sollte das denn? Eben noch hatte Knox mich in seinen Bann gezogen, ein Feuer in mir entfacht, und im nächsten Moment stieß er mich von sich, als wäre ich Gift, eine Bedrohung für seine Existenz.

„Idiot“, murmelte ich leise und schritt den Flur entlang. Jeder Schritt hallte laut auf dem Holzboden wider, jeder schwerer als der vorherige. Es war unglaublich, wie sehr es schmerzte.

Ich kannte ihn nicht wirklich gut, doch seine Zurückweisung traf mich härter als erwartet. Mein Wolf war unruhig, lief auf und ab, knurrte und drängte mich zur Rückkehr.

Aber ich weigerte mich. Nicht dieses Mal.

Wenn er Mauern errichten wollte, dann sollte es so sein. Ich hatte schließlich meine eigenen Probleme zu bewältigen.

 Ich drängte mich in das beengte Zimmer, das mir Knox widerwillig zugewiesen hatte, und knallte die Tür zu, obwohl ich bezweifelte, dass das jemanden abhalten würde, der unbedingt hineinwollte.

Das schwache Licht drang kaum in die Ecken des Zimmers, aber ich beachtete es nicht. Meine Tasche war unter das Bett geschoben. Mein Geheimnis blieb gewahrt.

Das Relikt.

Ich zog es heraus, meine Finger streiften über den Lederbeutel. Mein Herzschlag verlangsamte und beschleunigte sich gleichzeitig, und dieses seltsame Summen durchfuhr meinen Arm, sobald ich es berührte. Vorsichtig legte ich es in meine Handfläche.

Das Wolfsstein-Medaillon war auf den ersten Blick schlicht. Es war aus geschwärztem Silber, in Form eines Wolfskopfes geschnitzt, die Augen mit schwach glühenden Splittern besetzt, die wie Glut pulsierten. Meine Mutter hatte es mir in der Nacht in die Hände gedrückt, als alles schiefging.

„Bewahre es gut auf“, hatte sie geflüstert, mit Blut in den Haaren und Angst in den Augen. „Es gehört nicht nur uns – es gehört ihnen allen.“

Ich hatte nie verstanden, was sie damit meinte. Bis jetzt wohl.

Ich drehte es in meinen Händen und fuhr mit den Fingern über die abgenutzten Kanten. Mein Wolf regte sich, ihre Stimme hallte leise in meinem Hinterkopf wider.

Mach es auf.

„Nein“, murmelte ich und schüttelte den Kopf. Ich war nicht bereit für das, was ich darin finden würde.

Jedes Mal, wenn ich auch nur daran dachte, wurde dieser Drang in mir stärker, beängstigender.

Aber jetzt, nach Knox … nach diesem Kuss und wie er mich weggestoßen hatte … brauchte ich Ablenkung. Irgendetwas.

Ich drückte meinen Daumen auf die Naht, und das Medaillon sprang auf.

Ein blendender Blitz zuckte auf, silbernes Feuer ergoss sich durch den Raum. Mir stockte der Atem, mein Wolf heulte in mir, und die Welt geriet aus den Fugen.

 Die Magie des Relikts ergoss sich in meine Brust und zog mich in die Tiefe, als würde ich ertrinken. Bilder blitzten vor meinem inneren Auge auf, Bilder, die ich nicht deuten konnte. Meine Knie sanken zu Boden, doch ich spürte kaum den Schmerz.

Und dann sah ich ihn.

Knox.

Er kniete in einer Grube aus Erde, Blut durchtränkte seine Brust, und seine goldenen Augen erloschen. Um ihn herum standen Gestalten in schwarzen Gewändern, ihre Arme mit dem A-Zeichen gezeichnet. Sie hoben Klingen, sangen und näherten sich ihm.

„Nein“, flüsterte ich und krallte mich an dem Anblick fest.

Meine Hände zitterten, doch die Bilder hörten nicht auf. Ich sah seinen Körper nach vorn fallen, hörte seinen Wolf heulen, doch gefangen, und dann verschlang Dunkelheit alles.

Das Relikt schloss sich in meinen Händen.

Ich sank keuchend auf die Pritsche, Schweiß rann mir über die Schläfen. Mein Herz hämmerte, als wollte es mir die Rippen brechen.

„Scheiße“, keuchte ich. Meine Finger umklammerten das Medaillon krampfhaft. „Nein, nein, nein …“

Ich krümmte mich zusammen und klammerte mich daran, als könnte ich das Gesehene ungeschehen machen, wenn ich es nur fest genug hielt.

Aber es war kein Traum.

Tief in meinem Inneren wusste ich das.

Knox würde sterben.

Und ich konnte es ihm nicht sagen. Noch nicht.

Wenn er mich schon jetzt auf Distanz hielt, wenn er mir schon jetzt nicht vertraute, wie würde er reagieren, wenn ich ihm sagte, ich hätte seinen Tod gesehen? Er würde mich für immer ausschließen. Vielleicht noch Schlimmeres.

Also stopfte ich das Relikt zurück in den Beutel und zwang mich aufzustehen, obwohl meine Beine zitterten. Ich musste dieses Geheimnis für mich behalten. Vorerst.

★

Die nächsten Tage waren die reinste Folter. Knox mied mich und stürzte sich in Läufe, Patrouillen und andere Pflichten. Diesel funkelte mich jedes Mal wütend an, wenn wir uns begegneten, und selbst die anderen beäugten mich misstrauisch, als könnten sie die Kluft zwischen ihrem Alpha und mir förmlich riechen.

Doch unsere Bindung kümmerte sich nicht um diese Spannungen oder unsere Streitereien. Jedes Mal, wenn Knox einen Raum betrat, sprang mein Wolf in Habachtstellung, und meine Brust schmerzte, als wollte sie mir die Haut aufreißen, nur um zu ihm zu gelangen.

Und dann war da noch Reaper.

Der Vollstrecker war immer still gewesen, hatte in Ecken lauert und den Blick stets auf den Horizont gerichtet, statt auf die Menschen.

Aber in letzter Zeit? Seine Augen folgten mir mit einem finsteren Blick.

Eines Nachmittags ertappte ich ihn dabei, wie er mich von der anderen Seite des Hofes beobachtete, sein Gesichtsausdruck undurchschaubar, die Hand am Griff seines Messers. Ein Schauer lief mir über den Rücken.

Vielleicht war es Paranoia, vielleicht auch nicht. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass jemand in diesem Lager ein doppeltes Spiel trieb.

In dieser Nacht fand ich keinen Schlaf mehr.

 Seit diesem Traum – dieser Vision oder was auch immer es war – hatte ich kein Auge mehr zugetan.

Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Knox wieder blutend vor mir, die Menschen mit den Brandzeichen leuchteten in der Nacht. Ich wälzte mich hin und her, bis ich mich schließlich schweißgebadet und zitternd aufsetzte.

Der Beutel war warm an meiner Brust.

Mir stockte der Atem. Ich riss das Relikt heraus.

Das Silber pulsierte erneut, diesmal heller. Bevor ich es stoppen konnte, traf mich eine weitere Vision. Diese war klarer.

Ich sah Knox wieder, gebrochen und blutend, wie er nach Luft rang, während Klingen auf ihn herabsausten.

Ich schrie ihn an, er solle aufstehen, aus dem Weg gehen, irgendetwas tun, aber kein Laut kam über meine Lippen. Es war sinnlos. Er konnte mich nicht hören.

Und als die Vision endlich verschwand, saß ich auf dem kalten Boden, das Relikt an meine Brust gedrückt, Tränen brannten in meinen Augen.

 Denn egal, wie oft ich es auch verdrängte, die Wahrheit blieb dieselbe.

Knox würde sterben.

Und ich war die Einzige, die das wusste.

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