เข้าสู่ระบบDER MORGEN DANACH
Das Schlimmste war nicht, dass er es getan hatte. Es war, dass ein Teil von mir weiterhin darauf wartete, dass er es zurücknahm.
Ich wachte auf und wusste nicht, wo ich war.
Dieser halbe Augenblick – bevor der Körper sich erinnert – ist der grausamste Teil. Da war Wärme. Da war der Geruch von Holzrauch und regenfeuchter Erde. Mein Wolf atmete langsam und gleichmäßig unter meinen Rippen, und für genau einen Herzschlag dachte ich:
Alles ist in Ordnung.
Dann bewegten sich meine Rippen beim Atmen.
Und alles kam zurück.
Der Spiegel. Ardens Stimme. Die Frauen, die durch die Flügeltüren traten. Die Halle, die still wurde.
Ich verstoße dich.
Ich lag still und starrte auf die Plane über mir – ein provisorisches Unterstandzelt, zusammengebundene Äste, eine wasserdichte Plane darüber gespannt mit der Präzision von jemandem, der das schon so oft gemacht hatte, dass er nicht mehr darüber nachdenken musste – und ich atmete durch die Nase und wartete darauf, dass das Gefühl verging.
Es verging nicht.
Das ist das, was einem niemand über einen Bindungsbruch erzählt. Sie sagen einem, dass es wehtut. Sie sagen einem nicht, dass der Schmerz nicht stillsitzt. Er bewegt sich. Er findet jedes Mal einen neuen Ort, wenn man denkt, man hätte ihn gefunden und seine Form erkannt.
Ich setzte mich auf.
Die Lichtung war blass vom frühen Licht. Das Feuer war zu Asche heruntergebrannt und jemand hatte es bereits neu aufgebaut – frisches Holz, niedrige Flammen, ein Blechbecher, der auf einem flachen Stein am Rand der Feuerstelle balancierte. Dampf stieg davon auf.
Der Mann – Caelum – war weg.
Mein Arm schmerzte unter dem Verband. Sauber, fest, professionell – besser, als ich es selbst hätte machen können. Das Tuch, das er mir gegeben hatte, steckte noch in meiner Jackentasche, dunkel getrocknet.
Ich schaute auf meine Hände.
Schlamm unter drei Fingernägeln. Eine Schürfwunde quer über meiner linken Handfläche vom Sturz. Der silberne Ring, den meine Mutter mir hinterlassen hatte – ein schlichter Band, dünn getragen – steckte noch an meinem rechten Zeigefinger, was bedeutete, dass die Streuner nicht mehr weit gekommen waren, bevor er auftauchte.
Ich atmete.
Die Rippen fingen es auf – ein weißglühender Schmerz, der meine linke Seite hinaufschoss und mir die Augen wässern ließ. Ich atmete noch einmal, flacher. Besser.
Mein Wolf regte sich.
Sie war – anders als gestern. Nicht geheilt. Nicht ganz. Aber anwesend. Wie eine Zündflamme, die erstickt worden war und dann, sehr vorsichtig, wieder angezündet wurde. Sie richtete ihre Nase auf die östliche Baumlinie und hielt sie dort, und ich spürte, was sie spürte:
Er war noch in der Nähe.
Ich schaute auf den Blechbecher auf dem Stein.
Ich schaute auf den Unterstand. Den Schlafsack, auf dem ich geschlafen hatte – seiner, der einzige – mit der zweiten Decke noch um meine Schultern gewickelt. Der Verbandskasten, der von dem Ast über meinem Kopf hing, genau dort, wo ich ihn leicht erreichen konnte, wenn ich nachts vor Schmerzen aufwachte.
Ich saß mit alldem da.
Gestern hatte ich ein Rudel, ein Territorium, eine Bindung, um die ich drei Jahre lang stillschweigend eine Zukunft aufgebaut hatte.
An diesem Morgen hatte ich einen Blechbecher mit etwas Heißem, die Decke eines Fremden und einen Wolf, der sich gegen meine Rippen drückte und nach Osten zeigte.
Ich nahm den Becher.
Tee. Stark, ungesüßt, noch heiß genug, um zu brennen.
Ich trank ihn trotzdem.
Er kam aus dem Osten zurück und trug Feuerholz, als hätte er nicht zwölf Stunden zuvor Streuner im Dunkeln verfolgt.
Das Tageslicht veränderte ihn ein wenig.
Nicht auf die Weise, die ich erwartet hatte – er war nicht weicher, nicht weniger als er im Dunkeln gewirkt hatte. Eher das Gegenteil. Im Feuerschein war er nur Schatten und goldene Augen gewesen. Im Morgenlicht war er einfach – echt. Die Art von echt, die bedeutete, dass man ihn nicht als Konstrukt eines erschöpften, gebrochenen Gehirns abtun konnte. Kantiger Kiefer, dunkles Haar noch feucht von welcher Wasserquelle auch immer er gefunden hatte, ein Schnitt an seinem linken Unterarm, der letzte Nacht noch nicht da gewesen war.
Er war in den Bäumen gewesen.
Hatte sichergestellt, dass die Streuner nicht zurückgekehrt waren.
Er legte das Holz ab und schaute mich an.
„Du bist wach.“
„Dein Arm“, sagte ich.
Er warf einen Blick darauf. „Ist in Ordnung.“
„Er muss gereinigt werden.“
„Später.“
„Jetzt“, sagte ich. „Streunerbisse warten nicht.“
Etwas veränderte sich in seinem Gesichtsausdruck – eine kurze Neujustierung, wie bei einem Mann, der es nicht gewohnt war, widersprochen zu werden, und nun entschied, wie er dazu stand.
Er setzte sich mir gegenüber ans Feuer.
Hielt mir seinen Arm hin.
Ich holte den Verbandskasten. Ich reinigte die Wunde, ohne zu fragen, ob es wehtat, weil es offensichtlich wehtat und ihm offensichtlich egal war und eine Frage nur meinem eigenen Trost gedient hätte, nicht seinem.
Wir sprachen nicht, während ich arbeitete.
Das Feuer knackte. Irgendwo in den östlichen Bäumen ein Vogel. Sein Arm war warm unter meinen Händen und sein Wolf war – ich konnte ihn spüren, wie man Wetter spürt, bevor es eintrifft. Ein Druck. Eine Präsenz. Etwas Großes und sehr Ruhiges, das alles beobachtete und noch nichts entschied.
„Du hast die ganze Nacht Wache gehalten“, sagte ich.
„Ja.“
„Warum?“
Er schaute mich an.
Einfach nur schaute. Als würde die Frage ihn tatsächlich verwirren. Als wäre die Antwort so offensichtlich, dass die Tatsache, dass ich sie stellte, ihm etwas verriet.
Er sagte nicht: Weil du meine Gefährtin bist. Er sagte nicht: Weil die Bindung mich dazu verpflichtet.
Er sagte: „Weil du Schlaf brauchtest und jemand Wache halten musste.“
Ich verband seinen Arm.
Ich sagte nichts.
Mein Wolf sagte genug.
„Erzähl mir vom Gipfeltreffen.“
Er blickte vom Feuer auf, das er gerade gefüttert hatte. „Du willst vom Gipfeltreffen wissen.“
„Du hast gesagt, in vier Tagen. Zwölf Rudel. Du hast gesagt, es sei kompliziert.“ Ich hielt seinem Blick stand. „Ich werde nicht in etwas hineingehen, das ich nicht verstehe.“
Eine Pause.
Etwas, das Zustimmung hätte sein können, huschte kurz über sein Gesicht.
„Das Gipfeltreffen ist eine territoriale Verhandlung. Drei Rudel an der nördlichen Grenze drängen seit acht Monaten in die Gebiete der anderen – es ist noch kein offener Konflikt, aber es fehlt nicht mehr viel. Ich habe das Treffen einberufen, um zu vermitteln, bevor es dazu kommt.“
„Und die anderen neun Rudel?“
„Verbündete. Zeugen. Verantwortlichkeit.“
„Wo?“
„Auf Voss-Territorium. Vier Stunden nördlich von hier.“
Ich nahm das auf.
Voss-Territorium. Ich drehte den Namen im Kopf um – Caelum Voss – und versuchte mich an das zu erinnern, was ich darüber wusste, was nicht viel war. Ironveil war ein starkes Rudel, hielt sich aber an die südlichen Berge. Die nördlichen Territorien waren älter, größer, etwas, das die Ältesten meines Rudels nur selten und mit einer ganz bestimmten vorsichtigen Neutralität erwähnten.
„Wie groß ist dein Rudel?“
Er schwieg einen Moment.
„Groß“, sagte er.
Keine Ausweichung. Etwas Spezifischeres – die Zurückhaltung eines Mannes, der gelernt hatte, nur das Minimum an Information zu geben, das die Frage beantwortete, ohne sieben weitere zu öffnen.
Ich schaute ihn an.
Er schaute zurück.
Das Feuer zwischen uns.
„Was willst du von mir?“, fragte ich. „Wirklich. Nicht die Bindung, nicht die Gefährtinnensache – was willst du konkret von mir? Jetzt? Was bedeutet es, mit dir zu kommen?“
Er antwortete nicht sofort.
Gut. Ich war fertig mit Männern, die diese Frage beantworteten, ohne nachzudenken.
„Das bedeutet, dass du sicher bist, während ich herausfinde, was du brauchst“, sagte er schließlich. „Das bedeutet, dass niemand in meinem Territorium dich anrührt, ohne zuerst durch mich zu gehen. Das bedeutet –“ Er hielt inne. „Das bedeutet, dass du Zeit hast. Um zu entscheiden, was du willst. Ohne dass jemand dich zu einer Entscheidung drängt.“
„Einschließlich dir.“
„Einschließlich mir.“
Ich schaute ins Feuer.
„Arden hat gesagt –“
Ich brach ab.
Ich hatte diesen Satz nicht beginnen wollen.
„Das musst du nicht“, sagte Caelum.
„Ich weiß.“ Ich schaute auf meine Hände. Der Schlamm war weg – ich musste ihn in der Nacht halb schlafend abgewaschen haben. Nur noch die Schürfwunde und der Ring. „Er hat gesagt, ich wäre nicht das, was er in einer Luna braucht. Dass ich es nie gewesen wäre.“
Das Feuer.
Der Vogel in den östlichen Bäumen.
„Er hat sie zusammengerufen“, sagte ich. „Die Frauen. Er hat es geplant. Er wollte, dass das ganze Rudel dabei ist.“
Caelums Kiefer bewegte sich. Nur einmal. Auf die Art, wie ein Kiefer sich bewegt, wenn ein Mann etwas hinter den Zähnen zurückhält.
„Er hat mich vor den Spiegel gestellt“, sagte ich. „Er hat mir gesagt, ich soll hinschauen. Er hat gesagt –“ Ich brach ab. Meine Stimme tat etwas, das ich nicht wollte. Ich atmete. Ließ es sich setzen. „Er hat gesagt, ich wäre doppelt so groß wie er. Dass die Mondgöttin wahnsinnig sei.“
Stille.
„Und ich habe dort gestanden.“ Meine eigene Stimme, leise und fremd. „Ich habe dort gestanden und die Kerzen gezählt, weil ich etwas brauchte, auf das ich schauen konnte. Siebenundzwanzig. Die ganze Zeit nur – zählen. Und dann kamen die Worte und die Bindung –“
Ich drückte die Faust gegen mein Brustbein.
Alter Reflex. Die Stelle, an der die Bindung sechs Stunden lang gelebt hatte – hell und neu und so sicher – und dann nicht mehr.
„Es fühlte sich an wie Fallen“, sagte ich. „Wie etwas, an dem man sich festgehalten hat, losgelassen wurde.“
Ich weinte nicht.
Ich möchte das klarstellen: Ich weinte nicht.
Ich sagte es einfach. Laut. Zum ersten Mal. Zu einem Fremden, der die ganze Nacht Wache gehalten, das Feuer neu aufgebaut und mir Tee auf einem Stein hingestellt hatte, wo ich ihn finden würde, und der mir jetzt gegenübersaß mit entspannten Händen, den Blick auf mein Gesicht gerichtet und seinen ganzen Körper in dieser besonderen Reglosigkeit, die jemand einnimmt, der beschlossen hat, sich nicht zu bewegen, nicht zu greifen, nichts zu tun, was das hier kleiner machen würde, als es war.
„Ich weiß“, sagte er.
Zwei Worte.
Nicht „Es tut mir leid“. Nicht „Er hat dich nicht verdient“. Nichts von den Dingen, die Leute sagen, wenn sie etwas reparieren wollen und nicht wissen, wie.
Nur: Ich weiß.
Als hätte er selbst schon einmal einen Bindungsbruch erlebt.
Als würde er genau verstehen, wie sich das Fallen anfühlt.
Ich schaute ihn an.
Er schaute nicht weg.
Und mein Wolf – diese kleine, flackernde Zündflamme – drückte sich gegen meine Rippen und zu ihm hin, und ich spürte etwas, das ich seit drei Tagen nicht mehr gespürt hatte.
Nicht Hoffnung.
Etwas Leiseres als Hoffnung.
Etwas, das noch nichts von mir verlangte.
Sein Telefon hatte schon gesummt, seit ich aufgewacht war.
Er hatte es weiter ignoriert.
Beim vierten Mal innerhalb einer Stunde schaute ich auf seine Jackentasche, da zog er es heraus, las den Bildschirm und legte es mit dem Display nach unten auf sein Knie, ohne zu antworten.
„Du solltest wahrscheinlich rangehen.“
„Wahrscheinlich.“
„Wer ist es?“
„Mein Beta.“
„Er wird dich suchen kommen.“
„Er wird es versuchen.“
Der Mundwinkel bewegte sich. Fast nichts. Gerade genug.
„Geh ran“, sagte ich. „Ich gehe nirgendwohin.“
Er schaute mich an.
Dann ging er ran.
„Dax.“
Ich konnte die Stimme am anderen Ende sogar über das Feuer hinweg hören – nicht die Worte, nur den Ton. Angespannt. Kontrolliert. Die spezifische Frequenz eines Mannes, der seit vierundzwanzig Stunden eine Krise managt und sehr starke Gefühle gegenüber der Person hat, die sie verursacht hat.
Caelum hörte zu.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.
„Ich komme heute zurück. Wir brechen innerhalb der nächsten Stunde auf.“ Eine Pause. „Es gab eine Entwicklung.“ Eine weitere Pause – länger. Etwas bewegte sich in seinem Kiefer. „Ich erkläre es, wenn ich da bin. Lass den Ostflügel herrichten.“
Er beendete den Anruf.
Legte das Telefon auf sein Knie.
„Der Ostflügel“, sagte ich.
„Gästezimmer.“
„Du hast einen Flügel.“
Er schaute mich an.
„Caelum.“ Ich sprach seinen Namen vorsichtig aus. „Wie groß ist dein Rudel?“
Eine Pause.
„Das Voss-Rudel hat neunhundertvierzig Wölfe auf vier Territorien verteilt.“
Das Feuer knackte.
Neunhundertvierzig.
Ironveil hatte zweihundertzwölf.
Ironveil galt als groß.
„Vier Territorien“, sagte ich.
„Nördliches Bergland, östliches Tal, die Küste und der Greywood-Puffer – deshalb war ich hier.“
„Ihr besitzt den Greywood.“
„Wir beaufsichtigen ihn. Er ist offiziell neutral, aber wir haben seit sechzig Jahren Patrouillenrechte.“
Ich schaute ihn an.
Dieser Mann, der im Schlamm gehockt und mich gefragt hatte, wie viele Rippen. Der meinen Arm versorgt, mir Tee auf einen Stein gestellt und mir seinen Schlafsack gegeben hatte und die ganze Nacht wach geblieben war.
Dieser Mann, der neunhundertvierzig Wölfe auf vier Territorien führte, ein Gipfeltreffen einberief, um einen Krieg zu verhindern, und die fünfte Nachricht seines Betas mit vollkommener Gelassenheit beantwortete.
„Du bist nicht einfach nur ein Alpha“, sagte ich.
„Nein.“
„Was bist du?“
Er hielt meinem Blick stand.
„Die Art von Mann, mit der man Vereinbarungen trifft.“
Schlicht. Sachlich. Kein Angeben.
Eine Tatsache.
Ich saß mit diesem Wissen da.
Ich saß mit dem Wissen da, dass dieser Mann – dieser spezielle Mann mit seinen vorsichtigen Händen, seinen zwei Worten und seinem neu aufgebauten Feuer – der mächtigste Alpha im nördlichen Bergland war.
Und er hatte mich blutend im Schlamm gefunden.
Und die Mondgöttin hatte uns beide angesehen und gesagt: diese beiden.
Ich dachte an Arden.
Ich dachte an den Spiegel und die siebenundzwanzig Kerzen und seine Stimme, die fragte: Ist die Mondgöttin wahnsinnig?
Etwas verschob sich.
Nicht geheilt. Nicht ganz.
Einfach – verschoben. Um einen Grad. So wie das Licht sich am frühen Morgen von dunkel zu fast-nicht-mehr-dunkel verschiebt, diese erste unmerkliche Veränderung, bevor das echte Licht kommt.
„Okay“, sagte ich.
Er hob eine Augenbraue.
„Ich komme zum Gipfeltreffen mit.“
„Das musst du nicht.“
„Ich weiß.“
Ich stand auf. Meine Rippen brannten. Ich atmete dagegen an.
„Ich habe nichts“, sagte ich. „Keine Kleidung, kein Geld, keinen Rang. Ich betrete dein Territorium als zurückgewiesene, rudellose Wölfin, und jeder dort wird sich innerhalb von dreißig Sekunden eine Meinung über mich bilden.“
„Ja.“
„Und es ist dir egal.“
Er stand ebenfalls auf.
Schaut mich über das heruntergebrannte Feuer hinweg an.
„Was sie von dir denken, ist ihr Problem“, sagte er. „Was du bist, wird nicht dadurch bestimmt, was Arden Vale vor seinem Rudel gesagt hat. Und wenn jemand in meinem Territorium dich so behandelt, als wäre es so, dann wird das mein Problem. Nicht deins.“
Der Wind strich durch den Greywood.
Hoch oben in den alten Bäumen.
Mein Wolf streckte sich.
Zum ersten Mal seit gestern Morgen. Das erste richtige Strecken – wie etwas, das sich nach langer Zeit in der Kälte entrollt.
„Ich muss eine Sache wissen“, sagte ich.
„Frag.“
„Hast du es ernst gemeint? Was du letzte Nacht gesagt hast. Dass ich Nein sagen kann. Dass du es dabei belassen würdest.“
Er zögerte nicht.
„Ja.“
„Auch wenn es schwer für dich ist.“
Etwas bewegte sich hinter seinen Augen. Da und weg.
„Ja.“
Ich schaute ihn lange an.
Er stand da und ließ mich schauen.
„Okay“, sagte ich, zum zweiten Mal an diesem Morgen.
Ich nahm die Decke. Faltete sie. Legte sie auf den Schlafsack.
„Ich bin bereit, wenn du es bist.“
Wir brachen das Lager in zwanzig Minuten ab.
Er war effizient auf die Art von jemandem, der es oft genug allein getan hatte, dass eine weitere Person im Raum das System nicht störte. Er reichte mir Dinge zum Tragen, ohne zu fragen, ob ich sie bewältigen konnte – nicht abweisend, einfach funktional. Er behandelte mich wie jemanden, der dazu fähig war. Es hätte nicht so viel bedeuten dürfen, wie es tat.
Am Rand des Greywood, wo die Bäume sich lichteten und die Straße nach Norden begann, blieb ich stehen.
Ich schaute nach Süden.
Ironveil lag zwanzig Meilen in dieser Richtung. Die Packhalle mit den Kerzen. Der Spiegel an der Ostwand. Die Flügeltüren und die Leute, die zugeschaut hatten, und die, die weggeschaut hatten.
Arden.
Ich stand da und ließ mich alles noch einmal fühlen – alles. Die drei Jahre. Den Morgen, an dem mein Wolf erwacht war und die Bindung eingerastet war und ich über das südliche Feld gerannt war, weil ich mir so sicher gewesen war. Der Ausdruck auf seinem Gesicht, als ich hereinkam. Die Kerzen. Die Frauen. Seine Stimme.
Ich verstoße dich.
Ich ließ es in mir sitzen, atmete hindurch und ließ es genau so schlimm sein, wie es war.
Dann drehte ich mich nach Norden.
Caelum war bereits auf der Straße, den Rucksack über einer Schulter, und wartete, ohne zu beobachten – er gab mir den Raum, den Moment zu nehmen, ohne Publikum.
Mein Wolf ging mit mir, als ich loslief.
Ruhig.
Vorwärts.
Der Greywood fiel hinter uns zurück und die Straße nach Norden öffnete sich – grauer Stein, alte Kiefern, der Geruch von kalter Luft und Distanz – und ich ging hinein und schaute nicht mehr zurück.
Ich wusste nicht, was Voss-Territorium von mir verlangen würde.
Ich wusste nicht, was das Gipfeltreffen bedeutete oder wie neunhundertvierzig Wölfe aussahen, wenn sie alle wussten, wer man war und wer nicht, oder was es kostete, als zurückgewiesene Gefährtin eines südlichen Alphas hineinzugehen und neben dem Mann zu stehen, der das nördliche Bergland führte.
Ich wusste nichts davon.
Mein Wolf drückte sich gegen meine Rippen – warm und sicher und nach Norden zeigend – und ich ging weiter.
Zwanzig Meilen hinter mir wachte Arden Vale gerade auf.
Er hatte keine Ahnung.
Mayas POVFür Königin Lena zu arbeiten, kann manchmal anstrengend sein, aber es kann auch sehr erfüllend sein. Sie hat mich immer gut behandelt. Sie hat mich nie das Gefühl gegeben, dass ich nur eine gewöhnliche Bürgerin bin, die für sie arbeitet, und ich bin wirklich dankbar, an ihrer Seite sein zu dürfen.Selbst als die Gerüchte anfingen, sich zu verbreiten und drohten, uns auseinanderzubringen, haben wir nie zugelassen, dass sie zwischen uns stehen. Königin Lena sagt immer, dass ich ihre Trösterin und ihre Freundin bin. Ich habe diese Worte ernst genommen, und ich werde immer für sie da sein. Ich werde sie niemals absichtlich enttäuschen.Aber im Moment mache ich mir am meisten Sorgen um Alpha Caleum.Wenn ich an Königin Lenas Stelle wäre, wäre ich wahrscheinlich auch wütend. Aber was ich in ihren Augen sehe, ist mehr als nur Wut. Da ist Eifersucht, und ich kann ihr nicht vorwerfen, dass sie so empfindet. Eifersucht kann entstehen, wenn man jemanden wirklich liebt, besonders wenn m
Lenas POVIch stellte mir immer wieder dieselbe Frage. Was konnte ich tun? Wie sollte ich mit dem umgehen, was passiert war? Sollte ich einfach darüber hinwegsehen und so tun, als wäre es nicht wichtig, oder sollte ich es ernst nehmen?Er hatte in seinem Brief geschrieben, dass ich es nicht falsch verstehen sollte. Aber wenn er an meiner Stelle wäre, würde er dann einfach darüber hinwegsehen?Mal ehrlich, die Menschen wussten, was sie taten. Manchmal wussten sie genau, wie ihre Handlungen jemanden fühlen lassen würden, und taten es trotzdem.Und meine Wut war berechtigt.Es war okay, dass ich darüber wütend war, denn da waren einige Worte, die immer wieder in meinem Kopf widerhallten, obwohl ich nicht darüber nachdenken wollte.Ich wollte nicht daran denken, dass er eine andere Frau mir vorgezogen hatte.Vielleicht hatte er sich dafür entschieden, Wren statt mich zu besuchen.Wer wusste das schon?Ich war noch völlig in meinen Gedanken versunken, als Maya näher zu mir kam und meine Ha
Lenas POVIch saß bereits bequem da und wartete darauf, dass Caleum hereinkam, weil man mir gerade gesagt hatte, dass er bereits hier war.Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich seltsam vorbereitet.Ich wusste, dass ich wahrscheinlich nervös werden würde, wenn er endlich hereinkam, aber ich hatte mich bereits entschieden, dass ich mich allem stellen würde, was er tun wollte.Selbst wenn es die Kussstrafe war, machte es mir nichts aus.Wenn es eine andere Strafe war, machte es mir auch nichts aus.Zumindest sagte ich mir das immer wieder.Maya hatte mir bereits alles erklärt, und inzwischen wusste ich, dass es so etwas wie eine Kussstrafe nicht gab. Trotzdem änderte das nichts daran, dass Caleum mir gesagt hatte, dass er wegen eines Kusses kommen würde. Ich hatte genug Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken, mir Sorgen darüber zu machen und mich darauf vorzubereiten.Also war ich bereit, mich allem zu stellen, was er ansprechen würde.Ich saß geduldig da und wartete darauf, dass sic
Caleums POV„Also, wen sollte ich wählen?“Ich blieb lange sitzen und starrte auf dieselbe Stelle, ohne sie wirklich wahrzunehmen.Lena oder Wren.Je länger ich darüber nachdachte, desto komplizierter wurde es.Ich hatte Lena versprochen, sie heute Morgen zu besuchen. Ich selbst hatte es ihr gesagt, und ich wusste, wie sehr sie wahrscheinlich damit rechnete, dass ich kommen würde. Nach allem, was mit den Gerüchten, Arden und den Ermittlungen passiert war, wollte ich bei ihr sein. Ich wollte wissen, ob es ihr gut ging.Aber Wren wurde heute aus dem Krankenhaus entlassen.Ich hatte sie seit drei Tagen nicht besucht.Drei Tage klangen vielleicht nicht nach viel, aber für jemanden, der krank gewesen war und nun endlich entlassen wurde, reichten sie aus, damit meine Abwesenheit auffiel.Ich rieb mir über die Stirn und seufzte.Dreys Vorschlag ging mir immer wieder durch den Kopf.Wenn ich zu Lena ging, könnte Wren sich fragen, warum ich nicht an dem Tag zu ihr gekommen war, an dem sie entl
Caleums POVIch hätte nicht gedacht, dass ich so lange schlafen würde, dass ich schließlich spät aufwachen musste.Obwohl sich mein Körper entspannt anfühlte, hatte sich der Schlaf wirklich gelohnt. Ich konnte spüren, dass mein Körper endlich die Ruhe bekommen hatte, die er nach allem, was in den letzten Tagen passiert war, gebraucht hatte.Für einen Moment blieb ich einfach im Bett liegen und starrte an die Decke.Es fühlte sich seltsam an, nicht schon beim Aufwachen mit einem Problem nach dem anderen im Kopf aufzuwachen.Schließlich stand ich auf, nahm ein Bad und zog mich an. Mein Frühstück wurde mir serviert, und nachdem ich aufgegessen hatte, lehnte ich mich noch eine Weile zurück und genoss die Ruhe um mich herum.Die Ruhe tat gut.Ich hatte sie gebraucht.Ein paar Minuten später kam Drey herein und begrüßte mich.„Guten Morgen, Alpha Caleum. Hast du gut geschlafen?“, fragte er.„Ja“, antwortete ich und nickte.„Okay, Sir. Heute Morgen steht kein Treffen an. Gibt es einen Ort, a
Caleums POVNachdem ich den Raum meiner Queen Lena verlassen hatte, ging ich direkt in mein Zimmer.Aber die Wahrheit war, dass ich sie eigentlich gar nicht verlassen wollte.Ich wusste nicht, wann es angefangen hatte, aber in letzter Zeit ertappte ich mich immer wieder dabei, dass ich einfach bei ihr bleiben wollte. Jede Zeit. Jeden Tag. Egal, wie viel ich gearbeitet hatte oder wie müde ich war, wenn ich bei Lena war, verspürte ich eine seltsame Art von Frieden.Es war wie die Ruhe, die nach einem Sturm kam.Wenn ich bei ihr war, wurde der Lärm in meinem Kopf leiser. Die Probleme waren immer noch da, die Ermittlungen liefen noch, Arden war immer noch da, und auch die geschäftlichen Angelegenheiten warteten auf meine Aufmerksamkeit. Doch irgendwie fühlte sich alles leichter an, wenn sie neben mir war.Aber was den Kuss anging …Darüber wollte ich nicht zu viel nachdenken.Selbst ich konnte nicht wirklich erklären, warum ich sie so sehr küssen wollte.Ich nahm ein Bad und aß noch einen







