تسجيل الدخولSofiaIch sehe ihr direkt in die Augen und versuche, meine ganze Ernsthaftigkeit, meine ganze Angst um sie herüberzubringen.— Er ist kein Mann für dich.Ihr Lächeln ist völlig verschwunden. Sie mustert mich, sucht zu verstehen, ob ich dramatisiere, ob ich übermäßig beschütze.— Sagst du das, weil er ein bisschen rau ist, ein bisschen wortkarg? Sofia, ich bin eine erwachsene Frau. Ich weiß, dass es Männer gibt, die anders sind als die, die ich sonst treffe. Aber genau das… ist faszinierend. Er hat mir den ganzen Abend zugehört. Wirklich zugehört. Nicht wie diese Typen, die nur darauf warten, dass sie an der Reihe sind, um von sich zu erzählen.— Zuhören ist eine Sache. Etwas anderes als professionelles Zuhören bieten zu können, ist eine andere. Seine Loyalität gilt Leonardo. Punkt. Alles andere… das liegt nicht in seiner Landschaft.— Wie kannst du dir da so sicher sein? entgegnet sie mit einem Hauch von Herausforderung
SofiaMeine Mutter unterdrückt ein Gähnen.Es folgt ein Ballett von Gutenachts, Umarmungen. Meine Eltern verschwinden im Flur, der zu ihrem Gästezimmer führt. Ihr Fortgehen hinterlässt eine andere Stille.Camille erhebt sich ebenfalls. Sie streckt die Arme über den Kopf mit einer katzenhaften, unbewussten Anmut. Marco entgeht keine einzige Bewegung.— Gut, ich gehe auch schlafen. Morgen früh raus zum Markt mit deiner Mama, Sofia! Gute Nacht allerseits.Sie wendet sich an Marco, ihr Lächeln immer noch so strahlend.— Gute Nacht, Marco.— Gute Nacht, Camille. Schlafen Sie gut.Er spricht ihren Namen mit einer ungewohnten Langsamkeit aus. Sie winkt ihm kurz zu und verschwindet ebenfalls in ihrem Zimmer. Die Tür schließt sich mit einem leisen Klicken.Und plötzlich sind wir nur noch zu dritt. Leonardo, ich und Marco. Die Atmosphäre verändert sich schlagartig. Die künstliche Wärme verflüchtigt sich
Sofia Der Geruch des Abendessens, ein würziger Eintopf, den meine Mutter unbedingt zubereiten wollte, liegt noch in der Wohnung, vermischt mit dem von Rotwein und Kaffee. Die Atmosphäre ist sanft, laut, familiär. Um den Esstisch im Wohnzimmer herum schaffen das Lachen meines Vaters und Camilles Anekdoten eine goldene Blase der Normalität. Eine Blase, in der ich wie eine Eindringling treibe. Meine Mutter strickt, im Sessel nahe der Fensterfront. Von Zeit zu Zeit hebt sie den Blick. Ihr Blick wandert von Camille, die sprüht, zu mir, schweigsam auf dem Sofa, dann zu Leonardo. Ihr Lächeln ist noch da, aber diese leichte Falte zwischen ihren Augenbrauen, die am Morgen aufgetaucht ist, hat sich nicht geglättet. Sie spürt das Gewitter. Sie weiß nicht, dass es bereits losgebrochen ist. Leonardo steht an der Hausbar. Er schenkt meinem Vater einen Digestif ein. Er hört Marco zu, seinem Mann fürs Vertrauen, der gekommen ist, um über
Sofia Der Kosename klingt falsch. Ein Codewort. Eine Erinnerung an unseren Pakt. Schatz. Lächeln. Ich nehme die Tasse. Unsere Finger berühren sich nicht. Wir haben in dieser Nacht gelernt, Berührungen zu vermeiden. — Wo ist Camille? Ist sie noch nicht auf? fragt meine Mutter und wirft einen Blick in den Flur, der zum Gästezimmer führt. — Sie hat wohl nach ihrer Feier gestern ausgeschlafen, sage ich zu schnell, in der Hoffnung, dass sie nicht beschließt, sie zu wecken. — Also, die Verlobung! sagt meine Mutter, während sie die Marmelade bringt. Reden wir heute darüber? Ich hatte eine Idee für die Einladungen… Und Camille hatte gestern Abend so lustige Vorschläge! Sie redet, sie sprudelt vor Begeisterung. Namen, Daten, Farben. Jedes Wort ist ein Nagel, der den Deckel unseres Lügengebäudes ein Stück weiter zudrückt. Und die Erwähnung von Camille, ihrer fröhlichen und unschuldigen Pr
SofiaDer Wecker klingelt, ein elektronisches Knirschen, das die Stille des Zimmers zerreißt. Ich schalte ihn mit einer schnellen Handbewegung aus, noch bevor der zweite Ton uns verraten kann. Mein Körper ist schwer, wie mit Blei beschwert, und jeder Muskel schreit vor Müdigkeit nach einer schlaflosen Nacht.Ich bleibe regungslos liegen, den Rücken immer noch zu Leonardo gewandt. Der Raum zwischen uns im Bett ist eine kalte Kluft. Ich halte den Atem an und lausche auf seinen. Er ist regelmäßig, zu regelmäßig. Er tut auch nur so, als würde er schlafen.Eine Tür knarrt im Flur. Die des Badezimmers. Mein Vater. Das vertraute Geräusch der Toilettenspülung. Das normale Leben der Wohnung, das seinen Lauf wieder aufnimmt, gleichgültig gegenüber dem Riss, der sich zwischen diesen Wänden aufgetan hat.Ich muss mich bewegen. Aufstehen. Theater spielen.Ich richte mich langsam auf, die Bettlaken rascheln wie eine Anklage. Das Morgenlicht f
SofiaDas Wasser läuft weiter, als er sich endlich zurückzieht, als weigere sich die Dusche anzuerkennen, was gerade zwischen diesen zu dünnen Wänden geschehen ist. Mein Körper zittert noch, geschüttelt von stummen Nachbeben, während ich mich am Rand der Kabine festhalte, um nicht zu schwanken. Meine Beine versagen mir.Wenige Meter von uns entfernt, getrennt durch eine lächerliche Trennwand, schlafen meine Eltern. Oder tun so. Dieser Gedanke pulsiert in meinem Schädel wie eine verspätete Warnung.Leonardo sieht mich nicht sofort an. Er bleibt da, reglos, die Hände gegen das beschlagene Glas gelegt, sein Atem noch schwer. Diese schweigende Nähe ist gefährlicher als alles andere. Es gibt keinen Schwung mehr. Keinen Schutz des Unwiderstehlichen. Es bleibt nur das Gewicht dessen, was wir gewagt haben, hier, bei ihnen.— Sieh mich an, murmelt er schließlich.Ich hebe langsam den Kopf. Sein Blick ist nicht mehr trüb. Er ist klar. Sch
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich







