LOGINAsta Der Spiegel wirft mir ein allzu ruhiges Bild zurück, eine falsche Gelassenheit. Ich nähere mich, und das Glas verurteilt mich nicht: Es erkennt mich. Es weiß, was kommt. Ein Jahr. Ein Jahr, dass ich durch dieses Herrenhaus streife wie ein notwendiger Schatten, ein Jahr, dass meine Nägel ihre Furchen in den Samt gegraben haben, dass meine Lächeln sich den Winkeln seiner Launen angepasst haben. Ich habe aufgehört, seine Geliebte zu sein, um seine geheime Architektur zu werden, der Kitt seiner Macht. Ich kenne ihre Risse. Meine Finger streifen die kalte Fläche. Ich sehe nicht mein Gesicht, ich sehe den Abdruck jeder Nacht, die damit verbracht wurde, dieses Imperium zu festigen. Mein Lippenstift ist eine Waffe, mein Parfüm ein kalkuliertes Verschwinden. Er flüsterte gern „schön wie der Tod", im Glauben, diese Worte sperrten mich in eine Rolle. Er wusste nicht, dass auch der Tod lernt, sich der Risse zu bedienen.
Leonardo Das Wasser fällt wie ein Vorhang aus geschmolzenem Metall, schwer und unablässig. Es schlägt auf meine Schultern, gleitet meine Wirbelsäule hinab, trägt die Wärme fort und die Reste einer Wut, die noch unter der Haut raucht. Die Dusche verwandelt den Raum in eine geheimnisvolle Nische: Dampf, weißes Licht, ein Heiligenschein, der die Details verwischt und die Offensichtlichkeiten vergrößert. Ich schließe für einen Moment die Augen, spüre das Wasser, zähle die Sekunden, wie man Schulden zählt – jede schwerer als die vorherige. Ich betrachte mich im beschlagenen Spiegel, und es ist nicht nur mein Spiegelbild, das mir ein Bild zurückwirft; es ist die Summe dessen, was ich gebe und was man mir zurückgibt. Das Glas ist ein Kissen aus Dunst. Ich lege die Hand dagegen, ziehe mit dem Zeigefinger eine Furche, und der Dampf öffnet sich wie ein Versuch der Wahrheit. Sein Gesicht erscheint, fragmentiert, vergrößert, ohne G
Sofia Die Tür fällt mit einem Knall zu, der mir eine Ewigkeit zu dauern scheint. Ein trockenes, endgültiges Geräusch, als hätte die Welt gerade eine Seite über mich umgeblättert, ohne mich sie noch einmal ansehen zu lassen. Die Luft der Zelle riecht nach Metall und Abgestandenem; ein schneidender Geruch, der in der Kehle klebt. Es ist kalt, aber diese Kälte erreicht nicht die Knochen. Sie nistet sich im Kopf ein, in den Falten, in denen sich die Drohungen verstecken. Ich lehne mich gegen die Wand, rutsche dann hinab, und der Boden fängt mich auf, ohne mir Vergebung anzubieten. — Fast ein Tag ohne Essen … aber was ist hier schon ein Tag? Es gibt keine Zeit mehr, nur den Schmerz, der atmet. Mein Magen ist eine leere Faust, die von innen schlägt, und mein Mund ist eine trockene Höhle, in der jedes Wort, das ich zu artikulieren versuche, zerbricht. Der Durst schärft den Blick: Alles wird klar – der Riss in der Farbe, die Spur
NadiaIch sitze nahe am Fenster des vierten Stocks, die Hand auf meinen Bauch gelegt, wie man ein Siegel auf ein Dokument drückt – fest, vorsichtig, zeremoniell. Der Winter hat noch nicht entschieden, ob er kommen wird, aber die Luft, die durch das Fenster hereindringt, spaltet das Zimmer mit einem eisigen, vertrauten Hauch. Das ganze Herrenhaus ächzt manchmal unter dem Wind, wie eine träge Kreatur, die sich daran erinnert, dass sie wach bleiben muss, um ihre Schätze zu bewachen. Hier kennt jeder Atemzug, jedes Möbelstück, jeder Flur meinen Platz besser als ich selbst.Man hat mich gelehrt, die Wut zu verleugnen. Man hat mich gelehrt, mein Schweigen zu bemessen, wie man Gold wiegt. Mein Vater hat Namen auf Papier gesetzt und mich gegen eine Handvoll Versprechen an eine Macht verkauft, die weder Gesetz noch Mitleid kennt – nur Transaktionen, Ränge, Interessen. Ein Vertrag. Es wurde mit konventionellen Lächeln und Händedrücken besiegelt, die Zukünfte besieg
Ich hebe die Hand, und die Geste löst die Mechanik aus. Meine Männer, die bei den Wagen gewartet haben, gehorchen ohne Zögern. Sie ergreifen sie mit präzisen Gesten, ohne unnötige Brutalität, eher wie man einen kostbaren, aber schmutzigen Gegenstand ergreift. Sofia wehrt sich, beißt, schreit Beleidigungen, tritt um sich, aber sie ist für Schläge und Wut ausgebildet; sie weiß nicht, wie man auf die gut geölte Kette um sie herum antwortet. Ihr Stolz verwandelt sich in eine zerbrechliche Waffe, die an der Disziplin zerbricht. — Fasst sie nicht an, schreit Nadia, die Stimme zerrissen. Behandelt sie nicht so! Der Räuber Fazy stößt ein Lachen aus, aber ich unterbreche sie mit einem Blick. Nadia kommt näher, zögert, weicht dann zurück. Sie weiß, dass jede falsch platzierte Geste meinen Zorn auch gegen sie schüren könnte. Ich verabscheue sichtbare Schwäche, aber ich kenne sie; ich weiß sie zu nutz
Ich umklammere das Lenkrad, meine Fingerknöchel werden weiß. Ich spüre ihre Angst, vermischt mit ihrer Herausforderung. Sie kosten jetzt das Gewicht ihres eigenen Feuers.— Und du, Nadia? murmele ich und fixiere ihre Augen. Du hast die Augen verschlossen. Du hast es geschehen lassen. Warum?Sie senkt den Blick, murmelt, fast unhörbar:— Ich … ich wollte, dass Ihr zurückkommt. Dass alles wieder … normal wird.— Normal? wiederhole ich, schneidend wie ein Skalpell. Es gibt hier kein Normal. Es gibt nur das, was ich dulde, und das, was ich bestrafe.Die Stille kehrt zurück. Der Motor dröhnt. Die Nacht wird dichter, jeder Baum wird zum Gespenst, jeder Scheinwerfer zum Blick.Ich fixiere sie der Reihe nach, meine Lippen zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln verzogen:— Sehr gut. Jetzt wisst ihr alle, dass ich alles sehe. Jede Geste, jedes Wort. Und dass ich keinen Fehler mehr dulden werde. Ihr werdet für eure Fehler bestraft.Die
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich







