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ZI mir

Author: Promise great
last update publish date: 2026-07-16 16:39:59

KAPITEL 29

 

Catalinas Sicht

 

„Einen Moment.“ Er drehte die Hitze herunter und rührte nun eiliger um. Der Geruch in der Küche veränderte sich abrupt und unverkennbar von warm und duftend zu leicht säuerlich. „Ich glaube, ich habe die Schalotten etwas zu lange köcheln lassen, während wir uns unterhalten haben.“

 

„Etwas?“

 

„Deutlich zu lange“, gab er zu und legte den Löffel mit der Miene eines Mannes beiseite, der eine verlorene Schlacht eingesteht. Er hob einen kleinen Löffel voll, um zu kosten, verzog sofort das Gesicht und stellte ihn mit einem entschiedenen Klappern wieder hin. „Das ist ungenießbar, Catalina. Ich will ganz klarstellen, dass ich nicht bescheiden bin. Das ist objektiv ungenießbar.“

 

„Ich bin sicher, so schlimm ist es nicht“, sagte ich, obwohl ich mir ein Lächeln über die echte Bestürzung in seinem Gesicht verkneifen musste.

 

 „So schlimm ist es wirklich“, sagte er und wandte sich mir mit einem Ausdruck so verletzter, fast theatralischer Reue zu, dass ich mir das Lachen endgültig verkneifen musste. „Ich habe eine tadellose Pfanne Knoblauch ruiniert. Noch nie in meinem Leben ist mir Knoblauch misslungen. Er gehört zu den wenigen Dingen, die man fast unmöglich verderben kann, und irgendwie ist es mir gelungen, weil ich so sehr mit der Diskussion über Schwellenhöhen und deinen schrecklich-wunderbaren Tag beschäftigt war.“

 

„Und was machen wir jetzt?“, fragte ich, immer noch lachend. „Ich habe nicht viel anderes in der Wohnung. Ein bisschen Brot, etwas Käse, nichts, was als richtiges Abendessen durchgehen könnte.“

 

Lucien stellte die ruinierte Pfanne mit großer Zeremonie ab, wischte sich die Hände am Geschirrtuch ab und richtete sich mit plötzlicher, entschlossener Energie auf. Die Erschöpfung des Abends war in unseren Gesichtern völlig vergessen.

 

„Nein“, sagte er. „Auf keinen Fall. Du hattest einen langen, anstrengenden Tag, und ich habe ihn gerade noch etwas verschlimmert, indem ich deine Küche mit verbrannten Schalotten vergiftet habe. So darf der Abend nicht enden.“

 

„Lucien, es ist fast neun Uhr abends …“

 

„Zieh dich an, Cat!“, rief er, schon halb auf dem Weg zur Tür, um nach dem ruinierten Topf in der Spüle zu sehen. Seine Stimme hallte mit diesem strahlenden, unbändigen Enthusiasmus durch den Flur, der jede Diskussion mit ihm sinnlos erscheinen ließ. „Wir gehen in ein Restaurant!“

 

Kapitel 29

 

POV: Catalina

 

Ich spähte in den Topf, den Lucien in der Spüle zurückgelassen hatte, und begriff sofort das ganze Ausmaß des Desasters. „Lucien, das ist wirklich tragisch.“

 

„Danke für die Bestätigung“, rief er aus dem Flur und zog sich schon wieder den Mantel über. „Ich hätte eine Lüge vorgezogen, aber ich respektiere deine Ehrlichkeit.“

 

„Wir gehen definitiv in ein Restaurant“, sagte ich und griff schon nach meinem Handy. „Aber ich brauche zuerst jemanden, der auf Mateo aufpasst.“

 

„Wen rufen Sie normalerweise an?“

 

„„Sophie, manchmal“, sagte ich und scrollte durch meine Kontakte. „Sie wohnt zwei Straßen weiter und hat es schon öfter angeboten. Ich bin aber noch nie so spät im Jahr darauf eingegangen.“

 

Ich wählte die Nummer, bevor ich es mir anders überlegen konnte, und Sophie ging beim zweiten Klingeln ran. Ihre Stimme klang trotz der Erschöpfung nach ihrem langen Tag hell.

 

„Clara! Ist alles in Ordnung?“

 

„Alles bestens“, sagte ich und warf Lucien einen Blick zu, der mich mit kaum verhohlener Belustigung beobachtete. „Ich hätte da eine riesige Bitte, und du darfst natürlich Nein sagen.“

 

„Ich sage Ja, bevor du überhaupt fertig bist, aber frag ruhig.“

 

„Lucien hat versucht, Abendessen zu kochen, und dabei etwas angerichtet, das meiner Meinung nach eine echte Gesundheitsgefahr darstellt“, sagte ich, und Lucien stieß von der anderen Seite des Zimmers ein empörtes Geräusch aus, das ich ignorierte.

 

„Oh, schon wieder Lucien?“, hörte ich sie im Hintergrund kichern. Ich verdrehte kurz die Augen.

 

„Wir würden gerne richtig essen gehen.“ „Könntest du ein paar Stunden auf Mateo aufpassen?“

 

„Ich ziehe mir gerade die Schuhe an“, sagte Sophie und lachte schon. „Bring ihn her. Ich wollte schon lange eine Gelegenheit, den Kleinen so richtig zu verwöhnen, seit du ihn das letzte Mal mitgebracht hast.“

 

~

 

Sophies Wohnung war warm und gemütlich eingerichtet, auf die besondere, behagliche Art, die man von jemandem kennt, der sein Zuhause mit Dingen füllte, die er wirklich liebte, und nicht mit Dingen, die Eindruck schinden sollten. Sie öffnete die Tür, noch bevor wir die letzte Treppe hochgestiegen waren. Mateos Wickeltasche war schon halb von meiner Schulter gerutscht, bevor ich sie ihr richtig reichen konnte.

 

„Da ist er ja“, sagte sie gurrend und nahm ihn mir sanft aus den Armen. Ihr Blick glitt an mir vorbei zu Lucien, der einen Schritt hinter mir stand, die Hände in den Manteltaschen. Ihre Augenbrauen hoben sich vor unverkennbarem Interesse. „Und wer ist das?“

 

„Lucien“, sagte er und reichte mir freundlich die Hand. „Freut mich.“

 

 „Oh ja, das ist es wirklich“, sagte Sophie und schüttelte ihm die Hand, während sie mir einen Blick über die Schulter zuwarf, den ich sofort erkannte und der mir ein mulmiges Gefühl bereitete. „Clara, darf ich dich kurz im Flur sprechen? Nur aus organisatorischen Gründen.“

 

„Sophie –“

 

„Einen Moment“, sagte sie und schob mich bereits entschlossen am Ellbogen zur Tür hinaus, während Lucien, zum Glück, weiter in die Wohnung hineinging, um etwas in ihrem Bücherregal zu bewundern, sodass wir gerade genug Abstand hatten.

 

Sobald die Tür hinter uns fast geschlossen war, wandte sich Sophie mit jener besonderen, freudigen Intensität an mich, die sie sonst nur für Klatsch über die Führungsetage reservierte.

 

„Er ist extrem attraktiv, Clara“, flüsterte sie scharf. „Extrem. Verstehst du, was ich meine?“

 

„Ich verstehe ganz genau, was du meinst.“

 

„Süß. Sogar heiß. Ich will morgen im Büro einen ausführlichen Bericht“, sagte Sophie, die vor Begeisterung fast vibrierte. „Jedes Detail.“ „Wohin du gehst, was er bestellt, ob er dir den Stuhl zurechtrückt – alles.“

 

„Sophie, das ist kein Date“, sagte ich und spürte, wie mir trotz meiner Bedenken die Röte ins Gesicht stieg. „Er hat versucht zu kochen und dabei eine ganze Pfanne Schalotten anbrennen lassen. Wir gehen einfach irgendwohin, wo wir uns nicht vergiften. Er ist ein Freund.“

 

„Ach so“, sagte Sophie und zog das Wort mit so übertriebener, theatralischer Skepsis in die Länge, dass ich trotz meiner eigenen Verlegenheit beinahe lachen musste. „Ein Freund, der nach deinem schrecklichen Tag mit den Einkäufen auftaucht und dich dann zum Essen einlädt, wenn sein Kochversuch misslingt. Ganz platonisch. Absolut normales Freundschaftsverhalten.“

 

„Sophie.“

 

„Ich stelle nur die Fakten fest“, sagte sie und hob beide Hände in gespielter Unschuld, obwohl ihre Augen vor kaum verhohlener Freude funkelten. „Geh. Viel Spaß bei deinem Nicht-Date.“ Mateo und ich haben Wichtiges zu erledigen, und ich glaube, es geht dabei um eine Menge unverdienter Bewunderung für meine umfangreiche Sammlung von Keramiktieren.“

 

Sie öffnete die Tür wieder und bat mich kurz hinein, um Mateo einen letzten Kuss auf die Stirn zu geben und ihm leise zu versprechen, dass ich bald zurück sein würde. Dann begleitete sie uns beide zur Tür. Lucien bedankte sich herzlich für ihren Gefallen, und Sophies Blick huschte ein letztes Mal kurz und bedeutungsvoll über seine Schulter zu mir.

 

„Viel Spaß euch beiden!“, rief sie uns hinterher, als wir die Treppe hinuntergingen. Ihre Stimme hallte mit unverkennbarer, vergnügter Schalk durch das Treppenhaus. „Erzähl mir morgen alles, Clara. Wirklich alles.“

 

 Ich drehte mich nicht um, um ihren Gesichtsausdruck zu sehen. Das war auch nicht nötig. Ich konnte ihr Lächeln deutlich genug hören, als die Tür hinter uns endlich ins Schloss fiel, und neben mir kämpfte Lucien vergeblich darum, sein eigenes Lächeln nicht über sein ganzes Gesicht erstrahlen zu lassen, als wir gemeinsam in die kühle Abendluft hinaustraten.

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