Share

002

Author: Nita's Pen
last update publish date: 2026-10-15 14:57:53

Kapitel 2

ALESSIA

Nicola hatte Guila an die Kante seines massiven Schreibtisches gepresst. Seine Hände umklammerten fest ihre Taille, und sein Gesicht war tief in ihrem Hals vergraben. Die Träger ihres engen roten Kleides waren von den Schultern gerutscht und ließen ihre Haut unter dem schwachen Schein der Schreibtischlampe gerötet und entblößt zurück.

„Nicola“, brach meine Stimme. Das Wort riss mir wie zerbrochenes Glas aus der Kehle.

Nicola erstarrte.

„Ich habe dir ausdrücklich gesagt, du sollst in der Küche warten, Alessia“, sagte Nicola. Seine Stimme war vollkommen ausdruckslos, als hätte ich lediglich ein Geschäftsgespräch gestört.

„Du bist mein Mann. Wie… wie konntest du mir das antun?“

„Und du bist eine Plage“, spuckte er zurück und richtete beiläufig die Manschetten seines Hemdes.

Guila machte sich nicht einmal die Mühe, ihr Kleid hochzuziehen. Sie blieb an den Schreibtisch gelehnt, ein bösartiges, triumphalen Grinsen auf den glänzenden Lippen, während sie mich von oben bis unten musterte.

„Ach, Alessia“, seufzte Guila und zog ein falsches, mitleidiges Schmollen. „Du hast wirklich ein furchtbares Timing. Du ruinierst immer die Stimmung.“

„Verschwinde“, flüsterte ich. Der Schmerz in meinem Bauch strahlte bis in die Brust und würgte mich. „Verschwinde aus meinem Haus.“

Nicola trat sofort vor sie und schirmte sie vor mir ab.

„Wage es nicht, die Stimme gegen sie zu erheben“, befahl Nicola in einem tödlich ruhigen Ton. „Hier gibst du keine Befehle, Alessia. Dir gehört hier nichts.“

„Ich bin deine Frau!“ schrie ich, und die Tränen liefen endlich über meine Wangen. Ich konnte sie nicht länger zurückhalten. „Ich bin deine Frau, Nicola! Ich habe dir vor acht Tagen meine Niere gegeben! Ich wurde für dich aufgeschnitten! Ich lag in einem Krankenhausbett und habe gebetet, dass du überlebst – und das tust du mir an?“

Nicola lachte dunkel und grausam auf.

„Glaubst du das ernsthaft?“ fragte er und trat langsam auf mich zu. „Glaubst du wirklich, ich hätte dich aus Liebe geheiratet?“

Die Luft wich aus meinen Lungen. „Wovon redest du?“

„Schau dich an, Alessia“, höhnte Nicola, seine Augen glitten über mein blasses Gesicht, mein zerzaustes Haar und meinen übergroßen Pullover. „Du bist vollkommen durchschnittlich. Du hast keinen Stil, keinen Einfluss. Du bringst absolut nichts Wertvolles in mein Imperium ein. Du bist ein Ersatzteil, Alessia.“

Ich taumelte rückwärts, meine Schulter prallte gegen den Türrahmen. „Nein…“

„Meine Mutter hat das ganze Land nach einer perfekten Blut- und Gewebeübereinstimmung abgesucht, als meine Nieren versagten“, erklärte Nicola kalt und sah mich an, als wäre ich eine schlechte Investition. „Du warst ein mittelloses, verzweifeltes Mädchen mit genau der Biologie, die ich brauchte. Das war der einzige Grund für die Hochzeit.“

„Du hast das geplant?“ schluchzte ich, während meine ganze Welt um mich herum zusammenbrach. Das Märchen, die gestohlenen Küsse, die nächtlichen Versprechen – alles war gelogen gewesen. „Du hast mich benutzt?“

„Es war eine Geschäftsvereinbarung“, sagte Nicola gnadenlos. „Du hast den Titel der Frau eines Milliardärs bekommen. Die Kleider, ein Dach über dem Kopf, die Illusion von Bedeutung. Ich habe meine Gesundheit zurückbekommen. Das Geschäft ist abgeschlossen.“

„Du bist ein Monster“, würgte ich hervor und schlang die Arme um meine Taille. „Ich habe dich geliebt, Nicola.“

„Deine Liebe ist für mich wertlos“, antwortete er ohne die geringste Regung. „Das war sie schon immer.“

„Nicola“, wimmerte Guila leise hinter ihm und fuhr mit einem perfekt manikürten Finger seinen Rücken hinunter. „Sie macht mir Angst. Sie sieht verrückt aus.“

„Alles gut, Baby“, sagte Nicola, und seine Stimme wurde sofort sanft. Die Zärtlichkeit in seinem Ton zerschmetterte das letzte verbliebene Stück meines Herzens. „Sie geht jetzt.“

Ich drehte mich um und rannte den Flur entlang.

Lavina und Emilia saßen immer noch am langen Tisch, nippten an Rotwein und lachten. Sie verstummten, als ich keuchend und mit tränenüberströmtem Gesicht hereinstolperte.

„Was soll das bedeuten?“ zischte Lavina und knallte ihr Glas auf den Tisch. „Wo ist Nicola? Warum heulst du hier wie eine Verrückte?“

„Er ist bei ihr“, schluchzte ich und zeigte mit zitterndem Finger zurück zum Flur. „Nicola und Guila! Sie waren im Arbeitszimmer! Er hat sie geküsst!“

Ich wartete auf den Schock. Ich wartete darauf, dass Emilia aufsprang und die Ehre ihrer Tochter verteidigte.

Stattdessen lächelte Lavina.

„Eigentlich“, sagte Lavina mit einer Stimme, die vor Gift triefte, „habe ich darauf gewartet.“

„Was?“ hauchte ich, und meine Beine wurden weich.

„Ach, Liebling, hast du ernsthaft geglaubt, mein Sohn würde dich lieben?“ Lavina lachte. Sie tauschte einen wissenden Blick mit Emilia, die ebenfalls lächelte. „Hast du wirklich gedacht, ein Mann von Nicolas Kaliber würde sich mit einem Straßenmädchen wie dir abspeisen lassen? Wir brauchten deine Niere, Alessia. Mehr nicht.“

„Du wusstest es?“ flüsterte ich und sah Emilia an. „Du wusstest, dass deine Tochter mit einem verheirateten Mann schläft?“

„Guila schläft nicht mit einem verheirateten Mann“, korrigierte Emilia und musterte ihre Diamantringe. „Sie hält ihrem zukünftigen Ehemann Gesellschaft, bis der Müll entsorgt ist. Nicola und Guila sind sich seit ihrer Jugend versprochen.“

„Ihr seid alle krank“, schrie ich und wich einen Schritt zurück. „Ihr seid alle böse!“

Schritte hallten aus dem Flur.

Guila betrat das Esszimmer. Ihr Kleid saß wieder perfekt, ihr Haar war geglättet. Sie sah aus wie ein Engel. Ein wunderschöner, bösartiger Engel. Nicola folgte direkt hinter ihr, die Hände lässig in den Taschen, sein Gesicht eine emotionslose Maske.

„Ah, da ist sie ja“, sagte Lavina stolz. „Komm, setz dich, Guila.“

Guila ging nicht zum Tisch. Sie kam direkt auf mich zu.

„Was willst du?“ Ich wich zurück, bis mein Rücken gegen die hölzerne Kante der Anrichte stieß.

„Ich will nur reden, Alessia“, sagte Guila süßlich, laut genug für den ganzen Raum.

Sie blieb direkt vor mir stehen und verdeckte Nicolas Blick auf mich. Ihr Rücken war dem restlichen Raum zugewandt.

Sie beugte sich so nah heran, dass ich Nicolas teures Kölnischwasser auf ihrer Haut riechen konnte.

„Du bist wirklich erbärmlich“, flüsterte Guila so leise, dass nur ich es hören konnte. „Übrigens hat er über deinen Körper gelacht. Er hat mir erzählt, du fühlst dich an wie eine Leiche.“

„Halt den Mund“, zischte ich.

„Er gehört mir, Alessia“, flüsterte sie. „Das hat er schon immer.“

Bevor ich reagieren konnte, schoss Guilas Hand vor.

Sie griff hinter mich auf die Anrichte und packte das scharfe silberne Obstmesser, das neben dem Käseteller lag.

Meine Augen weiteten sich. „Was machst du?“

Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, umklammerte sie das Messer fest in der rechten Hand und zog es mit brutaler Kraft über ihren linken Unterarm.

Eine tiefe, grausam rote Linie öffnete sich auf ihrer blassen Haut. Sofort quoll Blut hervor und tropfte auf den Boden.

Ich war zu schockiert, um mich zu bewegen. Ich starrte nur auf das Blut.

Dann ließ Guila das Messer vor meinen Füßen fallen.

Sie warf den Kopf zurück und stieß einen markerschütternden, panischen Schrei aus.

„Aaaah! Hör auf! Alessia, bitte hör auf!“ kreischte Guila, taumelte rückwärts gegen den Esstisch und klammerte sich an ihren blutenden Arm. „Jemand hilft mir! Sie will mich umbringen!“

Chaos brach aus.

„Guila!“ brüllte Nicola.

Er bewegte sich schneller, als ich ihn je gesehen hatte. Er stieß mich so hart, dass ich gegen die Wand krachte.

„Mein Baby!“ schrie Emilia und sprang von ihrem Stuhl auf.

„Nicola, sie hat einfach das Messer gegriffen!“ schluchzte Guila hysterisch und vergrub das Gesicht in seinem Hemd. „Sie hat gesagt, wenn sie dich nicht haben kann, bringt sie mich um! Ich habe nichts getan!“

„Ich hab dich, es ist nur ein oberflächlicher Schnitt, alles wird gut.“

„Bist du wahnsinnig?!“ kreischte Lavina, stürmte herüber und turmte sich über mir auf. „Wie konntest du so grausam sein, Alessia?!“

„Ich habe sie nicht angefasst!“

„Sie hat sich selbst verletzt! Ich schwöre bei Gott, Nicola, sie hat sich selbst geschnitten!“

„Du Psychopathin“, knurrte Nicola. „Du hast das aus reiner Eifersucht getan. Weil du weißt, dass du niemals auch nur halb so viel Frau sein wirst wie sie.“

„Nicola, bitte“, flehte ich und hustete, als ein stechender Schmerz in meine Kehle schoss. „Sie lügt. Sie hat das Messer vor meinen Füßen fallen lassen.“

„Ich habe gesehen, wie du es getan hast, du dreckige Lügnerin!“ schrie Emilia. „Ich habe gesehen, wie du das Messer genommen und meine Tochter aufgeschlitzt hast!“

„Sie ist labil, Nicola“, fügte Lavina hinzu und schüttelte angewidert den Kopf. „Die Operation muss die letzten Reste ihres erbärmlichen Verstandes zerstört haben. Ruf die Polizei. Lass sie wegen versuchten Mordes verhaften.“

„Nein“, sagte Nicola leise. Er stand auf, ließ Guila in den Armen ihrer Mutter und kam auf mich zu.

Er packte den Kragen meines Pullovers und zerrte mich halb vom Boden hoch.

„Du wirst den ganzen billigen Müll, den du in dieses Haus gebracht hast, zusammenpacken und durch die Vordertür verschwinden“, befahl Nicola, sein Gesicht nur Zentimeter von meinem entfernt.

„Wenn ich dein Gesicht jemals wiedersehe, wenn du jemals in hundert Metern Umkreis von Guila auftauchst, werde ich dich persönlich vernichten. Hast du verstanden?“

Er wartete keine Antwort ab. Er ließ mich fallen.

Ich blutete auf dem Boden, und er blinzelte nicht einmal.

Nicola drehte mir den Rücken zu, kniete neben Guila nieder und küsste sanft ihre Stirn, während er den Verband an ihrem Arm kontrollierte. Lavina stand über mir, die Arme verschränkt, und sah auf mich herab wie auf ein Insekt, das gleich zerquetscht werden würde.

Nicola sah mich nicht einmal an. „Verschwinde, Alessia.“

Ich starrte auf seinen breiten Rücken. Auf den Mann, für den ich einen Teil meines eigenen Körpers geopfert hatte.

„Ich gehe“, sagte ich. Nicola zögerte einen Moment – vielleicht überrascht von dem plötzlichen Fehlen von Tränen in meiner Stimme –, aber er drehte sich nicht um.

„Meine Anwälte werden die Trennungsvereinbarung aufsetzen“, entließ er mich. „Du bekommst nichts.“

„Spar dir die Trennung.“

„Ich will die Scheidung.“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • GESCHIEDEN VON EINEM BILLIONÄR, BEGEHRT VON SEINEM FEIND   004

    Kapitel 4ALESSIA Genau sieben Tage waren vergangen.Sieben Tage, seit ich meinen blutenden, gebrochenen Körper aus Nicolas Villa in den eiskalten Regen gezogen hatte. Sieben Tage, seit meine gesamte Realität zerbrochen war.Und sieben Tage, seit Lorenzo, der mächtigste Milliardär, das Muttermal an meinem Hals gesehen und erkannt hatte, dass ich die Tochter war, um die er fünfundzwanzig Jahre lang getrauert hatte.Meine Wunden von der Nierenoperation heilten endlich. Ich sah in den Spiegel und erkannte die Frau, die mir entgegenblickte, kaum wieder.Nora hatte ein Team exklusiver Pariser Stylisten kommen lassen. Ich trug ein maßgeschneidertes, mitternachtsschwarzes Abendkleid.Ein leises Klopfen hallte durch den Raum.„Herein.“In der vergangenen Woche hatte ich alles über den Mann erfahren, der jetzt vor mir stand. Stefano war nicht Lorenzos leiblicher Sohn; er war im Alter von zehn Jahren aus einem Waisenhaus in London adoptiert worden. Aber er lebte nicht vom Lorenzo-Namen. Stefan

  • GESCHIEDEN VON EINEM BILLIONÄR, BEGEHRT VON SEINEM FEIND   003

    Kapitel 3ALESSIADer eiskalte Regen prasselte gegen die riesigen Glasfronten des Luxus-Einkaufszentrums draußen.Ich hatte keinen Mantel. Ich hatte keine Tasche. Alles, was ich besaß, war mein Handy, das ich mit zitternder Hand umklammerte, und die wenigen Dollar, die noch auf meinem digitalen Konto waren. Ich brauchte nur Gaze. Ich brauchte starke Schmerzmittel. Ich musste die Blutung stoppen, bevor ich auf dem Boden zusammenbrach.Ich bog zu schnell um die Ecke; mein Fuß rutschte leicht auf dem Boden aus.Ich krachte direkt gegen eine feste, breite Brust. Zwei starke, ruhige Hände fingen mich an den Oberarmen und hielten mich vorsichtig aufrecht.„Es tut mir so leid“, keuchte ich, die Stimme brach, während ich nach Luft rang und aus reiner Panik verzweifelt versuchte, mich loszureißen. „Es tut mir so leid, ich habe Sie nicht gesehen, ich—“„Ganz ruhig, Kind.“Ich zwang meinen Blick nach oben. Der Mann, der mich festhielt, war älter, vielleicht Ende fünfzig, gekleidet in einen anthr

  • GESCHIEDEN VON EINEM BILLIONÄR, BEGEHRT VON SEINEM FEIND   002

    Kapitel 2ALESSIA Nicola hatte Guila an die Kante seines massiven Schreibtisches gepresst. Seine Hände umklammerten fest ihre Taille, und sein Gesicht war tief in ihrem Hals vergraben. Die Träger ihres engen roten Kleides waren von den Schultern gerutscht und ließen ihre Haut unter dem schwachen Schein der Schreibtischlampe gerötet und entblößt zurück.„Nicola“, brach meine Stimme. Das Wort riss mir wie zerbrochenes Glas aus der Kehle.Nicola erstarrte.„Ich habe dir ausdrücklich gesagt, du sollst in der Küche warten, Alessia“, sagte Nicola. Seine Stimme war vollkommen ausdruckslos, als hätte ich lediglich ein Geschäftsgespräch gestört.„Du bist mein Mann. Wie… wie konntest du mir das antun?“„Und du bist eine Plage“, spuckte er zurück und richtete beiläufig die Manschetten seines Hemdes.Guila machte sich nicht einmal die Mühe, ihr Kleid hochzuziehen. Sie blieb an den Schreibtisch gelehnt, ein bösartiges, triumphalen Grinsen auf den glänzenden Lippen, während sie mich von oben bis u

  • GESCHIEDEN VON EINEM BILLIONÄR, BEGEHRT VON SEINEM FEIND   001

    Kapitel 1Alessia„Alessia!“„Alessia!!“Lavina hatte meinen Namen schon tausendmal gebrüllt, während ich hier stand und vor Schmerzen kaum atmen konnte.Es waren erst acht Tage her seit der Nephrektomie. Acht Tage, seit sie mich aufgeschnitten und meine linke Niere rausoperiert hatten, um das Leben meines Mannes zu retten.„Alessia, sag mir nicht, dass du immer noch so tust?“Ich zuckte zusammen. Meine Schwiegermutter Lavina stand im Küchentürrahmen, die Arme vor ihrem Designer-Kleid verschränkt. Die Lippen zu einem harten, trockenen Lächeln verzogen.„Ich habe nur kurz Luft geholt, Lavina“, sagte ich endlich.„Ach, Alessia, das ist doch Quatsch.“ Lavina rollte genervt mit den Augen. „Glaubst du etwa, du bist die einzige Frau auf der Welt, die mal operiert wurde? Du bist einfach nur… schwach.“„Lavina“, brachte ich mühsam heraus, „mir wurde ein Organ aus dem Körper geschnitten. Ich habe Nicola meine Niere gegeben. Und der Arzt hat gesagt, ich soll mich schonen.“ Ich flüsterte die let

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status