Masuk„Fräulein... bitte töten Sie mich nicht!“, schrie Erick mit heiserer Stimme, die durch den ganzen Raum hallte. Seine Hände hatte er flehend vor der Brust gefaltet, während sich Tränen in seinen faltigen Augen sammelten.
Camelia blieb jedoch nicht stehen. Das Klacken ihrer Absätze auf dem Boden klang wie ein Countdown für die letzten Sekunden seines Lebens. Sie blieb direkt vor Erick stehen und blickte mit lodernder Wut auf den ehemaligen Sekretär ihrer Mutter herab. „Früher warst du die rechte Hand meiner Mutter. Ihr engster Vertrauter“, sagte Camelia mit leiser, aber bedrückender Stimme. Sie beugte sich leicht vor und sah ihm direkt in die unruhigen Augen. „Du warst also ebenfalls an dem schmutzigen Plan beteiligt, der sie in den Ruin und schließlich in den Selbstmord getrieben hat, nicht wahr?“ „Nein! Nein, Fräulein! Ich schwöre bei Gott, ich war es nicht!“, rief Erick panisch und schüttelte heftig den Kopf. Seine Hände fuchtelten hilflos in der Luft. „Ich war nur ein Sekretär, der Verwaltungsaufgaben erledigte! Ich wusste wirklich nichts von dieser Verschwörung!“ Camelias Kiefer spannte sich an. Ein kaltes, spöttisches Lachen entfuhr ihr. „Du willst mir also erzählen, dass du nichts wusstest? Wirklich, Erick... hältst du mich für so dumm? Glaubst du, ich wäre ohne Beweise in dieses Land zurückgekehrt?“ Mit einer fließenden Bewegung griff Camelia in ihren langen Mantel. Klick. Das metallische Geräusch der entsicherten Waffe durchschnitt die Stille. Sie zog eine schwarze Pistole hervor und richtete deren Lauf direkt auf Ericks Stirn. Zwischen der Mündung und seiner Haut lagen kaum drei Zentimeter. „Jetzt sagst du mir die Wahrheit“, sagte Camelia mit eiskalter Stimme. Ihr Finger lag bereits auf dem Abzug. „Oder dein Kopf wird von dieser Kugel durchbohrt, noch bevor du blinzeln kannst.“ Erick taumelte erschrocken zurück, bis sein Rücken gegen einen Tisch stieß. Kalter Schweiß rann ihm über Gesicht und Hals. Als er den tödlichen Ernst in Camelias Blick erkannte, wusste er, dass sie nicht bluffte. „Bitte... tun Sie das nicht! Senken Sie die Waffe! Ich werde reden... ich erzähle Ihnen alles!“, flehte Erick mit stockendem Atem. Mit bebenden Lippen offenbarte er schließlich das Geheimnis, das er jahrelang verborgen hatte. Er sprach über gefälschte Dokumente, illegale Geldtransfers und darüber, wie Bagaskara gemeinsam mit externen Geschäftspartnern die Finanzberichte von Camelias verstorbener Mutter manipuliert hatte. Nachdem Camelia seine vollständige Aussage gehört hatte, ließ sie langsam die Pistole sinken. Ein zufriedenes, kaltes Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Ich habe es mir gedacht“, murmelte sie. „Die Ratten im eigenen Haus sind immer der Anfang des Untergangs.“ Zur gleichen Zeit saß Vivian mit einem verschlagenen Lächeln in ihrem Auto. Ihre rot lackierten Fingernägel tippten auf das Display ihres Handys, bevor sie eine Nummer wählte, die sie auswendig kannte. Sie musste den Köder auswerfen, solange die Gelegenheit günstig war. Das Telefon klingelte nur zweimal. „Was gibt es, Vivian?“, erklang Morgans tiefe, kühle Stimme. Vivian holte tief Luft und zwang ihre Stimme zu einem zittrigen Ton, als würde sie mit aller Mühe ihre Tränen zurückhalten. „Morgan... ich glaube, unsere Beziehung sollte hier enden. Es ist besser, wenn wir uns trennen.“ Am anderen Ende der Leitung erstarrte Morgan, der gerade in seinen Wagen eingestiegen war. Seine Stirn legte sich in Falten. „Was soll das heißen, Vivian? Warum sagst du plötzlich so etwas?“ „Morgan... ich wünsche dir und Camelia eine glückliche Ehe“, sagte Vivian mit gespieltem Schluchzen. Ihre Schauspielkunst war makellos. „Es tut mir leid... Ich wusste nicht, dass ihr beide euch die ganze Zeit heimlich geliebt habt.“ Sofort verhärtete sich Morgans Gesicht. Unwillkürlich dachte er an den Morgen in Zimmer 404 und daran, wie Camelia ihn voller Abscheu zurückgewiesen hatte. „Was hat Camelia dir erzählt, Vivian? Hat sie dich aufgesucht?“ „Sie hat es mir nicht direkt gesagt“, antwortete Vivian mit sanfter Stimme und schürte bewusst seinen Zorn. „Aber... sie hat vor anderen ganz stolz erzählt, dass ihr beide bereits miteinander im Bett gewesen seid. Sie hat eure gemeinsame Nacht regelrecht zur Schau gestellt.“ Rumms! Morgan schlug mit voller Wucht auf das Lenkrad, sodass die Hupe laut aufheulte. Das Blut schoss ihm vor Wut in den Kopf. Wie konnte Camelia es wagen, diese Nacht öffentlich zu machen und seine Beziehung zu zerstören? Ohne ein weiteres Wort beendete er das Gespräch. Er trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch und lenkte den Wagen zurück zu dem Gebäude, in dem er Camelia wenige Minuten zuvor mit ihrem Assistenten gesehen hatte. Im VIP-Raum wollte Camelia gerade ihre Pistole wieder im Mantel verstauen, als die doppelflügelige Tür plötzlich mit einem gewaltigen Knall aufgestoßen wurde. Rumms! Morgan stand mit schwerem Atem und vor Zorn geröteten Augen in der Tür. Ohne Noah oder Erick auch nur eines Blickes zu würdigen, ging er entschlossen auf Camelia zu. Noch bevor jemand reagieren konnte, packte er ihr Handgelenk mit eisernem Griff und zog sie mit sich aus dem Raum. „Morgan! Was soll das? Lass mich los!“, rief Camelia und stemmte sich mit aller Kraft gegen ihn. Doch Morgan war ihr körperlich weit überlegen. Er zog sie erbarmungslos den Korridor entlang. Noah setzte sofort zur Verfolgung an. „Herr Morgan, lassen Sie Fräulein Camelia sofort los!“ „Halt den Mund! Misch dich nicht ein, sonst wirst du es bereuen!“, donnerte Morgan und warf Noah einen vernichtenden Blick zu, der ihn für einen Moment erstarren ließ. Morgan schleifte Camelia bis zum verlassenen Treppenhaus. Dort drückte er sie grob gegen die Betonwand, achtete jedoch darauf, dass sie sich den Kopf nicht stieß. Mit beiden Armen versperrte er ihr den Fluchtweg und stützte sich links und rechts neben ihrem Kopf an der Wand ab. „Lass mich los, Morgan!“, rief Camelia ihm direkt ins Gesicht entgegen. Ihr Atem ging schnell vor Wut und Erschöpfung. Doch ihre Worte machten ihn nur noch wütender. Er beugte sich näher zu ihr, bis nur noch wenige Zentimeter zwischen ihren Gesichtern lagen. „Du wirst für das bezahlen, was du getan hast, Camelia!“, sagte er mit bebender Stimme. „Du bist wirklich eine hinterhältige Frau!“ „Und was genau wollen Sie von mir, Herr Morgan?“, erwiderte Camelia herausfordernd. Furchtlos erwiderte sie seinen Blick. Morgan schnaubte verächtlich. Ein kaltes, gefährliches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er umfasste Camelias Kinn und zwang sie, ihm weiterhin in die Augen zu sehen. „Du fragst mich, was ich will?“, sagte er mit eisiger Stimme. „Hast du dein Versprechen von heute Morgen schon vergessen? Du hast versprochen, Vivian nichts davon zu erzählen, dass wir die Nacht miteinander verbracht haben. Und was tust du stattdessen? Du hast unsere Beziehung absichtlich zerstört, indem du Vivian mit dieser verdammten Nacht provoziert hast!“Camellia Nusantara stand vor dem großen Fenster. Auf ihrem bleichen, schönen Gesicht lag eine beunruhigende Stille – es war jene stille Ergebung, die nur jemand kennt, der einen Sturm der Gefühle durchlebt und sich bereit gemacht hat, die schwerste Entscheidung seines Lebens zu treffen.Auf dem Schreibtisch hinter ihr stand eine kleine schwarze Samtschachtel, geöffnet. Der Diamant des Verlobungsrings glomm schwach und matt im Licht der letzten Glut des Kaminfeuers.Knall.Die Tür wurde weit aufgestoßen. Kalte Luft aus dem Korridor strömte herein, als Morgan Erlangga rasch das Zimmer betrat.Er trug einen nassen Mantel, vom Regen durchnässt. Auf seinem Gesicht – das sonst stets beherrscht und emotionslos war – zeichneten sich tiefe, unübersehbare Sorgenfalten ab. Sein schwarzes Haar war wirr, er atmete schwer – ein Anblick, so selten bei dem Mann, der der Welt als makelloser Geschäftsführer gegenübertrat.Morgan blieb einige Schritte hinter Camellia stehen. Er blickte auf ihren geraden
Auf dem Schreibtisch türmten sich mehrere Geschäftsberichte von Nusantara Heritage. Doch Camellias Blick blieb an den Zahlen, die vor ihr lagen, völlig vorbeigehen. Sie blickte nur gedankenverloren dem flackernden Feuer im Kamin zu. Die seelische Erschöpfung, die sich in den letzten Tagen angehäuft hatte, begann nach und nach ihre innere Stärke zu zehren.Sie hatte sich entschieden, vorübergehend Jakarta zu verlassen, um ihre Gedanken zu ordnen. Doch in dieser alten Villa, in der Erinnerungen an ihre Kindheit lebendig waren, tauchten immer wieder jene Erinnerungen auf, die sie zu vergessen versucht hatte – wie ihre Familie zugrunde gegangen war, wie sie aufgewachsen war, ohne je die Wärme eines Vaters kennengelernt zu haben, und wie tief die Wunden waren, die die Ungewissheit ihrer Vergangenheit geschlagen hatte.Klopf, klopf.Ein Geräusch an der Holztür durchbrach die Stille des Raumes. Bi Asih, die erfahrene Haushälterin, die diesem Haus seit der Zeit des verstorbenen Pradipta dient
Drei Uhr nachts. Der 54. Stock des Hauptgebäudes der Erlangga Holding, der sonst immer in hellstem Licht erstrahlte, lag in gedämpftem Dunkel. In dem geheimen Kommandozentrum, verborgen hinter holzgetäfelten Wänden von Morgans Büro, zeigten hochauflösende Bildschirme lebhaft digitale Diagramme, internationale Bankdaten und verschlüsselte Netzwerke medizinischer Informationen.Morgan Erlangga stand in der Mitte des Raumes. Die Ärmel seines schwarzen Hemdes waren bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, der oberste Knopf geöffnet. Seine scharfen, eisigen Augen blickten unverwandt auf die drei großen Bildschirme vor ihm. Von seiner gewohnten Müdigkeit war nicht die geringste Spur übrig. Was er zeigte, war die absolute Konzentration eines Raubtiers, das seine Beute im Visier hat.Neben ihm tippte David schnell auf einer mechanischen Tastatur und führte Schritt für Schritt geheime Verfahren durch, um auf schweizerische Bankdaten zuzugreifen. Auf der anderen Seite des Kommandotisches analysierte
Als die Morgendämmerung über Jakarta hereinbrach, wurde die Stille in der Residenz der Erlangga-Familie in Menteng von einem unaufhörlichen Klingeln durchbrochen. Dämmerlicht fiel durch die seidenen Vorhänge und tauchte das Empfangszimmer in sanftes Licht. Frau Helena Erlangga saß auf einem mahagonigen, geschnitzten Sofa – aufrecht, streng und ohne eine Spur von Nachgiebigkeit. Vor ihr auf dem Glastisch lagen drei führende Wirtschaftszeitungen und ein Tablet, alle mit derselben Schlagzeile:Versteckte Schwangerschaft hinter dem Erlangga-Imperium: Steht das Bündnis Erlangga-Nusantara vor dem Zusammenbruch?Was bisher nur im Kreis von Börsenkennern geflüstert wurde, brach nun mit einem Mal ins öffentliche Bewusstsein. Die Berichte behaupteten, eine Frau aus angesehenem Hause, Jugendfreundin von Morgan Erlangga, trage einen Erben mit reinem Erlangga-Blut in sich – und drohete die prachtvolle Verlobung zwischen Morgan und Camelia Nusantara zu zerschlagen.Helena drückte mit den Fingern ge
Kaum war die Morgendämmerung über Jakarta hereingebrochen, wurde die Residenz der Familie Erlangga in Menteng von einer Flut dringender Anrufe erschüttert. Schwaches goldenes Licht sickerte an hohen Seidenvorhängen vorbei in das Wohnzimmer, wo Madame Helena Erlangga steif auf ihrem geschnitzten Mahagonisofa saß. Auf dem Glastisch vor ihr lagen drei führende Wirtschaftszeitungen und ein digitales Tablet – alle schrien mit derselben Schlagzeile:GEHEIME SCHWANGERSCHAFT HINTER DEM ERLANGGA-IMPERIUM: RISSE IN DER ERLANGGA-NUSANTARA-ALLIANZ?Gerüchte, die einst auf geschlossenen Börsenkreisen beschränkt waren, waren in die Öffentlichkeit explodiert. Berichte behaupteten, eine angesehene Frau, Morgans engste Freundin seit Kindheitstagen, trage einen reinblütigen Erben der Erlangga – und drohe die große Verlobung zwischen Morgan und Camelia Nusantara zu zerstören.Helena massierte ihre pochenden Schläfen. Ihre smaragdbesetzten Finger zitterten leicht. Jahrzehntelang hatte sie die Würde der D
Es war zwei Uhr in der Zentrale von Erlangga Holding. Der vierundfünfzigste Stock, sonst ein Hort der Ruhe, Präzision und Effizienz, verbarg nun ein sorgsam gesponnenes, unsichtbares Netz der Manipulation.Camelia Nusantara stieg aus dem privaten VIP-Fahrstuhl. Sie trug einen weichen Blazer in Pastellcreme, der von beruflicher Eleganz zeugte. Fest unter den Arm geklemmt trug sie eine dicke Ledermappe mit den abschließenden Bewertungsdokumenten für die Erlangga-Nusantara Global Initiative – gedacht zur gemeinsamen Prüfung und Genehmigung mit Morgan vor der Aufsichtsratssitzung an jenem Nachmittag.Als sie sich dem Schreibtisch der Sekretärin im Eingang näherte, stand Maya – Morgans persönliche Assistentin – unbehaglich und sichtlich nervös da.„Guten Tag, Fräulein Camelia“, begrüßte sie mit höflichem Nicken.„Guten Tag, Maya. Ist Morgan in seinem Büro?“, fragte Camelia warmherzig, ihr aufrichtiges Lächeln strahlte von stetem Frieden.„Herr Morgan ist gerade mit Herrn David für ein drin







