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Ich warte nicht mehr
Ich warte nicht mehr
Author: Afterlife Riot

Kapitel 1

Author: Afterlife Riot
Gerade als die Stornierungsbestätigung auf dem Bildschirm erschien, kam Julian Bergmann aus dem Bad.

Julian sah mich reglos dasitzen, warf einen Blick auf die Uhr und runzelte die Stirn.

„Gibt es heute noch etwas zu besprechen? Es ist gleich neun. Ich will schlafen.“

Zwei Sekunden lang war ich wie erstarrt. Dann schüttelte ich den Kopf. „Nein.“

Julian nickte. „Gut. Dann gute Nacht.“

Julian bemerkte die Veränderung in meiner Stimmung nicht. Ohne zu zögern drehte er sich um und ging zurück ins Schlafzimmer.

Eine Weile starrte ich ins Leere. Gerade wollte ich aufstehen, da leuchtete der inzwischen dunkle Computerbildschirm wieder auf. Synchron mit Julians Handy wurde dort ein eingehender Anruf von Lilia Winter angezeigt.

Und Julian, der nach neun keine Anrufe annahm, kein Wort mehr sprach und keine Nachrichten beantwortete, nahm den Anruf innerhalb einer Sekunde an.

Bloß Lilia nicht warten lassen.

Ich lachte spöttisch auf. Wie aufmerksam. Nur war ich, seine zukünftige Frau, leider nicht diejenige, für die Julian eine Ausnahme machte.

Als ich ins Schlafzimmer kam, hatte Julian die Augen bereits geschlossen. Er schien zu schlafen.

Doch diesmal fielen mir Dinge auf, die ich zuvor nie bemerkt hatte: Julians Handy mit dem Display nach unten. Der unscheinbare schwarze Ohrhörer in seinem rechten Ohr.

Ich machte das Licht aus. Im Dunkeln antwortete ich meinem Vorgesetzten auf seine Nachricht über die Versetzung, die er mir in der Woche zuvor angeboten hatte. Damals hatte ich nicht zugesagt, weil ich nach der Hochzeit keine Fernbeziehung mit Julian führen wollte.

Aber jetzt war alles vorbei.

Die Antwort meines Vorgesetzten kam schnell: „Hast du es dir gut überlegt? Der Einsatz an der Botschaft in Frankreich dauert mindestens fünf Jahre. Wenn du dir sicher bist, kümmere dich um das Visum. In drei Tagen geht es los.“

Ich schrieb zurück: „Gut.“

Julian atmete neben mir ruhig und gleichmäßig.

Wahrscheinlich fühlt sich Lilia in diesem Moment genauso geborgen.

Ich legte mich hin. Zwischen Julian und mir verlief eine unsichtbare Grenze. Einen Moment lang war ich wie abwesend, dann schloss ich die Augen und schlief ein.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, stand Julian bereits im Ankleidezimmer. Ich stand auf und berührte kurz sein Handy.

Es war heiß.

Ich stellte die Unterlagen für das Visum zusammen, warf Julian noch einen Blick zu und ging zur Tür.

Als ich an Julian vorbeiging, rief er mich überrascht zurück: „Bindest du mir nicht die Krawatte?“

Ich lächelte leicht. „Nein. Lern lieber selbst, wie das geht.“ Nach einer kurzen Pause fügte ich hinzu: „Oder lass sie dir von deiner Assistentin binden.“

Julian legte seine Sachen beiseite und kam mit fragendem Blick auf mich zu. „Du meinst Lilia?“

Schon bei Lilias Namen wurden Julians strenge Züge weich. In seinen Augen blitzte ein Lächeln auf.

„Ja, das kann Lilia tatsächlich. Sie ist wirklich aufmerksam. Aber was hat das damit zu tun, dass du mir die Krawatte bindest?“

Zwei Sekunden lang schwieg ich. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte. Also sparte ich mir die Erklärung.

„Gar nichts. Ich will sie dir einfach nicht mehr binden.“

Julian presste missmutig die Lippen zusammen. „Wie du meinst. Übrigens brauchst du mir heute Mittag nichts zu essen zu bringen. Lilia hat gerade geschrieben, dass sie mir etwas mitbringt.“

Meine Hand blieb einen Moment auf der Türklinke liegen.

„Gut.“

Wegen seiner Arbeit litt Julian unter schweren Magenproblemen. Früher kochte ich deshalb immer selbst für ihn, ganz gleich, wie viel ich zu tun hatte.

Umso besser. Dann konnte ich mir diese Mühe künftig sparen.

Ich wollte auch nicht länger auf Julians Stimmung Rücksicht nehmen. Also drehte ich mich um und zog die Tür hinter mir zu.

Bei der Botschaft beantragte ich ein Arbeitsvisum für fünf Jahre. Anschließend holte ich an meiner Dienststelle das Versetzungsschreiben ab und steckte die Unterlagen in meine Tasche.

Vor dem Eingang der Diplomatischen Akademie öffneten sich langsam die Pfirsichblüten. Als ich sie betrachtete, fühlte ich mich so leicht und befreit wie nie zuvor.

Da fiel mir noch etwas ein.

Ich öffnete die App zur Terminvereinbarung beim Standesamt und löschte Julians Ausweisdaten endgültig aus meinen gespeicherten Angaben.

Ich brauche sie nie wieder.

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