ANMELDENWillowIch spürte die Veränderung fast augenblicklich. Die Last, die schon seit Tagen auf mir lastete, schien sich zu lichten, und der Schleier aus Schwindel und Schwäche löste sich wie Nebel in der Morgensonne auf. Es war, als hätte die Blutmischung etwas tief in mir wieder entfacht – eine Wärme und Kraft, die noch nicht da gewesen waren, als ich zusammengebrochen war. Nach zwei Stunden fühlte ich mich wie ein völlig anderer Mensch. Die Schmerzen in meinen Gliedern und meinem Bauch waren verschwunden und durch einen Energieschub ersetzt worden, der durch meine Adern strömte. Ich stand langsam vom Bett auf und prüfte die Kraft meines Körpers. Meine Beine waren fest, mein Herzschlag gleichmäßig. Ich war am Leben, und ich war mehr als nur am Leben – ich war wieder stark.Der Fluch, der mich fast vollständig verschlungen hätte, schien nun so weit weg zu sein, nur noch ein Schatten der Vergangenheit. Doch das bedeutete nicht, dass wir außer Gefahr waren. Nein, der eigentliche Kampf lag n
Asher Es kam mir vor wie das längste Warten meines Lebens. Jede Sekunde schien sich in die Länge zu ziehen, jeder Augenblick schwerer als der vorherige. Wir standen in der Ecke des Zimmers – Axel, Aiden und ich – und beobachteten Lina bei der Arbeit. Sie war vollkommen konzentriert, ihr Blick huschte über die alten Texte, die sie gefunden hatte, um Willow zu retten. Die Luft war voller Anspannung, die Last der Ungewissheit lastete schwer auf uns allen.Willow war immer noch bewusstlos, ihr Körper lag regungslos und zerbrechlich auf dem Bett, als befände sie sich zwischen zwei Welten. Jedes Mal, wenn ich sie ansah, zog sich mein Herz zusammen, und Angst krallte sich in meine Brust. Der Fluch, das Gift in ihr, war stärker, als wir erwartet hatten. Es drohte, ihr das Leben zu rauben, und wir konnten nichts tun, außer darauf zu warten, dass Lina die Antwort fand.Die Jungen standen neben mir, ihre Gesichter waren angespannt, doch ich konnte es in ihren Augen sehen – direkt unter der Ober
WillowDie Sonne stand hoch am Himmel und tauchte alles in ein warmes Licht, und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich im Reinen. Es lag nicht nur an der Einweihungszeremonie oder gar an der Last, den Kindern endlich die Wahrheit zu offenbaren, sondern daran, wie sich alles wie von selbst zusammenzufügen schien. Es herrschte ein gegenseitiges Verständnis zwischen uns, eine Verbindung, die immer gefehlt hatte. Und nun war sie vollständig. Daniel und Ella, meine Kinder, mein Fleisch und Blut, hatten die Wahrheit akzeptiert, auch wenn es schwer war. Asher, Axel und Aiden waren zu den Vätern geworden, die sie verdienten. Wir waren endlich eine Familie, und zum ersten Mal seit Jahren erlaubte ich mir zu glauben, dass wir das durchstehen könnten. Dass wir alle Herausforderungen überstehen könnten, die noch auf uns zukamen. Ich konnte spüren, wie die Magie unter meiner Haut summte, eine pulsierende Energie, die so lange geschlummert hatte. Es war, als würde alles in mir erwachen
AxelDie Luft im Raum fühlte sich stickig an, schwer von einer Anspannung, die ich nicht so recht abschütteln konnte. Es war nicht die übliche Art von Angst, die mich vor einem Kampf ergriff. Nein, das hier war anders. Es war die Art von Ungewissheit, die einem bis in die Knochen ging, eine stille Furcht, die immer wieder flüsterte: Was, wenn dies das letzte Mal ist, dass wir Frieden haben? Das letzte Mal, dass wir jemals diese Art von Ruhe in unserem Leben hatten, lag daran, dass die nächsten Wochen sie uns unweigerlich nehmen würden. Was, wenn wir den bevorstehenden Kampf nicht überleben würden? Was, wenn es, wenn der Tag endlich gekommen wäre, an dem wir unserem Vater gegenübertreten müssten, überhaupt keinen Sieg gäbe? Was, wenn alles, wofür wir gekämpft hatten, alles, worauf wir hingearbeitet hatten, uns wie Sand durch die Finger rinnen würde? Asher hatte recht. Wir durften den alten Mann nicht unterschätzen, ganz gleich, wie sehr er uns verachtete. Er hatte jahrelange Erfahru
WillowIch sah zu, wie die Sonne hinter dem Horizont versank und die sanften, goldenen Farbtöne in die kühlen Blau- und Violetttöne des Abends übergingen. Der Garten um mich herum war friedlich, der Duft der Blumen vermischte sich mit dem der Erde, und das leise Rascheln der Blätter in der sanften Brise beruhigte den Sturm in mir. Ich brauchte diesen Moment der Ruhe, auch wenn er nur für kurze Zeit dauerte. Asher war zurück. Er hatte überlebt. Seit Tagen hatte ich einen Knoten im Magen gehabt und das Schlimmste befürchtet, doch irgendwie hatten meine Instinkte recht gehabt. Er war nicht tot, er hatte es geschafft zu entkommen, wenn auch nicht ohne ein paar weitere Narben, die davon zeugten. Die Attentäter, die sein Vater geschickt hatte, waren ihm nicht gewachsen. Aber da war immer noch dieses nagende Gefühl tief in mir, dieses Flüstern, das mir sagte, dass die Gefahr noch nicht vorbei war. Ich blickte über meine Schulter, meine Gedanken wurden durch das Geräusch von Schritten hi
Asher Ich war nicht so naiv zu glauben, dass mein Vater mich einfach gehen lassen würde, nur weil ich einen Kampf gewonnen hatte. Er traf seine Entscheidungen meist danach, was ihm gerade passte, aber ich wusste, dass er niemals die Kontrolle über jemanden ganz aus der Hand gab. Nicht über mich. Nicht über irgendjemanden. Nicht, wenn er wusste, dass ich wusste, wo Willow war. Nachdem ich aus dem Palast verwiesen worden war, kehrte ich nicht sofort nach Hause zurück. Ich musste herausfinden, was vor sich ging. Es kam mir zu einfach vor. Vater war nie jemand, der mit Gnade oder Ehre handelte, schon gar nicht mir gegenüber. Also machte ich einen Umweg und ging zu Kingstons Haus, in der Hoffnung, mich dort unauffällig aufzuhalten und meinen nächsten Schritt zu planen. Als ich ankam, war es still im Haus; das einzige Geräusch war das Rauschen des Windes in den Bäumen draußen. Ich blieb im Schatten stehen und hielt sorgfältig Ausschau nach Anzeichen von Bewegung. Ich war noch nicht lan







