LOGINLiebe sieht nicht immer aus wie Rettung – manchmal sieht sie aus wie Zerstörung. Sechs Jahre lang hat Sara im Schatten ihrer eigenen Ehe gelebt. Versteckt, gedemütigt und wieder und wieder entwürdigt. Der Hass ihres Mannes hat ihr Schicht um Schicht der Identität entrissen. Sie ist leer. Sie hat gegeben und gegeben. Jetzt ist nichts mehr übrig, was sie geben könnte. Sara hat genug. Sie reicht die Scheidung ein und braucht die Trennung von ihrem Mann. Sie ist entschlossen, etwas Gutes aus ihrem Leben zu machen und Derek Marshall hinter sich zu lassen. Genau in dem Moment, in dem sie fast frei ist, stolpert sie über ein verheerendes Geheimnis – ein Geheimnis, das ihr Leben aus den Angeln hebt. Nun muss Sara wählen: zwischen dem Mann, der ihr Herz gebrochen, sie belogen und ihr Vertrauen wieder und wieder zerstört hat – und dem Versprechen auf ein besseres, einfacheres, leichteres Leben. Sara und Derek stecken fest – zwischen einer Kugel und einem gebrochenen Herzen. Ganz wörtlich.
View MoreSARAS SICHT
Der Regen trommelte leise gegen die Glasscheiben, ein trauriger Rhythmus, der die Stille des Hauses erfüllte. Der Raum war nur schwach von romantischen Duftkerzen erhellt und roch nach Jasmin- und Lavendel-Lufterfrischer.
Die Kerzen, die ich für ein romantisches Abendessen angezündet hatte, ließen den Raum jetzt wie bei einer Séance aussehen.
Das Essen war kalt, unberührt.
Ich machte mir nicht die Mühe, es aufzuwärmen.
Was hatte es für einen Sinn, wenn mein Mann nicht zu unserem Jahrestag erscheinen würde?
Ich seufzte und griff erneut nach meinem Handy. Der Bildschirm leuchtete auf.
23:28 Uhr
Ich öffnete meine Nachrichten und aktualisierte sie immer wieder, obwohl ich bereits wusste, dass nichts Neues da war. Nur dieselbe Nachricht von Rina:
Es ist euer Jahrestag, der perfekte Zeitpunkt, um die Dinge zwischen euch beiden zu kitten. Nutze diese Chance. Ich glaube an dich.
Ich hatte sie wieder und wieder gelesen, wusste aber nicht, wie ich antworten sollte. Tief in mir hätte ich wissen müssen, dass es so kommen würde.
Ich sah mich an dem Tisch um, den ich gedeckt hatte, den Kuchen, den Wein und die Kerzen. Alles wirkte jetzt traurig. Als hätte ich eine Feier geplant, zu der niemand gekommen war.
Seit Jahren war es zwischen Derek und mir so.
Ich hatte alles in meiner Macht Stehende versucht, damit er mich sah, damit er mich liebte – doch es war alles umsonst. Ich war immer noch nicht die Frau, die er wollte.
Ich versuchte noch einmal, ihn anzurufen, vielleicht war ihm etwas zugestoßen. Ein Unfall, vielleicht…
Mein Herz setzte aus.
Nein, das konnte nicht sein. Man hätte mich inzwischen benachrichtigt.
Sein Telefon ging erneut auf die Mailbox.
Ich seufzte und versuchte so zu tun, als würden meine Augen nicht vor unvergossenen Tränen brennen und als würde meine Brust nicht schmerzen, als würde ich von tausend Nadeln gestochen.
Warum… Warum kannst du mir einfach keine Chance geben?
Ich flüsterte es allein in die Dunkelheit, meine Lippen zitterten.
Der Ton des Fernsehers im Hintergrund zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich hatte nicht hingesehen, doch jetzt ließ die Schlagzeile auf dem Bildschirm mich erstarren.
„Derek Marshall in Paris mit der bekannten Erbin der Ford-Familie, Alyssa Ford, gesichtet.“
Mein Herz sank.
Alyssa.
Die Frau, die meine Ehe von Anfang an vergiftet hatte.
Ich hielt den Atem an. Auf dem Foto trug sie die Kette, die ich nur zu gut kannte. Sie hatte Dereks Mutter gehört. Die eigentlich mir zugestanden hätte.
Ich setzte mich langsam, das Handy immer noch in der Hand, zitternd und starrte auf den Bildschirm.
Also war er dort. Bei seiner Geliebten. Wenn man sie überhaupt so nennen konnte. Inzwischen fühlte ich mich wie die wertlose Geliebte.
Ich ballte die Hände zu Fäusten, eine Welle verschiedener Emotionen brandete gegen mich.
Demütigung, Trauer, Reue und Wertlosigkeit.
Sie vermischten sich zu einem Blizzard oder Tornado und wirbelten mich herum.
Ich war so müde davon, meine Gefühle in mich hineinzufressen.
Meine Hände zitterten, als ich sah, wie Derek auf dem Fernseher Alyssa anlächelte, als wäre sie sein Ein und Alles. In diesem Moment wurde mir klar, dass er mich nie so lieben würde wie sie.
Ich war nicht sie, und diese Erkenntnis traf mich wie ein Schlag.
Ich würde nie sie sein. Egal, was ich tat – Derek hatte seine Wahl getroffen. Er hatte sich immer wieder für sie entschieden.
Sie war diejenige, die die Medien kannten.
Aber ich, seine echte Frau, war nicht einmal als seine Ehefrau bekannt. Ich war nur die simple, dumme Frau, die geheiratet worden war, um die Bande und die Freundschaft unserer Familien am Leben zu halten.
Ich schaltete den Fernseher wortlos aus und ging zum Esstisch, wo ich die Kerzen ausblies.
Ich nahm den Kuchen, den ich gebacken hatte, und warf ihn in den Müll – und auch den Wein.
Ich ging die Treppe hinauf und in das Zimmer meiner Tochter Danielle. Wenigstens hatte ich noch meine Tochter.
Sie war schon immer etwas empfindlich gewesen, und da das Wetter in letzter Zeit kälter geworden war, fühlte sie sich nicht wohl und wachte oft nachts auf. Ich wollte nicht, dass sie allein aufwachte.
In ihren ersten Jahren hatte ich, obwohl wir eine Nanny hatten, versucht, alles selbst zu machen. Tag und Nacht hatte ich mich um sie gekümmert. Seitdem hatte Derek bei der Erziehung nicht geholfen, immer in seiner Arbeit gefangen.
Im Laufe der Jahre war mein kleines Mädchen herangewachsen. Weil ihr Vater sie oft zum Spielen mitnahm, während ich meistens diejenige war, die sie erziehen musste, schien sie ihm jetzt näher zu stehen. Doch egal, wie nah sie ihrem Vater war – ich glaubte, dass sie mich tief drinnen genauso liebte.
In der Hocke neben ihrem Bett betrachtete ich ihr friedliches schlafendes Gesicht und fühlte mich ein wenig getröstet.
Plötzlich, als wäre sie in einem Alptraum gefangen, runzelte die kleine Danielle die Stirn und ihre Glieder begannen zu zucken.
Ich streichelte sanft ihre Brust, um sie zu beruhigen. Ihre winzigen Lippen bewegten sich leicht, als versuchte sie, jemandes Namen zu rufen.
Ich beugte den Kopf und lauschte genau. Dann erstarrte ich.
Alyssa.
„Alyssa, ich habe so Angst“, wimmerte sie.
Ich starrte sie an, was von meinem Herzen noch übrig war, zersplitterte in Stücke.
„Mama Alyssa“, schrie sie wieder. „Ich habe Angst.“ Ihre Stimme brach. Ich war einen Moment wie betäubt, dann kam ich zu mir und nahm sie hoch.
„Danielle, Mama ist hier“, flüsterte ich. Sie sah mit ihrem engelhaften Gesicht zu mir auf.
„Mama, ich will Alyssa.“
Ich hätte genauso gut ein Messer ins Herz bekommen können. Das wäre besser gewesen, als meine Tochter nach der Frau rufen zu hören, die mein Leben zerstörte.
„Ähm, Schatz, sie ist nicht hier, aber ich bin für dich da, okay? Hattest du einen Alptraum?“
Ich holte tief Luft und versuchte, die letzte Geduld festzuhalten, die mir noch blieb. Aber es war fast unmöglich.
Sogar meine Tochter zog die Geliebte ihres Vaters ihrer eigenen Mutter vor.
Das war der letzte Tropfen.
Ich konnte das nicht mehr.
Ich konnte es nicht ertragen, in den Leben der wichtigsten Menschen in meinem Leben die zweite Geige zu spielen.
Es tat zu weh.
Ich musste raus, ich wollte raus.
Ich würde sowieso von niemandem vermisst werden. Alyssa war die Frau, die die Medien kannten. Sie war diejenige, die alle mit Derek wollten, und ich konnte es ihnen nicht übelnehmen. Aber ich würde nicht warten, bis man mich beiseite schob. Ich würde diese Ehe mit meiner Würde verlassen.
Ohne nachzudenken küsste ich die Stirn meiner Tochter. „Alyssa wird bald da sein, Liebling. Schlaf jetzt, alles ist gut, die Monster sind weg.“
Überraschenderweise reagierte sie nicht auf mich. Sie drehte sich auf die andere Seite, den Rücken zu mir, und legte sich wieder hin. Ich versuchte, sie zuzudecken, aber sie rückte weiter von mir weg ins Bett.
„Gute Nacht“, flüsterte ich. Keine Antwort.
Meine Augen brannten vor unvergossenen Tränen, als ich aufstand. Ich atmete schwer aus, ging zurück ins Wohnzimmer und nahm mein Handy.
„Ich will die Scheidung, Derek.“
Ich drückte auf Senden.
SARAS SICHTMeine Schwiegermutter Bethany starrte mich mit offenem Mund an.Das hatte sie nicht erwartet. Ein zufriedenes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus. Das sollte sie erst einmal zum Schweigen bringen.Bevor sie auf die Bombe reagieren konnte, die ich gerade abgeworfen hatte, hörte ich eine vertraute Stimme, die nach mir rief.„Sara, bist du das?“ rief Dereks Großvater vom Fuß der Treppe.„Ja, Paps. Ich bin’s“, sagte ich und sah zu, wie er mit einem strahlenden Lächeln auf mich zukam.Danielle rannte zu ihm und umarmte ihn. „Oh, das ist meine kleine Prinzessin“, lachte er, als er sie mühelos vom Boden hochhob, sie in die Luft warf und wieder auffing.„Wie geht’s dir?“ fragte er Danielle und strich ihr liebevoll durch die dunklen Haare.„Mir geht’s gut, Opa. Ich habe dich vermisst!“ sagte Danielle aufgeregt und küsste seine Wangen.„Und wie geht’s dir, meine Liebe?“ Paps kam zu mir und zog mich in eine warme Umarmung.„Mir geht’s gut, Paps, und dir?“ fragte ich mit einem wa
SARAS SICHTIch wachte auf und fand ein leeres Bett vor.Ich seufzte, als mir klar wurde, dass Derek fort war.Er war letzte Nacht nach dem Duschen eingeschlafen, als wäre ich gar nicht da gewesen, als hätte ich ihn nicht um die Scheidung gebeten.Mit einem Seufzer erhob ich mich aus dem Bett, dehnte meine müden und steifen Glieder, um mich besser bewegen zu können, und schlenderte dann zum Zimmer meiner Tochter.Sie schlief noch fest.In ihrem Zimmer lag ein neuer Teddybär.Derek musste ihn mitgebracht haben, als er letzte Nacht nach Hause gekommen war.Ich weckte sie für eine schnelle Dusche, zog sie für den Tag an und schickte sie zu Mrs. Rodriguez nach unten zum Frühstück, während ich mich für die Arbeit fertigmachte.Als ich mit dem Duschen fertig war, zog ich einen Hosenanzug an. Derek hasste es immer, wenn ich Hosenanzüge oder generell Jeans trug. Er sagte stets, ich würde damit Aufmerksamkeit erregen wollen und sei viel zu kurvig für solche Kleidung.Aus Respekt vor ihm hatte
SARAS SICHT„Du willst kündigen?“ fragte Asher Herman, mein Vorgesetzter, erneut, und ich nickte.„Ja, Sir.“Er musterte mich eine Weile mit zusammengekniffenen Augen.Asher, mein Vorgesetzter, war ein Mann mittleren Alters mit gütigen Augen und einem einigermaßen attraktiven Gesicht. Als ich hier angefangen hatte, hatte Derek angewiesen, dass man mich genauso behandeln solle wie die anderen Mitarbeiter. Alles an mir sollte dem Standardverfahren folgen, und so wurde ich auch behandelt.Nicht nur mein Ehemann behandelte mich kühl, sondern auch die Mitarbeiter um mich herum. Aber warum sollten sie auch nicht? Ihr Chef war gut darin, mir das Leben zur Hölle zu machen.„In Ordnung“, durchbrach er die Stille. „Jemand wird eingestellt, der deine Stelle übernimmt.“Ich nickte, dankbar, dass er keine Fragen stellte, obwohl klar war, dass er welche hatte. Ich wusste, dass ich nicht einfach heute gehen konnte.„Danke.“Ich lächelte und ging hinaus, und zum ersten Mal seit Langem fühlte ich mich
DRITTE PERSONDerek trat aus dem Konferenzraum, erschöpft von dem dreistündigen Meeting, das er gerade hinter sich gebracht hatte.Obwohl er müde war, spielte ein Lächeln um seine Lippen. Er hatte wieder einmal einen Deal erfolgreich abgeschlossen.Er war, wie immer, auf der Gewinnerseite.Sein Handy vibrierte in der Tasche, während er das neu übernommene Unternehmen verließ.Er steckte die Hand in die Tasche, zog das Handy heraus und wollte die soeben eingegangene Nachricht lesen.Als er die Benachrichtigungsleiste herunterzog, sah er, dass die Nachricht von seiner Frau Sara stammte. Er tippte darauf und wollte sie gerade lesen, als er plötzlich von kleinen Händen unterbrochen wurde, die sich um seine Taille legten.„Alyssa“, murmelte er, bevor er sich umdrehte und sie sah.Ein Lächeln breitete sich über das Gesicht der blonden Frau aus.„Wie ist es gelaufen?“ Ihre Stimme war angenehm, weder zu laut noch schrill, und trug Wärme in sich.„Rate mal“, grinste Derek.„Du hast den Deal be











