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"Liebling …" Rory nannte ihren Freund Richard zuckersüß. "Es tut mir leid. Ich kann heute nicht freinehmen. Du weißt, sie brauchen mich im Krankenhaus. Und ich brauche viele Überstunden. Das ist mein zweites Jahr als Assistenzärztin. Ich kann nicht einfach gehen, wann ich will. Außerdem habe ich so viele Rechnungen zu bezahlen. Du weißt, ich kann mich nicht auf Alana verlassen, was Arbeit angeht, oder? Sie besteht immer noch darauf, ihren Träumen nachzujagen, anstatt mir und Mom zu helfen, Vaters Schulden abzuzahlen."
"Was soll ich denn sonst machen, Rory? Nicht einmal an unserem Jubiläum kannst du mir ein bisschen Zeit schenken. Wenn wir jemals heiraten, wird es genau so ablaufen!" knurrte Richard wütend am anderen Ende der Leitung.
"Baby, sei nicht so. Du weißt, dass ich dich liebe, aber du weißt auch, dass unser Leben nicht mehr so ist wie früher. Mom und ich ertrinken in Schulden. Ich muss jeden Monat so viel bezahlen. Ich habe nicht einmal Ersparnisse für mich selbst –"
"Sag mir, Rory. Ist überhaupt noch Platz für mich in deinem Leben? Denn ich habe das Gefühl, du rufst mich nur an, wenn dir einfällt, dass es mich gibt. Entscheide dich. Ich werde nicht ewig auf dich warten."
"Bitte sei nicht so, Richard. Du weißt, dass ich dich liebe. Wir sind seit fünf Jahren zusammen. Du bedeutest mir etwas, aber bitte verstehe, dass unser Leben nicht mehr so ist wie früher. Ich muss für meine Familie sorgen. Wir sind nicht mehr reich wie früher, als es in Ordnung gewesen wäre, wenn ich nicht arbeiten würde –"
"Aber du hast mich! Glaubst du, ich würde dich kämpfen lassen? Glaubst du, ich würde zulassen, dass du dich bis auf die Knochen abarbeitest? Du musst mir nur sagen, dass du Hilfe brauchst. Ich zahle alle deine Schulden ab –"
"Oh, bitte, Richard! Du weißt, dass mir dieser Vorschlag nicht gefällt. Was würden deine Mom und dein Dad sagen? Dass ich dich wegen deines Geldes ausnutze? Das will ich nicht. Ich will, dass sie sehen, dass ich nicht hinter deinem Geld her bin. Lass uns bitte nicht streiten? Ich will nicht, dass wir streiten – besonders, weil heute unser Jubiläum ist. Kannst du mir bitte verzeihen, Baby?"
"Ich will nicht mehr mit dir reden!" Richard legte wütend auf.
Rory starrte auf ihr Handy und stieß dann einen schweren Seufzer aus. So sehr sie Richard auch zurückgewinnen wollte, sie hatte keine Zeit. Sie musste hart arbeiten. Sie hatte noch so viele Schulden ihres Vaters abzuzahlen. Und sie war die Einzige, die ihre Familie unterstützte.
Ihre Mutter verstand nichts von Geschäften. Ihre Schwester Alana auch nicht – diejenige, die ihr Vater so sehr verwöhnt hatte.
Rorys Schicht endete gegen elf Uhr nachts. Sie war fast verrückt geworden, weil sie ständig auf ihre Armbanduhr schaute und hoffte, es noch rechtzeitig zu ihrem Jubiläum zu schaffen. Sie wäre fast in ein paar Unfälle verwickelt worden, weil sie so in Eile war.
Sie erreichte Richards Penthouse-Gebäude genau um 23:30 Uhr. Sie hatte sich nicht einmal umgezogen oder geduscht, weil sie es irgendwie wieder gutmachen wollte bei Richard.
Sie waren seit fünf Jahren zusammen, aber Richard hatte begonnen, um sie zu werben, als sie in ihrem letzten Highschool-Jahr war. Er hatte unermüdlich um sie geworben und nie aufgegeben, selbst nachdem sie ihn mehrmals abgewiesen hatte. Und schließlich hatte Rory sich völlig in ihn verliebt.
Als Rory Richards Penthouse erreichte, eilte sie hinein. Sie war sicher, dass ihr Freund zu dieser Stunde bereits schlief. Mit einem kleinen Kuchen in der Hand ging sie schnell in Richtung von Richards Zimmer, aber bevor sie auch nur die Tür erreichen konnte, hörte sie Stimmen.
"Schatz …"
Rory erstarrte. Sie kannte diese Stimme zu gut. Sie konnte sich nicht irren.
"Wann hast du vor, mit meiner Schwester Schluss zu machen?"
"Alana, lass uns die Stimmung nicht ruinieren, okay? Lass uns einfach den Moment genießen", sagte Richard liebevoll.
"Aber … ich bin schon schwanger! In ein paar Monaten kann ich meinen Bauch nicht mehr verstecken. Also wie lange willst du meine Schwester noch anlügen? Außerdem bin ich wirklich deine Frau. Wir sind seit zwei Jahren verheiratet. Zum Glück ist meine Schwester so beschäftigt, sonst hätten wir unseren Hochzeitstag nicht feiern können. Ich habe das auch satt, Richard." Alana begann zu schluchzen. "Ich bin deine rechtmäßige Ehefrau. Aber du behandelst mich wie deine Geliebte. Ich will nicht mehr in dieser Situation sein. Ich will, dass unser Baby in einer normalen Familie aufwächst. Wo ich deine Frau bin – anerkannt als deine Frau von deiner Familie."
"Shhh! Hör auf zu weinen, Schatz. Du weißt, es ist nicht einfach für mich, mit deiner Schwester Schluss zu machen. Mein Großvater mag sie … und er will, dass ich sie heirate. Sobald die Firma auf meinen Namen übertragen wird, rede ich mit meinem Großvater. Warte einfach, okay? Mach dir nicht zu viele Sorgen. Das ist nicht gut für unser Baby."
"Okay!" Alana kicherte. "Kannst du mich dann küssen?"
"Ich werde, Baby."
Rorys ganzer Körper zitterte. Sie konnte jedes Stöhnen und Wimmern der beiden Menschen hören, denen sie vertraut hatte. Sie wollte hineinstürmen, aber ihr Körper bewegte sich nicht. Tränen fielen schneller, als sie sie aufhalten konnte.
"Ohh, Richard! Ich bin fast da", stöhnte Alana.
"Fuck!"
Rory bedeckte ihren Mund und versuchte verzweifelt, kein Geräusch zu machen. Sie trat einen Schritt zurück und ging weg von Richards Wohnung. Sie wusste nicht einmal, wie sie es aus dem Gebäude geschafft hatte, ohne zusammenzubrechen.
Sie hätte nie gedacht, dass Richard sie betrügen würde. Und was es noch schlimmer machte, war, dass die andere Frau ihre eigene Schwester war. Rory weinte in ihrem Auto. Sie konnte nicht verstehen, wie das passieren konnte. Wie die zwei Menschen, denen sie am meisten vertraute, sie so verraten konnten.
"Wir sind seit zwei Jahren verheiratet."
Die Worte wiederholten sich in ihrem Kopf in einer Endlosschleife. Ihre Schwester war mit ihrem Freund verheiratet. Sie waren seit fünf Jahren zusammen, aber Richard hatte seit der Highschool um sie geworben.
Hieß das, Rory war Richards Geliebte geworden? Während ihre Schwester seine rechtmäßige Ehefrau war?
Mit zitternden Händen griff Rory nach ihrem Handy. Sie wählte Richards Nummer, aber er ging nicht ran, bis der Anruf beendet war. Sie wollte sie konfrontieren, aber sie hatte Angst, noch mehr verletzt zu werden, wenn ihr die Wahrheit ins Gesicht geworfen wurde.
Statt nach Hause zu fahren, ging Rory direkt in eine Bar. Sie wollte sich in Alkohol ertränken und hoffte, dass es die Last dessen, was sie fühlte, etwas lindern würde.
Als sie in der Bar ankam, ging sie direkt zum Tresen. Sie bestellte den stärksten Drink, den sie hatten. Nur für heute Nacht wollte sie die Bitterkeit des Verrats ihrer Schwester und ihres Freundes vergessen.
Als das Glas Alkohol hingestellt wurde, griff Rory danach und trank es in einem Zug aus. Die Bitterkeit brannte in ihrem Hals, aber der Schmerz in ihrer Brust war noch viel stärker.
"Ist das ein Herzproblem?"
Rory drehte sich um, als der alte Mann neben ihr plötzlich sprach. Sie hob eine Augenbraue, antwortete aber nicht. Stattdessen wandte sie sich wieder ihrem Glas zu und signalisierte dem Barkeeper, es wieder aufzufüllen.
Der Mann kam der Aufforderung schnell nach.
Rory trank es genauso schnell aus wie das erste.
Der alte Mann lachte. "Das ist ein bitteres Getränk, das du gewählt hast, aber du hast keine Miene verzogen, während du es getrunken hast. Deine Augen erzählen allerdings eine andere Geschichte."
Rory schenkte ihm ein bitteres Lächeln. "Ja. Ich schätze, der Schmerz, den ich fühle, wird so schnell nicht verschwinden."
"Und wer ist die Person, die es gewagt hat, eine schöne Frau wie dich zu verletzen?"
Rory verzog das Gesicht. "Flirtest du mit mir? Ich stehe nicht auf Männer, die alt genug sind, um mein Vater zu sein."
Die Augen des alten Mannes weiteten sich, und dann brach er in Lachen aus. Ein paar Leute warfen ihnen Blicke zu, aber er lachte einfach weiter. Nach einem Moment fasste er sich wieder.
"Keine Sorge. Ich stehe auch nicht auf Leute im Alter meines Kindes. Außerdem bin ich verheiratet. Ich denke nur, dass du eine gute Partnerin für meinen Sohn wärst –"
Rory hob die Hand. "Ich bin gerade wirklich nicht offen dafür, verkuppelt zu werden. Ich habe gerade herausgefunden, dass mein Freund mich betrügt."
Der alte Mann grinste. "Was ist falsch daran, einen sofortigen Ersatz für diesen verrückten Freund von dir zu haben? Mit meinem Sohn würdest du nicht verlieren. Gutaussehend, klug, reich."
Rorys Augenbraue hob sich. "Dein Sohn ist reich? Warum versuchst du dann, ihn in einer Bar mit einer Fremden zu verkuppeln?"
"Weil ich sehen will, dass er heiratet. Ich werde alt. Natürlich will ich sehen, dass mein einziger Sohn heiratet, bevor ich sterbe. Du würdest nicht verlieren, wenn du ihn heiratest, Fräulein."
Rory verzog das Gesicht. "Weiß dein Sohn überhaupt, dass du das tust?"
Der alte Mann zuckte mit den Schultern und wandte sich dann an den Barkeeper, um mehr Drinks zu bestellen. Beide verstummten und tranken einfach weiter Seite an Seite.
Schließlich schaute Rory auf ihr Handy. Eine Nachricht von Richard.
"Es tut mir leid wegen meines Ausbruchs vorhin, Baby. Ich hoffe, du bist morgen nicht beschäftigt? Können wir unser Jubiläum nachfeiern?"
"Wichser", fluchte Rory leise, tief und wütend. Sie wandte sich an den alten Mann, der sie bereits ansah. "Was kannst du mir bieten, wenn ich zustimme, deinen Sohn zu heiraten?"
Nach der Rückkehr zur Villa ging Rory direkt in ihre Suite, um sich zu entspannen. Im Badezimmer drehte sie die Dusche auf und ließ das kühle Wasser die Erschöpfung abwaschen, die an ihrem Geist und Körper haftete. Der beruhigende Duft von Lavendelseife ersetzte schnell den schwachen Geruch von Rauch und Alkohol aus der Lounge.Danach schlüpfte sie in einen bequemen Pyjama. Zu müde, um sich mit einem Haartrockner zu beschäftigen, fuhr sie einfach mit den Fingern durch ihr feuchtes Haar und sank in das übergroße Bett.Gerade als sie die Augen schloss, summte ihr Handy auf dem Nachttisch. Sie warf einen Blick auf den Bildschirm und blinzelte überrascht – es war Rue, der per Video anrief.Sie runzelte die Brauen und tippte auf Antworten.Rues Gesicht erschien auf dem Bildschirm. Er lehnte gegen das Lederkopfteil seines Bettes, sein Pyjamahemd war am oberen Kragen aufgeknöpft, und er hielt eine brennende Zigarette zwischen den Fingern. Er stieß langsam eine dünne Rauchfahne aus, während e
Stille hing schwer im Auto, während sie die ruhige Straße entlangfuhren, die zurück zur Villa führte. Rory lehnte ihren Kopf gegen den Sitz und starrte aus dem Fenster auf die verschwommenen Straßenlaternen, die vorbeirauschten. Neben ihr hielt Rue das Lenkrad fest und ernst umklammert, seine Augen starr auf die Fahrbahn gerichtet, in völliger Stille.Ihre Tasche vibrierte plötzlich, als ihr Handy mit einem eingehenden Anruf klingelte.Rory fischte es heraus und warf einen Blick auf den leuchtenden Bildschirm. Ihre Brauen zogen sich sofort zusammen, als sie den Namen ihrer Mutter sah – Amanda. Mit einem leisen, müden Seufzer legte sie das Handy mit dem Bildschirm nach unten auf ihren Schoß und ließ es klingeln.Als Rue ihre Zögerung bemerkte, warf er ihr einen kurzen Blick zu, als das Auto an einer roten Ampel zum Stehen kam.„Wer ist das? Warum gehst du nicht ran?", fragte Rue direkt.„Meine Mutter", murmelte Rory trocken und hielt ihre Augen geradeaus gerichtet. „Sie hat sowieso nie
Als die Nacht tiefer wurde, wurde auch das Gespräch zwischen Rory und Rues Kreis intensiver. Ace war unerbittlich und sprudelte urkomische Geschichten aus ihren College-Zeiten heraus, die Rory vor Lachen fast umbrachten, während sie zuhörte.„Im Ernst, Rory!", neckte Ace und gestikulierte wild in Rues Richtung. „Damals dachten alle, der Typ sei völlig frei von menschlichen Emotionen. Und jetzt sehe ich ihn hier mit dir? Es ist, als würde man ein regelrechtes übernatürliches Ereignis miterleben!"Rory warf einen Blick zu Rue, der still seinen Whisky nippte und sich gegen die weiche Couch lehnte. Trotz seines stoischen Ausdrucks bemerkte Rory, dass ihn das unablässige Necken seiner Freunde nicht im Geringsten zu stören schien.„Er hat wirklich keine Emotionen", mischte Rory sich mit einem spielerischen Grinsen ein und drehte sich zu ihm. „Ehrlich, manchmal frage ich mich, ob er überhaupt ein Mensch ist oder nur ein Roboter, der ausschließlich für Investitionen und Aktienmärkte programmi
Um sieben Uhr abends war Rory vollständig in ihrer Suite in der Dimitrios-Villa vorbereitet, bereit für ihren Abend mit Rue. Sie stand vor dem bodenlangen Spiegel und bewunderte die zurückhaltende Eleganz ihres schwarzen Kleides – eine klassische, maßgeschneiderte Silhouette, die sich geschmackvoll an ihre Kurven schmiegte, ohne zu viel preiszugeben. Es traf die perfekte Balance zwischen Raffinesse und Anziehungskraft, ein Look, den Rue kaum bemängeln konnte, obwohl seine Meinung ihr sowieso wenig bedeutete. Während sie einen Hauch Parfüm auf ihren Hals tupfte, zog ein sanftes Lächeln an ihren Lippen, als sie sich an ihr Telefongespräch am Nachmittag erinnerte.„Zieh dich heute Abend angemessen an. Ich will nicht, dass irgendjemand anderes dich so angezogen sieht außer mir."„So ein arroganter Idiot", murmelte Rory vor sich hin, schüttelte den Kopf und schloss die Augen mit einem leisen Lachen.Sie wusste, dass er sie nur neckte, doch sie musste zugeben, dass es funktionierte – es hin
Am folgenden Tag erwachte Rory bemerkenswert leicht. Dank ihres medizinischen Hintergrunds – wo unaufhörliches Lernen zur zweiten Natur geworden war – fiel es ihr leicht, selbst die komplexesten Daten und komplizierten Details des neuen Megamall-Projekts auswendig zu lernen und zu entschlüsseln. Überzeugt, dass jedes notwendige Informationsstück bereits fest in ihrem Kopf verankert war, hatte sie nichts mehr vorzubereiten. Sie verbrachte den Morgen damit, in der weitläufigen Dimitrios-Villa herumzulungern.Mr. Dimitrios war am frühen Morgen aus dem Krankenhaus entlassen worden und ruhte sich derzeit in seiner Suite im zweiten Stock aus. Da Rory sah, dass der alte Mann stabil und komfortabel war, beschloss sie, die Zeit am Poolbereich zu verbringen.Sie schwamm ein paar leichte Runden im Pool hin und her und lauschte dem sanften Rascheln der Brise.Einen Moment später näherte sich ein Hausmädchen mit einem Tablett. Sie stellte ein Glas frischen Orangensaft und einen Teller mit aufgesch
„Warte eine Sekunde, Rivaz", hakte Rory nach, während sie sein großes Büro betraten. „Warum hast du mich wirklich hierher gebracht?"Rue blieb direkt vor seinem Executive-Schreibtisch stehen, legte sein Jackett über die Rückseite seines Drehstuhls und warf ihr einen eisigen Blick zu.„Ich brauche dich nur, um etwas zu vertreiben", antwortete Rue schlicht, bevor er formell Platz nahm und seinen Laptop aufklappte.Rorys Brauen zogen sich zusammen, völlig überrumpelt. „Vertreiben? Was vertreiben?"Sie erhielt keine Antwort von dem Mann. Sie zuckte mit den Schultern und schlenderte direkt zu dem luxuriösen Sofa in der Mitte des Büros. Ohne zu zögern, lehnte sie sich zurück und ließ sich leicht nieder – als gehöre ihr das gesamte Unternehmen. Sie legte sogar ihre Beine hoch und passte ihre Position an, um es sich richtig bequem zu machen.Währenddessen machte Rue sich still an die Arbeit, seine Finger flogen über die Tastatur, während er Befehle in seinen Laptop eingab und Dokumente auf de







