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Kapitel 4: Der Verdacht des Chefs

Author: D.SAM
last update publish date: 2026-07-29 03:51:16

Emma hatte kaum geschlafen. Sie wälzte sich hin und her, bis die Laken völlig verknotet waren, die klebrigen Überreste von Marcus' Sperma von der vergangenen Nacht längst eingetrocknet, aber unmöglich zu vergessen. Jede Bewegung im Bett erinnerte sie daran. Bis zum Morgen hatte sie sich zweimal geduscht, aber die Scham klebte fester als jeder Geruch. Dein Stiefbruder. Bei der Arbeit. Auf deinem Schreibtisch. Sie starrte ihr Spiegelbild an, während sie Abdeckcreme über den schwachen Knutschfleck an ihrem Hals auftrug. Ein Schal musste her.

Das Büro fühlte sich anders an, als sie ankam – helleres Licht, schärfere Kanten. Oder vielleicht waren es nur ihre Nerven. Sie hielt den Kopf gesenkt und beantwortete E-Mails auf Autopilot. Ihre Oberschenkel schmerzten noch leicht vom Über-den-Schreibtisch-Gebeugt-Werden. Als Sarah, ihre Assistentin, mit Kaffee hereinkam, zwang Emma sich ein Lächeln, das sich rissig anfühlte.

„Geht's dir gut? Du siehst aus, als hättest du dir eine durchgemacht“, sagte Sarah, ihre Sommersprossen zogen sich bei einem Stirnrunzeln zusammen.

„Deadline-Stress. Du weißt, wie das ist.“ Emma nahm den Becher, dankbar für die Ablenkung. Sie mied den Konferenzraum, in dem Marcus angeblich in Besprechungen war. Sie mied den Kopierraum ganz.

Gegen 11:30 klingelte ihr Schreibtischtelefon. Ryans Durchwahl. „Emma, in zehn Minuten in meinem Büro.“

Ihr Magen krampfte sich zusammen. Ryan Caldwell machte keine lockeren Zwischenchecks. Leistungsbeurteilungen wurden Wochen im Voraus angesetzt. Das fühlte sich … falsch an.

Sie glättete ihren schwarzen Bleistiftrock – heute konservativ, hoher Ausschnitt – und klopfte an die schwere Glastür des Eckbüros. Hinter ihm erstreckte sich die gesamte Stadtsilhouette, graue Wolken hingen tief.

„Komm rein. Schließ die Tür.“

Ryan saß hinter seinem gewaltigen Schreibtisch, das salz-und-pfefferfarbene Haar perfekt gestylt, die grauen Augen wie immer scharf. Mitte vierzig, gebaut, als würde er am Wochenende immer noch schwere Gewichte stemmen. Er deutete auf den Stuhl ihm gegenüber. Kein Lächeln.

„Du hast bei Thompson gute Arbeit geleistet“, begann er und blätterte in einem Ordner. „Die Zahlen sehen solide aus. Aber mir sind in letzter Zeit einige … Ablenkungen aufgefallen.“

Emma wurde der Mund trocken. „Ablenkungen?“

Er lehnte sich zurück und musterte sie. „Neuer Berater. Marcus Hale. Ihr scheint euch gut zu kennen. Familienverbindung?“

Sie rutschte auf dem Stuhl herum und schlug die Beine übereinander. Die Bewegung presste ihre wunde Muschi gegen den Stuhl, und sie musste ein Aufzucken unterdrücken. „Stiefbruder. Unsere Eltern sind verheiratet. Das ist keine große Sache. Ganz professionell, wie immer.“

Ryans Mundwinkel zuckten, fast amüsiert. Er stand auf und ging um den Schreibtisch herum, setzte sich auf die Kante, näher bei ihr. Der Duft seines Rasierwassers – etwas Teures, Holzernes – erfüllte den Raum. „Professionell. Interessant. Die Sicherheit hat gestern Abend späte Betriebsamkeit in der Etage gemeldet. Und heute Morgen bist du hereingekommen, als hättest du in diesen High Heels einen Marathon absolviert.“

Hitze kroch ihren Nacken hinauf. Sie zog den Schal fester. „Ich habe gestern Abend länger am Deck gearbeitet. Wie ich Sarah gesagt habe.“

Er blinzelte nicht. Eine Hand streckte sich aus und rückte den Schal ein wenig zurecht. Seine Finger streiften ihre Haut, bewusst. „Knutschfleck. Anfängerfehler. Marcus?“

Emmas Herz raste. Ihren Chef anzulügen. Ryan. „Nein. Das ist … nichts. Ein blöder Date letztes Wochenende.“

„Blöder Date.“ Er wiederholte es, als würde er die Worte schmecken. Seine Stimme wurde tiefer. „Du bist eine talentierte Frau, Emma. Ehrgeizig. Ich habe dir beim Aufstieg zugesehen. Aber Ehrgeiz kann Menschen schlampig machen. Nachlässig mit Geheimnissen.“

Sie schluckte, ihr Puls raste zwischen ihren Beinen, trotz der Schuld. Oder gerade deshalb. Ryan war immer einschüchternd gewesen – befehlend in Besprechungen, entscheidungsfreudig. Jetzt fühlte sich diese Energie schwerer an, persönlicher. Sein Blick wanderte zu der Stelle, an der ihr Rock etwas hochgerutscht war.

„Ich kümmere mich darum“, sagte sie, ihre Stimme fester, als sie sich fühlte. „Marcus hilft nur bei den europäischen Aspekten. Vorübergehend.“

Ryan brummte zustimmend, nicht überzeugt. Er blieb nah, überragte sie in ihrer sitzenden Position. „Vorübergehend. Sicher. Aber wenn er dich ablenkt … deine Konzentration beeinträchtigt …“ Seine Hand ruhte auf der Lehne ihres Stuhls, sein Daumen streifte ihre Schulter. „Dann muss ich mich vielleicht persönlich stärker einmischen.“

Die Andeutung hing in der Luft. Emmas Gedanken schossen zu Marcus, der sie gestern Abend über den Schreibtisch gebeugt hatte, sie füllte, sie seine Hure nannte. Jetzt Ryan, der sie ansah, als könnte er jedes schmutzige Detail sehen. Ihre Nippel spannten sich unter ihrer Bluse. Was zur Hölle ist los mit mir?

„Ich schätze die Sorge“, brachte sie hervor. „Aber ich habe alles unter Kontrolle.“

„Hast du das?“ Er neigte den Kopf, seine grauen Augen verdunkelten sich. Für einen Moment rutschte die professionelle Maske gerade genug, um ihr etwas Hungerndes darunter zu zeigen. „Denn du bist gerade gerötet. Atmest ein bisschen schnell. Und dieser Schal verbirgt nicht viel.“

Sie stand abrupt auf, der Stuhl kratzte über den Boden. Zu nah. Die Luft fühlte sich dick an. „Gab es sonst noch etwas für die Beurteilung?“

Ryan ließ sie zurücktreten, aber sein Grinsen war wissend. „Nicht heute. Aber konzentrier dich weiter, Emma. Ich würde dich ungern wegen etwas … Unordentlichem verlieren.“ Er hielt sie an der Tür auf, als sie sie erreichte. „Und sag deinem Stiefbruder, dass ich absolute Diskretion erwarte. Oder ich übernehme die Aufsicht selbst.“

Emma nickte und schlüpfte hinaus, die Beine schwach. An ihrem Schreibtisch vergrub sie für einen Moment das Gesicht in den Händen. Schuld nagte an ihr – Marcus' Sperma von letzter Nacht, die Lügen, die Art, wie ihr Körper auf Ryans bohrenden Blick reagiert hatte. Sie geriet ins Trudeln.

Ihr Handy summte. Marcus: Das Abendessen-Debakel lässt dich an Runde zwei denken? Heute Abend bei mir.

Sie löschte die Nachricht, ohne zu antworten. Aber das Ziehen zwischen ihren Beinen sagte etwas anderes.

Auf der anderen Seite der Etage entdeckte sie Ryan, der durch seine Glaswand hindurch beobachtete. Er sah nicht weg.

Das wurde langsam zu kompliziert. Und das Schlimmste? Ein verdrehter Teil von ihr fragte sich bereits, wie sich „stärker einmischen“ von Ryan wohl anfühlen würde.

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