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Kapitel 20

last update publish date: 2026-06-04 14:09:59

Die Gala hatte einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, der noch tagelang anhielt. Elena verbrachte die meiste Zeit in dem kleinen Wohnzimmer neben der Hauptbibliothek – einem Raum, den sie sich seit ihrem Einzug auf dem Anwesen zu eigen gemacht hatte. Die Schuldgefühle, die seit ihrer Lüge auf der Party stetig gewachsen waren, fühlten sich inzwischen wie ein lebendiges Wesen in ihrer Brust an – schwer und unerbittlich.

Sie saß an dem antiken Schreibtisch, vor sich ein le
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  • VERSTRICKTES GELÜBDE   CHAPTER 247: REDEN

    Der Stuhl hatte einen Riss im Kunstleder, und am dritten Tag wusste Elena, dass man an so einem Riss nicht zieht, weil er sonst weitergeht.Sie saß jedenfalls so, dass sie nicht daran hängen blieb.Um sechs kam eine Frau mit einem Wagen und einem Eimer und machte mehr Lärm, als nötig war. Sie schob die Klappe an der Wand auf und schloss sie wieder, und das Schloss sagte jedes Mal dasselbe Wort. Es roch nach Reiniger und nach warmer Luft aus den Röhren, und irgendwo auf dem Gang lief ein Kaffeeautomat, der nicht funktionierte.Cassian lag mit dem Gesicht zur Tür, weil die Schwestern ihn am ersten Tag zur Seite gedreht hatten und am zweiten wieder, und dann blieb er so.Der Schlauch ging von seiner Nase zur Wand, wie am ersten Abend, und die Dose daran war noch dieselbe. Jeden Morgen kam jemand, der die Zahl auf dem Monitor ablas und in ein Heft notierte, und jedes Mal hoffte sie zwei Sekunden lang, dass er es tut.Er tat es nicht.Am ersten Tag hatte sie ihm eine Decke über die Hand ge

  • VERSTRICKTES GELÜBDE   CHAPTER 246: ZIMMER VIERZEHN

    Die Armbanduhr war weg.Elena merkte es um Viertel nach sieben, als sie nach dem Becher griff und ihr Handgelenk nackt war. Sie hob die Hand und drehte sie im Licht. Da war die helle Stelle, wo das Band gesessen hatte, und die Ränder davon waren schon dunkler.Sie wusste, wo sie die Uhr abgemacht hatte. Im Erdgeschoss an dem Waschbecken neben dem Seifenspender, weil der Ruß unter dem Armband saß und sie es nicht mehr aushielt. Sie hatte das Wasser so heiß gestellt, dass es wehtat, und danach hatte sie die Hände unter den Trockner gehalten, und der Trockner hatte nur warme Luft geschoben.Die Uhr lag jetzt am Beckenrand oder im Mülleimer oder nirgendwo, weil sie keine Tasche hatte.Sie stand auf und setzte sich wieder hin.Der Gang hatte Stühle aus Kunststoff, und in der Mitte stand ein Tisch mit Zeitungen, die aussahen, als hätte sie jemand mit feuchten Händen gelesen. Über der Tür hing eine Uhr, und die Uhr lief richtig, und das ärg

  • VERSTRICKTES GELÜBDE   CHAPTER 245: DIE RETTUNG

    Es war noch nicht vier Uhr, als Elena aufhörte, auf die Hallentür zu sehen.Sie wusste nicht genau, warum. Vielleicht, weil sie zu lange nicht geblinzelt hatte und ihre Augen brannten. Vielleicht, weil sich das Blech an der Vorderseite der Halle an einer Stelle nach innen gebogen hatte und dann stehen geblieben war, und weil sie merkte, dass sie auf diese Stelle starrte und wartete, dass sie sich bewegte.Der Junge saß neben ihr im Graben, den Rücken an der Böschung, die Knie hochgezogen. Er hatte den Kopf auf die Knie gelegt und sah nicht mehr hin. Irgendwann hatte er einen Schuh verloren und nicht danach gesucht.Auf dem Hof waren jetzt sechs Männer in Jacken, die im Licht heller wirkten, als sie waren. Zwei hielten ein Rohr, und das Rohr machte ein Geräusch, als würde Wasser gegen ein Brett geworfen. Einer stand am Grabenrand und hatte sie zweimal gefragt, ob sie verletzt sei."Nein", hatte sie beide Male gesagt.Der Mann mit der

  • VERSTRICKTES GELÜBDE   CHAPTER 244: DAS FEUER

    "Notruf, was ist Ihr Notfall."Sie brauchte zwei Sekunden für die Frage. Der Junge stand neben ihr und hielt ihren Ärmel an der Naht, und über dem Hof war es still."Feuer", sagte sie. "Vielleicht Feuer. Ich weiß es noch nicht.""Wo sind Sie?"Sie sah zum Torpfosten. Dort war ein Blech mit einem Namen, den sie kannte, und darunter die Hausnummer. Die Zahl stand in weißen Ziffern auf blauem Grund, und eine Ziffer war mit einem Stein beworfen worden."Hafenstraße achtzehn", sagte sie. "Es ist ein Lager, ein großes Blechdach, an der Ecke zum Feld. Im Haus ist das Licht aus, die Sicherung ist draußen.""Warum ist die Sicherung draußen?""Ich habe sie rausgemacht."Die Frau am Telefon sagte nichts. Elena hörte eine Tastatur."Sind Menschen drin.""Zwei.""Namen."Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Der Junge hatte den Kopf gedreht und sah über die Schulter zum Hof hinter ihnen, und sie legte ihm die Hand auf den Nacken und drehte ihn zu sich."Ich brauche die Namen.""Anton Hale",

  • VERSTRICKTES GELÜBDE   CHAPTER 243: DER AUSWEG

    Die Tür war warm, und der Dieselgeruch war stärker als in der Halle, und Elena schob den Jungen zuerst hinaus.Er stolperte über die Schwelle, fing sich auf dem Kies und blieb einen Schritt draußen stehen, die Schultern hochgezogen. Sie folgte ihm und ließ die Tür offen. Aus der Halle kam die Wärme hinter ihr her, und draußen war es kalt, und über dem Hof hing eine Lampe an einem Mast."Weiter", sagte sie.Der Junge drehte sich um."Da ist ein Tor.""Ich sehe es. Geh weiter.""Das ist zu.""Geh einfach weiter und bleib neben mir."Er ging. Sie blieb auf seiner linken Seite, weil die Tür rechts von ihnen war, und sie sah nicht zurück, sondern auf die Wand der Halle, die im Licht der Lampe grau war und weiter vorn heller.Der Kies war tief, und ihre Schritte waren laut, lauter als alles im Haus. Das Tor war Maschendraht in einem Rohrrahmen, zwei Flügel, und in der Mitte lief eine Kette durch beide.Sie hob sie an. Das Schloss war schwerer, als sie erwartet hatte, und der Bügel stand off

  • VERSTRICKTES GELÜBDE   Kapitel 242: Das Dunkel

    Der Beton war an einer Stelle sandig. Elena spürte die Körner unter ihrer Schuhsohle, als sie den nächsten Schritt machte. Hinter ihr knackte etwas.„Ich find die Tür nicht“, sagte Georg.„Bleib stehen“, befahl Anton.„Wo ist die Tür?“„Links von dir. Drei Meter. Und geh nicht weiter.“Elena hielt den Atem an und lauschte. Antons Stimme kam aus der Mitte der Halle. Georg stand weiter hinten, auf der Seite der Tür. Sie konnte nicht sehen, ob er sich an die Wand drückte oder bereits nach seinem Handy tastete.Der graue Kasten neben ihr war noch warm. Sie hatte die Hand vom Hebel genommen, aber die Wärme saß ihr immer noch in den Fingern. Für einen Moment blieb sie mit dem Fuß dicht davor stehen. Dann zwang sie sich, weiterzugehen.„Junge“, sagte sie. „Bist du noch da?“Keine Antwort.„Du musst nichts erklären. Sag mir nur, ob du mich hörst.“Ein leises Rascheln kam aus der Richtung der erste

  • VERSTRICKTES GELÜBDE   Kapitel 4

    Das Kleid schmiegte sich wie eine zweite Haut an Elena smaragdgrüne Seide, die sich um ihre Füße bauschte und unter den Lichtern des Ankleidezimmers schimmerte. Sie starrte auf ihr Spiegelbild, ihre Finger zitterten, als sie die Diamantohrringe befestigte, die Sophia gehörten. Heute Abend war es ni

  • VERSTRICKTES GELÜBDE   Kapitel 3

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  • VERSTRICKTES GELÜBDE   Kapitel 2

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  • VERSTRICKTES GELÜBDE   Kapitel 1

    Der Bass pulsierte durch die überfüllte Villa wie ein zweiter Herzschlag, doch Elena Voss spürte ihren eigenen in der Kehle stocken. Kristalllüster warfen gebrochenes Licht auf Designer-Kleider und maßgeschneiderte Anzüge, während Gelächter wie Glasscherben durch die Luft schnitt. Das hier sollte e

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