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Kapitel 3

last update publish date: 2026-05-24 06:47:05

Die Tür ging auf.

Sophia stand im Flur. Beide Hände vor den Mund geschlagen. Tränen in den Augen. Hinter ihr Richard. Das Handy noch in der Hand. Das Video von unten lief in Dauerschleife.

Sie sahen uns.

Cassians Hand in meinem Haar. Meine Hände in seinem Hemd verkrallt. Atemlos. Zerzaust. Schuldig.

Elena hatte zwei Sekunden. Zwei Sekunden bevor diese Lüge sterben würde oder lebendig werden würde.

Sie lächelte. Es war das geübteste und schrecklichste Lächeln ihres Lebens. Das Lächeln das sie vierzehn Jahre lang auf jeder Gala perfektioniert hatte.

Mom, sagte sie. Ihre Stimme zitterte genau richtig. Wir wollten es euch heute früh sagen. Es ist noch neu.

Cassian verstand sofort. Seine Hand rutschte von ihrem Haar an ihre Taille. Fest. Besitzergreifend. Er zog sie an sich als wäre es das Natürlichste der Welt.

Elena wollte nicht dass ihr denkt wir überstürzen etwas, sagte er. Seine Stimme war ruhig. Glatt. Keine Spur von der Wut von vor fünf Minuten. Er sah Richard direkt an. Aber nach heute Abend macht Verstecken keinen Sinn mehr.

Richard starrte seinen Sohn an. Dann Elena. Dann wieder die Hand auf ihrer Taille. Sein Blick war nicht wütend. Er war schockiert. Und dann erleichtert.

Seit wann, fragte Richard.

Seit der Hochzeit unserer Eltern ist übertrieben, sagte Cassian und rettete meine dämliche Formulierung. Sagen wir seit letztem Winter. Wir wollten es professionell halten. Wegen der Familie.

Sophia machte einen kleinen Laut und stürzte sich auf uns. Sie roch nach Jasmin. Sie drückte erst Cassian dann Elena so fest dass es wehtat.

Ich wusste es, flüsterte sie an Elenas Wange. Nass von Tränen. Ich habe es in den letzten Monaten gesehen wie ihr euch angesehen habt. Oh mein Mädchen. Mein Junge.

Elena sah über Sophias Schulter zu Cassian. Seine Augen trafen ihre. Spiel mit, sagten sie. Spiel verdammt noch mal mit.

Also legte sie eine Hand auf Sophias Rücken und die andere zögernd auf Cassians Brust. Sein Herz hämmerte. Rasend schnell. Er war genauso nervös wie sie.

Wir freuen uns wirklich, brachte Elena heraus.

Richard legte eine schwere Hand auf Cassians Schulter. Morgen Abend ist das Board Dinner. Du bringst sie mit. Offiziell. Er sah Elena an und sein Lächeln wurde weicher. Willkommen in der Familie Elena. Endlich richtig.

Die Tür schloss sich. Sophia und Richard gingen. Tuschelnd. Glücklich. Schon am Telefon um die Neuigkeit zu teilen.

Stille fiel über die Suite.

Elena sprang von Cassian weg als hätte sie sich verbrannt.

Fass mich nie wieder so an, fauchte sie.

Du hast mich zuerst angefasst, sagte er. Seine Stimme war wieder kalt. Aber sein Puls raste noch immer am Hals. Gute Improvisation übrigens. Es ist noch neu. Fast hätte ich es dir geglaubt.

Das Board Dinner ist morgen, flüsterte sie. Ihre Knie wurden weich. Da ist die halbe Stadt. Und Jake. Und Meridian.

Genau. Er ging zum Barwagen und schenkte sich endlich den Whisky ein den er vorhin nicht getrunken hatte. Und du wirst hingehen und lächeln. Und Jakes Onkel wird dich anlächeln und so tun als hätte er deine Bewerbung nie abgelehnt. Weil du jetzt mit mir zusammen bist.

Elena verstand. Das war kein Angebot. Das war der Deal den sie selbst vorgeschlagen hatte nur in seiner Sprache.

Dann habe ich Bedingungen, sagte sie schnell bevor sie den Mut verlor.

Er zog eine Augenbraue hoch.

Erstens. Ich ziehe nicht in den Ostflügel damit du mich kontrollieren kannst. Ich ziehe rüber weil es glaubwürdig ist. Aber ich habe mein eigenes Schloss. Und du klopfst.

Abgelehnt. Du hast kein Schloss.

Dann habe ich Bedingungen für das Dinner. Ich will dass du Meridian heute noch anrufst. Nicht irgendwann. Heute. Du sagst ihnen sie sollen mein Praktikum wieder aktivieren. Ich habe mir den Platz verdient nicht erschlafen.

Cassian betrachtete sie einen langen Moment. Dann nickte er knapp.

Einverstanden. Was noch.

Zweitens. Du nennst mich nicht Stiefschwester vor anderen. Nie wieder. Und du nennst mich nicht kleine Lügnerin vor deinen Eltern.

Vor meinen Eltern bist du Schatz. Daran musst du dich gewöhnen.

Hitze schoss ihr in die Wangen.

Drittens. Wenn jemand nach Details fragt erstes Date erster Kuss verweisen wir nicht nur auf dich. Wir haben eine Geschichte. Wir legen sie jetzt fest. Sonst widersprechen wir uns.

Das brachte ihn zum Innehalten. Er stellte das Glas ab.

Guter Punkt, sagte er. Er kam näher bis zum Couchtisch zwischen ihren Suiten. Seine Ärmel waren hochgekrempelt. Starke Unterarme. Adern. Er war so nah dass sie wieder die Zeder roch.

Also was ist unsere Geschichte.

Letzten Winter. Bibliothek. Du hast mir bei den Verträgen für mein Stipendium geholfen und du hast mich zum ersten Mal nicht wie eine Fremde behandelt.

Etwas flackerte in seinen Augen auf. Zu schnell um es zu benennen.

Und dann.

Dann hast du mich geküsst, sagte sie leise. Und ich habe dich geohrfeigt. Und dann hast du mich wieder geküsst.

Sein Lachen war kurz und überrascht.

Du hast mich noch nie geohrfeigt.

Hätte ich aber sollen. Mehrmals.

Er beugte sich vor. Stützte die Hände auf den Tisch. Seine Stimme wurde tiefer.

Einverstanden. Bibliothek. Dezember. Du hast mich geohrfeigt. Was noch.

Noch eine Regel. Du fragst nicht nach Jake. Und du zerstörst seine Familie nicht wegen mir. Ich regle Jake selbst. Du öffnest nur die Tür.

Warum.

Weil ich nicht deine zu beschützende Sache bin. Auch nicht fake.

Für einen Moment dachte sie er würde widersprechen. Stattdessen nickte er langsam.

Gut. Du regelst Jake. Ich halte dir den Rücken frei.

Es war das erste Mal dass er nicht wie ein Gegner klang.

In diesem Moment vibrierte ihr Handy auf dem Schreibtisch. Beide sahen hin.

Jake. Wieder.

Elena nahm es. Las. Ihre Hände zitterten.

Jake hatte geschrieben. Genießt du deine neue Rolle als Hale Hure Jeder weiß dass er dich nur fickt weil du billig bist und im selben Haus wohnst.

Cassian war schneller. Er nahm das Handy. Las. Und sein ganzer Körper spannte sich an. Der lockere Mann von eben war weg. Da war nur noch Kontrolle. Eiskalte präzise Wut.

Gib mir das, sagte er leise.

Cassian nicht.

Ich werde seine Familie nicht zerstören. Versprochen. Er tippte etwas. Schickte es ab. Dann legte er das Handy zurück. Ich habe ihm nur geschrieben dass das Board Dinner morgen um neunzehn Uhr ist. Und dass er eingeladen ist. Von mir.

Elena starrte ihn an.

Du hast ihn eingeladen.

Du wolltest ihn selbst regeln. Das ist deine Bühne.

Er ging zur Tür die ihre beiden Suiten verband.

Zieh etwas an das nicht aussieht als würdest du zu deiner eigenen Beerdigung gehen. Morgen verkaufen wir das hier. Und Elena.

Sie sah auf.

Ab heute schläfst du hier. Sophia lässt deine Sachen schon rüberbringen. Ob es dir gefällt oder nicht.

Er schloss die Tür. Nicht ganz. Einen Spalt offen.

Elena stand allein in der Suite die nach ihm roch. Ihr Handy in der Hand. Jakes Nachricht noch auf dem Display. Draußen waren die Gärten der Hale Villa. Perfekt geschnitten. Perfekt kontrolliert. Wie alles hier.

Sie sah auf ihr Spiegelbild im Fenster. Cremefarbene Bluse. Marineblaue Hose. Goldkette. Das Mädchen das versucht hatte dazuzugehören.

Morgen würde sie nicht dieses Mädchen sein.

Sie nahm ihr Handy. Öffnete den Chat mit Jake. Ihre Finger zitterten nicht mehr.

Sie schrieb nur drei Worte.

Bis morgen Jake.

Aus der anderen Suite hörte sie wie ein Glas abgestellt wurde. Wie Schritte zum Bad gingen.

Cassian war noch wach. Genauso wie sie.

Und die Tür dazwischen stand einen Spalt offen.

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