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Kapitel 4

last update 게시일: 2026-05-24 06:48:31

Kapitel 4

Sie starrte auf ihr Spiegelbild. Die Hände zitterten leicht, als sie die Diamantohrringe befestigte, die Sophia ihr geliehen hatte. Heute war nicht irgendeine Gala. Es war ihr erster großer Auftritt als Paar. Und die ganze Stadt würde zusehen.

Das smaragdgrüne Kleid schimmerte unter den Lichtern des Ankleidezimmers. Zu schön für sie. Zu erwachsen.

Es klopfte scharf. Ohne auf ein Herein zu warten, trat Cassian ein.

Er blieb mitten in der Bewegung stehen.

Schwarzer Smoking, maßgeschneidert. Weißes Hemd. Er sah aus wie immer. Kontrolliert. Unantastbar. Bis sein Blick über sie glitt. Schultern, Taille, Ausschnitt. Er brauchte eine Sekunde zu lang, um wieder ihr Gesicht zu fixieren.

„Du wirst genügen“, sagte er. Seine Stimme war rauer als sonst.

Elena zog eine Augenbraue hoch. Das Flattern in ihrer Brust ignorierte sie. „Hohes Lob von dem Mann, der mich mal als Wohltätigkeitsfall in Designerklamotten bezeichnet hat.“

Er kam mit drei Schritten zu ihr. Nah genug, dass sie sein Parfum roch. Zeder.

„Das war, bevor du uns zum Skandal des Jahres gemacht hast.“ Seine Finger berührten ihr Schlüsselbein, richteten den Träger. Die Berührung blieb eine Sekunde zu lang. „Regeln. Lächeln. An mich lehnen. Lass sie es glauben.“

„Oder was?“, sagte sie und neigte den Kopf. „Verlängerst du meine Strafe?“

Seine Lippen verzogen sich zu diesem halben Lächeln, das sie seit vierzehn Jahren hasste. Und seit gestern nicht mehr richtig hassen konnte.

„Zwei Wochen sind großzügig. Wenn du so weitermachst, mache ich einen Monat daraus.“

Die Fahrt zum Grand Ballroom war still. Nur das Brummen der Limousine. Cassian scrollte auf dem Handy, der Kiefer angespannt. Elena sah die Lichter der Stadt vorbeiziehen. Mit jedem Block wurden ihre Nerven enger.

Als sie ankamen, blitzten Kameras.

Cassian stieg zuerst aus. Reichte ihr die Hand. In dem Moment, in dem sich ihre Finger verschränkten, begann die Vorstellung.

„Mr. Hale! Stimmt es, was man über Sie und Ihre Stiefschwester hört?“, rief ein Reporter.

Cassian zog sie an seine Seite. Arm um ihre Taille. Fest. Besitzergreifend.

„Elena ist heute Abend nicht meine Stiefschwester“, sagte er laut genug, dass es alle hörten. „Sie ist die Frau, mit der ich zusammen bin. Weitere Fragen sind privat.“

Blitzlichter explodierten. Elena zwang sich zu einem scheuen Lächeln und legte kurz den Kopf an seine Schulter. Er war warm. Fest. Viel zu real.

Im Ballsaal hingen Kristalllüster von der Decke. Das Orchester spielte einen Walzer. Köpfe drehten sich. Geflüster breitete sich aus wie ein Lauffeuer. Alte Bekannte, die jahrelang zugesehen hatten, wie sie sich stritten, starrten jetzt mit offener Neugier.

Sophia und Richard waren schon da. Sophia umarmte sie beide. Sie roch nach Jasmin. Sie zitterte leicht.

„Ihr seht perfekt aus“, flüsterte sie an Elenas Wange. „Ich habe immer gewusst, dass unter dem Streiten etwas war.“

Elenas Schuldgefühl wurde schärfer. Cassians Hand drückte warnend ihre Taille. Spiel mit.

Sie mischten sich unter die Gäste. Cassian spielte makellos. Stellte sie mit neuer Wärme vor. Ein Kuss auf die Schläfe, als ein Investor fragte, wie lange sie es schon versteckt hielten. Jede Berührung ließ sie kurz den Atem anhalten. Sie hasste, wie natürlich es sich anfühlte. Wie ihr Körper sich ohne Erlaubnis an ihn lehnte.

Mitten am Abend kam Jake.

Champagner in der Hand. Seine neue Freundin hinter ihm wie eine Trophäe. Er hatte getrunken. Man sah es an den Augen.

Er blieb direkt vor Elena stehen. Zu nah.

„Na, wenn das nicht die glückliche Hale Hure ist“, sagte er. Laut. Absichtlich laut. Der halbe Umkreis hörte es. „Ein ziemliches Upgrade, Ellie. Sag mal, fickt er dich jetzt auch mit Vertrag? Oder läuft das bei euch noch auf Familienrabatt?“

Stille um sie herum. Ein Glas klirrte.

Elenas Blut gefror. Es war schlimmer als in der Nachricht. Weil es jetzt alle hörten.

Cassians Miene änderte sich nicht. Aber seine Hand auf ihrer Taille wurde zu Eisen. Die Luft um ihn wurde eiskalt.

Er trat leicht vor sie. Nur einen halben Schritt. Es reichte.

„Vorsicht, Jake“, sagte er ruhig. So ruhig, dass es bedrohlicher war als Schreien. „Das Waterfront Projekt deiner Familie braucht morgen früh noch eine Unterschrift von meinem Vater. Wäre schade, wenn dein Vater Millionen verliert, nur weil sein Sohn nicht weiß, wann er den Mund hält.“

Jakes Gesicht wurde rot. „Du denkst, dir gehört diese Stadt?“

„Nein“, sagte Cassian. „Ich weiß nur, wer sie baut.“ Er drehte sich zu Elena. Sein Blick wurde weich. Gefährlich weich. „Tanzen wir, Liebling?“

Er zog sie auf die Tanzfläche, bevor Jake antworten konnte. Das Orchester wechselte zu einem langsameren Stück. Seine Hand lag auf ihrem unteren Rücken. Die andere hielt ihre.

Sie bewegten sich leicht zusammen. Jahre erzwungene Nähe wurden zu Anmut.

„Du hättest ihn nicht bedrohen müssen“, murmelte Elena. Ihre Stimme zitterte noch von Jakes Worten.

„Doch“, sagte er. Sein Atem streifte ihr Ohr. „Niemand redet so mit dir. Nicht, solange du zu mir gehörst.“

„Fake zu dir gehöre“, korrigierte sie. Ihre Stimme schwankte.

Cassian zog sich so weit zurück, dass er ihr in die Augen sehen konnte. Das Grau war dunkler. Sturmgrau.

„Fühlt sich das fake an?“ Sein Daumen zog einen kleinen Kreis auf ihrem Rücken. Genau dort, wo heute Morgen der Träger gewesen war.

Elenas Puls raste. Der Saal wurde leiser. Die Blicke, die Musik, die Lügen. Für einen Moment gab es nur sie beide.

Sie sah zuerst weg. „Verwechsel nicht Vorstellung und Realität, Cassian.“

Sein Griff wurde fester. Besitzergreifend.

„Dafür ist es zu spät.“

Der Tanz endete, aber die Spannung blieb. Sie trat in eine ruhigere Nische, hinter schwere Samtvorhänge. Sie brauchte Luft. Er folgte ihr.

„Du zitterst“, sagte er leise.

„Mir geht es gut.“

„Lügnerin.“ Er hob ihr Kinn an, ließ sie ihn ansehen. „Wie letzte Nacht auf der Terrasse. Du nimmst dir immer zu viel vor und wunderst dich dann, dass du keine Luft bekommst.“

Wut flammte in ihr auf. Heiß und vertraut. Besser als Angst.

„Und du musst immer alles kontrollieren. Macht es dir Angst, dass du es gerade nicht kannst? Dass ich dein perfektes Leben durcheinander gebracht habe?“

Etwas brach in seinem Gesicht auf. Er stellte eine Hand neben ihren Kopf an die Wand. Hielt Abstand. Aber seine Augen ließen sie nicht los.

„Du hast keine Ahnung, wovor ich Angst habe“, sagte er.

Ihre Gesichter waren nur noch Zentimeter voneinander entfernt. Sein Blick fiel auf ihren Mund. Elenas Atem stockte.

„Sag mir, dass ich aufhören soll“, flüsterte er. „Sag, dass das nur Schauspiel ist.“

Sie hätte es sagen sollen. Sie tat es nicht. Ihre Finger krallten sich in sein Revers und zogen ihn näher.

Dann küssten sie sich.

Kein sanfter Kuss. Kein geplanter. Es war der Ausbruch von vierzehn Jahren zugeschlagener Türen und scharfer Worte. Kurz, heftig, ehrlich. Seine Hand lag in ihrem Haar, ihre in seinem Hemd.

Für einen Moment gab es keine Lügen. Kein Publikum. Nur die Wahrheit, dass die Grenze nie klar gewesen war.

Dann kamen Stimmen näher. Lachen. Schritte. Absatzschuhe auf Marmor.

Cassian löste sich. Atmete schwer. Seine Augen waren weit, die Pupillen groß.

„Verdammt“, murmelte er und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

Elena berührte ihre Lippen. Herz hämmerte wie verrückt. „Das war nicht Teil des Plans.“

„Nein“, sagte er heiser. „War es nicht.“

In dem Moment erschien Richard am Eingang der Nische. Mit ernster Miene. Hinter ihm Sophia, das Gesicht blass.

„Cassian. Elena. Wir müssen reden. Sofort.“

Sie folgten ihm in einen kleinen Salon abseits des Ballsaals. Auf dem Tisch lag ein Ausdruck. Frisch. Noch warm vom Drucker. Ein Klatschportal.

Die Überschrift schrie in Fettdruck: HALE-ERBE MIT ADOPTIVSCHWESTER - VERBOTENE ROMANZE ODER FAMILIENSTREIT?

Darunter ein altes Foto. Körnig, aber deutlich. Sie beide als Teenager am Pool des Anwesens. Streit. Seine Hand an ihrem Arm. Aus dem Winkel sah es viel intimer aus als es gewesen war.

Richards Stimme war Stahl. Ruhig und tödlich.

„Das ist seit zehn Minuten online. Zweihunderttausend Aufrufe. Der Vorstand beruft eine Sondersitzung für morgen früh um acht ein. Erklärt euch. Jetzt.“

Sophia umklammerte ihr Taschentuch. Tränen in den Augen.

„Wir wollten doch nur eine Familie...“, flüsterte sie.

Elenas Blut gefror. Das war kein Klatsch mehr. Das bedrohte alles. Die Firma. Die Adoption. Alles wofür Sophia vierzehn Jahre gekämpft hatte.

Cassians Hand fand ihre unter dem Tisch. Diesmal nicht für die Show. Sein Griff war eisern. Beschützend. Kalt vor Wut, aber nicht auf sie.

Als er sie ansah, sah sie dieselbe Erkenntnis in seinen Augen.

Die Lüge war gerade echt geworden. Und unkontrollierbar.

Und zwei Wochen würden niemals reichen, um das Feuer zu löschen, das sie heute Nacht entfacht hatten.

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