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Kapitel Fünf

作者: MURK ROSE
last update publish date: 2026-11-05 10:27:13

Evelyns Perspektive

Das eisige Leder des Sitzes brannte durch den Stoff meines Kleides auf meinen Oberschenkeln, aber ich rührte mich nicht. Statt von ihm abzurücken, tat ich etwas, das ich seit Jahren nicht mehr getan hatte, zumindest nicht in diesem Leben. Ich legte meinen Kopf sanft an Calebs Schulter.

Er versteifte sich in derselben Sekunde. Unter der Wolle seines maßgeschneiderten Smokings wurden seine Muskeln hart wie Stein. Einen Augenblick lang glaubte ich, er würde mich grob von sich stoßen.

Und ehrlich gesagt konnte ich es ihm nicht verdenken. Für ihn war ich noch immer diese hysterische Frau, die den ganzen Tag damit verbrachte, ihn anzuschreien, unseren eigenen Sohn zu ignorieren und ihn wie einen Hund zu behandeln, bis sie wieder einen Scheck brauchte. Er wusste nicht, dass ich schon einmal gestorben war. Er ahnte nicht, dass ich das Ende des Films bereits gesehen hatte, und dass es ein von Sarah und Marcus inszenierter Horrorfilm war.

Apropos Sarah … Obwohl sie im Wagen direkt hinter uns saß, hallte ihre Stimme noch immer in meinem Kopf wider wie eine Endlosschleife.

„Er sieht dich nicht mal an, Evelyn“, flüsterte mir die Erinnerung an ihre giftige Stimme zu. „Sieh ihn dir an. Du widerst ihn an. Marcus dagegen? Marcus vergöttert dich. Nur noch ein paar Stunden, und du bist dieses Monster los, das deine Familie ruiniert hat.“

Ich kniff die Augen fester zusammen und drückte die Stirn gegen Calebs Schulter. Ich wollte diese Stimme zum Schweigen bringen. Ich wollte der echten Sarah, nur wenige Meter von uns entfernt, ins Gesicht schreien, dass ich ganz genau wusste, was sie „Freiheit“ nannte.

Ihre „Freiheit“ war ein eiskaltes Krankenzimmer, das ununterbrochene Piepen eines Herzmonitors, der nur noch eine flache Linie zeigte, und ihr unterdrücktes Lachen auf dem Flur mit Marcus, während die beiden meinen Tod feierten.

„Caleb ist ein Mörder“, wiederholte das Echo von Sarah in meiner Erinnerung. „Er hat deinen Vater auf dem Gewissen, um sich dessen Firma unter den Nagel zu reißen. Hab kein Mitleid mit ihm.“

Ein trockenes, bitteres Lachen brannte in meiner Kehle. Meine beste Freundin … die Architektin meiner Hölle.

In meinem früheren Leben, als mein Vater an einem Herzinfarkt gestorben war, hatte Sarah mir diese gefälschten Dokumente gebracht. Angebliche Beweise dafür, dass Caleb den Bankrott meines Vaters eingefädelt hatte, dazu ein gefälschtes psychiatrisches Gutachten, wonach Caleb mich einweisen lassen wollte, um das Erbe zu behalten.

Damals, in Trauer ertrunken und benebelt von den Pillen, die Sarah mir heimlich zusteckte, hatte ich nie gewagt, Caleb zur Rede zu stellen. Ich hatte zu viel Angst davor, die Wahrheit aus seinem Mund zu hören. Also fing ich an, ihn mit aller Kraft zu hassen. Und am Ende verabscheute ich sogar mein eigenes Baby, Leo, nur weil er die Augen des Mannes hatte, den ich für den Henker meines Vaters hielt.

Um mich zu rächen, um Caleb zu zerstören, hatte ich mich Marcus in die Arme geworfen. Ich dachte, ich würde ihn benutzen … dabei waren sie es, die mich ausbluten ließen.

Bis ich auf meinem Sterbebett die Wahrheit erfuhr: Caleb hatte alles getan, um die Firma meines Vaters zu retten. Es waren Sarah und Marcus gewesen, die die gefälschten Papiere in Umlauf gebracht und meinen Vater in den Ruin getrieben hatten.

Caleb regte sich ein wenig im Wagen. Er stieß mich nicht weg, aber er wurde auch nicht weicher. Er blieb reglos sitzen und ertrug mich mit eingeübter Kälte.

„Evelyn“, sagte er mit leiser, müder, desillusionierter Stimme. „Was versuchst du jetzt schon wieder?“

„Lass mich nur … zwei Minuten“, flüsterte ich, ohne den Kopf zu heben. „Bitte.“

Ich spürte, wie er die Luft in einem langen, genervten Seufzer ausstieß. Für ihn war das nur eine weitere Laune. Wieder ein Theaterstück, um Aufmerksamkeit zu erregen oder mich vor dem Abend über ihn lustig zu machen. Er glaubte, ich würde ihn immer noch genauso hassen, und hatte sich schon vor langer Zeit mit diesem Hass abgefunden.

Er konnte nicht ahnen, dass ich mich heute Abend an ihn klammerte, weil er der einzige echte Mensch in diesem Schlangennest war.

Ich schob die Hand in meine Clutch, und meine Finger berührten die harte, kalte Kante des USB-Sticks. Heute Abend würde sich die Geschichte nicht wiederholen. In meinem anderen Leben hätte ich um diese Zeit in Sarahs Wagen gesessen, meinen Hass auf Caleb ausgespuckt und ihm den nächsten Dolchstoß in den Rücken vorbereitet.

Jahrelang waren diese Lügen mein Treibstoff gewesen. Ich sehe mich noch immer dasitzen und Sarah zuhören, wie sie mir wieder und wieder einredete, Caleb habe mich nur aus Berechnung geheiratet, ich und unser Sohn seien ihm egal, er sei zu starr, zu hart. Und ich, blind vor Wut, schluckte alles.

Ich schloss die Augen. Ich musste mir ins Gedächtnis rufen, woher all dieses Gift kam, um nie wieder schwach zu werden.

Die Schulzeit.

Ich sehe sie noch vor mir, mitten in der Cafeteria, wie sie die Heldin spielte, um mich gegen Mädchen zu verteidigen, die sich über mich lustig machten. Sie hatte alle angeschrien und dann den Arm um meinen gelegt.

„Hör nicht auf sie“, hatte Sarah mir an jenem Tag zugeflüstert. „Wir zwei gegen den Rest der Welt, Eve. Ich bin die Einzige, die dich versteht.“

Zehn Jahre lang glaubte ich an diese Maskerade. Als meine Eltern starben, war Sarah da. Und als meine Ehe zu einem Trümmerfeld wurde, war Sarah wieder da, um das Feuer zu schüren.

Nur dass das Heilmittel, das sie mir verkaufte, das Gift war, das mich töten sollte.

„Caleb verdient dich nicht“, sagte sie spätabends immer wieder, das Weinglas in der Hand. „Er will dir nur alles wegnehmen. Benutz Marcus, um ihn loszuwerden.“

In der Dunkelheit des Wagens gruben sich meine Nägel in meine Handfläche. Sarah wollte mir gar nicht helfen, mich zu rächen. Sie wollte, dass ich mein eigenes Leben, meine Ehe und mein Kind zerstörte, damit sie die Trümmer einsammeln konnte.

Sarah wollte nicht meine Freundin sein. Sie wollte meinen Platz.

Und dann war Marcus aufgetaucht, der perfekte Spielstein in ihrem Plan, der mir eine falsche Leidenschaft vorgaukelte, um mir umso besser meine Geheimnisse und mein Geld zu stehlen.

Ein harter Ruck, als die Limousine über ein Schlagloch fuhr, riss mich unsanft in die Gegenwart zurück.

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