ANMELDENAvelin POV
Sie sperrten mich in eine Zelle unter dem Ostturm, und in der ersten Stunde weigerte sich mein Körper, mit dem Zittern aufzuhören.
Es lag nicht nur an dem feuchten Zug, der an den Dielen klebte, oder an der einsamen Fackel, die den Korridor mit dunklem, bitterem Rauch erstickte. Es war der Geruch. Das Feuer vom Hof klebte in meinem Haar und dem zerrissenen Kleid, und darunter lag, dick und metallisch, der Gestank von Blut. Einiges davon war meines, wo die Wunde an meiner Stirn zu einer steifen, dunklen Kruste über meiner Braue getrocknet war.
Jedes Mal, wenn ich die Augen zusammenkniff, sah ich den falschen Jungen die Kapuze zurückwerfen. Ich hörte das eiserne Tor unter meinen Handflächen ächzen.
„Danke, Prinzessin.“
Ich drückte meinen Rücken flach an die Steinwand und zwang Luft in meine Lungen. Irgendwo hoch über mir heulten Hörner in zerfetzten, abgebrochenen Stößen – das Geräusch von Wölfen, die ihre Toten zählten. Niemand sagte mir die Zahl. Niemand sah mich lange genug an, um zu sprechen.
An meinem Handgelenk lag der silberne Halbmond meiner Gefährtenbindung völlig tot unter meiner Haut. Ich rieb immer wieder mit dem Daumen darüber, grub mich hinein, bis das Fleisch rot aufblühte, und versuchte, Wärme zurück in das Zeichen zu reiben. Es blieb eiskalt.
Schwere, gemächliche Schritte hallten das Treppenhaus hinunter. Ich kannte diesen Gang, bevor das Fackellicht jemals seine Schultern traf.
„Vater“, flüsterte ich.
Alpha Dorian Voss stand auf der anderen Seite der Eisengitter, die Hände so fest an den Seiten geballt, dass seine Knöchel knochenweiß waren. Er trug noch seine feinen Abendgewänder, aber der Kragen war zerrissen und dunkler Ruß streifte sein silberdurchwirktes Haar. In zwanzig Jahren hatte ich meinen Vater wütend gesehen, aber nie so. Die Wut in ihm war eine stille, erstickende Sache, die ihn von innen heraus auffraß.
„Weißt du, was ich heute Morgen aus meinem Hof geschleppt habe?“ Seine Stimme trug kaum über die Gitter hinaus, unnatürlich ruhig. „Neunzehn meiner besten Krieger. Drei Mitglieder meines Rates. Einen vierzehnjährigen Jungen, der nur Wassereimer zu den Kasernen getragen hat.“
„Ich wusste es nicht“, würgte ich hervor und stolperte zur Tür, bis meine Hände das Eisen umklammerten. „Vater, ich schwöre bei der Göttin, ich wusste es nicht.“
„Du hast den Schlüssel gedreht.“
„Ja.“ Das Wort riss durch meine Kehle, roh und blutig, weil es die eine Wahrheit war, die ich nicht zurücknehmen konnte.
Er zuckte zusammen, als hätte ich ihm eine Klinge in die Brust gerammt. „Sag mir warum, Aveline.“
Ich drückte meine Stirn gegen die kalten Gitter und schüttete alles aus. Ich erzählte ihm von Cressida, die in mein Zimmer gestürmt war, die Augen weit vor Panik. Ich beschrieb das schwere Pergament, das dunkle karmesinrote Wachs seines dreizackigen Siegels und seine eigene fließende Handschrift, die die Hinrichtung von Frauen und Kindern in den unteren Gewölben anordnete. Ich gestand, dass ich die Schatzkammerwachen wegen seines Siegelrings belogen hatte. Ich erzählte ihm von dem zitternden Kind, das seine Mutter um Hoffnung bat.
Als ich fertig war, hob und senkte sich meine Brust heftig, heiße Tränen zogen saubere Spuren durch den Schmutz auf meinen Wangen. Das Gesicht meines Vaters hatte sich nicht erweicht, aber seine dunklen Augen flackerten.
„Ich habe kein solches Papier unterschrieben“, sagte er, die Worte abgemessen und schwer. „Ich habe seit Jahren keinen Fuß in die unteren Gewölbe gesetzt. Es gab dort unten keine Gefangenen, Aveline. Es hat nie welche gegeben.“
„Dann war das Siegel gefälscht“, krächzte ich, meine Fingernägel gruben sich in das Eisen. „Cressida hat es mir gebracht! Sie hat es gesehen!“
„Das Papier war gefälscht“, sagte er, wie ein Mann, der die Tragfähigkeit einer bröckelnden Brücke prüft. „Oder du stehst da und lügst deinen Alpha an.“
„Sieh mich an!“ schrie ich, meine Stimme brach. „Sieh dir meinen Kopf an! Glaubst du, ich habe eine Lüge konstruiert, um mein eigenes Zuhause abzuschlachten?“
Eine lange, erstickende Stille dehnte sich zwischen uns. Er streckte die Hand aus, seine große, schwielige Hand schwebte in der Nähe des Eisens, zitterte, bevor er sie zurückzog. „Ich will dir glauben“, flüsterte er, seine Stimme brach in der Mitte. „Göttin hilf mir, Ava, ich will es. Aber ich bin nicht der Einzige, der Beweise verlangt.“
„Cressida“, flehte ich. „Ruf sie hier herunter. Lass sie vor dir stehen—“
„Die Lady Cressida wurde bereits befragt“, schnitt eine glatte Stimme durch die Schatten.
Beta Roland trat aus dem Treppenhaus, flankiert von zwei bewaffneten Wachen. Seine Haltung war tadellos gerade, seine Augen frei von Emotionen. „Sie hat zugegeben, die Prinzessin gestern Abend besucht zu haben, um ein Buch aus der Bibliothek zurückzubringen. Sie behauptet, kurz darauf gegangen zu sein, und ist zutiefst erschüttert, dass die Prinzessin ihre Anwesenheit missverstanden hat.“
Der Boden schien sich unter meinen Stiefeln zu neigen. „Sie lügt! Sie hat mir das Pergament gegeben! Sie hat mir von dem Tor erzählt!“
„Eine tragische Wahnvorstellung“, erwiderte Roland, seine Stimme durchzogen von herablassendem Mitleid, das mir den Magen umdrehte. „Der Rat wartet, Alpha.“
Mein Vater hielt meinen Blick eine gequälte Sekunde lang. Dann, ohne ein Wort, drehte er mir den Rücken zu und ging die Steinstufen hinauf.
Sie schleppten mich in schweren Eisenketten in den Ratssaal.
Jeder Schritt hallte vom Marmorboden wider wie ein Todesurteil. Der große Saal war erstickend voll. Hunderte Rudelmitglieder füllten die steinernen Bänke – Krieger mit blutigen Verbänden um die Arme, Frauen mit geröteten Augen, Älteste, die Söhne verloren hatten. Als ich den Gang hinuntergeführt wurde, wurde die Luft heiß von ihrem Hass.
Eine Frau in der ersten Reihe trat in den Gang und spuckte mir direkt ins Gesicht. „Verräterin!“
Ich wischte es nicht ab. Ich hielt das Kinn hoch, obwohl meine Knie unter dem Gewicht des Eisens um meine Handgelenke nachzugeben drohten.
„Aveline!“
Meine Mutter brach durch den Wachring. Luna Maren trug weder Seide noch Juwelen, ihr dunkles Haar war zu einem unordentlichen Knoten gebunden. Die gezogenen Speere der Wachen ignorierend, marschierte sie geradewegs an meine Seite, ihre nackten Hände legten sich fest um meine geketteten Handgelenke.
„Ich bin hier“, flüsterte sie heftig. Ihre Lippen zitterten, aber ihre Augen brannten von unnachgiebigem Stahl. „Sieh mich an, Aveline. Du senkst den Kopf nicht vor ihnen. Du bist die Tochter eines Alphas.“
Die reine Wärme ihrer Hände schickte eine Welle der Erleichterung durch meine kalten Glieder und hielt mich aufrecht.
Am vorderen Ende des Saals saß der Rat hinter einem langen Tisch aus dunklem, poliertem Holz. In der Mitte saß mein Vater, die Knöchel weiß, während er die Armlehnen des Alpha-Stuhls umklammerte. Und am äußersten Ende, auf dem Sitz, der dem Erben des Betas vorbehalten war, saß Darius.
Mir stockte der Atem.
Darius sah zerstört aus. Sein Lederwams war zerrissen, Ruß smearte immer noch über seinen Kiefer, seine rechte Hand war fest über den Knöcheln verbunden. Als seine dunklen Augen sich in meine hakten, war die rohe Trauer darin so heftig, dass sie sich wie ein physischer Schlag anfühlte. Der kalte Halbmond an meinem Handgelenk gab einen scharfen, quälenden Stoß – sein Wolf schrie hinter seinen Rippen nach mir.
Dann beugte sich sein Vater Roland vor und legte eine schwere Hand auf Darius’ Schulter. Darius zuckte zusammen, sein Kiefer spannte sich, bis ein Muskel in seiner Wange pulsierte, und er zwang seinen Blick auf den Tisch hinab.
„Wir sind versammelt“, verkündete der älteste Ratsherr, seine harte Stimme durchschnitt das Murmeln, „um Urteil über das Massaker an Black Moon zu sprechen.“
Er legte die Beweise Stück für Stück dar.
Zuerst der schwere eiserne Schlüssel. Ein Krieger knallte ihn mit einem metallischen Schlag auf den dunklen Holztisch, der durch den Saal hallte. Er war immer noch mit meinem Blut verkrustet.
Als Nächstes trat der führende Schatzkammerwächter vor und weigerte sich, mir in die Augen zu sehen. „Sie kam allein zur Schatzkammer, meine Lords. Sie war gefasst. Sie sagte mir, der Alpha brauche seinen Siegelring. Ich… ich hatte keinen Grund, an ihr zu zweifeln.“
„Gefasst“, wiederholte der Ratsherr und wandte sich an die Menge. „Eine Prinzessin, die behauptet, verzweifelt unschuldige Leben retten zu wollen, weinte nicht und zögerte nicht. Sie ging ruhig in die Schatzkammer mit einer einstudierten Lüge auf der Zunge.“
„Weil ich verängstigt war!“ Meine Stimme hallte von der hohen Steindecke wider und überraschte sogar mich selbst. Ich trat vor und schleifte meine Ketten mit lautem Geklapper hinter mir her. „Ich wusste, dass die Wachen mich aufhalten würden, wenn ich in Panik geriete! Ich habe versucht, Menschen zu retten, von denen ich glaubte, dass sie sterben!“
„Bringt die Angeklagte zum Schweigen“, sagte Roland glatt.
„Nein, ich werde nicht schweigen!“ knurrte ich, mein Wolf schnappte unter meiner Haut, verzweifelt zu kämpfen. „Wo ist der Hinrichtungsbefehl? Wo ist das Pergament mit dem Siegel meines Vaters, das mir in meinem eigenen Zimmer überreicht wurde? Durchsucht meine Gemächer! Durchsucht Cressidas Quartiere!“
„Ihre Gemächer wurden vor zwei Stunden durchsucht, Prinzessin“, erwiderte Roland, seine Stimme wahnsinnig sanft. „Ein solches Dokument existiert nicht. Nur das Buch, das die Lady Cressida erwähnt hat.“
„Weil sie es vernichtet hat!“ schrie ich und wandte mich an die Menge, meine Stimme roh. „Seht mich an! Seht euch die Wunde an meinem Kopf an! Die Söldner haben mich gegen den Stein geschleudert, in dem Moment, in dem das Tor aufging! Wenn ich mit ihnen ein Massaker geplant hätte, warum haben sie mich dann blutend in der Dunkelheit zurückgelassen?“
Ein lautes, unruhiges Murmeln wogte durch die Rudelmitglieder auf den Bänken.
Darius knallte seine verbundene Faust auf den Tisch und sprang so schnell auf, dass sein Stuhl heftig über den Boden kratzte.
„Sie hat recht!“ Darius’ tiefe Stimme brüllte über den Saal und erschütterte die Balken. Sein Wolf flackerte in seinen Augen, helles Bernstein blitzte über seine Pupillen. „Seht sie an! Sie wurde blutend und allein im unteren Gang gefunden, ohne Waffe, bedeckt von ihrem eigenen Blut! Steht ein Drahtzieher einer Belagerung allein in der Dunkelheit, um von seinen eigenen Söldnern zerschmettert zu werden?“
„Sie wurde in einem Streit um ihre Bezahlung geschlagen, mein Lord“, sagte Roland, ohne auch nur zu seinem Sohn aufzusehen. „Sie haben sie benutzt, um die Tür zu öffnen, und sie dann weggeworfen.“
„Sie hat gezittert, als sie die Schatzkammer verließ!“ platzte der führende Wächter heraus, zitternd unter Darius’ heftigem Blick. „Mein Lord Beta… sie war nicht kalt. Sie war verängstigt.“
„Darius“, flüsterte Roland, seine Stimme gefährlich leise, obwohl sie den stillen Saal durchquerte. Er packte das Handgelenk seines Sohnes, die Finger gruben sich in den Verband, bis frisches Blut durch das weiße Tuch blühte. „Sieh dich in diesem Raum um. Neunzehn Familien warten darauf zu sehen, ob ihr zukünftiger Alpha mit den Monstern steht, die ihre Söhne ermordet haben, oder ob er mit Black Moon steht. Wähle deine nächsten Worte sehr sorgfältig.“
Darius erstarrte.
Ich beobachtete, wie der Kampf ihn in Echtzeit zerriss. Seine Brust hob und senkte sich heftig, sein Wolf knurrte so laut hinter seinen Zähnen, dass seine Brust vibrierte. Er sah die Menge trauernder Familien an, die ihn anstarrten. Er sah das kalte, fordernde Gesicht seines Vaters.
Dann, langsam, quälend, sah er mich an.
„Kämpfe für mich“, flehte ich ihn stumm an, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. „Bitte, Darius. Lass mich nicht allein in diesem.“
Darius’ Kehle arbeitete, als er schwer schluckte. Das wilde Bernsteinfeuer in seinen Augen erlosch und wurde durch eine hohle, erschreckende Leere ersetzt.
Er öffnete langsam seine verbundene Faust. Er setzte sich wieder auf seinen Stuhl und starrte geradeaus auf den blutbefleckten Schlüssel auf dem Tisch, weigerte sich, mich noch einmal anzusehen.
Die Kälte an meinem Handgelenk breitete sich direkt in meine Brust aus und gefror die Luft in meinen Lungen. Er hatte gewählt.
„Der Rat“, erklärte der Oberälteste, sein Hammer knallte auf das Holz, „findet ausreichenden Grund. Prinzessin Aveline Voss soll wegen Hochverrats gegen die Krone vor Gericht gestellt werden!“
Der Saal brach in einen Sturm aus Schreien und Jubel nach Blut aus.
Die Arme meiner Mutter schlossen sich fest um mich, als Wachen vorstürmten, um uns auseinanderzureißen. Auf der anderen Seite des Raums saß mein Vater völlig regungslos auf seinem Alpha-Thron, sah aus wie eine aus Granit geschnitzte Leiche, unfähig, seine Tochter vor dem Monster zu retten, das sein Rat geworden war.
Ich weinte nicht, als sie mich rückwärts aus dem Saal schleppten. Ich hielt die Augen fest auf Darius gerichtet und sah zu, wie der Mann, der behauptete, mich zu lieben, schweigend neben dem Alpha-Thron saß, den er gerade mit meinem Leben erkauft hatte, um ihn zu erben.
Aveline POV Sie taten es am nächsten Morgen im zentralen Innenhof, direkt auf den blassen Steinen, auf denen das Blut des gestrigen Massakers mit Lauge weggescheuert worden war. Der scharfe, chemische Gestank davon hing schwer in der feuchten Morgenluft und stach mir in die Augen. Das Rudel stand in starren Reihen entlang der hohen Steinmauern. Absolute Stille lag über dem Hof, unterbrochen nur vom zitternden Wind.Zwei graue Wachen hielten mich kniend ganz vorne. Die Eisenketten an meinen Handgelenken waren so verkürzt worden, dass ich nicht aufstehen konnte, und drückten gezacktes Metall in meine wunde Haut.Mein Vater kam zuerst.Sie hatten ihm jede Heilung verweigert. Sein Tunika war steif und schwarz verkrustet an seiner rechten Seite, und die Haut seines Unterarms, wo Rolands Silberfläschchen hindurchgefressen hatte, war ein nässendes, verkohltes Grau. Zwei Wachen schleppten ihn vorwärts, aber seine Knie knickten ein, bevor er den Block erreichte. Sie zerrten ihn an den Schulte
Aveline POV Sie schleppten mich beinahe bis zu den schweren Eichentüren, bevor der gesamte Saal totenstill wurde.Es begann als plötzlicher, erstickender Druck in der Luft – der scharfe Abfall des atmosphärischen Gewichts, bevor Blitze einen Nachthimmel zerreißen. Die eisernen Griffe der Wachen an meinen Armen erschlafften. Hinter uns erstickte das wütende Gebrüll von tausend Rudelmitgliedern auf einmal, als hätte eine unsichtbare Hand jedem Mund im Raum den Atem abgeschnitten.„Lasst meine Tochter frei.“Mein Vater schrie nicht. Er musste es nicht. Die Stimme des Alphas riss durch den Saal wie ein Donnerschlag, vibrierte durch die steinernen Dielen, durch meine Knochen, hinab bis zu dem verängstigten Wolf, der sich unter meinen Rippen verkroch. Die Wachen, die mich hielten, erstarrten, einer von ihnen zitterte sichtbar, als seine Hände von meinen Ketten glitten.Alpha Dorian Voss stand in der Mitte des hohen Podests, seine massiven Hände umklammerten die Kante des schwarzen Holztisc
Avelin POV Sie sperrten mich in eine Zelle unter dem Ostturm, und in der ersten Stunde weigerte sich mein Körper, mit dem Zittern aufzuhören.Es lag nicht nur an dem feuchten Zug, der an den Dielen klebte, oder an der einsamen Fackel, die den Korridor mit dunklem, bitterem Rauch erstickte. Es war der Geruch. Das Feuer vom Hof klebte in meinem Haar und dem zerrissenen Kleid, und darunter lag, dick und metallisch, der Gestank von Blut. Einiges davon war meines, wo die Wunde an meiner Stirn zu einer steifen, dunklen Kruste über meiner Braue getrocknet war.Jedes Mal, wenn ich die Augen zusammenkniff, sah ich den falschen Jungen die Kapuze zurückwerfen. Ich hörte das eiserne Tor unter meinen Handflächen ächzen.„Danke, Prinzessin.“Ich drückte meinen Rücken flach an die Steinwand und zwang Luft in meine Lungen. Irgendwo hoch über mir heulten Hörner in zerfetzten, abgebrochenen Stößen – das Geräusch von Wölfen, die ihre Toten zählten. Niemand sagte mir die Zahl. Niemand sah mich lange gen
Aveline POV „Ava! Ava!“Cressida stürmte ohne zu klopfen in meine Gemächer – ein Verstoß gegen die Palastetikette, den sie in all den Jahren, in denen wir zusammen aufgewachsen waren, nie begangen hatte. Ihr Kleid schleifte schwer über den Boden, während sie nach vorne stolperte und sich mit weißknöchernen Fingern am dunklen Holz meines Bettpfostens festhielt, um sich abzustützen.„Cress, was ist los?“ Ich legte die silberne Bürste beiseite, mit der ich gerade mein Haar gekämmt hatte, und erhob mich vom Schminktisch.„Dein Vater.“ Sie legte eine Hand auf ihre Brust, ihr Atem ging rau und flach. „Unser Alpha hat ein Urteil gefällt. Wenn du nichts unternimmst, Ava, werden unschuldige Menschen vor Sonnenaufgang hingerichtet.“Ich runzelte die Stirn und trat näher. „Das ergibt keinen Sinn. Vater hat Black Moon jahrelang mit Gerechtigkeit regiert. Er lässt niemanden im Dunkeln ohne Prozess hinrichten.“„Aveline.“ Sie benutzte meinen vollen Namen, ihre Stimme brach über den Silben. „Ich w







