로그인Aveline POV
Sie taten es am nächsten Morgen im zentralen Innenhof, direkt auf den blassen Steinen, auf denen das Blut des gestrigen Massakers mit Lauge weggescheuert worden war. Der scharfe, chemische Gestank davon hing schwer in der feuchten Morgenluft und stach mir in die Augen. Das Rudel stand in starren Reihen entlang der hohen Steinmauern. Absolute Stille lag über dem Hof, unterbrochen nur vom zitternden Wind.
Zwei graue Wachen hielten mich kniend ganz vorne. Die Eisenketten an meinen Handgelenken waren so verkürzt worden, dass ich nicht aufstehen konnte, und drückten gezacktes Metall in meine wunde Haut.
Mein Vater kam zuerst.
Sie hatten ihm jede Heilung verweigert. Sein Tunika war steif und schwarz verkrustet an seiner rechten Seite, und die Haut seines Unterarms, wo Rolands Silberfläschchen hindurchgefressen hatte, war ein nässendes, verkohltes Grau. Zwei Wachen schleppten ihn vorwärts, aber seine Knie knickten ein, bevor er den Block erreichte. Sie zerrten ihn an den Schultern hoch, sein Kopf hing schlaff an seiner Brust.
„Dorian Voss“, las der älteste Ratsherr von einem Pergament, seine Stimme hallte von den kalten Mauern wider. „Du wurdest für schuldig befunden, dein Haushalt nicht zu beherrschen und deine Hand gegen den Rat von Black Moon erhoben zu haben.“
„Das Mädchen… handelte auf meinen Befehl“, krächzte mein Vater, seine Stimme ein gebrochenes Flüstern, während er das Kinn hochzwang. Seine goldenen Augen, vom Gift getrübt, suchten die Menge ab, bis sie mich fanden. „Was auch immer geschehen ist… ich habe es befohlen. Nehmt mein Leben. Lasst meine Frau und meine Tochter daraus.“
Der Ratsherr wandte die Seite um, ohne hinzusehen.
Meine Mutter trat als Nächste heraus und lehnte jede Hilfe ab. Ihr dunkles Haar fiel lose um ihre Schultern, und ihre Hände waren eng vor ihr gebunden. Sie blickte weder auf den Block des Henkers noch auf die glänzende Klinge. Sie sah über den steinernen Hof, bis ihre Augen sich in meine hakten.
„Aveline“, rief sie, ihre Stimme bemerkenswert ruhig.
Ich versuchte zu antworten, aber meine Kehle war von Asche und Tränen verstopft.
„Sieh mich an. Nur mich“, befahl sie leise, ihr Blick brannte von intensiver, heftiger Liebe. „Sieh sie nicht an. Was auch immer geschieht, behalte deine Augen auf meinem Gesicht.“
Ich fixierte meine Augen auf die ihren.
Sie kniete neben meinem Vater nieder. Er schaffte es, ihre gebundene Hand mit der seinen zu finden, und sie blieben zusammen, Schulter an Schulter, und warteten in stiller Würde.
Meine Augen flackerten für den Bruchteil einer Sekunde zum Podest hinüber. Am Fuß der Stufen stand Roland in seinen grauen Roben, und neben ihm Darius. Seine Hände hingen offen an seinen Seiten. Er hatte den Ruß von seinem Kiefer gewaschen, und ein frischer weißer Verband umwickelte seine Knöchel. Er starrte blind auf den Schmutz direkt vor seinen Stiefeln und weigerte sich, den Kopf zu heben.
Der Henker hob die schwere Stahlklinge.
Er nahm zuerst meinen Vater. Mein Vater sah nicht von meiner Mutter weg, und seine gebundene Hand schloss sich einmal fester um die ihre, bevor der Stahl fiel. Er gab keinen Laut von sich.
Der Henker hob die Klinge ein zweites Mal.
„Mutter“, würgte ich hervor.
„Augen auf mich, meine Liebe“, flüsterte sie.
Das kalte Morgenlicht blitzte an dem fallenden Stahl auf.
Die Lippen meiner Mutter bewegten sich, als beendete sie ein Gebet, aber das Geräusch der Klinge, die auf den Stein traf, übertönte alles. Es war ein kurzes, scharfes Geräusch. Die Stille, die folgte, war erstickend. In der dritten Reihe der Menge sank eine Kriegerin auf die Knie. Jemand in der Nähe würgte. Neben mir veränderte ein Wächter seinen Griff, die Metallglieder schabten über den Stein – ein Geräusch, das lauter klang als Donner.
Ich konnte die Erinnerung an das Gesicht meiner Mutter immer noch in meinem Geist sehen und hielt sie fest wie einen Schild gegen das Grauen. Als die Wachen mich grob auf die Füße zerrten, waren meine Beine völlig tot, und sie trugen mich vorwärts wie einen Sack Getreide.
Die massiven eisernen Hoftore schwangen auf. Dahinter war die gewundene Straße in die Wildnis leer.
Niemand kam, um mich zu retten.
„Der Sitz des Alphas steht leer“, verkündete der älteste Ratsherr dem stillen Rudel, begierig, das Blut hinter sich zu lassen. „Nach dem Gesetz der Erbfolge muss die Krone ihren Herrscher bestätigen. Darius Kane, tritt vor.“
Darius stieg die Stufen des Podests hinauf, als wären seine Stiefel mit Blei gefüllt. Roland folgte ihm nicht. Der Ratsherr hob den schweren schwarzen Eisenreif von Black Moon von seinem Samtkissen und hielt ihn über Darius’ Kopf.
Dann fing mein linkes Handgelenk Feuer.
Ich schrie auf und sank hart auf die Knie, als die Haut meines Arms in blendendem Licht explodierte. Das Zeichen, das ich in meiner Zelle roh gerieben hatte, loderte durch meine Adern auf – ein reiner, brillanter silberweißer Halbmond, der so intensiv glühte, dass der Wächter, der meine Kette hielt, instinktiv zurückwich. Die silbernen Linien brachen rasch und breiteten sich an meinem Unterarm hinauf aus wie frierender Frost über Glas.
Jeder Wolf im Hof drehte sich um und starrte.
Auf dem Podest taumelte Darius heftig. Er packte seinen linken Unterarm mit einem heiseren Keuchen. Ströme von übereinstimmendem Silberlicht quollen zwischen seinen Fingern hervor und zeichneten genau dieselbe Halbmondform auf seiner Haut nach. Als er die Hand zwang, sie zu öffnen und hinzusehen, wich alle Farbe vollständig aus seinem Gesicht.
„Die Mondbindung“, flüsterte eine verängstigte Stimme aus der Menge.
„Beide…“
„Die Göttin hat sie erwählt.“
Ein unruhiges, ehrfürchtiges Murmeln wogte an den Steinmauern entlang. Für einen erschreckenden Herzschlag sah das gesamte Rudel uns mit heiliger Verwunderung an. Mein Wolf stürmte heftig unter meinen Rippen hervor und heulte seinen Namen mit verzweifelter, unnachgiebiger Hoffnung. Er wird das jetzt stoppen. Die Göttin hat gesprochen.
Das Gesicht des Ratsherrn verzog sich zu einer harten, gefährlichen Maske. Er senkte die Krone leicht. „Eine Bindung aus dem Willen der Göttin“, sagte er, seine Stimme schnitt durch die Flüsterstimmen. „Ein Alpha, der mit einer Verräterin verbunden ist, die dieser Rat bereits aufgrund der in offener Sitzung gehörten Beweise gerichtet hat. Jedes Territorium jenseits unserer Grenzen wird bis Mitternacht davon erfahren. Iron Fang stellt bereits unsere Stärke infrage. Was werden sie sagen, wenn sie erfahren, dass unsere Blutlinie durch eine verräterische Gefährtin gespalten ist?“
Niemand wagte zu antworten. Jemand in der Menge murmelte das Wort Krieg, und das erschreckende Konzept breitete sich aus.
Darius stand erstarrt auf dem Podest, den Eisenreif in einer Hand, während Silberlicht über seine Haut floss. Er blickte auf, seine dunklen Augen hakten sich über den Hof hinweg direkt in meine.
Ich wartete. Mein Wolf wartete. Das silberne Zeichen summte an meiner Haut wie ein angeschlagener Akkord. Ich erinnerte mich an die Wärme seiner Hand auf meiner Wange, an die Aufrichtigkeit in seiner Stimme, als er flüsterte: Ich liebe dich, Aveline.
Jetzt, dachte ich. Er muss jetzt kämpfen.
„Sag die Worte, Darius“, trieb Rolands kalte, glatte Stimme vom Fuß der Stufen herauf, getragen von einer subtilen, rhythmischen Kadenz, der jede natürliche Wärme fehlte.
Darius’ Mund öffnete sich. Seine Augen verschleierten sich für den Bruchteil einer Sekunde und gingen in einen erschreckenden, leeren Blick über, als lausche er einer Stimme, die nur in seinem eigenen Schädel widerhallte.
„Ich, Darius Kane“, rezitierte Darius, seine Stimme flach, tot und völlig frei von seiner eigenen Seele, „verwerfe die Bindung an Aveline Voss.“
Die Worte trafen die Hofsteine wie Blei.
„Ich verwerfe sie als Gefährtin“, wiederholte er, mechanisch und hohl. „Ich verwerfe die Bindung.“
Das lodernde Silberlicht an meinem Unterarm barst heftig.
Ein scharfer, gezackter Bruch spaltete den glühenden Halbmond geradewegs, verzweigte sich wie brechendes Eis. Das Silber starb sofort, wurde zu einem dumpfen, erstickenden Grau und dann pechschwarz. Ein entsetzlicher, quälender Schmerz riss durch meine Brust, tiefer als Feuer, zerrte geradewegs durch meine Rippen, als wäre meine Seele mit den Wurzeln herausgerissen worden. Meine Beine verschwanden unter mir, und ich brach auf den Steinen zusammen.
Auf dem Podest zuckte Darius zusammen. Er schlug eine Hand gegen seine Schläfe, die Augen verloren völlig den Fokus, als eine frische Welle unsichtbarer Qual über ihn hinwegspülte. Roland trat glatt an seine Seite, packte seinen Arm fest und flüsterte ihm etwas ins Ohr, bis Darius’ Gesicht sich zu einer starren, emotionslosen Maske verfestigte.
„Die Mondbindung ist gebrochen“, erklärte der Ratsherr in die tote Stille. „Es werde aufgezeichnet. Nun kann die Krone beansprucht werden.“
Der schwere schwarze Reif setzte sich auf Darius’ Stirn. Kein einziger Jubel erhob sich aus dem Rudel.
„Eine letzte Angelegenheit bleibt“, fuhr der Ratsherr fort, seine kalten Augen fielen endlich auf mich. „Die Frau Aveline Voss hat die Tore für unsere Feinde geöffnet. Ihre Eltern haben die Blutschuld bezahlt. Die Verräterin muss dasselbe tun. Nach dem Gesetz von Black Moon wird sie zum Trial of Ash and the Fall verurteilt. Wenn die Mondgöttin sie noch für würdig hält, wird sie überleben.“
Darius zuckte den Kopf zu mir hinab, ein plötzlicher Blitz rohen, ungefilterten Entsetzens brach durch seinen glasigen Ausdruck. Er öffnete den Mund, die Brust hob und senkte sich, als wolle er schreien.
Rolands Hand preßte sich gnadenlos um seinen Arm. Darius würgte an seinem eigenen Atem, unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen.
Zwei graue Wachen packten meine Arme, rissen die Eisenketten von meinen Handgelenken und streiften mir die Stiefel von den Füßen. Sie schleppten mich zur Nordmauer, wo ein langer, flacher Graben durch die Erde gegraben worden war, gefüllt mit gezackten schwarzen Steinen, die in ihrem Kern ein wildes, erschreckendes Orange glühten. Die Luft über der Grube zitterte vor blendender Hitze.
„Geh“, murmelte der Wächter und gab mir einen Stoß.
Ich trat vor.
In dem Moment, in dem meine nackte Sohle den ersten schwarzen Stein berührte, blähte und verkohlte die Haut mit einem widerlichen Zischen weg. Der süße, ekelhafte Gestank von brennendem Fleisch füllte meine Nase, aber ich weigerte mich zu schreien. Ich hielt meine Augen auf den grauen Stein am fernen Ende des Grabens gerichtet.
Behalte deine Augen auf meinem Gesicht, hallte die Stimme meiner Mutter in meinem Geist wider.
Bei Schritt sechs explodierte meine Sicht in blendenden weißen Schmerz. Bei Schritt neun brach mein menschlicher Verstand, die Qual überwältigte jedes Nervenende. Bei vierzehn brach ich nach vorn auf den kalten Stein jenseits des Feuers zusammen, die Füße rauchend und zerstört.
Bevor ich einen weiteren Atemzug holen konnte, zerrten schwere Hände mich hoch und schleppten mich zum äußeren Nordtor. Der Steinpfad endete abrupt am Rand der Welt. Unter uns gähnte der gezackte, nebelverhüllte Abgrund der Wildnis-Schlucht wie ein Grab, das Geräusch eines fernen Flusses, der über Felsen rauschte, wie ein leises Flüstern.
„Kein Wolf überlebt den Fall“, sagte der Wächter, seine Stimme sank in etwas, das echtem Mitleid ähnelte. „Und nichts dort unten lässt dich zweimal leben.“
Ich drehte den Kopf und fand die Türme von Black Moon blass gegen den Morgen aufragend, jeder von ihnen stand noch. Ich hatte keinen Atem mehr, um die Stimme zu erheben. Ich bewegte nur die Lippen.
„Keiner von ihnen wird den Tag überleben, an dem ich zurückkomme.“
Der Wächter hörte es nicht. Er bemitleidete mich nur.
Sie ließen los.
Die offene Luft riss mir den Atem direkt aus den Lungen. Die rostfarbene Felswand verwischte zu einem Streifen rasenden Steins. Ich fiel den Felsen entgegen, jeder menschliche Muskel schrie, und tief in meiner zerschmetterten Brust, begraben unter Schichten von Trauma, Trauer und Verrat, erwachte endlich mein Wolf.
Sie erwachte nicht mit Anmut. Sie riss sich heraus.
Meine Finger knackten nach hinten, als schwarze, rasiermesserscharfe Klauen gewaltsam durch meine zerrissenen Fingernägel brachen. Meine Wirbelsäule krümmte sich in einen heftigen Bogen, mein Kiefer klappte auf, als ein wildes, blutiges Knurren aus meiner Kehle riss. Die Welt verwandelte sich sofort in eine sensorische Überladung – der rohe Duft von nassem Kiefernholz, schäumendem Flusswasser, dem eisernen Geschmack meines eigenen kochenden Blutes. Ich war gewaltsam zwischen zwei Formen gefangen, halb Mensch und halb Bestie, und stürzte hinab in den dunklen Abgrund.
Der felsige Boden raste mit tödlicher Geschwindigkeit auf mich zu.
Ich kniff die Augen zusammen und bereitete mich auf den Aufprall vor, der alles beenden würde.
Ich traf den Boden nie.
Etwas Massives und Solides fing mich mitten in der Luft, knallte hart gegen eine Brust, die wie eine Granitwand gebaut war. Ein schwerer, eisenmuskulöser Arm schloss sich sicher unter meinen Knien. Wir rutschten hart über den Kies, Stiefel rissen tiefe Furchen in die Erde, bis wir schließlich zum völligen Stillstand kamen.
Dicker Rauch, Zedernholz und die kalte, scharfe Luft der Wildnis füllten meine Sinne. Eine warme, bemerkenswert ruhige Hand strich sanft das verfilzte, blutige Haar von meiner Stirn.
Ich zwang meine stechenden Augen auf.
Über mir in den Schatten der Schlucht hockte ein großer, gefährlich aussehender Mann mit dunklem, ungezähmtem Haar, einer scharfen Narbe, die über seine linke Braue schnitt, und auffälligen Augen in genau der Farbe von sturmgepeitschtem Wasser. Er trug keine Rudelfarben, nur die tödliche, mühelose Anmut eines wahren Apex-Räubers.
Ich hatte ihn in meinem Leben nie zuvor gesehen. Doch als er auf mich hinabblickte, lag in seinem Blick eine Intensität, die sich anfühlte wie ein Verspreche
n, das Jahre in der Entstehung war.
„Du erinnerst dich wahrscheinlich nicht an mich“, sagte er, seine Stimme ein tiefes, raues Murmeln gegen den Wind.
Aveline POV Sie taten es am nächsten Morgen im zentralen Innenhof, direkt auf den blassen Steinen, auf denen das Blut des gestrigen Massakers mit Lauge weggescheuert worden war. Der scharfe, chemische Gestank davon hing schwer in der feuchten Morgenluft und stach mir in die Augen. Das Rudel stand in starren Reihen entlang der hohen Steinmauern. Absolute Stille lag über dem Hof, unterbrochen nur vom zitternden Wind.Zwei graue Wachen hielten mich kniend ganz vorne. Die Eisenketten an meinen Handgelenken waren so verkürzt worden, dass ich nicht aufstehen konnte, und drückten gezacktes Metall in meine wunde Haut.Mein Vater kam zuerst.Sie hatten ihm jede Heilung verweigert. Sein Tunika war steif und schwarz verkrustet an seiner rechten Seite, und die Haut seines Unterarms, wo Rolands Silberfläschchen hindurchgefressen hatte, war ein nässendes, verkohltes Grau. Zwei Wachen schleppten ihn vorwärts, aber seine Knie knickten ein, bevor er den Block erreichte. Sie zerrten ihn an den Schulte
Aveline POV Sie schleppten mich beinahe bis zu den schweren Eichentüren, bevor der gesamte Saal totenstill wurde.Es begann als plötzlicher, erstickender Druck in der Luft – der scharfe Abfall des atmosphärischen Gewichts, bevor Blitze einen Nachthimmel zerreißen. Die eisernen Griffe der Wachen an meinen Armen erschlafften. Hinter uns erstickte das wütende Gebrüll von tausend Rudelmitgliedern auf einmal, als hätte eine unsichtbare Hand jedem Mund im Raum den Atem abgeschnitten.„Lasst meine Tochter frei.“Mein Vater schrie nicht. Er musste es nicht. Die Stimme des Alphas riss durch den Saal wie ein Donnerschlag, vibrierte durch die steinernen Dielen, durch meine Knochen, hinab bis zu dem verängstigten Wolf, der sich unter meinen Rippen verkroch. Die Wachen, die mich hielten, erstarrten, einer von ihnen zitterte sichtbar, als seine Hände von meinen Ketten glitten.Alpha Dorian Voss stand in der Mitte des hohen Podests, seine massiven Hände umklammerten die Kante des schwarzen Holztisc
Avelin POV Sie sperrten mich in eine Zelle unter dem Ostturm, und in der ersten Stunde weigerte sich mein Körper, mit dem Zittern aufzuhören.Es lag nicht nur an dem feuchten Zug, der an den Dielen klebte, oder an der einsamen Fackel, die den Korridor mit dunklem, bitterem Rauch erstickte. Es war der Geruch. Das Feuer vom Hof klebte in meinem Haar und dem zerrissenen Kleid, und darunter lag, dick und metallisch, der Gestank von Blut. Einiges davon war meines, wo die Wunde an meiner Stirn zu einer steifen, dunklen Kruste über meiner Braue getrocknet war.Jedes Mal, wenn ich die Augen zusammenkniff, sah ich den falschen Jungen die Kapuze zurückwerfen. Ich hörte das eiserne Tor unter meinen Handflächen ächzen.„Danke, Prinzessin.“Ich drückte meinen Rücken flach an die Steinwand und zwang Luft in meine Lungen. Irgendwo hoch über mir heulten Hörner in zerfetzten, abgebrochenen Stößen – das Geräusch von Wölfen, die ihre Toten zählten. Niemand sagte mir die Zahl. Niemand sah mich lange gen
Aveline POV „Ava! Ava!“Cressida stürmte ohne zu klopfen in meine Gemächer – ein Verstoß gegen die Palastetikette, den sie in all den Jahren, in denen wir zusammen aufgewachsen waren, nie begangen hatte. Ihr Kleid schleifte schwer über den Boden, während sie nach vorne stolperte und sich mit weißknöchernen Fingern am dunklen Holz meines Bettpfostens festhielt, um sich abzustützen.„Cress, was ist los?“ Ich legte die silberne Bürste beiseite, mit der ich gerade mein Haar gekämmt hatte, und erhob mich vom Schminktisch.„Dein Vater.“ Sie legte eine Hand auf ihre Brust, ihr Atem ging rau und flach. „Unser Alpha hat ein Urteil gefällt. Wenn du nichts unternimmst, Ava, werden unschuldige Menschen vor Sonnenaufgang hingerichtet.“Ich runzelte die Stirn und trat näher. „Das ergibt keinen Sinn. Vater hat Black Moon jahrelang mit Gerechtigkeit regiert. Er lässt niemanden im Dunkeln ohne Prozess hinrichten.“„Aveline.“ Sie benutzte meinen vollen Namen, ihre Stimme brach über den Silben. „Ich w







