Die Braut, die alles verlor
Am Tag meiner eigenen Hochzeit war ich nicht die Braut.
Die Zeremonie, auf die ich fünf Jahre lang gewartet hatte, wurde zur Farce, als Valentina, meine Schwester, den Marmorgang entlangschritt. Sie trug ein weißes Brautkleid. Ihren Arm hatte sie bei Luca eingehakt, dem Mann, der eigentlich am Altar auf mich hätte warten sollen.
„Es tut mir leid, Bianca“, sagte sie leise. „Aber heute bist du nicht mehr die Braut.“
Dann legte sie eine Hand auf ihren Bauch, die Augen voller triumphierender Genugtuung.
„Ich bin schwanger. Mit dem Kind von Don Romano.“
Ihre Worte explodierten in meinem Kopf. Die Welt um mich herum verstummte.
Als hätte sie Angst, ich würde ihr nicht glauben, hob sie etwas Glänzendes ins Licht.
Ein schwarz-weißes Ultraschallbild.
Darauf war klar zu erkennen: Schwangerschaftsalter – 12 Wochen.
Meine Augen brannten vor Tränen, als ich mich zu Luca umdrehte und verzweifelt nach irgendetwas suchte. Nach einem Widerspruch. Einer Erklärung. Reue.
Doch er seufzte nur, müde und ergeben.
„Bianca, es tut mir leid“, sagte er hilflos. „Valentina hat nicht mehr viel Zeit. Diese Hochzeit… sie ist ihr letzter Wunsch.“
„Ich mache es wieder gut“, fügte er hinzu. „Wir können später eine andere Hochzeit haben.“
Hinter ihm stand mein Vater Moretti. Mit demselben strengen Blick, den er mein ganzes Leben lang getragen hatte.
Ich hatte ihn nie für mich lächeln sehen. Nicht ein einziges Mal.
„Bianca“, sagte er scharf, „deine Schwester stirbt. Lass ihr das.“
Mein Bruder nickte nur wortlos, als wäre das Antwort genug.
Mein ganzes Leben lang hatten sie sich für sie entschieden. Für ihre Tränen, ihre Launen, ihre Bedürfnisse. Nie für meine.
Heute war es nicht anders.
Etwas in mir zerbrach lautlos.
Gut.
Wenn sich in dieser Familie niemand um mich schert, dann gehe ich.