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Kapitel 3: Feuer in der Dunkelheit

Author: Nyakno Quinn
last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-02 23:42:48

Feuer in der Dunkelheit

* * *

Jemand hatte versucht, mich zu töten, und das Merkwürdigste daran war, wie ruhig ich dabei blieb.

Vielleicht war es der Schock. Vielleicht waren es zwölf Jahre, in denen ich stets das Schlimmste erwartet hatte und höflich enttäuscht gewesen war, wenn es nicht eintraf. Was auch immer es war: Ich stand mitten im Schlafzimmer eines Fremden, in einem fremden Haus, eine fremde Hand fest um mein Handgelenk geschlossen, und dachte ganz klar: Der Tee war vergiftet, und das Mädchen wusste es.

„Beweg dich nicht“, sagte der Alpha.

Seine Stimme war leise und beherrscht, aber ich spürte die Wut unter seiner Haut summen wie eine angeschlagene Glocke. Mit einer einzigen Bewegung hatte er sich zwischen mich und die Tür gestellt, sein Körper eine Wand aus Hitze und Muskeln, und als ich die freie Hand ausstreckte, berührte ich den Stoff eines Hemdes, das am Kragen noch offen stand. Er war hierhergerannt. Er war von irgendwo weit her gekommen, halb angezogen und barfuß.

„Kael“, sagte Fenns Stimme atemlos von der Tür. „Das Mädchen. Es liegt am Boden. Ich glaube, es ist ohnmächtig geworden.“

„Sie ist nicht ohnmächtig geworden.“ Meine Stimme klang fremd in meinen eigenen Ohren. „Sie hatte Angst. Und in der Tasse war etwas. Etwas Bitteres, wie Mandeln. Und noch etwas anderes.“

„Was denn noch?“

Ich zögerte. Lilien und Eisen. Ich wusste nicht, wie ich es sagen sollte, ohne wie das verwirrte Kind zu klingen, als das Garrick mich immer hingestellt hatte.

„Ein Blumengeruch“, sagte ich. „Süß. Falsch.“

Der Alpha erstarrte vollkommen.

Es war nicht die Starre eines Mannes, der überrascht ist. Es war die Starre eines Mannes, der soeben einen Namen gehört hatte, auf den er zwölf Jahre lang gewartet hatte.

„Sag das noch einmal“, sagte er.

„Ein Blumengeruch. Wie Lilien. Und darunter etwas wie Metall. Wie Blut oder Rost.“

Seine Hand schloss sich einen Moment fester um mein Handgelenk, ehe er sich zu fangen schien und lockerließ. „Fenn. Verriegle die Türen. Niemand verlässt den Ostflügel. Niemand. Hol sofort Mira herauf.“

„Wer ist Mira?“

„Die Heilerin“, sagte Fenn, schon in Bewegung. „Die Beste in drei Territorien und die Einzige, der Kael bei Giften vertraut. Sie wird begeistert sein, zu dieser Stunde geweckt zu werden.“

„Fenn.“

„Ich gehe ja schon.“

Die Tür schlug zu. Stille drängte hinter ihm herein, dick und unbehaglich, bis mir auffiel, dass der Alpha mein Handgelenk nicht losgelassen hatte.

„Ihr könnt mich jetzt loslassen“, sagte ich.

„Ich weiß.“

Er tat es nicht.

„Alpha Draven.“

„Kael.“

„Kaelen“, versuchte ich.

„Kael.“ Ein rauer Atemzug. „Wenn jemand soeben versucht hat, dich in meinem Haus zu vergiften, kannst du mich nennen, wie du willst. Aber du wirst mich so nennen.“

Ich spürte die Hitze seiner Hand und das Pochen seines Pulses in seinen Fingerspitzen, und plötzlich wurde mir klar, dass er zitterte. Nicht vor Kälte. Vor etwas Wilderem, Beängstigenderem, einer Kraft, die er sichtlich mühsam zurückhielt.

„Ihr habt Angst“, sagte ich erstaunt.

„Ich habe keine Angst.“

„Euer Herz schlägt wie eine Kriegstrommel.“

„Das ist keine Angst.“

„Was ist es dann?“

Die Stille schien kein Ende zu nehmen.

„Zorn“, sagte Kael ganz leise. „Und noch etwas, dem ich keinen Namen geben will.“

* * *

Das Mädchen erwachte zehn Minuten später, schluchzend.

Ich saß auf der Bettkante, in Tildas Schultertuch gewickelt, eine Tasse einfaches Wasser in den Händen, die ich nicht trinken wollte, ehe jemand anderes davon gekostet hatte. Fenn hatte es getan. Nun saß er in der Ecke, schnitt Grimassen und beschwerte sich, es schmecke nach Rasen.

Die Heilerin kam wie ein Sturm in einem Seidenmantel. Mira Thorne war groß, das erkannte ich daran, wie sich die Luft um sie verschob, und sie bewegte sich mit schnellen, exakten Schritten, dem Gang einer Frau, die ihr ganzes Leben darauf trainiert hatte, in Notfällen nützlich zu sein. Ihre Stimme war kühl und klar.

„Wo ist die Tasse?“

„Auf dem Boden“, sagte Kael. „Ich habe sie nicht angefasst.“

„Gut.“ Eine Pause. Ein Schnuppern. Dann ein scharfes, leises Einatmen. „Wolfswurz. Und noch etwas. Etwas, das ich seit Jahren nicht gerochen habe.“

„Lilien“, sagte ich. „Und Eisen.“

Die Bewegungen der Heilerin hörten auf.

„Woher wisst Ihr das?“ Ihre Stimme war plötzlich sehr scharf. Nicht feindselig, aber wachsam, so wie ein Jäger wachsam ist. „Das ist kein Geruch, den die meisten Menschen benennen können.“

„Ich habe ihn schon einmal gerochen.“

„Wo?“

„Bei dem Feuer, das meine Mutter getötet hat.“

Niemand atmete.

Ich hatte es nicht sagen wollen. Es kam aus mir heraus wie ein Stein, klein und hart, und fiel in diesen Raum und blieb dort liegen, und alle sahen ihn an.

Dann sagte Mira leise: „Kael. Ein Wort.“

Sie gingen zur anderen Seite des Raums. Ich musste mich nicht anstrengen, um sie zu verstehen. Wölfe, die glauben zu flüstern, merken selten, wie weit ihre Stimmen in einem stillen Raum tragen.

„Es ist dieselbe Verbindung“, hauchte Mira. „Mondlilienharz, mit Wolfswurz versetzt. Du weißt, was das ist. Es ist das, was sie bei deinem Vater benutzt haben.“

„Ich weiß, was es ist.“

„Kael, das war vor zwölf Jahren. Dieses Gift ist seitdem nie wieder aufgetaucht. Das Rezept wurde vernichtet. Nur drei Menschen wussten je, wie man es herstellt.“

„Und zwei davon sind tot.“

„Wer ist dann der Dritte?“

Er antwortete nicht. Aber ich hörte, wie sich sein Atem veränderte, ich hörte seine Stiefel auf dem Steinboden scharren, und als er schließlich sprach, war seine Stimme sehr leise.

„Bring das Mädchen herein. Die Magd. Lass sie mit niemandem sonst sprechen.“

Sie befragten sie im Wohnzimmer nebenan. Ich sollte es nicht hören, aber die Wände von Ironfang waren alt und an den falschen Stellen dünn, und die Stimme der Magd, hoch und brüchig, drang durch den Stein.

Ihr Name war Wren. Sie war siebzehn. Sie arbeitete in der Küche. Jemand hatte ihr ein kleines Glasfläschchen gegeben und gesagt, wenn sie es in den Tee der neuen Braut gebe, würden die Arztschulden ihrer Mutter bis zum Morgen verschwunden sein.

„Wer?“, fragte Kael. Seine Stimme war sehr leise. Das war das Beängstigende daran. „Wer hat es dir gegeben?“

„Ich weiß es nicht.“ Sie weinte so heftig, dass sie kaum sprechen konnte. „Er trug eine Kapuze. Er nannte seinen Namen nicht. Er sagte nur, es würde ihr beim Schlafen helfen, es solle ihr nicht wehtun. Bitte, Alpha, ich würde niemals … Ich habe eine Schwester. Sie ist erst elf.“

Ihr Herzschlag war, durch die Wand hindurch, ein verängstigter Vogel gegen Glas.

Er setzte nicht aus. Er stockte nicht.

Sie sagte die Wahrheit.

„Bringt sie in die Zellen“, sagte Kael. „Behutsam. Sie soll zu essen bekommen, es warm haben und in Sicherheit sein, bis ich entschieden habe, was mit ihr geschieht.“

„Du willst sie nicht bestrafen?“, fragte Fenn überrascht.

„Ein Mädchen bestrafen, weil es benutzt wurde?“ Verachtung lag in seiner Stimme, aber sie galt nicht Wren. „Bestraft wird der Mann, der sie benutzt hat.“

Ich spürte, wie sich etwas in meiner Brust verschob. Von dem Alpha von Ironfang hatte ich Grausamkeit erwartet. Ich war mit Geschichten darüber aufgewachsen. Was ich nicht erwartet hatte, war ein Mann, der in einem Raum voller Gift stehen und dennoch das verängstigte Kind in dessen Mitte sehen konnte.

Mira kam zu mir zurück, ehe sie den Raum verließ. Sie nahm mein Handgelenk, ohne zu fragen, ihre Finger kühl und flink, und prüfte meinen Puls, meine Augen, die Farbe meiner Nägel. Ich roch Kamille und scharfe Kräuter auf ihrer Haut.

„Ihr habt nichts getrunken“, sagte sie.

„Nein.“

„Gute Instinkte.“ Sie sagte es widerwillig, als schmeckten ihr die Worte seltsam. „Ihr habt Glück gehabt.“

„Ich bin aufmerksam.“

„Hm.“ Ihre Hand verweilte einen Augenblick länger als nötig. „Seid vorsichtig damit. Dieses Haus hat ein langes Gedächtnis für Menschen, die zu viel bemerken.“

Sie ließ los. Ich hörte ihren Mantel über den Boden davonwispern und saß da und fragte mich, ob das eine Drohung oder eine Warnung gewesen war. Bei Menschen wie Mira, vermutete ich, war es häufig beides.

Dann hörte ich aus dem Nebenraum wieder Stimmen.

„Kael“, sagte Mira. „Wenn es das ist, was ich vermute, können wir das Vale-Mädchen nicht hierbehalten. Es ist zu gefährlich. Jemand weiß, wer sie ist.“

„Sie bleibt.“

„Sie ist eine Zielscheibe.“

„Sie bleibt.“

„Kael.“ Miras Stimme war leise und eindringlich. „Du kennst sie nicht einmal.“

Die Pause, die folgte, dauerte so lange, dass ich aufhörte zu atmen.

„Ich weiß genug“, sagte der Alpha.

Ich verstand damals nicht, was er meinte. Ich wusste nur, dass hinter der Wand ein Mann, der mir gesagt hatte, er wolle Abstand, soeben das Gegenteil gesagt hatte, vor Zeugen, in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ.

* * *

Es geschah kurz vor Tagesanbruch.

Man hatte mich in ein anderes Zimmer gebracht, ein kleineres, von Wachen gesichert und von einer einzigen Lampe erhellt, die ich nicht sehen, aber fühlen konnte, ein kleiner warmer Fleck nahe dem Fenster. Tilda hatte bei mir gesessen, bis meine Hände aufhörten zu zittern. Sie hatte mir Geschichten von den Küchenkatzen von Ironfang erzählt und von dem Jahr, in dem der Beta versucht hatte, Brot zu backen, bis ich trotz allem lachen musste.

Dann ging sie, und ich war allein, und die Stille senkte sich herab wie ein Deckel.

Ich lag in dem fremden Bett und lauschte dem Atmen des Rudelhauses. Türen, die sich schlossen. Wasser in den Rohren. Das ferne Husten einer Wache beim Schichtwechsel. Und unter allem, schwach, aber unverkennbar, jener gleichmäßige, schwere Herzschlag, der sich draußen vor meiner Tür durch den Korridor bewegte.

Kael lief auf und ab.

Hin und her. Hin und her. An der Tür vorbei und weg, an der Tür vorbei und zurück, wie ein Wolf, der um seine Höhle kreist.

Beim vierten Mal sagte ich: „Ihr könnt hereinkommen, wisst Ihr.“

Das Auf- und Abgehen hörte auf.

„Woher wusstest du, dass ich es bin?“

„Euer Herz. Es ist sehr laut.“

Eine lange Pause. Dann, brummig: „Das ist unpraktisch.“

„Nicht für mich.“

Die Tür öffnete sich. Ich hörte ihn eintreten, langsam und vorsichtig, als könnte der Raum zerbrechen. Er kam nicht näher ans Bett. Er blieb an der Wand, und der Raum zwischen uns summte von etwas, für das keiner von uns einen Namen hatte.

„Es tut mir leid“, sagte er abrupt.

„Was denn?“

„Alles. Der Tee. Der Weg. Was ich an der Grenze zu dir gesagt habe.“ Er klang wie ein Mann, der einen Satz abliest, den er nie geübt hat. „Ich habe gesagt, du würdest nur dem Namen nach meine Frau sein. Ich wollte es nicht wie eine Beleidigung klingen lassen.“

„Es klang nicht wie eine Beleidigung.“

„Nicht?“

„Es klang wie eine Mauer“, sagte ich. „So eine, wie ein Mensch sie baut, wenn er große Angst vor dem hat, was auf der anderen Seite liegt.“

Ich hörte, wie er scharf einatmete.

„Das solltest du nicht hören können“, sagte er.

„Ich höre vieles, was ich nicht hören soll.“

Stille. Dann spürte ich ganz leise, wie sich die Matratze am Fußende senkte. Er hatte sich nicht neben mich gesetzt. Er saß an der Kante, so weit entfernt, wie das Bett es erlaubte, und ich spürte ihn dort, eine große warme Gestalt, die vorsichtig atmete.

„Der Geruch, den du beschrieben hast“, sagte er. „Lilien und Eisen.“

„Ja.“

„Wo hast du ihn gerochen? Wirklich?“

„Bei dem Feuer. In der Nacht, als meine Mutter starb. Ich war zehn. Ich war im Haus eingeschlossen, und jemand hatte diesen Geruch überall verteilt. In den Wänden. Im Boden. In der Luft selbst. Ich wusste nicht, was es war, aber ich erinnere mich, dass ich dachte: Selbst der Rauch riecht falsch.“

Sein Atem stockte.

Es war ein so kleiner Laut. Aber ich hörte ihn, und ich hörte etwas darin, einen Riss, der durch Stein läuft.

„Da war ein Mann“, sagte er sehr langsam. „Er sah dem Feuer zu. Ich habe ihn gesehen. Ich sehe sein Gesicht seit zwölf Jahren jede Nacht.“

Mein ganzer Körper wurde kalt.

„Ihr habt das Feuer gesehen?“

„Sera.“ Er sagte zum ersten Mal meinen Namen, und es klang wie ein Geständnis. „Ich war dort.“

Ich brachte kein Wort heraus.

Draußen vor dem Fenster begann schwach der erste Vogel des Morgens zu singen. Der Anhänger an meinem Schlüsselbein, der die ganze Nacht warm gewesen war, wurde plötzlich glühend heiß.

Und Kael sagte, mit einer Stimme so leise, dass ich mich vorbeugen musste, um ihn zu verstehen, das Letzte, was ich von einem Alpha erwartet hätte, der mich angeblich vor diesem Tag nie gesehen hatte:

„Ich bin derjenige, der dich herausgezogen hat.“

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