LOGINDer Alpha, der nicht sprach
* * *
Fenn Ashgrove erholte sich, das muss man ihm lassen, als Erster.
„Gut“, sagte er munter, in eine Stille hinein, die so schwer war, dass ich sie auf meinen Trommelfellen spürte. „Wunderbar. Alle sind da. Alle leben. Wollen wir einfach so tun, als wäre das nicht passiert, und nach Hause gehen?“
Niemand antwortete ihm.
Ich stand ganz still in der kalten Abendluft, den Stock in beiden Händen, mein Herz hämmerte so heftig, dass ich sicher war, jeder Wolf auf dieser Straße könne es hören. Der Mann vor mir hatte ein Wort gesagt. Nur eines. Und der Anhänger auf meiner Brust brannte wie eine Kohle.
„Alpha Draven“, sagte ich, denn jemand musste etwas sagen, und ich wollte lieber diejenige sein, die das Schweigen brach, als diejenige, die darin ertrank. „Ich bin Seraphina Vale. Ich glaube, man hat mich zu Euch geschickt.“
„Geschickt“, wiederholte er.
Seine Stimme war tief, und eine Rauheit lag darin, die weniger nach Zorn klang als nach einer Tür, die sehr lange verschlossen gewesen war. Er war nah. Näher, als ich erwartet hatte. Ich spürte die Hitze, die von ihm ausging, wie von einem niedergebrannten Feuer.
„Ja“, sagte ich. „Geschickt. Eingetauscht. Geliefert. Welches Wort Ihr bevorzugt. Man sagte mir, es gebe einen Vertrag.“
„Den gibt es.“
„Und man sagte mir, ich würde Eure Frau werden.“
„Du wirst meine Frau sein. Dem Namen nach.“
Er sagte es zu schnell. Ich hörte das winzige Stocken dahinter, wie sein Puls sprang, als hätten die Worte ihn beim Hinausgehen verbrannt.
„Dem Namen nach“, sagte ich vorsichtig.
„Nur dem Namen nach. Du bekommst ein Zimmer. Eine Wache. Einen Platz am Tisch. Nichts wird von dir verlangt.“ Eine Pause. „Nichts, was du nicht freiwillig geben willst.“
„Das ist sehr großzügig.“
„Es ist keine Großzügigkeit.“
„Was ist es dann?“
Die Stille kehrte zurück. Dann hörte ich ihn ganz leise durch die Nase ausatmen, so wie ein Mann es tut, der abwägt, ob er die Wahrheit sagen oder sich in Sicherheit wiegen soll.
„Abstand“, sagte Alpha Kaelen Draven. „Es ist Abstand.“
Ich hätte verletzt sein müssen. Ich glaube, genau das wollte er: dass ich verletzt war, und still, und leicht zu handhaben.
Aber ich hatte zwölf Jahre lang gelernt, zu hören, was Menschen meinen, und was er meinte, war nicht das, was er sagte. Sein Herz donnerte. Sein Atem ging stockend. Jeder Teil von ihm streckte sich nach mir aus, und jedes Wort, das er sprach, war eine Hand, die ihn zurückschlug.
Also lächelte ich, nur ein wenig.
„Dann ist es gut“, sagte ich, „dass ich sehr gut im Abstandhalten bin.“
* * *
Auf dem Weg nach Ironfang sprach niemand.
Man gab mir ein Pferd, sanft und langsam, mit einem warmen Hals, der nach Heu roch. Fenn ging neben mir her und erzählte die Landschaft in fröhlichen, verwirrenden Einzelheiten. Ein Bach links. Ein umgestürzter Baum, der aussah wie ein schlafender Riese. Ein Falke, der oben kreiste. Es war das Lieblichste, was jemand seit Jahren für mich getan hatte, und ich brachte es nicht über mich, ihm zu sagen, dass ich den Bach und den Falken sehr gut hören konnte.
„Das müsst Ihr nicht tun“, sagte ich leise, auf der dritten Meile.
„Was denn?“
„Dinge beschreiben.“
„Ah.“ Er hustete. „Übertreibe ich?“
„Ein bisschen.“
„Verzeihung. Ich habe noch nie eine Luna getroffen. Ich kenne die Regeln nicht.“
„Ich bin keine Luna.“
„Noch nicht“, sagte Fenn, mit der Zuversicht eines Mannes, der in seinem ganzen Leben noch nie die Stimmung im Raum erfasst hatte.
Hinter uns, ganz am Ende der Kolonne, spürte ich ihn.
Den Alpha. Er ritt allein, gut zwanzig Schritte von allen anderen entfernt, und ich brauchte keine Augen, um zu wissen, dass er mich beobachtete. Es lag in der Art, wie die Luft sich anfühlte. Es lag in dem seltsamen, beständigen Sog dieses Herzschlags, den ich nun, wie ich merkte, durch Menschenmengen und Entfernungen hindurch verfolgen konnte wie einen Leuchtturm im Sturm.
„Fenn“, sagte ich leise. „Ist Euer Alpha immer so?“
„Schweigsam?“
„Wütend.“
Fenn schwieg einen Moment. Als er antwortete, war der Scherz aus seiner Stimme verschwunden.
„Er ist nicht wütend auf Euch, Miss Vale.“
„Auf wen dann?“
„Auf sich selbst, glaube ich.“ Ein Atemzug. „Er hat seit Jahren nichts mehr so angesehen. Als wüsste er nicht, ob er darauf zu- oder davonlaufen soll.“
Ich dachte lange darüber nach.
Einmal hielten wir an einem flachen Bach, um die Pferde zu tränken. Fenn half mir herunter und führte meine Hand zu einem flachen Stein, auf dem ich sitzen konnte. Das Wasser sang über die Steine, und die kalte Luft roch nach Moos und nassem Laub. Ich wandte das Gesicht dem Geräusch zu und ließ mich, für einen Augenblick, einfach atmen.
Von hinten näherten sich Schritte. Schwer. Gemessen. Ich kannte diesen Herzschlag jetzt. Ich hätte ihn unter Tausenden erkannt.
„Du solltest nicht so nah am Wasser sitzen“, sagte der Alpha. „Das Ufer ist weich.“
„Ich weiß. Ich habe nachgesehen.“
„Nachgesehen.“
„Mit meinem Stock. Dreimal.“ Ich neigte den Kopf zu ihm. „Habt Ihr gedacht, ich würde hineinfallen?“
Er schwieg. Dann entwich ihm unerwartet etwas wie ein Hauch von Belustigung, so kurz, dass ich es mir hätte einbilden können.
„Ich wusste nicht, was ich denken sollte“, sagte er.
„Das ist wenigstens ehrlich.“
„Ist es das, was du erwartet hast? Ehrlichkeit?“
„Nein“, gab ich zu. „Ich habe ein Monster erwartet.“
Die Stille, die darauf folgte, war nicht behaglich. Sie war weit und gespannt, wie ein Seil, das zwischen zwei Menschen straff gezogen ist, die beide Angst haben, diejenigen zu sein, die loslassen.
„Ich bin kein guter Mann, Miss Vale“, sagte Kaelen schließlich.
„Ich habe nicht gefragt, ob Ihr gut seid.“
„Was hast du gefragt?“
„Ich habe gar nichts gefragt.“ Ich zog die Knie an und stützte das Kinn darauf. „Ihr seid derjenige, der ständig Fragen beantwortet, die ich nicht gestellt habe.“
Er sagte nichts. Aber sein Herzschlag, diese langsame, mächtige Trommel, setzte einen ganzen Schlag aus, und ich empfand eine seltsame, grimmige Genugtuung. Mir schien, dies war ein Mann, der sehr lange Zeit gehorsam befolgt und sehr wenig Zeit gesehen worden war.
Was komisch war, wenn man bedachte, dass ich die Blinde war.
„Wir reiten weiter“, sagte er abrupt und ging davon. Doch mir fiel auf, dass er wartete, bis ich aufgestanden war und meinen Stock gefunden hatte, ehe er mir den Rücken kehrte.
* * *
Wir erreichten das Rudelhaus von Ironfang nach Einbruch der Dunkelheit.
Ich wusste, dass es riesig war, noch ehe es jemand sagte. Der Klang veränderte sich, als wir unter dem Tor hindurchkamen, das Echo der Hufe stieg in einen gewaltigen steinernen Raum hinauf. Die Luft roch nach Eisen, Holzpolitur, gebratenem Fleisch und tausend Menschen, die in enger, sorgfältiger Ordnung zusammenlebten. Irgendwo hoch über mir schlug eine Glocke die Stunde.
„Willkommen in Ironfang“, sagte eine warme, volle Stimme, und eine Hand nahm die meine, als ich vom Pferd glitt. Es war eine große, sanfte Hand, trocken und ruhig. „Ich bin Lucan Voss, der Beta. Ich hoffe, die Reise war nicht zu anstrengend, meine Liebe.“
„Überhaupt nicht“, sagte ich. „Danke, dass Ihr mich aufnehmt.“
„Wir sind es, die sich geehrt fühlen.“
Er lächelte. Ich hörte es. Das Lächeln wohnte in seiner Stimme wie Honig in einem Glas, glatt und golden und vollkommen.
Und sein Herzschlag war ebenfalls vollkommen.
Das war das Erste, was mir auffiel, und ich hätte nicht sagen können, warum es mich frösteln ließ. Jeder andere Herzschlag in diesem Hof war unruhig vor Nervosität und Neugier. Fenns schlug schnell vor Sorge. Die der Wachen waren angespannt vor Wachsamkeit. Sogar der des Alphas, von der anderen Seite des Hofes, hämmerte wie ein Rammbock.
Aber Lucan Voss' Puls war langsam. Gleichmäßig. Vollkommen, makellos ruhig. Der Herzschlag eines Mannes, der in seinem ganzen Leben noch von nichts überrascht worden war.
„Miss Vale?“, sagte er sanft. „Ist Euch unwohl?“
„Nein“, sagte ich. „Nur müde.“
Er tätschelte meine Hand. „Dann bringen wir Euch hinein. Tilda hat ein Zimmer vorbereitet, ein heißes Bad und genug Suppe, um ein Heer zu speisen. Sie kocht seit dem Morgen. Ich fürchte, sie hat bereits beschlossen, Euch zu lieben.“
Das Merkwürdigste war, dass ich ihm beinahe glaubte.
Ich brauchte noch drei Schritte, um zu verstehen, warum mir diese Ruhe Angst machte. Es war nicht so, dass er nichts zu verbergen hatte. Es war, dass er das Verbergen so lange geübt hatte, dass es zu seinem natürlichen Rhythmus geworden war.
Ich kannte mein Leben lang Lügner. Lügner sind nervös. Lügner stolpern.
Die gefährlichen, dachte ich, stolpern überhaupt nicht.
* * *
Sie führten mich eine Wendeltreppe hinauf, achtunddreißig Stufen, dann durch einen Korridor mit kühlen Steinwänden. Mein Zimmer lag am Ende. Die Tür öffnete sich auf warme Luft und den Duft von Lavendel und frischer Wäsche, und die Stimme einer Frau, älter, so stumpf wie ein Löffel, sagte: „Na, steh nicht da wie eine streunende Katze. Komm herein und setz dich.“
„Das wäre dann Tilda“, murmelte Lucan und ließ uns allein.
Tilda Brandt war, wie ich noch erfahren sollte, ungefähr so groß wie ein Fass und doppelt so robust. Sie setzte mich aufs Bett, drückte mir eine Schale Suppe in die Hände und weigerte sich zu gehen, ehe sie leer war.
„Zu dünn“, sagte sie. „Viel zu dünn. Geben sie dir in Moonrise nichts zu essen?“
„Doch.“
„Hm.“ Sie klang nicht überzeugt. „Du hast Elaras Hände, weißt du.“
Ich erstarrte, den Löffel auf halbem Weg zum Mund.
„Ihr kanntet meine Mutter?“
„Jeder kannte Elara Vale.“ Tildas Stimme veränderte sich und wurde weicher. „Sie kam auf dem Weg zu den Marktstädten immer durch Ironfang. Sie saß in meiner Küche und sang, während ich Brot knetete. Sie hatte die süßeste Stimme. Und sie hatte die Art, einen Menschen anzusehen, als könnte sie ihm bis auf den Grund sehen.“
Etwas in meiner Brust zog sich zusammen. „In Moonrise spricht niemand von ihr.“
„Nein“, sagte Tilda. „Das kann ich mir denken.“
Diese Antwort hatte ein seltsames Gewicht. Meine Hände, bemerkte ich, zitterten um die Schale.
„Tilda?“, sagte ich. „Was ist mit ihr geschehen? Wirklich?“
Eine lange Pause. Ich hörte sie atmen und das langsame Ticken eines Feuers, das im Kamin zusammensank.
„Iss deine Suppe, Kind“, sagte sie schließlich, und ihre Stimme hatte einen Sprung. „Wir reden an einem anderen Tag. Heute Nacht bist du sicher, und das genügt.“
Ich wollte nachhaken. Aber ich war müde, die Suppe war heiß, und sie hatte mich Kind genannt, in einem so gütigen Ton, dass mir die Augen brannten. Also aß ich. Und als sie gegangen war, saß ich allein im lampenhellen Dunkel und ließ mich, nur für einen Augenblick, fühlen, was ich lange nicht gefühlt hatte.
Hoffnung, dünn wie ein Faden.
* * *
Ich erwachte von einem Geräusch, das nicht hierhergehörte.
Ein leises Schaben. Ein Wispern von Stoff. Das kleinste Klicken einer Türklinke, die mit größter Vorsicht angehoben wurde.
Ich lag ganz still. Ich hatte schon lange gelernt, dass Panik Lärm macht und dass Stille eine Waffe ist.
Jemand war in meinem Zimmer.
Schritte querten den Boden, leicht und behutsam. Nicht der schwere Tritt eines Kriegers. Der Schritt einer Bediensteten, flink und leise. Ich hörte das leise Klingen von Porzellan auf Holz, dann das Rinnen einer Flüssigkeit, die eingegossen wurde.
„Wer ist da?“, fragte ich.
Das Gießen hörte auf.
„Nur ich, Miss“, sagte die Stimme eines Mädchens, zu hell und zu schnell. „Ich habe Euch Tee gebracht. Tilda meinte, Ihr möchtet vielleicht etwas Warmes vor dem Schlafen.“
Ihr Herz galoppierte. Ihr Atem roch nach Angst und, darunter, nach etwas Bitterem, wie zerdrückte Mandeln. Und unter der Tasse, als sie sie auf den Tisch neben mir stellte, nahm ich einen zweiten Geruch wahr, sehr schwach.
Lilien. Und Eisen.
Derselbe Geruch, dem ich zwölf Jahre lang nicht begegnet war.
Jedes Haar an meinem Körper stellte sich auf.
„Danke“, sagte ich, und meine Stimme kam gleichmäßig heraus, was mich mehr erschütterte als alles andere. „Würdest du einen Moment warten? Ich möchte, dass du zuerst davon kostest.“
Das Mädchen erstarrte.
„Miss?“
„Es ist eine alte Gewohnheit. Ein Aberglaube.“ Ich setzte mich langsam auf. „Bitte. Tu mir den Gefallen.“
Stille. Eine furchtbare, sich dehnende Stille, in der ich sie schlucken hörte, ihren Atem stocken hörte und irgendwo im Korridor hinter der Tür den leisen Tritt eines schweren Stiefels.
Der Herzschlag des Mädchens explodierte.
Die Tasse zerschellte auf dem Boden.
Und eine große, warme, wütende Hand schloss sich um mein Handgelenk und riss mich seitlich aus dem Bett, genau in dem Moment, als die Tür aufflog und eine Stimme wie berstender Donner brüllte: „Weg von ihr!“
Vierzehn NächteDanach sagte niemand ein Wort.Es ist etwas Seltsames, in einer so vollkommenen Stille zu sitzen, dass man einzelne Kerzenflammen hören kann. Ich saß an der Haupttafel, mein Handgelenk noch in Kaels Griff, das Gesicht zu einem Ausdruck höflicher, leerer Ruhe geordnet, und lauschte vierhundert Herzen, die den Atem anhielten.Dann lachte Lucan Voss.Es war ein kleines, warmes Lachen, beinahe entschuldigend. „Verzeiht. Ich meinte nur, dass Euer Ruf Euch vorauseilt, Miss Vale. Elara Vale war in diesen Territorien wohlbekannt. Eine bemerkenswerte Frau.“„Ich wusste nicht, dass Ihr sie kanntet“, sagte ich.„Jeder kannte sie.“„Das hat Tilda auch gesagt.“„Tilda ist sehr weise.“ Er sagte es mühelos, und sein Herz setzte nicht aus, und ich spürte, wie sich die feinen Härchen auf meinen Armen aufstellten. „Ich meinte lediglich, dass die Tochter einer solchen Frau kaum gewöhnlich sein kann. Es ist ein Kompliment.“„Dann danke ich Euch.“„Gern geschehen.“Er hob sein Glas in mein
Ein Brief, in Angst unterzeichnet* * *Der Name auf dem Brief war der meines Stiefvaters.Kael las ihn im privaten Arbeitszimmer des Alphas vor, einem kleinen runden Raum oben im Nordturm, der nach kalter Tinte und Kerzenwachs roch. Ich saß in einem Ledersessel, den Stock quer über den Knien und beide Hände darum geschlossen, als könnte der Brief versuchen, ihn mir aus der Hand zu schlagen.„Elara“, las Kael. Seine Stimme war gleichmäßig, aber ich hörte, dass er sie mit Absicht so hielt, wie ein Mann einen vollen Becher über ein schwankendes Deck trägt. „Ich kann dies nicht persönlich sagen, denn er beobachtet mich jetzt, und ich bin nicht mutig genug, es Dir ins Gesicht zu sagen. In der Nacht des Neumonds kommen sie, um Dich zu holen. Keine Abtrünnigen. Jemand in Ironfang. Jemand mit einem freundlichen Gesicht, der seit Jahren zuhört. Ich habe versucht, es zu verhindern, und ich kann es nicht. Nimm Seraphina und geh heute Nacht nach Norden. Vertraue niemandem an Deinem Tor, und vert
Der Junge am brennenden Fenster* * *Einen langen Moment vergaß ich, wie man atmet.„Das ist nicht möglich“, sagte ich.„Doch.“„Ich würde mich erinnern.“„Du warst zehn, halbtot und blind, als ich dich erreichte.“ Seine Stimme war rau. „Du kannst dich nicht an mich erinnern. Ich war ein Junge auf einem Pferd. Ich war zehn Meilen geritten, weil ich die Alarmglocken gehört hatte und nicht wusste, wessen Haus brannte.“Ich krallte beide Fäuste in die Decke. „Warum warst du in Moonrise?“„Weil mein Vater mich geschickt hat.“„Dein Vater war der Alpha von Ironfang.“„Ja.“ Er schwieg einen Moment. „Damon Draven. Er traf deine Mutter heimlich an der Grenze, einmal pro Jahreszeit. Ich habe nie verstanden, warum. Er sagte mir nur, sie sei eine Freundin, und manche Freunde müsse man verbergen, um sie zu schützen. In jener Nacht befahl er mir, vorauszureiten und sie zu warnen, dass etwas nicht stimmte. Ich war sechzehn. Ich stellte keine Fragen.“„Und als du ankamst?“„Das Haus brannte bereits
Feuer in der Dunkelheit* * *Jemand hatte versucht, mich zu töten, und das Merkwürdigste daran war, wie ruhig ich dabei blieb.Vielleicht war es der Schock. Vielleicht waren es zwölf Jahre, in denen ich stets das Schlimmste erwartet hatte und höflich enttäuscht gewesen war, wenn es nicht eintraf. Was auch immer es war: Ich stand mitten im Schlafzimmer eines Fremden, in einem fremden Haus, eine fremde Hand fest um mein Handgelenk geschlossen, und dachte ganz klar: Der Tee war vergiftet, und das Mädchen wusste es.„Beweg dich nicht“, sagte der Alpha.Seine Stimme war leise und beherrscht, aber ich spürte die Wut unter seiner Haut summen wie eine angeschlagene Glocke. Mit einer einzigen Bewegung hatte er sich zwischen mich und die Tür gestellt, sein Körper eine Wand aus Hitze und Muskeln, und als ich die freie Hand ausstreckte, berührte ich den Stoff eines Hemdes, das am Kragen noch offen stand. Er war hierhergerannt. Er war von irgendwo weit her gekommen, halb angezogen und barfuß.„Ka
Der Alpha, der nicht sprach* * *Fenn Ashgrove erholte sich, das muss man ihm lassen, als Erster.„Gut“, sagte er munter, in eine Stille hinein, die so schwer war, dass ich sie auf meinen Trommelfellen spürte. „Wunderbar. Alle sind da. Alle leben. Wollen wir einfach so tun, als wäre das nicht passiert, und nach Hause gehen?“Niemand antwortete ihm.Ich stand ganz still in der kalten Abendluft, den Stock in beiden Händen, mein Herz hämmerte so heftig, dass ich sicher war, jeder Wolf auf dieser Straße könne es hören. Der Mann vor mir hatte ein Wort gesagt. Nur eines. Und der Anhänger auf meiner Brust brannte wie eine Kohle.„Alpha Draven“, sagte ich, denn jemand musste etwas sagen, und ich wollte lieber diejenige sein, die das Schweigen brach, als diejenige, die darin ertrank. „Ich bin Seraphina Vale. Ich glaube, man hat mich zu Euch geschickt.“„Geschickt“, wiederholte er.Seine Stimme war tief, und eine Rauheit lag darin, die weniger nach Zorn klang als nach einer Tür, die sehr lange
Verkauft unter einem SilbermondDer Rauch roch falsch, und daran erkannte ich, dass jemand im Begriff war, mein Leben zu ruinieren.Es war nicht der ehrliche Rauch des Küchenherds, nach Eiche, Zwiebelschalen und verbranntem Zucker. Dieser Rauch war dünn und sauer, so wie er in einem Raum hängt, nachdem ein Mann eine Stunde lang darin gelogen hat. Ich stand im Flur des Moonrise-Rudelhauses, einen Korb mit gefalteter Wäsche auf der Hüfte, und tat, was ich immer tat. Ich blieb ganz still und lauschte.Hinter der Tür des Arbeitszimmers raste das Herz meines Stiefvaters.„Sie wird es tun“, sagte Alpha Garrick Moore. Seine Stimme hatte den zu glatten, zu einstudierten Klang eines Mannes, der von einer Seite in seinem eigenen Kopf abliest. „Sie hat keine Wahl, und sie hat niemanden. Sie ist dankbar für jedes Dach, das wir ihr geben.“„Dankbar“, wiederholte eine andere Stimme. Älter. Trocken. Beta Halvard, der nie meinen Namen gesagt hatte, ohne das Wort „arme“ davorzusetzen.Ich wartete nich







