로그인Der silberne Anhänger lag auf dem billigen Linoleumtisch, und weder Raf noch ich hatten es gewagt, ihn über eine Stunde lang anzufassen.
Zehntausend Dollar in knackigen Scheinen lagen daneben verstreut, aber ich bemerkte das Geld kaum. Ich konnte den Blick nicht von dem matten, schweren Schmuckstück lösen.
Die seltsamen Symbole, die in das Metall geschnitten waren, schienen sich zu verschieben, sobald ich wegsah, und fingen das schwache grüne Leuchten der Mikrowellenuhr ein.
4:42 Uhr.
Ich hatte achtundsiebzig Minuten, um in die östlichen Vororte zu kommen, sonst würde der Mann mit den eisblauen Augen meinen zehnjährigen Bruder in einen Schiffscontainer werfen.
„Fass ihn nicht an, Tarn“, flüsterte Rafferty. Er saß immer noch zusammengesunken auf dem Esszimmerstuhl, stützte sich schwer auf seinen Stock, sein Gesicht die Farbe von nasser Asche. „Mama hat gesagt, man soll nie in die Nähe von Leitern gehen. Sie hat gesagt, sie seien Tracker. Sie hat gesagt—“
„Mama hat auch gesagt, sie gehe nur Milch holen und ist nie zurückgekommen“, unterbrach ich ihn, meine Stimme rau und gebrochen.
Die Bitterkeit schmeckte wie Batteriesäure auf der Zunge. Zwei Jahre lang hatte ich das Versprechen gehalten, das ich ihr gegeben hatte, bevor sie uns verließ. Halt den Kopf unten, Tarni. Vergrab es. Lass sie den Funken in deinem Blut nicht sehen. Ich hatte die seltsame, summmende Energie unter meiner Haut so lange unterdrückt, bis ich nichts mehr war als eine ausgehöhlte Barkeeperin, die in Schulden ertrank. Ich hatte diesen Teil von mir verhungern lassen, um uns verborgen zu halten.
Und Kael hatte uns trotzdem gefunden.
Ich streckte die Hand aus und schloss sie um den Anhänger.
Rafferty zuckte zusammen und sog scharf die Luft ein.
Das Metall war eiskalt und senkte die Temperatur meiner Handfläche auf den absoluten Nullpunkt. Als sich meine Finger um die Runen legten, raste eine gewaltsame, übelkeitserregende Empfindung durch meine Adern. Es fühlte sich an, als würde dicker, nasser Sand direkt in meinen Blutkreislauf geschüttet und das warme, latente Summen der Energie ersticken, das immer in der Mitte meiner Brust gelebt hatte. Meine Knie knickten ein und warfen mich gegen den Tischrand.
„Tarni!“ Rafferty ließ seinen Stock fallen und stürzte vor, um meine Schulter zu fangen.
„Mir geht’s gut“, keuchte ich, die Luft brannte in meinen Lungen. Ich zwang mich, aufrecht zu stehen. Mein Körper fühlte sich unglaublich schwer an, langsam, völlig menschlich. Der Magiedämpfer wirkte. Was auch immer Kael in mir gespürt hatte – dies sollte es einsperren. Ich streifte die Lederschnur über den Kopf und ließ das kalte Silber gegen mein Brustbein fallen. Es fühlte sich an wie ein Anker.
„Du kannst nicht zu dieser Adresse gehen“, flehte Rafferty, seine Finger gruben sich in meine feuchte Jacke. „Nimm die zehntausend. Wir nehmen ein Taxi, fahren zur Polizeistation in der Stadt und verlangen, dass sie Leo finden—“
„Und wenn sie es nicht schaffen?“ fragte ich und drehte mich zu ihm um. Mein Blick schwamm leicht, mein Körper stieß den Anhänger ab. „Wenn sie es vermasseln, Raf? Kael wusste gestern genau, wo du geschlafen hast. Er kannte Leos Asthma-Plan. Er ist kein Straßenschläger. Er ist genau das, wovor Mama weggelaufen ist.“
Ich griff nach den Stapeln Hunderter und stopfte sie in die Taschen von Raffertys Jogginghose. „Lass die Türen abgeschlossen. Mach niemandem auf. Ich hole ihn zurück.“
Ich drehte mich zur Tür, als ein scharfes, elektronisches Summen die schwere Stille der Küche zerriss.
Wir erstarrten beide.
Es war das Prepaid-Handy neben dem Stapel letzter Mahnungen. Der Bildschirm leuchtete hart und grellweiß im dunklen Raum.
5:08 Uhr.
Niemand rief diese Nummer an. Die einzigen, die sie hatten, waren Mick von der Kneipe, der Vermieter und die Apotheke. Und keiner von ihnen rief um fünf Uhr morgens an.
Rafferty und ich starrten auf das vibrierende Plastik, das heftig gegen das Laminat ratterte.
„Das ist er“, hauchte Rafferty und wich zurück. „Das ist Kael.“
Mein Puls hämmerte einen hektischen, ohrenbetäubenden Rhythmus gegen meine Trommelfelle. Ich trat vor, meine Hand zitterte so heftig, dass ich das Telefon beinahe fallen ließ, als ich es packte. Ich drückte die grüne Taste und hielt es an mein Ohr, die Kehle völlig zugeschnürt.
Ich sagte nichts. Ich lauschte nur dem Rauschen.
„Hallo?“ knisterte eine Stimme aus dem Lautsprecher. Es war nicht Kaels tiefes, kiesiges Summen. Es war eine Frauenstimme. Kurz, klinisch, unterlegt vom hektischen Hintergrundgeräusch piepsender Monitore und eilender Schritte. „Spreche ich mit Tarni Thorne?“
Ich runzelte die Stirn, das Grauen in meinem Magen verwandelte sich in totale Verwirrung. „Wer ist das?“
„Hier ist Dr. Aris aus der Intensivstation des Royal Perth Hospital. Sie sind als primäre Notfallkontaktperson für Evelyn Thorne eingetragen.“
Der Boden brach komplett unter mir weg.
Evelyn. Meine Mutter. Die Frau, die uns mit drei Monaten unbezahlter Miete, einer Zielscheibe auf dem Rücken und einem Leben voller Traumata zurückgelassen hatte. Die Frau, deren Gesicht ich seit meinem achtzehnten Lebensjahr nicht mehr gesehen hatte.
„Sie hat keinen Notfallkontakt“, sagte ich, die Worte fielen mir in einem betäubten, roboterhaften Monoton aus dem Mund. „Sie hat seit zwei Jahren kein Wort mit mir gesprochen.“
„Ich verstehe, dass das ein Schock sein mag, Ms. Thorne, aber das System zeigt, dass sie ihre medizinische Vollmacht vor genau achtundvierzig Stunden auf Ihren Namen und Ihre Nummer umgestellt hat“, sagte die Ärztin. Ihre Stimme wurde enger und legte die klinische Distanz ab für etwas Dringendes und Düsteres. „Ich brauche, dass Sie mir sehr genau zuhören. Ihre Mutter ist heute früh an einer Haltestelle zusammengebrochen. Sie ist in kritischem Zustand.“
Rafferty beobachtete mein Gesicht, die Augen weit, und las den Schrecken, der in meinen Ausdruck blutete. Wer?, formte er lautlos mit den Lippen.
„Es ist mir egal“, flüsterte ich ins Telefon, obwohl die Tränen, die plötzlich hinter meinen Augen stachen, das als riesige Lüge entlarvten. „Ich… sie ist nicht mein Problem.“
„Ms. Thorne, ihre Organe versagen“, drängte Dr. Aris, die Dringlichkeit blutet durch die Leitung. „Es ist ein Kaskadeneffekt. Lebernekrose, Nierenversagen, schwere Lungenblutungen. Es ist ein aggressives, unbekanntes Toxin. Wir haben sie mit Breitband-Antivenomen und Dialyse überschwemmt, aber ihr Blut gerinnt praktisch in den Schläuchen. Was auch immer in ihrem System ist – es frisst sie lebendig auf.“
Mein Atem stockte. Das erdrückende Gewicht des silbernen Anhängers auf meiner Brust fühlte sich plötzlich unmöglich schwer an.
Ein unbekanntes Toxin.
„Was für ein Toxin?“ forderte ich und griff an die Küchenzeile, um meine Beine am Einknicken zu hindern. „Was sind die Symptome? Sagen Sie es mir.“
„Es ist völlig unregelmäßig“, sagte die Ärztin, die Frustration in ihrem Ton spürbar. „Die Pathologie ist bizarr. Die Adern an ihrem Hals und ihren Armen sind fast pechschwarz geworden. Und es gibt schwere lokale Gewebsnekrosen an ihrer rechten Hand, als hätte sie etwas hochgradig Ätzendes berührt.“
Eine kalte, entsetzliche Gewissheit überkam mich. Schwarze Adern. Ätzende Magie. Es war kein biologisches Gift. Es war ein übernatürlicher Fluch. Jemand hatte Evelyn Thorne endlich eingeholt.
Und weniger als zwölf Stunden später war Kael in meine Bar gekommen und hatte meinen Bruder mitgenommen.
Der Zufall war unmöglich. Das Timing war komplett orchestriert. Meine Mutter hatte ihren Notfallkontakt nicht einfach willkürlich aktualisiert; sie wusste, dass sie kamen. Sie wusste, dass sie als Nächstes nach uns kommen würden.
„Ms. Thorne?“ fragte die Ärztin über das Geräusch eines flachlineenden Monitors im Hintergrund. „Sind Sie noch da? Wir brauchen die Erlaubnis zur Intubation, aber ehrlich gesagt – wenn wir die Quelle der Toxizität nicht innerhalb der nächsten Stunde identifizieren, wird sie den Morgen nicht überleben.“
5:14 Uhr.
Ich schaute zu Rafferty. Ich schaute auf sein zerschmettertes Bein, auf die dunklen Ringe der Unterernährung unter seinen Augen, den physischen Beweis für jeden einzelnen Kampf, den meine Mutter uns allein hatte führen lassen. Ein dunkler, bösartiger Teil meiner Seele wollte auflegen. Ich wollte das Gift sie von innen heraus verbrennen lassen. Ich wollte, dass sie einen Bruchteil der Qual spürte, die ich jeden einzelnen Tag gefühlt hatte, seit sie aus dieser Tür gegangen war.
Aber unter der Wut war ein verängstigtes achtzehnjähriges Mädchen, das sich immer noch an den Geruch von Mamas Parfüm erinnerte und daran, wie sie in der Küche gesungen hatte, bevor die Paranoia ihren Verstand übernommen hatte.
„Halten Sie sie am Leben“, würgte ich hervor, Tränen liefen endlich über meine Wimpern, heiß und demütigend. „Tun Sie, was immer nötig ist. Halten Sie sie einfach am Atmen.“
„Wir versuchen es, Ms. Thorne. Hat sie irgendwelche Feinde erwähnt? Irgendwelche spezifischen Chemikalien, die sie vielleicht—“
„Ich muss auflegen“, flüsterte ich und legte auf.
Die Stille stürzte zurück in die Küche, erdrückend und absolut.
„Tarni?“ fragte Rafferty, seine Stimme zitterte. „Wer war das?“
„Mama“, sagte ich, meine Stimme brach völlig. Ich wischte mir das Gesicht heftig mit dem Ärmel ab. „Sie stirbt in einem Krankenhaus in Perth. Jemand hat sie vergiftet.“
Rafferty taumelte physisch zurück, sein Stock klapperte gegen den Kühlschrank. „Was? Nein. Nein, das ist unmöglich. Tarni, das Timing—“
„Ich weiß.“ Ich griff nach dem kleinen Zettel mit Kaels Adresse vom Tisch und stopfte ihn in meine Jeanshose. Ich schloss meine nasse Jacke bis zum Kinn. Der Dämpfer-Anhänger fühlte sich an wie ein Eisblock gegen meine Haut und zitterte vor unterdrückter, gewaltsamer Energie. „Sie hat ihre Unterlagen vor zwei Tagen aktualisiert. Sie wusste, dass Kael kommt. Er räumt lose Enden auf, Raf.“
„Du kannst nicht zu diesem Treffen gehen“, flehte Rafferty und packte meinen Arm. „Wenn er das mit ihr gemacht hat, wird er dich töten, Tarni. Er hat Leo, er hat Mama, er sammelt uns ein!“
„Genau deshalb muss ich gehen“, sagte ich und löste behutsam seine Finger von meiner Jacke. Ich sah ihm direkt in die Augen. „Schließ den Riegel ab. Verlass diesen Raum nicht.“
Ich wartete nicht darauf, dass er argumentierte. Ich sprintete aus der Tür, stürzte mich die Betontreppe hinunter und hinaus in den sintflutartigen Sydney-Regen.
Es dauerte dreißig qualvolle Minuten in einem heftig rasenden Früh-Pendelzug und weitere fünfzehn Minuten Sprint bergauf durch die wohlhabenden, gepflegten Straßen von Point Piper, meine Stiefel rutschten auf nassen Pflastersteinen. Meine Lungen brannten, meine Beine schrien protestierend, der Anhänger quetschte meine Brust bei jedem Schritt.
5:58 Uhr.
Ich bog um die Ecke der Wolseley Road, keuchte nach Luft, der Regen klebte mir die Haare an den Schädel.
Ich rutschte zum Stehen.
Die Adresse war weder eine ausladende Villa noch ein Luxus-Wohnblock. Es war ein massives, turmhohes schmiedeeisernes Tor, eingelassen in eine hohe, efeubewachsene Steinmauer, die das Morgenlicht zu verschlingen schien. Das Anwesen hinter dem Tor war völlig in Schatten verborgen, absolut still trotz des heulenden Windes.
Ich ging langsam auf das Tor zu, mein Herz hämmerte heftig gegen meine Rippen. Es gab keine Sprechanlage. Kein Tastenfeld. Nur eine schwere Messingplakette, die an den Steinpfeiler geschraubt war.
Ich wischte mir den Regen aus den Augen, um sie zu lesen, und die Luft entwich mir vollständig aus den Lungen.
In das Messing war kein Name und keine Hausnummer eingraviert. Es war eine einzige, wirbelnde archaische Rune. Genau dasselbe Symbol, das gerade gegen meine Brust auf dem silbernen Anhänger lag.
Bevor ich den Schrecken auch nur verarbeiten konnte, vibrierte mein billiges Prepaid-Handy in meiner nassen Tasche.
Meine erstarrten, zitternden Finger fischten es heraus. Ich drückte es ans Ohr.
„Ms. Thorne“, Dr. Aris’ Stimme war hektisch, atemlos. „Es tut mir leid. Wir haben sie verloren.“
Ein gebrochener Schluchzer riss aus meiner Kehle, roh und qualvoll. Ich sank auf die Knie auf den nassen Pflastersteinen und starrte durch die Eisenstangen in den dunklen Abgrund von Kaels Anwesen.
„Aber Ms. Thorne“, drängte die Ärztin weiter, ihre Stimme sank zu einem dringenden Flüstern. „Direkt bevor ihr Herz stehenblieb, war sie genau drei Sekunden lang bei Bewusstsein. Sie riss die Sauerstoffmaske ab. Sie sagte mir, ich solle Ihnen eine Nachricht übermitteln.“
Ich schloss die Augen, der Regen wusch die Tränen über mein Gesicht. „Was hat sie gesagt?“
„Sie hat gesagt: ‚Der Anhänger ist eine Lüge, Tarni. Lass ihn den Käfig nicht schließen.‘“
Das schwere Eisentor vor mir gab plötzlich ein ohrenbetäubendes, metallisches Ächzen von sich und schwang sich langsam nach innen in die Dunkelheit, um mich willkommen zu heißen.
Der Privatjet-Flug von Sydney nach Perth war ein vierstündiger Schleier aus weißem Rauschen, Ledersitzen und erdrückendem Grauen. Kael war nicht mitgekommen. Er hatte mir einfach einen Boardingpass, einen schwarzen Stadtlimousinenwagen und die Warnung gegeben, dass, falls ich versuchen sollte zu fliehen, die Maschinen, die meine Mutter am Leben hielten, abgeschaltet würden, bevor mein Flugzeug überhaupt den Boden berührte.Jetzt, stehend im sterilen, grellhellen Korridor der Intensivstation des Royal Perth Hospital, starrte mir die Realität dessen, wofür ich mein Leben eingetauscht hatte, direkt ins Gesicht.Ich drückte die Hände gegen das dicke, verstärkte Glas von Zimmer 4B. Das Glas war eiskalt, aber es konnte das Brennen in meiner Brust nicht betäuben.Evelyn Thorne lag in der Mitte des Zimmers, angeschlossen an ein erschreckendes Arrangement aus Schläuchen und Monitoren. Sie sah nichts aus wie die lebendige, unberechenbare Frau, die vor zwei Jahren einen einzigen Koffer gepackt u
Die Pflastersteine bissen sich durch meine durchnässte Jeans in meine Kniescheiben, kalt und unnachgiebig. Ich blieb dort auf dem nassen Gehweg knien, der Sydney-Regen klebte mir die Haare ans Gesicht, und starrte blind in die gähnende Dunkelheit von Kaels Anwesen.Der Anhänger ist eine Lüge, Tarni. Lass ihn den Käfig nicht schließen.Mamas letzte Worte hallten in meinem Schädel wider, ein hektisches, verzweifeltes Gespenst, das den Lärm des Sturms überschrieb. Ich schloss die Augen, ein gezackter Schluchzer riss meine Kehle hinauf. Sie war fort. Zwei Jahre Groll, zwei Jahre, in denen ich die schrecklichen Dinge geübt hatte, die ich ihr sagen würde, falls sie jemals wieder in mein Leben treten sollte – und jetzt war sie nur noch ein Körper in einer Krankenhaus-Leichenhalle dreitausend Meilen entfernt.Dann brach ein scharfer, chaotischer Burst von Rauschen aus dem Telefon, das immer noch an mein Ohr gepresst war.„Holt den Notfallwagen! Frei!“Der gedämpfte, gewaltsame Schlag eines De
Der silberne Anhänger lag auf dem billigen Linoleumtisch, und weder Raf noch ich hatten es gewagt, ihn über eine Stunde lang anzufassen.Zehntausend Dollar in knackigen Scheinen lagen daneben verstreut, aber ich bemerkte das Geld kaum. Ich konnte den Blick nicht von dem matten, schweren Schmuckstück lösen.Die seltsamen Symbole, die in das Metall geschnitten waren, schienen sich zu verschieben, sobald ich wegsah, und fingen das schwache grüne Leuchten der Mikrowellenuhr ein.4:42 Uhr.Ich hatte achtundsiebzig Minuten, um in die östlichen Vororte zu kommen, sonst würde der Mann mit den eisblauen Augen meinen zehnjährigen Bruder in einen Schiffscontainer werfen.„Fass ihn nicht an, Tarn“, flüsterte Rafferty. Er saß immer noch zusammengesunken auf dem Esszimmerstuhl, stützte sich schwer auf seinen Stock, sein Gesicht die Farbe von nasser Asche. „Mama hat gesagt, man soll nie in die Nähe von Leitern gehen. Sie hat gesagt, sie seien Tracker. Sie hat gesagt—“„Mama hat auch gesagt, sie gehe
Der dreckige Barlappen lag auf den Dielen, wo ich ihn hatte fallen lassen, aber er hätte genauso gut eine Million Meilen entfernt sein können.„Jetzt“, wiederholte der Mann, seine Stimme glatt und völlig frei von Dringlichkeit. „Schließ die Türen ab, Tarni.“Jeder biologische Instinkt, den ich besaß, schrie mich an zu rennen, ihm eine Flasche über den Kopf zu schlagen, irgendetwas zu tun. Aber ich konnte mich nicht bewegen. Meine Augen klebten an dem kleinen blauen Inhalator auf dem Tisch. Das weiße Tape. Das schwarze L.Ich zwang meine Beine, sich zu bewegen. Jeder Schritt zu den gläsernen Vordertüren fühlte sich an, als würde ich durch nassen Zement waten. Meine Hände zitterten so heftig, dass der schwere Messing-Riegel zweimal aus meinen glitschigen Fingern rutschte, bevor ich ihn endlich zuschlug. Ich griff nach oben und zog die Kette am neonfarbenen OPEN-Schild. Es flackerte und erlosch. Die Kneipe versank in einer schweren, erdrückenden Dunkelheit, erhellt nur vom kränklichen or
TarniDer Lappen in meiner Hand war einmal weiß gewesen.Jetzt war er grau, steif und durchtränkt vom Gestank abgestandenen Bieres, billigen Bourbons und Schweiß.Ich schrubbte die ramponierte Theke, bis meine Knöchel brannten, und biss mir in die Innenseite der Wange, sobald der Schmerz schärfer wurde. Meine Schultern schmerzten. Meine Füße fühlten sich in den Schuhen taub an.Ich verlagerte mein Gewicht und schluckte schwer.Einfach weiterbewegen.Denn wenn ich auch nur für eine Sekunde innehielt, wusste ich, dass meine Beine nachgeben würden.„Oi, Schätzchen. Noch eine Runde.“Ich schaute nicht auf. Ich wischte einfach weiter.„Hast du mich gehört, Süße?“Der Mann knallte sein schweres Glas auf die Theke, das plötzliche Geräusch ließ mich zusammenzucken. Schließlich hob ich den Kopf und zwang meinen Gesichtsausdruck zu einer leeren Maske. Er war einer von Micks Stammgästen, ein Mann, dessen Gesicht ich drei Abende die Woche sah, dessen Namen ich mir aber nie die Mühe gemacht hatte







