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Der Preis meines Lebens

Author: Gaius James
last update publish date: 2026-06-10 16:45:14

Mitchelles POV

Die schweren Eichentüren der Gerichtshalle vibrierten noch immer von den Echos des Urteils des Rates, als ich endlich lange genug aufhörte zu zittern, um aufzustehen.

Alle dafür.

Drei einfache Worte, gesprochen in einem Chor kalter, gleichgültiger Stimmen, und mein ganzes Leben war von Menschen verhandelt worden, die sich weigerten, mir in die Augen zu sehen, während sie es taten. Ich erinnerte mich nicht einmal daran, den Saal verlassen zu haben.

Meine Erinnerungen an die Nachwirkungen waren zerbrochen, reduziert auf scharfe, unzusammenhängende Blitze: die beißende Kälte des Steinbodens, der meinen Knien entgegeneilte, Beta Haels schwere Hand, die sich auf meine Schulter legte, um mich wieder auf die Füße zu ziehen, und dann eine dicke, erstickende Leere, bis ich mich im Korridor vor dem privaten Arbeitszimmer meines Vaters wiederfand.

Meine Handfläche drückte flach gegen das dunkle Holz der Tür. Ich klopfte nicht. Ich schob sie einfach auf.

Der Geruch traf mich zuerst. Der Raum stank nach abgestandenem Wein und einem sauren, schweren Moschus darunter, den ich nicht benennen wollte.

Leere Tonkrüge lagen herum, rollten gegen die Beine der schweren Stühle und waren achtlos über einen Hartholzboden verstreut, der früher zweimal am Tag gefegt wurde.

Mein Vater saß in der fast völligen Dunkelheit hinter seinem massiven Schreibtisch zusammengesunken. Er war unrasiert, sein Leinenhemd war stark befleckt, und für eine schreckliche, desorientierende Sekunde erkannte ich den stolzen Alpha von Moonridge überhaupt nicht wieder.

„Vater.“

Er sah nicht auf.

„Vater, bitte.“ Ich überquerte den verwüsteten Raum in drei Schritten und sank neben seinem Stuhl auf die Knie, meine Finger gruben sich verzweifelt in den Stoff seines Ärmels. „Lass sie das nicht mit mir machen. Lass sie mich nicht töten.“

Etwas in seiner hohlen Haltung verschob sich endlich. Seine Arme legten sich um mich, langsam und zitternd, und als sein schwerer Kopf gegen meine Schulter sank, merkte ich, dass er stärker zitterte als ich.

„Ich konnte sie nicht aufhalten“, flüsterte er, seine Stimme völlig zerstört, beraubt der dröhnenden Autorität, die normalerweise Tausende befehligte. „Ich stand in diesem Saal, Mitchelle, und ich konnte sie nicht aufhalten.“

„Was passiert jetzt?“

Er antwortete nicht. Stattdessen knarrte die schwere Tür auf, und Beta Hael trat in das Arbeitszimmer.

Etwas an der starren, vorsichtigen Art, wie der Beta sich hielt, sagte mir, dass das Skript, das gleich ablaufen würde, bereits geschrieben und finalisiert worden war, ohne mein Wissen.

„Alpha“, sagte Hael, sein Ton leise und intensiv absichtlich. „Die Nachricht aus der Schattenfang ist gerade eingetroffen.“

Mein Vater hob langsam den Kopf. Ein komplexer, volatiler Blick flackerte tief hinter seinen Augen – Erleichterung und absolute Angst so eng verflochten, dass es unmöglich war, sie zu trennen.

„Und?“, krächzte mein Vater.

„Alpha Adrian Throne hat die Bedingungen des Angebots akzeptiert“, berichtete Hael. „Er erwartet, dass das Mädchen bis morgen früh in sein nördliches Grenzgebiet gebracht wird.“

Der Name landete in dem beengten Raum wie ein Felsbrocken, der in stilles Wasser geworfen wird. Ich löste mich aus der Umarmung meines Vaters, ein gewalttätiger Schauder brach über meine Haut aus.

„Welches Angebot akzeptiert?“, forderte ich, meine Stimme brach, während ich zwischen den beiden Männern hin und her sah. „Vater, wovon spricht er?“

Mein Vater wandte sofort die Augen ab und weigerte sich, mich anzusehen.

„Ich habe diesen Namen schon einmal gehört“, drängte ich, stand auf, meine Stimme stieg in der Höhe, als die Panik meine Erschöpfung zu übersteuern begann. „Jeder in den Territorien hat diesen Namen gehört. Adrian Throne. Der wilde Alpha, dessen eigene Bestie sich vor zwei Jahren in einem Grenzscharmützel gegen die eigenen Rudelkrieger wandte. Der, den sie nennen—“

„Genug“, schnitt mein Vater mich ab mit einem plötzlichen Aufblitzen von Hitze, obwohl das Wort eher wie eine verzweifelte Bitte klang als ein Befehl.

„Sag mir, was du getan hast.“

Er zwang seinen Blick endlich zurück zu meinem, und ich beobachtete, wie etwas Lebenswichtiges hinter seinen Augen zerbrach, ein endgültiges Zerbrechen, von dem ich nicht gedacht hatte, dass es nach den Schrecken der vorherigen Nacht noch möglich sei.

„Der Rat forderte deine Hinrichtung, Mitchelle“, sagte er, jedes Wort klang, als koste es ihn ein Stück seiner Seele. „Sie wollten Blut, um das Rudel zu beschwichtigen. Ich konnte sie nicht offen ablehnen; wenn ich es getan hätte, hätten sie mich vom Sitz entfernt, einen Coup ausgerufen und dir trotzdem den Kopf genommen. Also fand ich die einzige Alternative, die ihren Blutdurst befriedigen würde. Eine Vertragsehe. Alpha Adrian hat zugestimmt, dich als seine Frau zu nehmen, im Austausch für die politische Unterstützung Moonridges bei den Grenzgesprächen, die er seit einem Jahr allein führt.“ Er schluckte schwer, sein Hals klickte in der Stille. „Es ist unterschrieben. Es ist gesiegelt. Es gibt kein Zurück mehr.“

„Du hast mich verheiratet“, flüsterte ich, die Realität des Verrats setzte sich schwer in meiner Brust fest. „Du hast mich an einen Fremden verkauft, von dem das gesamte Königreich flüstert, dass er halb wild sei, und du hattest nicht einmal den Anstand, mir zu sagen, dass du es in Betracht zogst.“

„Ich habe dein Leben gerettet!“

„Du hast mich nicht gefragt, ob das das Leben ist, das ich wollte!“

„Es gab keine Zeit, dich zu fragen!“, schrie er, und zum ersten Mal in meinen siebzehn Jahren klang mein Vater völlig besiegt. Ein Mann, der wirklich glaubte, dass er keine nennenswerten Optionen mehr hatte. „Mitchelle, sie wollten deinen Kopf bis Sonnenaufgang auf einer Pike. Ich habe ihnen stattdessen eine Hochzeit gegeben. Was auch immer du von Adrian Throne hältst, was auch immer die erschreckenden Gerüchte sagen, es ist ein Leben. Es ist weit mehr, als der Rat dir vor einer Stunde zugestehen wollte.“

Ich stand erstarrt in der Mitte seines verwüsteten Arbeitszimmers, umgeben von den Trümmern von Weinflaschen, verstreuten Papieren und einem Vater, der meine Freiheit für mein Überleben getauscht hatte, ohne zu fragen, welches von beiden ich für mich selbst gewählt hätte. In diesem stillen Moment sah ich auf die Trümmer von allem, was ich eine Woche zuvor von mir selbst gekannt hatte. Ich war nicht länger eine Tochter von Moonridge. Ich war eine Thronerbin von absolut nichts. Ich war nur ein wolfloses Mädchen mit einer blockierten Tür in meiner Brust, die niemand außer einem blinden Hecken-Seher jemals bemerkt hatte.

Und bis zum Morgen würde ich einem Monster gehören, dessen Ruf benutzt wurde, um ungehorsame Kinder zu erschrecken.

„Wann gehe ich?“, fragte ich, meine Stimme sank in einen flachen, leisen Register.

„Bei Anbruch der Dämmerung“, antwortete Beta Hael und trat ein, als mein Vater zu schwach war, die Worte zu sprechen. „Eine geschlossene Kutsche wird dich zur Grenzlinie der Schattenfang bringen. Seine persönliche Garde wird dich dort treffen.“

Ich sah meinen Vater ein letztes Mal an, nahm seine blutunterlaufenen Augen und die zusammengesunkenen Schultern in mich auf, bevor ich mich zur Tür wandte. Eine seltsame, metallische Klarheit legte sich über mich – ein tiefes Gefühl von Frieden, das nach dem Chaos der letzten achtundvierzig Stunden fast surreal wirkte.

Lass den Rat glauben, sie säuberten einen Fluch. Lass meinen Vater glauben, er habe ein hilfloses Opfer gerettet. Lass das gesamte Territorium denken, sie verbannten ein leeres, gebrochenes Mädchen zu einer Bestie.

Ich beabsichtigte herauszufinden, was für ein Monster Adrian Throne wirklich war, und ob die schlafende Macht hinter der Tür in meiner Brust endlich einen Grund finden könnte, der es wert war, zu erwachen.

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