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Kapitel vier

作者: Inkheart
last update publish date: 2026-09-08 17:16:25

CALEB'S PERSPEKTIVE

In dem Moment, als ich den Raum betrat, wusste ich genau, wo Hazel war. Es verblüffte mich, wie ich immer so auf ihre Gegenwart, ihren Geruch eingestellt war. Selbst jetzt spürte ich, wie mein Wolf in mir kratzte und in ihrer Nähe sein wollte. Das Schicksal war grausam, aber zu mir war es noch grausamer. Ausgerechnet Hazel. Ein schwacher Mensch. Ich überlegte, nicht zu kommen, aber mein Vater drängte mich und sagte, eine Gefährtin würde die Leute davon ablenken, was ich wirklich war. Selbst wenn ich gewollt hätte, ich hätte nicht fernbleiben können. Der Zug in dieser Nacht war zu stark. Ihm zu widerstehen, könnte potenziell tödlich sein.

Alle Augen richteten sich auf mich, als ich eintrat, gedämpfte Stimmen erfüllten den Raum. Ich konnte nicht alles hören, was sie sagten, aber ich verstand den Kern. Warum würde er hierherkommen? Wer wollte schon mit einem verfluchten Wolf verbunden sein? Nun, der Witz ging auf alle anderen, denn meine Gefährtin war das einzige menschliche Mädchen an dieser Schule.

Ich konnte Talia auf mich zukommen sehen, wie sie Leute aus dem Weg schob. Ich überlegte, zu gehen, bevor sie mich erreichte, aber ich wusste, dass sie mir nur folgen würde.

„Caleb!“, quietschte sie und umarmte mich, was ich nicht erwiderte. „Ich habe dich vermisst. Hast du mich vermisst?“

Ich schüttelte sie ab und versuchte, Brooklyn in der Menge zu finden. In ihrem Gesicht zeigte sich ein verletzter Ausdruck, den ich ignorierte. „Hast du Brooklyn gesehen?“

„Nein, aber wen interessiert das? Er ist nicht derjenige, den du heute Nacht markieren wirst.“

Ich sah sie endlich an und musterte sie mit leerem Blick. „Und wer, bitte schön, soll das sein?“

„Ich! Wer sonst? Niemand anderes wird dich akzeptieren. Ich bin die Einzige. Verfluchte Wölfe wie du können niemals wahre Gefährten haben. Du wirst mich markieren und mich als deine beanspruchen. Willst du deiner Familie noch mehr Schande und Schmach bringen?“

Ich verzog das Gesicht zu ihr, packte ihren Arm und zog sie näher zu mir. „Hör mir zu, ich weiß nicht, wo du in deinem kranken Kopf diese verdrehte Vorstellung herhast, aber ich werde nicht der ganzen Schule vorgaukeln, dass du meine Gefährtin bist. Wir haben nur gevögelt, nichts weiter, und nach heute Nacht werden wir das nicht mehr tun, also verschwinde.“

Ich ließ sie los, und in diesem Moment bestieg eine Lehrerin die Bühne, um zu sprechen. Sie drehte sich um, um zuzuhören, und ich nutzte die Gelegenheit, um mich davonzuschleichen. Zeit, den Grund zu erfüllen, weshalb ich überhaupt gekommen war.

---

HAZELS PERSPEKTIVE

Caleb sah zerzauster aus, als ich ihn jemals gesehen hatte. Er war immer so gepflegt, aber selbst aus dieser Entfernung konnte ich erkennen, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Seine Haare sahen aus, als hätte er mehrfach mit den Fingern hindurchgefahren, seine Kleidung war zerknittert, als hätte er es nicht einmal für nötig gehalten, sie zu bügeln, und seine Augen … seine Augen flackerten nicht nur in dieser unnatürlichen goldenen Farbe, sie leuchteten regelrecht damit. Und in diesem Moment waren diese Augen auf mich gerichtet.

Alle wandten sich ihm zu, als er eintrat, ihre Stimmen waren gedämpft. Niemand hatte erwartet, dass er kommen würde, natürlich. Verfluchte Lykaner hatten keine Gefährten. Eine weitere Strafe der Mondgöttin. Also was machte er hier?

Mein Herz begann schneller zu schlagen. Ich erinnerte mich an das Nest in seinem Zimmer, an die Dinge, die er mir gestohlen hatte, und all meine Ängste von vorhin kamen zurück. Was, wenn … nein, nein, das war nicht möglich. Das konnte nicht sein. Talia, eine der ranghöchsten Wölfinnen der Schule, ging auf ihn zu und umarmte ihn, sah dabei so glücklich aus. Ich beobachtete ihre Interaktion missmutig.

Eine unserer Lehrerinnen, Miss Avery, betrat die Bühne. „Schüler der Holloway Preparatory, ich heiße euch alle offiziell willkommen zum Venatus-Ball. Für einige von euch ist es der erste, für andere der zweite, aber dennoch bedeutet diese Nacht für uns alle dasselbe. Es ist eine Nacht, in der wir offiziell unsere Schicksalsgefährten beanspruchen. Einige von euch haben bereits eine Ahnung, wer das sein könnte, aber heute Nacht werdet ihr euch sicher sein, denn das ist die Nacht, in der unsere große Mutter es für würdig befunden hat, uns unsere Seelenverbundenen und der Welt zu offenbaren. Wenn ihr heute Nacht keinen Gefährten bekommt, ist das in Ordnung. Fühlt euch frei, euch zu vermischen und lasst eure Instinkte leiten. Ihr könnt es nächstes Jahr erneut versuchen. Ich wünsche euch allen viel Glück.“

Das Licht wurde daraufhin gedämpft und die Musik verlangsamte sich, was der Atmosphäre ein sinnliches Gefühl verlieh. Ich war so von Miss Averys Rede abgelenkt, dass ich nicht einmal registrierte, dass Caleb auf mich zugekommen war und nun neben mir stand. Er starrte geradeaus, die von ihm ausgehende Hitze war so stark, dass ich anfing zu schwitzen.

„Was machst du hier?“, fragte ich. „Ich dachte, deine Art hat nichts bei diesen Veranstaltungen zu suchen.“

„Das könnte ich auch über dich sagen.“

„Ich bin eine Schülerin hier. Meine Anwesenheit ist Pflicht.“

Er schnaubte verächtlich. „Du bist ein Hochstapler, aber wenn es dir hilft, nachts zu schlafen, ist das in Ordnung. Folge mir.“ Caleb sagte es und begann wegzugehen.

Ihm folgen? Wohin? Ich sah mich um, um sicherzustellen, dass niemand zusah, bevor ich ihm nachging. Er passierte einen der sekundären Ausgänge der Großen Halle und ging so schnell, dass ich halb joggen musste, um mit ihm Schritt zu halten. Ich verlor ihn völlig aus den Augen, als ich eine Biegung in einem der Flure erreichte.

„Wo zum …“, ich wurde in ein leeres Klassenzimmer gezogen. Caleb knallte die Tür zu und drückte mich gegen die Wand.

„Sag mir bitte, dass du mich nicht hergebracht hast, für eine deiner unaufhörlichen Schikanierungen“, sagte ich, bereits genervt.

„Nein. Habe ich nicht.“

Er beugte sich langsam vor, sein Kopf in der Kuhle meines Halses, und schnupperte. Die Härchen auf meiner Haut stellten sich auf.

„Was machst du …“

„Pssst. Sei einfach still.“ Seine Stimme war sanft und beschwichtigend. Caleb hatte noch nie in dieser Art mit mir gesprochen.

Er drehte meinen Kopf zur Seite und entblößte mehr von meinem Hals. „Du siehst wirklich wunderschön aus heute Nacht.“

„Bist du betrunken?“, fragte ich.

Er lachte leise, seine Nase berührte meine Haut. „Ich glaube schon.“

Er roch nicht nach Alkohol, aber was auch immer das war, es war gut. Er war jetzt eher bereit zu reden. „Sag mir, warum du ein Nest von mir in deinem Zimmer hast“, sagte ich.

Seine Hand kam an meine Hüfte und streichelte sie. „Weil … ich nicht aufhören kann, an dich zu denken.“

„Warum kannst du nicht aufhören, an mich zu denken?“, fragte ich und fürchtete die Antwort, die ich bekommen könnte.

Die Hand an meiner Hüfte umklammerte mich fester und er erstarrte. „Hör auf zu reden.“

„Nein. Antworte mir, Caleb.“

Er zog sich zurück und warf mir einen genervten Blick zu. „Wirst du einfach kooperieren? Das ist schon schwer genug für mich.“

„Oh, und du denkst, es ist nicht schwer für mich? Warum hast du mich hergebracht? Was willst du, Hawthorne?“

Seine Augen blitzten auf, die Verwendung seines Familiennamens schien ihn noch mehr aufzubringen.

„Ich habe dich hergebracht, um dich zu markieren. Du bist nicht dumm, du weißt, was das bedeutet.“

„Markieren, wie in … Gefährte?“

„Ja.“

Meine Augenbrauen schossen hoch. „Wie ist das überhaupt möglich? Ich bin ein Mensch und du bist …“

„Ich weiß es verdammt noch mal nicht, okay? Es ist einfach passiert. Du bist ein Mensch, also kannst du die Bindung nicht spüren, aber ich weiß, dass ich mich nicht irre.“

Das war das Bizarreste, was je passiert war. Gefährten wurden von der Göttlichen Mutter zugewiesen, und ich wusste mit Sicherheit, dass sie Menschen verabscheute, wenn die Einstellung ihrer Kinder gegenüber meiner Spezies ein Anhaltspunkt war. Aber ich konnte mich nicht einmal dazu durchringen, allzu überrascht zu sein. Vielleicht war das nur ein weiteres ihrer kranken Spiele, die sie gerne spielte.

„Lügst du mich an? Willst du etwas von mir?“

„Bitte. Glaubst du, ich will mit jemandem wie dir verbunden sein? Du bist verdammt noch mal ein Mensch.“

„Guter Punkt“, murmelte ich.

Er drehte meinen Kopf erneut zur Seite. „Bleib still“, sagte er. Ich schluckte voller Erwartung. Caleb drückte einen Kuss auf eine Stelle nahe der Kuhle meiner Kehle, sein Atem heiß gegen meine Haut. Ich spürte die Schärfe seiner Zähne, wie sie über meine Haut streifte, und ich zuckte zusammen.

„Ganz ruhig“, murmelte er.

Ich hatte keine Zeit zu protestieren. Das Streifen seiner Zähne verwandelte sich in einen scharfen, plötzlichen Stich. Ich keuchte auf, meine Finger gruben sich in sein zerknittertes Hemd, während eine seltsame Wärme sich von der Wunde im Rest meines Körpers ausbreitete. Caleb stöhnte an meinem Hals, ein Laut, der halb Mensch, halb Tier war. Ein Wimmern entwich mir, und statt sich zurückzuziehen, legte Caleb seine Hand auf meinen Hinterkopf und zwang mich, die Beanspruchung zu ertragen. Es fühlte sich an, als würde man gebrandmarkt.

Als er mich endlich losließ, sackte ich gegen die Wand, mein Hals brannte, mein Atem kam in unregelmäßigen Stößen. Er wischte sich mit dem Daumen über seine blutige Lippe und leckte sie ab. Seine Augen waren wie geschmolzenes Feuer, und für einen Moment sah er mich an, als wäre ich das Beste auf der Welt, bevor sein Gesichtsausdruck sich wieder zu dem Caleb verhärtete, den ich kannte.

---

CALEDS PERSPEKTIVE

In dem Moment, als meine Fangzähne Hazels Haut durchbohrten, hörte das schreiende Chaos in meinem Kopf einfach … auf. Das tobende Rauschen des Fluchs, diese ruhelose Statik, die normalerweise in meinem Gehirn kratzte, wurde still. Zum ersten Mal seit Jahren wollte mein Wolf nicht töten; er schnurrte regelrecht, ein tiefes, vibrierendes Summen reiner Zufriedenheit.

Ich spürte, wie etwas einrastete, wie eine Leine, die straff gezogen wurde und meine Seele an ihre verankerte. Mir wurde jetzt klar, wie verdammt ausgehungert ich gewesen war. Die Brocken, die ich zusammengeklaubt hatte, der Geruch, den ich in meinem Zimmer gehortet hatte, nur um bei Verstand zu bleiben, sie waren nichts im Vergleich zum Echten. Sie waren Geister; sie war die Sonne.

Sie wimmerte, ein leiser, zerbrochener Laut, der mich hätte aufhalten sollen, aber ich versenkte meine Zähne nur noch tiefer. Ich brauchte mehr. Ihr Blut schmeckte wie ein Fiebertraum, eine dunkle, schwere Süße, die meine Adern in Brand setzte. Jeder meiner Sinne explodierte in hochauflösender Schärfe. Ich konnte den panischen, flatternden Rhythmus ihres Pulses hören.

Sie tippte gegen meinen Arm, und widerwillig zog ich mich zurück.

„Du darfst niemandem davon erzählen“, sagte ich. „Niemand darf erfahren, dass du meine Gefährtin bist oder irgendetwas in der Art.“

„Warum?“

„Was meinst du mit warum? Ich kann nicht mit dir gesehen werden, Hazel. Du bist schlecht für mein Image.“

Sie verzog das Gesicht, ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Es sah aus, als würde sie mich verfluchen wollen, aber sie kam nicht dazu, denn die Tür flog auf und Talia trat ein, Handy in der Hand und auf uns gerichtet.

„Na, na, na. Wer hätte das verdammt noch mal geglaubt?“

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