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Diese wilden Bindungen
Diese wilden Bindungen
Author: Inkheart

Prolog

Author: Inkheart
last update publish date: 2026-08-31 23:45:49

DIE VIER RUDEL VON SYLVAN CITY

Wie von der Lykaner-Hegemonie im Zeitalter des Ersten Paktes verfügt

SILBERFLAMMEN-RUDEL

Krieger, verfluchte Blutlinien, Erben des alten Krieges und Wölfe, deren Gewalt keine Wahl ist, sondern ein Erbe, das sie wie eine zweite Haut tragen.

MONDBUND-RUDEL

Mondsteinträger, Seher, jene, die von Maeris' direkter Berührung berührt wurden, und die geistig Begabten.

STURMBORENE-RUDEL

Strategen, Grenzwächter, jene, die nicht allein durch Stärke überleben, sondern dadurch, dass sie wissen, wann sie zuschlagen müssen, und Wölfe, deren Geist schärfer ist als ihre Krallen.

UMBRABANE-RUDEL

Schattenwölfe, jene, die Dunkelheit in etwas Lebendiges verwandeln, Jäger, die kein Mondlicht brauchen, um zu finden, was sie suchen, und jene, deren Macht Maeris nie vollständig benennen konnte.

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UNBEKANNTE PERSPEKTIVE

Das erste Mal, dass unser Dorf von Vampiren angegriffen wurde, ist zwanzig Jahre her.

Es war eine fröhliche Nacht voller Festmahl und Gelächter. Lagerfeuer brannten, Kinder rannten verspielt umher, Paare schlichen sich in die Deckung der Dunkelheit davon. Wir waren glücklich.

Dann schlugen sie zu.

Blasshäutige Menschen mit roten Augen und scharfen Zähnen, die sich vom Blut der Menschen ernährten. Sie bewegten sich schnell, schneller, als das Auge sehen konnte. Unsere Schwerter und Stöcke waren ihnen nicht gewachsen. Gelächter verwandelte sich in Schreie, die Feuer erloschen, und der Waldboden lief mit Blut über.

Viele unserer Leute wurden an jenem Tag verschleppt. Ich verlor zwei meiner Schwestern an diese Bestien. Die Angriffe hörten nicht auf. Sie kamen und kamen und kamen und dezimierten unsere Bevölkerung, bis unsere einst blühende Stadt ausgesaugt war. Es war, als wäre jede Hoffnung verloren.

Bis eines Tages.

Eine Gruppe von Männern, größer als alle, die ich je gesehen hatte, traf ein und kam zum Häuptling, meinem Vater. Ich versteckte mich und lauschte ihrem Gespräch. Sie kamen mit dem Versprechen von Schutz. In einer Tasche befand sich der Kopf eines Vampirs, jener Bestien, die unser Dorf terrorisierten. Diese Männer behaupteten, sie töten zu können.

Mein Vater fragte wie, denn wir hatten bereits alles Mögliche versucht, um sie zu töten. Schwerter und örtliche Gewehre hatten keine Wirkung auf sie. In einem blitzartigen Lichtstrahl verwandelte sich einer der stehenden Männer in ein Tier – einen Wolf.

Werwölfe.

Sie sagten, sie würden uns beschützen, wenn wir ihnen unser Land gäben. Ihre ursprüngliche Heimat war durch die Pest zerstört worden, und sie brauchten einen Ort zum Bleiben. Sie sprachen von Koexistenz, aber ich sah nur eines – Sklaverei. Die Entschlossenheit meines Vaters, geschwächt durch all das Geschehene und verzweifelt nach einer Lösung, stimmte den Bedingungen zu.

Wir flohen vor einem Monster, nur um von einem anderen gefangen zu werden.

Und so begann eine neue Ära.

Als die Vampire das nächste Mal kamen, fanden sie uns nicht mehr so wehrlos. Bald waren es die Vampire, die schrien. Die Wölfe waren stark und schnell. Ich sah voller Ehrfurcht, wie ein einziger Biss von ihnen einen Vampir schwächte. Diese blutsaugenden Bestien liefen um ihr Leben und kamen nie wieder zurück.

Die Werwölfe hatten bereits begonnen, unter uns zu leben. Vater hatte ihnen das Beste von allem gegeben, während der Rest unseres Volkes mit den Resten vorliebnehmen musste. Sie sahen uns nicht als Menschen. Sie sahen uns als Minderwertige, behandelten uns wie Dreck.

Bald wurden sie feindseliger. Sie begannen, mehr von uns zu fordern; unser Essen, unser Land. Wir wurden zu Dienern in unseren eigenen Häusern. Und Vater ließ es geschehen.

Die Dinge wurden noch schlimmer, nachdem er starb. Ich erfuhr, dass er die gesamte Stadt nur wenige Tage vor seinem letzten Atemzug ihnen vermacht hatte, wodurch er mir meinen Titel und meine Zukunft nahm. Sie waren nun unsere Herrscher.

Die Werwölfe wurden zehnmal schlimmer zu uns. Sicher, sie erweiterten unser Territorium und beschützten uns, aber im Gegenzug dafür mussten wir unsere grundlegenden Menschenrechte aufgeben.

Ich wurde als Magd in eines ihrer Gebiete geholt. Der damalige Alpha, Kayden, fand besonderes Gefallen an mir. Ich hasste ihn, aber ich konnte seine Annäherungsversuche kaum ablehnen, also ertrug ich es. Ich musste diesen Wölfen näherkommen, mehr über sie herausfinden – ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen, etwas, das wir Menschen als Druckmittel nutzen könnten.

Werwölfe waren Geschöpfe des Mondes. Sie dienten der Mondgöttin, und bei jedem Vollmond liefen sie gerne in ihrer Wolfsgestalt frei durch die Wälder und heulten die ganze Nacht lang. Sie besaßen außergewöhnliche Heilkräfte, übermenschliche Stärke, Geschwindigkeit und Augen, die im Dunkeln sehen konnten.

Sie hatten jedoch eine Schwäche, die ich kannte: Silber.

Es verbrannte ihre Haut und hemmte ihre Heilungsfähigkeiten. Ich hatte es aus Versehen miterlebt, als Kayden einen der abtrünnigen Wölfe folterte. Silber. Wenn wir genug Silber hätten, könnten wir die Chancen ausgleichen. Aber das war eine abwegige Idee. Silber war teuer, und ich besaß nichts mehr. Außerdem gab es niemanden, den ich hätte sammeln können. Meine Leute hatten den letzten Funken Kampfgeist verloren, seit mein Vater gestorben war.

Das war das Leben, zu dem wir verdammt waren.

Alles änderte sich für mich, als ich schwanger wurde. Kayden, der mir gegenüber stets liebevoll gewesen war, verstieß mich in dem Moment, als er es erfuhr. Er war angewidert und sagte, ein solches Kind, geboren aus Werwolf- und Menschenblut, dürfe niemals existieren. Er verlangte, dass ich die Schwangerschaft abbräche. Ich weigerte mich.

Kayden drohte, mich zu töten, also rannte ich. Ich rannte fort von dem Ort, den ich mein ganzes Leben lang mein Zuhause genannt hatte. Ich schaffte es kaum zu entkommen, und ich konnte nur vollständig entkommen, indem ich meinen Tod vortäuschte. Ich lebte während meiner gesamten Schwangerschaft im Wald und überlebte mit der Hilfe einiger Dorfbewohner, die heimlich zu mir kamen.

Die Schwangerschaft war eine schwierige. Eine, die mich und mein Baby tötete. Das Baby kam heraus, eine Totgeburt. Ich hatte bereits zu viel Blut verloren, und ohne jemanden in meiner Nähe, der mir helfen konnte, spürte ich, wie mein Leben entschwand.

Oder doch nicht.

Denn ich wachte auf, und das Erste, was ich sah, waren rote Regenbogenhäute, die auf mich herabblickten.

„Willkommen zurück“, sagte ein Mann mit tiefer, heiserer Stimme. Er lächelte mich an, und ich erhaschte einen Blick auf seine Fangzähne. Vampir.

Ich sah mich panisch nach einem Fluchtweg um, aber es gab keinen. Ich befand mich in einer Art Raum, einer Zelle, aber sauberer. Wie war ich überhaupt am Leben? Ich war mir sicher, dass ich gestorben war, aber jetzt schien es mir sogar besser zu gehen, abgesehen von einem dumpfen Schmerz in meinem Nacken. Meine Hand wanderte dorthin, und erwartungsgemäß befand sich dort ein Bluterguss. Als hätte mich jemand gebissen.

„Es gibt keinen Grund zur Flucht“, sagte der Vampir. „Du bist jetzt eine von uns.“

Er streckte seine Hand aus, und ich warf meinem Baby einen letzten Blick zu – blutbedeckt und leblos –, bevor ich die Hand des Monsters ergriff, das mich verwandelt hatte.

Was ich damals jedoch nicht wusste, war, dass mein Baby nicht wirklich starb. Sie atmete ihren ersten Atemzug in einer Welt, die sie niemals akzeptieren würde – und ihre Existenz würde alles verändern.

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