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Kapitel 2

Author: Faulkissen
Ich bin 26 Jahre alt – und noch nie zuvor hatte jemand gewagt, sich mir gegenüber so respektlos zu verhalten.

„Wie bitte? Was soll ich sagen? Wiederhol das!“

„Bist du taub?“ kreischte Sofia. „Ich sagte: ‚Ich bin ein armes Nichts und ich habe Unrecht.‘ Ist das jetzt klar genug?!“

Ein frostiges Lächeln umspielte meine Lippen. „Klar und deutlich.“

„Na schön, wenn du zugibst, dass du ein armes Nichts bist, dann verpiss dich endlich – du beschmutzt nur den Namen der Familie Marino!“

Sofias Gesicht lief purpurrot an. Endlich begriff sie, dass ich sie nur vorgeführt hatte: „Du... du hast mich verarscht?!“

Mit einem kreischenden Schrei warf sie die Arme herum und stürzte auf mich zu wie ein aufgescheuchtes Huhn.

Lächerlich.

Ich hatte zehn Jahre lang Kampftraining bei den Leibwächtern meiner Familie absolviert – als ob ich mich vor ihrer hohlen Prahlerei fürchten würde.

Mit einem präzisen Seitenkick ging Sofia sofort zu Boden und lag vor Schmerzen zusammengekauert auf dem Teppich, stöhnend.

Ein kollektives Luftholen ging durch die Menge.

„Mein Gott! Sie hat es gewagt, Frau Sofia anzugreifen!“

„Wenn Herr Luca Marino das erfährt, lässt er sie zerhacken und an die Fische verfüttern!“

„Das war's – selbst Gott kann sie jetzt nicht mehr retten.“

Diese Stimmen ignorierte ich völlig.

Die heutige Stellung der Familie Marino verdankte sich einzig der Unterstützung durch meinen Vater damals.

In dieser Stadt gibt es noch niemanden, der mich erschrecken kann.

Ich knallte jene schwarze Karte erneut auf den Tisch und sagte: „Ich habe es doch schon gesagt – egal, welchen Betrag sie bietet, ich lege das Doppelte drauf. Packen Sie den Ring sofort für mich ein!“

Dem Auktionator zitterten die Beine. Er presste zitternd die interne Autorisierungstaste und reichte mir den Verlobungsring ehrerbietig zusammen mit dem Samtetui.

Ich nahm den Ring mitsamt dem Etui und wollte gehen, als Sofia sich mühsam aufrappelte und mir erneut den Weg versperrte.

„Halt!“

Ich tippte mit der Zehenspitze auf den Boden. „Was jetzt? Willst du dich noch mal mit meinen Kampfkünsten anlegen?“

Sie schreckte instinktiv einen Schritt zurück.

Ich lächelte verächtlich und wandte mich zum Gehen.

Doch im selben Moment wurde der Ausgang des Auktionssaals von einer Gruppe Bodyguards blockiert.

Noch bevor die Zuschauer reagieren konnten, teilten sie sich plötzlich nach beiden Seiten.

Und ein Mann trat aus der Tiefe des aufgeteilten Ganges hervor.

Als ich ihn ansah, beschleunigte sich mein Herzschlag unwillkürlich.

Im Licht zeichnete sich seine fast 1,90 Meter große Gestalt ab: breite Schultern, schmale Taille, lange Beine.

Sein Gesicht aber war das Entscheidende – mit scharf geschnittenen Zügen wie aus Marmor gemeißelt.

Sofia stürzte sofort weinend zu ihm und klagte bitterlich:

„Luca! Sie will mir meinen Ring wegnehmen und hat mich auch noch geschlagen!“

Also war er das – mein Verlobter.

Kein Wunder, dass mein Vater mir so zuversichtlich versichert hatte, dass ich diesen Verlobten mögen würde – er verstand mich wirklich am besten.

Äußerlichkeiten waren mir enorm wichtig – und Luca traf genau meinen Geschmack.

Allein für dieses Gesicht… konnte ich seine frühere Unhöflichkeit vielleicht verzeihen.

Ich schenkte ihm ein selbstbewusstes Lächeln: „Hallo, ich bin Isa Rossi – deine Verlobte.“

Aus der Menge kam ein aufgeregtes Raunen.

„Was? Sie ist Lucas Verlobte?“

„Zwischen Verlobter und Godsister ist die Verlobte natürlich wichtiger!“

„Nicht unbedingt – es hängt davon ab, wen Herr Luca Marino mehr bevorzugt.“

Lucas kalter Blick fiel auf mich.

„Bilde dir nichts ein! Diese Verlobung hat mein Vater eigenmächtig arrangiert. Ich habe ihr nie zugestimmt.“

Sofia klebte sich an ihn, legte ihren Kopf an seine Schulter und blickte mich mit provokanten Augen an.

„Mit deinem armseligen Auftritt glaubst du wirklich, dass Luca dich heiraten würde? Du bist nicht mal würdig, meine Schuhe zu putzen.“

Einige stimmten ihr zu: „Genau! Herr Luca Marino würde schon standesgemäße Frau heiraten – wie sollte er sich für so ein Provinzmädchen interessieren!“

Sie sieht so schmutzig aus, dass sie die Luft verseucht! Sie ist nicht mal den kleinen Finger von Sofia wert!“

Ich trug nur einfache Kleidung – es war überhaupt keine Rede von Schmutz.

Aber in ihren Worten war ich weniger wert als Müll.

So sind die Leute nun mal: Sie buckeln vor den Mächtigen und treten nach unten.

Ich hob langsam die Augen, blickte kaltschnäuzig durch den ganzen Auktionssaal und fixierte schließlich Lucas Gesicht.

„In diesem Fall, Luca – sag deinem Vater, dass diese Verlobung ausfällt.“

„Und der Grund? Mich interessierst du nicht.“
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