로그인Ich blinzle im gedämpften Licht einer Lampe. Ich bin in einem Schlafzimmer. Prächtig, aber altmodisch. Schwere Möbel, Wandteppiche in verblassten Farben. Ein schmales, vergittertes Fenster. Ein Zimmer als vergoldeter Käfig. Die Tür schließt sich. Ein Riegel knirscht. Ich bin allein. Ich sinke auf das Himmelbett, den Körper von Zittern geschüttelt. Der Schock, die Angst, die Gewalt der Entführung… und dieses letzte Bild von Léonardo, besiegt, seine Versprechung in die Nacht schreiend. Stunden vergehen. Oder Minuten. Die Zeit hat keinen Sinn mehr. Dann öffnet sich die Tür erneut. Ein Mann tritt ein. Er ist jung, vielleicht dreißig. Groß, elegant, in einem dunklen Anzug, der eine athletische Statur nicht verbirgt. Er hat sorgfältig frisiertes braunes Haar und Augen von einem intensiven, fast beunruhigenden Grün. Er sieht mich auf dem Bett liegen, in meinem zerrissenen, blutbefleckten Ho
Sofia Sein Komplize zieht eine Spritze aus einer Tasche seiner Jacke. Ein Stahlglanz im Mondlicht. Die Panik verleiht mir übermenschliche Kräfte. Ich winde mich, beiße in die Hand auf meinem Mund. Der Geschmack von Leder und Blut. Der Mann flucht, hält mich aber weiter fest. Die Nadelspitze sucht meinen Hals. Ich bäume mich auf, verzweifelt. — Lasciala! Der Schrei kommt aus dem Flur. Léonardo. Er erscheint, das Hemd zerrissen, Blut im Gesicht, die Augen wahnsinnig. Er hält ein Kampfmesser, die Klinge schwarz von Blut. Hinter ihm Marco, massig, einen Teleskopschlagstock in der Hand, das Gesicht zerschunden, aber der Blick eines Raubtiers. Die beiden Entführer zögern eine Sekunde. Eine Sekunde zu viel. Marco stürmt los. Seine Masse ist eine Waffe. Er kollidiert mit dem Mann mit der Spritze und schleudert ihn mit einem üblen Knirschen gegen die Wand. Aber der Mann, d
SofiaDie Straße windet sich in der schwarzen Nacht, weit weg von den Lichtern der Stadt, zum Anwesen, das Léonardo „das Haus" nennt. Es ist kein Haus. Es ist eine Festung. Sie erhebt sich am Ende einer von Zypressen gesäumten Allee, eine massive, karge Silhouette gegen den Sternenhimmel. Kein Licht empfängt uns, nur die bedrohliche Dunkelheit blinder Fenster.Die Limousine gleitet lautlos vor die Freitreppe. Marco, der uns in einem anderen Wagen vorausgefahren ist, ist bereits da. Er öffnet die Tür. Sein Blick in der Dämmerung ist so hart und undurchdringlich wie die Mauern des Gebäudes. Er streckt eine Hand aus, um mir beim Aussteigen zu helfen. Ich ignoriere sie und steige allein aus, die Falten meines Hochzeitskleides bleiben an der Schwelle hängen.Léonardos Hand liegt auf meinem unteren Rücken, eine Geste, die fürsorglich wirken könnte, aber eine Erinnerung an seinen Besitz ist.— Marco, ist alles in Ordnung?— Ja, Chef. D
LéonardoDann ist er an der Reihe. Er schaut nicht den Zeremonienmeister an. Er schaut mich an.— Ich will sie.Das sind nicht die traditionellen Worte. Es ist eine rohe, persönliche Erklärung. Ich will sie. Nicht „ich will sie heiraten". Ich will sie. Wie man ein Objekt will. Eine Trophäe. Eine Eroberung.Ein Schauer läuft durch die Versammlung. Einige lächeln, finden es romantisch, intensiv. Meine Mutter schluchzt. Ich sehe die Wahrheit in seinen Augen. Es ist der Mann der Dusche. Der eifersüchtige Mann. Der Mann, der seinen Leibwächter schickt, um seine Verlobte zu verfolgen. Es ist eine Erinnerung, mitten in der Zeremonie, an die wahre Natur unserer Verbindung.Der Ringtausch. Der goldene Ring, den er mir an den Finger steckt, ist schwer, mit einem zu großen Diamanten besetzt. Er drückt ins Fleisch und besiegelt den Bruch unter einem Symbol des Luxus.— Sie dürfen die Braut küssen.Er lässt sich nicht bitte
SofiaDer Tag X beginnt nicht mit den sanften Strahlen einer verheißungsvollen Sonne, sondern mit einem fahlen, diffusen Licht, das der Welt jede Farbe zu entziehen scheint. Ich bin seit Stunden wach, liege im Bett, das ich nicht mehr wirklich mit Léonardo teile, und lausche der angespannten Stille der Wohnung. Er hat die Nacht woanders verbracht, „der Tradition wegen", hatte er mit ausdrucksloser Stimme gesagt. Eine Tradition, die allen gelegen kam.Meine Mutter und Camille kommen früh, begleitet von einer Armee von Stylisten, Visagisten, Friseuren. Die Wohnung füllt sich mit gedämpften Geräuschen, Geflüster, dem süßen Parfüm der Haarsprays. Ich werde wie eine Puppe auf einen Hocker vor dem Spiegel des zum Beautysalon umfunktionierten Gästezimmers gesetzt. Man manipuliert mich, berührt mich, verwandelt mich.Das Spiegelbild ist nicht meines. Es ist das einer Braut. Makellos. Perfekt. Eine Porzellanmaske unter einer Kaskade kunstvoll unordentlich
SofiaEr nähert sich nicht. Er postiert sich near der Bar, Arme verschränkt, wird zur Wächterstatue mitten in der vorgetäuschten Orgie. Er ist die verkörperte Erinnerung an die Welt, aus der wir zu entkommen versuchen. Seine Anwesenheit verwandelt das Fest in eine finstere Farce.Camille bemerkt ihn schließlich. Ihr Lachen verstummt jäh. Die Farbe weicht aus ihren Wangen. Sie sieht mich an, die Augen plötzlich riesig, voll einer Panik, die ich nur zu gut verstehe.— Er ist hier, murmelt sie.— Ja.— Warum? Wer hat ihn geschickt?Die Antwort ist offensichtlich. Es gibt nur eine Person, die Marco auf die Spur schicken kann, wie einen Jagdhund.Léonardo weiß es. Und er hat seinen Wächter geschickt.Der Abend ist ruiniert. Der Champagner ist bitter. Die Tänzer wirken plötzlich grotesk, harmlose Marionetten angesichts der stillen, realen Bedrohung, die an der Bar wacht.Camille steht abrupt auf.
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich
SashaIch mache einen Schritt auf ihn zu. Dann noch einen. Meine Hüften wiegen sich bei jeder Bewegung, meine Brüste springen leicht, meine Nippel streifen durch die Luft, als suchten sie seine Berührung. Als ich nur noch einen Meter von ihm entfernt bin, bleibe ich stehen. Nah genug, dass er die W
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m







