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Kapitel 55: Aufsetzen

last update publish date: 2026-09-25 23:25:15

Ich setzte mich auf, die Bettdecke glitt von mir ab und der Raum fühlte sich augenblicklich anders an. Das warme, vertraute Gefühl von vor fünf Minuten war verschwunden, als wäre es nie da gewesen, ersetzt durch etwas Kühleres, Wacheres.

Vincent griff nach seinem Telefon. "Ich werde es löschen", sagte er.

"Tu es nicht." Meine Stimme klang flach, ruhig und völlig anders, als ich mich innerlich fühlte. "Fass es noch nicht an."

Er erst

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    Ich setzte mich auf, die Bettdecke glitt von mir ab und der Raum fühlte sich augenblicklich anders an. Das warme, vertraute Gefühl von vor fünf Minuten war verschwunden, als wäre es nie da gewesen, ersetzt durch etwas Kühleres, Wacheres.Vincent griff nach seinem Telefon. "Ich werde es löschen", sagte er."Tu es nicht." Meine Stimme klang flach, ruhig und völlig anders, als ich mich innerlich fühlte. "Fass es noch nicht an."Er erstarrte.Ich sah noch einmal auf den Bildschirm, obwohl ich es bereits zweimal gelesen hatte und kein drittes Mal brauchte. Je n'arrête pas de penser à ce soir. Tu sais ce que tu me fais encore, Vincent. Tu l'as toujours su. Der Zeitstempel war elf Uhr dreiundvierzig. Wir lagen seit genau einunddreißig Minuten in diesem Bett, warm, nah und fast perfekt, seit wir nach Hause gekommen waren. Sie hatte einunddreißig Minuten gewartet."Sie hat das geplant", sagte

  • Familiengeheimnis   Kapitel 54: Beinahe

    Die Wohnung ist still nach dem Lärm der Galerie – diese besondere Pariser Stille, bei der die Stadt durch das Glas hindurch noch zu hören ist, aber gedämpft, fern, als würde sie einem Privatsphäre gewähren. Vincent schaltet die Lampe im Wohnzimmer niedrig ein. Ich streife meine High Heels an der Tür ab, stehe in meinem Seidenkleid und mit nackten Füßen auf dem kalten Boden und spüre, wie der Abend auf mir liegt wie ein Mantel, den ich noch nicht ausgezogen habe.Vincent lockert seine Krawatte und sieht mich von der anderen Seite des Raumes an. "Komm her", sagt er leise.Ich gehe zu ihm.Er zieht mich mit beiden Händen an meiner Taille an sich heran, und ich lege meine Stirn an seinen Kiefer und atme einfach für einen Moment durch. Seine Hand wandert langsam meinen Rücken hinauf, ohne etwas zu erzwingen, einfach nur präsent. Er riecht nach demselben Eau de Toilette, das er immer trägt – etwas Warmes, Trockenes, Zeder und noch etwas anderes, das ich nie benennen konnte –, und es bewirkt

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    Vincent fand eine schmale Nische nahe der Rückseite der Galerie, halb verborgen hinter einer hohen weißen Trennwand. Wir hielten dort an, wo der Lärm der Menge eher zu einem Summen als zu einer Präsenz wurde. Er drehte sich zu mir um und tat nicht so, als wüsste er nicht, warum wir hier waren."Sie hat mich vor zwei Wochen angerufen", sagte er. "Sie hat nach einem Treffen gefragt. Ich bin hingegangen, weil ich dachte, es wäre einfacher, sie ein einziges Mal zu sehen, als ihr ständig auszuweichen.""Du hast es mir nicht erzählt", sagte ich."Nein." Er beschönigte es nicht. "Ich habe es dir nicht erzählt, weil ich es nicht zu etwas aufbauschen wollte, bevor ich wusste, was es war.""Und was war es?"Er sah mich fest an. "Unangenehm. Größtenteils höflich. Sie hat nach meiner Arbeit gefragt, ich nach ihrer. Sie hat nach dir gefragt." Er hielt inne. "Sie wollte wissen, ob es etwas Ernste

  • Familiengeheimnis   Kapitel 52: Was sie weiß

    Das Badezimmer der Galerie Seurat war die Art von Badezimmer, in der man sich selbst in Seide noch unterkleidet fühlte. Schwarzer Marmor, Messingarmaturen, ein Spiegel, der sich über die gesamte Wand erstreckte und einen von oben beleuchtete, sodass man jede Version seiner selbst auf einmal sah. Ich lehnte mich zu meinem Spiegelbild vor, überprüfte meinen Lippenstift und sagte mir, dass ich mich hier drin nicht versteckte.Ich versteckte mich nicht. Ich brauchte nur sechzig Sekunden Pause davon, zuzusehen, wie Amélie Dubois im selben Raum existierte wie mein Freund.Die Tür öffnete sich hinter mir und ich wusste es, noch bevor ich im Spiegel aufblickte. Das Universum hatte an diesem Abend genau diese Art von Humor.Amélie trat an das Waschbecken neben mir, ohne Eile, und stellte eine kleine, cremefarbene Clutch ab. Sie überprüfte ihr eigenes Spiegelbild mit der Gelassenheit einer Frau, die noch nie von dem überrascht gewesen war, was sie dort sah. Dann traf sie meine Augen im Spiegel

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    Die Galerie war all das, was ich mir unter Paris vorgestellt hatte, bevor ich tatsächlich hier lebte.Hohe Decken, weiße Wände, Champagnergläser, die das Licht einfingen, und Menschen, die so gekleidet waren, als wären sie aufgewacht und sähen ganz ohne Anstrengung teuer aus. Ich strich mit der Hand über die Vorderseite meines smaragdgrünen Kleides, die Seide kühl unter meinen Fingern, und erinnerte mich zum vierten Mal an diesem Abend daran, dass ich hierher gehörte. Ich war die Freundin von Vincent Caruso. Ich war eine Studentin an der Sorbonne. Ich hatte 50.000 € auf einem Bankkonto liegen. Ich gehörte genau hierher."Hör auf zu zappeln", sagte Vincent leise, seine Hand fand den unteren Teil meines Rückens, warm durch die Seide hindurch. Er beugte sich so nah heran, dass sein Atem mein Ohr streifte. "Du siehst umwerfend aus, mon cœur. Umwerfender als alles an diesen Wänden.""Sa

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    Das Café nahe der Sorbonne war vollgepackt mit Studenten. Ich saß an meinem gewohnten Ecktisch, den Laptop geöffnet, Lehrbücher um mich herum verstreut, und versuchte, einen Essay über die Kunstgeschichte der Renaissance zu beenden.Vincent hatte mir geholfen, mich für das Frühjahrssemester einzuschreiben. Er hatte ein paar Strippen gezogen, Gefallen eingefordert und es mir ermöglicht, in Paris tatsächlich zur Uni zu gehen. Eine echte Uni. Kurse, die ich belegen wollte. Ein Leben, das ich gewählt hatte.Mein Telefon vibrierte. Vincent.Vincent: Abendessen um 8? Es gibt ein neues Restaurant im Marais, das ich ausprobieren möchte.Ich: Perfekt. Ich bin hier um 7 fertig.Vincent: Wie kommst du mit dem Essay voran?Ich: Langsam. Es stellt sich heraus, dass französische Kunstgeschichtsprofessoren noch anspruchsvoller sind als amerikanische.Vincent: Du schaffst das schon. Das tust du immer. Ich liebe dich.Ich: Ich liebe dich auch.Ich legte mein Telefon weg und wandte mich wieder meinem E

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