MasukIch hatte mein Leben lang geglaubt, meine Rettung käme von jemand anderem. Von einem Ritter in glänzender Rüstung oder einem Prinzen wie aus einem Märchen. Kai erzählte mir immer Märchen von einer Prinzessin, die in einem Turm gefangen gehalten wurde, bis ein schöner Prinz das Monster besiegte und sie befreite. Als mein Ritter verschwand und der Prinz nur ein Märchen blieb, begriff ich, dass niemand kommen würde, um mich zu retten.
Ein Kloß der Angst und Beklemmung schnürt mir die Kehle zu, während ich auf die Rückkehr der Krankenschwester warte. In dem Moment, als die Tür aufschwingt und Schritte über die strahlend weißen Fliesen hallen, weiß ich instinktiv, dass es nicht die Krankenschwester ist.
Trotz meiner Angst versuche ich, mich in den Neuankömmling hineinzuversetzen. Zum Glück steht er mit dem Rücken zum Fenster, und sein Spiegelbild gibt mir einen freien Blick auf sein Gesicht.
Ich schätze, er ist Mitte vierzig, sein schütteres Haar ist schon von grauen Strähnen durchzogen. Seine Augen sind so dunkel wie Obsidian, in einem Gesicht ohne Wärme. Er ist makellos gekleidet in einem schwarzen Anzug, graue Manschettenknöpfe glitzern im Licht, eine hellblaue Krawatte ziert seinen Kragen. Reichtum und Macht strahlen ihn aus wie eine zweite Haut. Ein überwältigendes Gefühl der Macht.
Als er am Fußende meines Bettes steht und sich über mich beugt, reiße ich mich aus seinen Gedanken und gleite zurück in die Dunkelheit. Meine Sicht wird verschluckt, als ob ein dunkler Vorhang zugezogen würde.„Sag mir, Kind – wie heißt du?“, fragt er mit scharfer, beherrschter Stimme. Seine Stimme hat dieselbe eisige Schärfe wie seine Gesichtszüge. Ein Schauer des Unbehagens läuft mir über den Rücken und kriecht mir wie Blei in den Magen. Ich atme schmerzlich flach, jeder Atemzug ein- und ausatmend. Ich kenne diese Stimme. Einst schlug Kai einen der Wachen nieder, weil er mich so angesehen hatte.
Es liegt etwas Anklagendes in der Art, wie er es sagt.„Mein Name?“, wiederhole ich kaum hörbar. Ich wünschte verzweifelt, ich könnte meine langen schwarzen Haare zwischen meinen Fingern drehen.
Es ist eine nervöse Angewohnheit, die ich mir in meiner Jugend angewöhnt habe und die Kai in den Wahnsinn trieb.
„Frag nicht noch mal!“, schnauzt er mich an, und die bereits erwähnte bleierne Haarsträhne verfängt sich in meiner ohnehin schon angespannten Stimmung.
„Nina“, antworte ich mit gedämpfter Stimme. Und dann wiederhole ich lauter: „Nina.“
„Nina.“ Er spricht meinen Namen aus, als wäre er etwas Ekelhaftes, ein Fluchwort, das man in der Kirche hört. Das Bett gibt nach, als sein schweres Gewicht sich am Fußende niederlässt. „Kennst du einen Raphael Turner?“ Seine Frage überrascht mich völlig, vor allem, weil ich diesen Namen noch nie in meinem Leben gehört habe. Zugegeben, die Wachen im Compound haben mir nie ihre wahren Namen genannt (Kai nannte sie Arschloch Eins, Arschloch Zwei, Arschloch Drei … und, nun ja, du kannst es dir denken), aber selbst da war dieser Name nie gefallen.
„Das wird viel schwieriger, wenn du dich dumm stellst“, bemerkt der Mann bissig. Ich zucke instinktiv bei seinem Tonfall zusammen. Verdammt, wann werde ich endlich aufhören, zusammenzuzucken, wenn mich jemand anschreit? Ich weiß nicht, wie ich in dieser neuen Welt überleben soll, wenn mir schon das leiseste Geräusch einen heimtückischen Schauer über den Rücken jagt.
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden“, antworte ich ehrlich. Er seufzt missmutig, und ich unterdrücke den Drang, ihm noch einmal in den Kopf zu schauen. Ich würde nur mich selbst sehen … erbärmlich und gefangen, wie ein wilder Hund, der von der Straße geholt und sofort in einen Käfig gesperrt wurde.
„Stadtrat Raphael Turner.“ Seine Worte sind kurz und bündig, in dem schnörkellosen Ton, der im Compound üblich ist.
Ich starre ihn ausdruckslos an und versuche, mein rasendes Herz zu beruhigen.
„Ich habe noch nie von ihm gehört“, sage ich langsam und bedächtig. Es fühlt sich an, als würde ich auf einem dünnen Seil über haiverseuchten Gewässern balancieren. Eine falsche Bewegung, und ich stürze ab und werde nie wieder gesehen.
„Sie hatten Blut an sich“, verkündet der Mann kurz angebunden. Als ich die Augenbrauen hochziehe, fährt er fort: „Als wir Sie fanden, hatten Sie Blut an sich.“ Mein eigenes Blut, denke ich etwas amüsiert. Eine makabre Belustigung. Ich stelle mir vor, wie ein Messer auf die empfindliche Haut meines Bauches herabsaust …
„Ich wurde gefoltert“, gebe ich leise zu. Allein die Worte schmerzen, als würden sie durch das Aussprechen irgendwie realer. „Ich bin dort, seit ich zwei oder drei Jahre alt war …“
„Das Blut, das wir an Ihnen gefunden haben, gehörte Raphael Turner“, unterbricht er mich, und ich kann die aufgestaute Wut und Frustration förmlich spüren, die unter der Oberfläche lauert. Seine nächsten Worte rauben mir den letzten Atemzug. Ich atme schwer aus, meine Muskeln verlieren die Kraft, Tränen steigen mir in die Augen. „Sie sind wegen Mordes an Stadtrat Raphael Turner verhaftet.“
Schon wieder.Und ich war nicht da, um sie zu beschützen.Ein gewaltiger Selbsthass droht, mich ganz zu verschlingen – und für einen kurzen Moment lasse ich zu, dass er mich vollkommen einnimmt. Er schwärt in meinen Lungen, erschwert mir das Atmen, und entfaltet sich dann in meiner Brust wie eine Tulpe im Frühling.Mein Kopf wird durch die Wucht des Schlags zur Seite geschleudert, und augenblicklich kommt mein Wolf zum Vorschein. Grobes, dunkles Fell sprießt an meinen Armen und in meinem Gesicht; es kostet mich enorme Anstrengung, mich nicht genau hier und jetzt in ein Tier zu verwandeln und Logan in Stücke zu reißen.Der Blondhaarige starrt auf mich herab; sein Körper strahlt eine geradezu elementare Wut aus – eine Wut, die einen eigenen Platz im Periodensystem verdient hätte. Seine Lippen verziehen sich zu einer derart grausamen Grimasse, als hätte jemand sie mit einer Klinge in sein Gesicht geschnitten.„Hol den Kopf aus deinem Arsch, Mann, und hilf deiner verdammten Gefährtin!“, b
Meine Gefährten…Tiefe Traurigkeit erfüllt mich, während meine Füße mich vorwärts tragen. Mein Körper will unbedingt dem Befehl der Sirene folgen, auch wenn mein Verstand mir verzweifelt zuruft, ich solle aufhören.Ich lege beide Hände auf das, was ich für die Wand des Tunnels halte…Und dann schlage ich meinen Kopf gegen den harten Beton.Einmal. Zweimal. Dreimal. Viermal.Schmerz explodiert hinter meiner Stirn und schießt wie tausende bunte, explodierende Feuerwerkskörper durch meine Adern. Blut rinnt aus der Wunde an meinem Kopf und läuft in meine Augen. Ich spüre, wie es meine Lippen berührt, doch selbst der salzige Geschmack hält mich nicht auf.Wahnsinn.Das ist Wahnsinn.Du willst dich nicht umbringen, Nina.Du willst nicht sterben.Wehr dich!Doch während ich das denke, schlage ich weiter meinen Kopf gegen den Beton. Immer wieder. Und wieder. Und wieder.Das Labyrinth bebt – fast so, als wäre das Gebäude selbst wütend auf mich, weil ich mir wehtue, weil ich es wage, es zu verl
Nein!Ich versuche, den Mund zu öffnen, versuche zu schreien, doch die singende, melodische Stimme drängt mich immer weiter voran.Alles wird gut.Alles ist in Ordnung.Dir geht es gut.Es fühlt sich an, als würde jemand diese Worte direkt in mein Gehirn flüstern – obwohl das einzige Geräusch im Flur dieser gefühlvolle Gesang ist. Ich erkenne weder das Lied noch die Sprache, doch die Worte verschmelzen miteinander. Wunderschön. So wunderschön.Plötzlich bleiben meine Füße stehen, auch wenn ich nicht weiß, wo ich bin. Die Musik verstummt so abrupt, wie sie begonnen hat, und eine Leere durchströmt meinen Körper. Auf einmal kann ich nicht mehr atmen. Nicht mehr denken.Was …?Wo …?Wie …?Ich weiß, dass ich eigentlich beunruhigt sein sollte, doch ein ständiger Schleier der Verwirrung scheint über meinem Bewusstsein zu liegen. Instinktiv hebe ich die Hände an den Kopf; ein leises Stöhnen entweicht meiner Kehle.Rion …?Wo ist …?Ich ringe darum, seinen Namen auszusprechen, während mein Ge
„Ich möchte unbedingt sehen, wie der Film ausgeht.“Seine Antwort bekomme ich nicht mehr mit, bevor mich der Schlaf übermannt.***************************Ich kuschele mich an Rions Brust – der Inbegriff von Zufriedenheit und Ruhe. Ich stelle mir vor, dass ich bei jedem meiner Gefährten, bei jedem der Männer, die ich liebe, so empfinden würde. Ein Teil von mir – benommen und halb schlafend – wünscht sich, ich könnte den Verlobungsring an meinem Finger so gebannt anstarren, wie man es aus Filmen kennt. Mich an dem Gedanken berauschen, dass ich bald eine Ehefrau sein werde. Bald bin ich verheiratet.Stattdessen fahre ich mit dem Finger über den Rand des Rings und zeichne das Muster nach. Kai hat ihn mir aus seinem persönlichen Schatzgewölbe gegeben – dem Ort, an dem sein Drache all das Gold und die Juwelen hortet, die er im Laufe der Zeit zusammengetragen hat.Ich liebe ihn.Ich liebe ihn so verdammt sehr, dass mein Herz jeden Moment zu zerspringen droht – und die Wände der Zelle mit le
Ich lege meine Hände auf seine Brust – wobei mir erst jetzt auffällt, dass er immer noch diesen scheußlichen Krankenhauskittel trägt – und beginne, auf ihm auf und ab zu wippen.„Ja, Schätzchen. Benutze mich. Nimm mich. Ich gehöre dir.“ Rions Hände wandern von meiner Taille zu meinem Bauch, bevor sie meine Brüste umschließen. Seine Finger spielen gleichzeitig mit meinen Brustwarzen, während ich verzweifelt weiter auf seinem Schwanz reite. Ich werfe den Kopf in den Nacken, damit mein schwarzes Haar ihm nicht die Sicht versperrt – und mir selbst auch nicht.„Ich möchte etwas ausprobieren“, murmle ich atemlos. Als er nickt, zögere ich nicht und steige von seinem Glied herab. Ich schäme mich nicht, als ich meinen Körper so drehe, dass mein Gesicht sich auf Höhe seines Schwanzes befindet und sein Gesicht auf Höhe meiner Muschi. Ich sehe in seinen Augen, dass meine Schamlippen glänzen – sie lechzen geradezu nach seiner Zunge.„Verdammt noch mal.“ Rion fährt mit seiner gepiercten Zunge an me
„Eigentlich habe ich gerade auf ihre Brüste gestarrt“, sage ich ohne Umschweife. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass die Krankenschwester nun auf der Liege sitzt – der Mann befindet sich zwischen ihren Schenkeln, und seine lange Zunge streicht über die Innenseiten ihrer Schamlippen. Sie drückt ihre beiden großen Brüste zusammen und zupft dann an ihren Brustwarzen.„Verdammt noch mal, Schätzchen“, flucht Rion. „So einen Scheiß kannst du mir doch nicht sagen.“„Warum nicht?“, frage ich und lege neugierig den Kopf schief. Rion bewegt sich ein wenig auf dem Bett, sodass er den Film gar nicht mehr sehen kann. Was wiederum bedeutet, dass auch ich den Film nicht mehr sehen kann. Durch seine Augen beobachte ich, wie er die Träger meines Kleides vollends herunterstreift und meine Brüste freilegt. Instinktiv hebe ich die Hände und fahre mit den Fingern um meine Brustwarzen, wodurch sie sich noch deutlicher aufrichten.„Fuck. Fuck. Fuck“, flucht Rion.Und dann … dämmert es mir.Ich verstehe jetzt







