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Nicht dein Einsatz

Nicht dein Einsatz

By:  SodaCompleted
Language: Deutsch
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Kurz vor der Machtübergabe im Syndikat flog ich nach New York zurück – nach einem Jahr Studium in Bereich Schmuckdesign in Europa. Doch am Abend vor der Zeremonie schrieb mir mein heimlicher Freund, der frisch ernannte Underboss der Familie Rossi, mit dem ich seit drei Jahren zusammen war: „Sorry, Chloe. Ich habe beim Kartenspiel verloren, und du warst mein Einsatz. Ab jetzt bist du sein Problem.“ Ich konnte kaum Luft holen, da wurde ich schon im verschlüsselten Darknet-Chat der Familie markiert. Der Thread ganz oben ging steil: „Mafiaboss gewinnt fettes Schwein als Freundin!“ Ganz oben angepinnt war ein Foto von mir, aufgenommen vor ein paar Jahren. Damals wog ich noch zweiundachtzig Kilo. Die Kommentare waren gnadenlos: „Wenn der Boss wüsste, was er da gewonnen hat, würde er die Wette sofort bereuen.“ „Ich wette tausend Dollar, dass sie sich zu Hause versteckt. Wer ist dabei?“ Alle waren sich todsicher, dass ich nicht auftauchen würde. Schließlich kannte mich jeder nur als das hässliche fette Mädchen. Früher hätte ich mich in meinem Zimmer eingeschlossen und geweint – und mein Freund hätte weiter auf mir herumgetrampelt. Aber nach einem Jahr ohne jeden Kontakt zu mir hatte mein Freund keine Ahnung, welche Überraschung auf ihn wartete. Ich hatte von zweiundachtzig auf achtundvierzig Kilo abgespeckt – und meine Figur war jetzt makellos und kurvenreich. Auf der Straße sprachen mich sogar Modelscouts an und fragten, ob ich bei der Fashion Week über den Laufsteg gehen möchte. Also sah ich mir die Wettliste an, setzte fünfzigtausend Dollar darauf, dass ich pünktlich auftauche, und schrieb zurück: „Schön. Dann spiele ich euer kleines Spiel mit.“

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Chapter 1

Kapitel 1

Kaum hatte das Flugzeug auf dem JFK Airport aufgesetzt, da lief mein Handy förmlich heiß: Über ein Dutzend verschlüsselte Benachrichtigungen waren eingegangen.

Ich schnappte mir mein Gepäck, ging die Fluggastbrücke entlang und entsperrte mein Handy. Auf der Startseite prangte ein riesiges rotes Banner mit der fett gedruckten Schlagzeile: „Glückwunsch, Don Valenti! Die Familie Rossi schenkt Ihnen ein echtes Schwergewicht!“

Darunter war der Beleg einer illegalen Pokerrunde mit astronomischen Einsätzen zu sehen. Als Verlierer war Julian Vance aufgeführt.

Der Einsatz: Chloe Rossi.

Seit drei Jahren war ich heimlich mit Julian zusammen. Er hatte mir geschworen, mich während meines Studiums in Europa jeden Tag zu vermissen. Und kaum war ich zurück, hatte er mich beim Poker verspielt wie einen wertlosen Chip. Er hatte mich Lucian Valenti ausgeliefert, dem mächtigsten Mafiaboss New Yorks.

Noch bevor ich meinen Ekel überwinden konnte, brach im verschlüsselten Chatroom das Chaos aus.

Julian stellte höchstpersönlich ein Foto von mir in die Gruppe.

Es war mein altes Profilbild von vor vier Jahren. Zweiundachtzig Kilo. Eine viel zu weite graue Jogginghose, ein aufgedunsenes Gesicht, ein unsicherer Blick.

Julian: „Leute, darf ich vorstellen: Chloe Rossi, frisch zurück aus Europa, wo sie studiert hat! Don Valenti, falls Ihnen dieses Schwergewicht noch nicht reicht, lege ich zwei Kisten edelsten Wein obendrauf.“

Die hämischen Kommentare überschlugen sich.

„Hahaha! Underboss, du bist ja irre! Ist das ein Geschenk oder ein schlechter Scherz?“

„Die Essen in Europa hat offenbar ganze Arbeit geleistet. Inzwischen wiegt sie bestimmt neunzig Kilo!“

„Kann der Don heute Nacht überhaupt schlafen? Oder wird er von diesem Schwein noch im Schlaf plattgedrückt?“

Pling.

Eine private Nachricht von Julian erschien auf meinem Display. Eine Sprachnachricht. Seine Stimme klang verkatert, betont lässig und eiskalt:

„Chloe, hör mir zu. Vergiss deine romantischen Vorstellungen von Europa für einen Moment. Don Valenti saß heute Abend mit am Tisch. Wenn ich nicht etwas wirklich Wertvolles eingesetzt hätte, hätte die Familie Rossi den Waffendeal für das nächste Quartal vergessen können. Als Tochter des alten Dons ist es eine Ehre für dich, dich für die Familie zu opfern. Also sei ein braves Mädchen und komm morgen Abend in den Club. Blamier mich nicht.“

Ich krallte mich so fest an mein Handy, dass meine Knöchel weiß hervortraten. Mir drehte sich der Magen um.

Drei Jahre zusammen. Ein Jahr getrennt. Für Julian war ich nichts als ein Srungbrett für seine Karriere.

Im selben Moment stellte jemand im Chat eine Wette zur Abstimmung: „Wetten, dass Frau Rossi sich nach einem ganzen Jahr morgen Abend nicht im Club blicken lässt?“

Julian gab seinen Tipp ohne zu zögern öffentlich ab: „30 Riesen darauf, dass sie sich zu Hause in ihrem Loch verkriecht.“

Als Nächstes meldete sich Camilla zu Wort, die berüchtigtste Partyqueen der Stadt. Ihre Sprachnachricht klang zuckersüß, doch jedes Wort triefte vor Bosheit:

„Julian, wie kannst du der kleinen Chloe so etwas antun? Klar, sie ist ein bisschen pummelig und schwach, aber sie ist nun mal die Tochter des alten Dons. Chloe, Süße, wenn du Angst hast, bettle Julian einfach an. Ich bitte den Don auch, dich zu schonen.“

Vor dem riesigen Spiegel der privaten Lounge setzte ich meine Sonnenbrille auf und zog meinen schweren Trenchcoat aus.

Im Spiegel sah ich eine Frau in einem eng anliegenden schwarzen Slipdress. Deutlich hervortretende Schlüsselbeine, markante Schultern, eine schmale Taille ohne jedes überflüssige Gramm. Eine atemberaubende Silhouette.Meine Ängste und Selbstzweifel ließ ich hinter mir.

Ich war davon ausgegangen, aus Liebe nach New York zurückzukehren.

Was für ein Irrtum. Ich war hier, um einem Mistkerl sein überhebliches Grinsen aus dem Gesicht zu wischen.

Ich betrachtete Julians Wette über dreißigtausend Euro und schwieg. In mir wurde es eiskalt.

Ich öffnete den Wettkanal, hinterlegte meine Zahlungsdaten und setzte fünfzigtausend Euro auf die Option: „Erscheint pünktlich“.

Der Chatroom verstummte für einen Moment. Dann brach das Chaos erst richtig los.

„Krass! Wer hat gerade fünfzigtausend darauf gesetzt, dass sie kommt?!“

Ich wischte mir eine einzelne Träne aus dem Augenwinkel. Meine Finger flogen über die Tastatur.

Mitten im Gelächter und den gehässigen Kommentaren schickte ich meine erste Nachricht seit meiner Rückkehr in den Chat:

„Ich bin pünktlich da. Bis bald, Leute.“

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