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Nur angestellt - nicht verliebt!
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SaKoHei

Kapitel 1.

last update Zuletzt aktualisiert: 13.02.2026 04:25:17

Das Babyphone knackte zum dritten Mal in dieser Nacht.

Julian starrte auf die Zahlenkolonnen seines Laptops, ohne sie noch zu begreifen. Die Excel-Tabelle verschwamm vor seinen Augen. 02:13 Uhr.

Dann hörte er es.

Avas Weinen.

Nicht dieses kurze, verschlafene Wimmern. Sondern das müde, verzweifelte Weinen, das ihm jedes Mal das Gefühl gab, zu versagen.

Er schloss die Augen und presste Daumen und Zeigefinger gegen den Nasenrücken.

„Ich komme ja schon“, murmelte er in die leere Küche.

Das Hemd, das er seit gestern Morgen trug, klebte unangenehm an seinem Rücken. Die Krawatte lag achtlos neben dem Laptop. Eine halb geleerte Tasse Kaffee war längst kalt geworden.

Er stand auf.

Jeder Schritt fühlte sich schwerer an, als er sollte.

Im Kinderzimmer war es dunkel, nur das schwache Nachtlicht tauchte die Wände in ein warmes, gedämpftes Orange. Ava stand in ihrem Bettchen, die kleinen Finger um die Gitterstäbe geklammert, das Gesicht rot vom Weinen.

Als sie ihn sah, streckte sie sofort die Arme aus.

Dieser Moment.

Jedes Mal derselbe Stich.

Er hob sie hoch, spürte ihr warmes Gesicht an seiner Schulter, die kleinen Hände, die sich fest in sein Hemd krallten.

„Alles gut“, murmelte er leise. „Daddy ist da.“

Sie beruhigte sich schneller, als er es verdient hatte.

Julian setzte sich mit ihr in den Sessel am Fenster. Draußen war Frankfurt still. Keine Autos. Keine Geräusche. Nur diese seltsame Leere, die nachts alles größer wirken ließ, als es war.

Er sah auf die Lichter der Stadt und fragte sich, wie viele Menschen gerade schliefen, während er seit Wochen kaum mehr als zwei Stunden am Stück fand.

Früher hatte er um diese Uhrzeit noch Mails beantwortet. Strategien geplant. Deals vorbereitet.

Jetzt wusste er manchmal nicht einmal mehr, welcher Wochentag war.

Ava atmete gleichmäßig an seiner Schulter.

Er blieb sitzen. Zu lange. Weil er wusste, dass, sobald er sie wieder ins Bett legte, der Laptop auf ihn wartete.

Und mit ihm das Leben, das er im Moment weder führen noch loslassen konnte.

Am nächsten Morgen klingelte es um Punkt neun Uhr.

Julian öffnete die Tür mit Ava auf dem Arm und Augenringen, die selbst mit gutem Willen nicht mehr zu übersehen waren.

Seine Mutter stand davor. Und sein Vater dahinter.

Dieser Blick.

Der, den Eltern sich zuwerfen, wenn sie sich einig sind, dass ihr erwachsener Sohn ein Problem hat, das er selbst noch nicht eingesehen hat.

„Julian“, begann seine Mutter vorsichtig, „so geht das nicht weiter.“

Er wusste, was jetzt kam.

Und er hatte keine Kraft mehr, dagegen zu argumentieren.

Sein Vater trat ein, ohne auf eine Einladung zu warten. Wie immer.

Julian schloss die Tür hinter ihnen und ging in die Küche. Ava war inzwischen wach genug, um interessiert an allem zu zerren, was sie erreichen konnte. Sein Vater nahm ihr wortlos den Schlüsselbund aus der Hand, bevor sie ihn sich in den Mund steckte.

„Du siehst aus wie jemand, der seit Wochen nicht geschlafen hat“, sagte seine Mutter.

„Weil ich seit Wochen nicht geschlafen habe.“

Er stellte zwei Tassen auf den Tisch. Griff automatisch nach der Kaffeekanne. Sie war leer.

Natürlich war sie leer.

Seine Mutter sah sich um. Der Laptop noch offen. Unterlagen auf dem Esstisch. Ein Stapel ungeöffneter Briefe. Eine kleine Socke auf dem Boden, die dort definitiv nicht hingehörte.

„Julian“, sagte sie ruhiger, „du brauchst Hilfe.“

Er lachte kurz. Trocken. Ohne Humor.

„Ich habe Hilfe. Ihr seid doch da.“

„Nicht so“, entgegnete sein Vater.

Stille.

Ava begann unruhig zu werden. Julian setzte sie in den Hochstuhl und stellte ihr eine Banane hin. Sie quetschte sie sofort zwischen ihren Fingern.

„Du brauchst eine Nanny.“

Da war es.

Das Wort, das er seit Wochen ignorierte.

Er fuhr sich durch die Haare. „Ich will keine Fremde hier im Haus.“

„Du brauchst keine Fremde. Du brauchst jemanden, der sich um dein Kind kümmert, während du versuchst, nicht alles zu verlieren, wofür du die letzten fünfzehn Jahre gearbeitet hast.“

Er wusste, dass sein Vater recht hatte.

Und er hasste es.

Seine Mutter legte eine Mappe auf den Tisch. „Ich habe mich schon umgehört.“

Natürlich hatte sie das.

„Zwei Bewerberinnen. Sehr gute Referenzen. Erfahrung. Und sie könnten sofort anfangen.“

Julian starrte auf die Mappe, als wäre sie eine Drohung.

„Ich sehe sie mir an“, sagte er schließlich.

Nicht, weil er wollte.

Sondern weil er nicht mehr konnte.

Zwei Tage später saß er in seinem Arbeitszimmer und wartete.

Er hatte zum ersten Mal seit Langem wieder ein frisches Hemd an. Nicht für ein Meeting. Nicht für Investoren.

Sondern für ein Vorstellungsgespräch.

Ava schlief im Nebenzimmer. Das Haus war ungewohnt still.

Es klingelte.

Julian atmete einmal tief durch und ging zur Tür.

Als er sie öffnete, stand sie vor ihm.

Blonde, lange Haare. Schlicht gekleidet. Kein übertriebenes Make-up. Keine Unsicherheit in ihrem Blick.

Sie lächelte höflich. Nicht unterwürfig. Nicht nervös.

„Guten Morgen. Ich bin Klara Weber. Wegen der Stelle als Nanny.“

Und irgendetwas an der Art, wie sie ihn ansah, ließ ihn für einen kurzen Moment vergessen, was er eigentlich sagen wollte.

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