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last update Veröffentlichungsdatum: 26.05.2026 02:37:46

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Als Claire den dunstigen Schleier der Dunkelheit abschüttelte und an die Oberfläche zurückkehrte, war das erste Gesicht, das sie sah, das ihrer Mutter. Andreas Augen waren rot und ihre Wangen gerötet. Sie trug dasselbe Kleid, das sie für den Hochzeitstag von Claire und Hunter angezogen hatte.

Es war schon beim bloßen Anblick erkennbar, dass sie nicht eine einzige Sekunde von der Seite ihrer Tochter gewichen war.

„Claire, mein Schatz“, beugte sich Andrea ungeduldig zu ihrer Tochter und legte ihre Hand an ihr Gesicht.

Eine Träne der Erleichterung rann aus ihrem linken Auge. Sie küsste ihre Stirn und rief sofort über ihre Schulter: „Claire ist wach, Dominic!“

Sie wandte sich wieder ihrer Tochter zu, strich ihr die Haare aus dem Gesicht und lächelte: „Wie fühlst du dich jetzt, Liebling?“

Sie berührte sanft ihre geschwollene Lippe.

Claire starrte sie nur an. Die Tränen ihrer Mutter ließen sie an ihre eigenen erinnern. Dann kehrte alles in ihr Bewusstsein zurück, wie eine langsame Erinnerung, die zu einer Person mit Amnesie zurückkehrt.

Schmerz, heiß und roh, setzte sich in ihrer Brust fest. Claire erinnerte sich daran, wie ihr Ehemann sie vor dem Hotel zurückließ, in dem sie ihre Jubiläumsfeier hätten haben sollen. Und nicht nur das, er verließ sie für eine Frau, die ihm seit zwei Jahren irreparablen Schaden zugefügt hatte.

Claire sah sich um. Sie war in ihrem Schlafzimmer im Haus ihrer Eltern. Die rot gestrichenen Wände erinnerten an das Blut, das in ihren Adern pochte.

Sie versuchte aufzustehen und warf die Decke beiseite, als ihr Vater zusammen mit Cole, ihrem Bruder Scott und ihren Schwiegereltern in ihr Zimmer stürmte.

„Claire“, ihr Vater schloss sie in eine Umarmung. „Mein Schatz, ich bin so verdammt erleichtert, dich wach zu sehen. Du hast mir fast einen Herzinfarkt verpasst.“

Er setzte sich auf die Bettkante und strich über ihre Kieferlinie: „Liebst du uns denn nicht, Prinzessin?“

Diese Worte ließen ihre Augen erneut feucht werden.

„Ich glaube nicht, dass du uns liebst... Sonst würdest du dir das nicht selbst antun. Und das auch noch wegen eines Arschlochs, das für mich nie etwas anderes als ein egoistischer Bastard war!“

Dominic kümmerte es nicht, dass der alte Mr. und Mrs. MacIntyre sowie Hunters Eltern im selben Raum waren. Das Herz seiner Tochter war gebrochen. Ihm war es völlig egal, wie seine Worte auf andere wirken würden.

Er küsste Claire auf die Stirn. Er hatte sich so große Sorgen um sie gemacht. Claire war seine Prinzessin. Sie war die Tochter, die sie nach vier Jahren des Wartens auf ein Kind willkommen geheißen hatten. Sie konnten jede Grenze überschreiten, um ein Lächeln auf ihr Gesicht zu bringen.

Claire respektierte das. Doch ihr Herz schmerzte in ihrer Brust. Es war in Stücke gerissen. Komplett zerbrochen... und doch schlug es noch.

Sie konnte die Bilder nicht loswerden, wie Hunter mit Zara ging.

Claire wischte sich die Tränen weg und stieg aus dem Bett. Sie stolperte, da sie seelisch stark erschüttert war.

„Clai— was machst du...“, Dominic brach ab, als ihm der Atem im Hals stockte, als Claire aufblickte.

„Lass mich gehen, Dad. Ich muss mit Hunter reden.“

„Schon wieder dasselbe!“, schrie Dominic fast. „Warum wiederholst du ständig den Namen dieses Arschlochs? Nach dem, was er getan hat, solltest du ihn aus deinem Leben werfen wie nutzlose Plastikverpackungen. Er ist es nicht wert. Ich lasse dich nicht gehen.“

Die Familie von Hunter senkte beschämt den Blick. Sie waren brutal gedemütigt worden. Dennoch fühlten sie, dass sie es verdient hatten, also sagte niemand ein Wort.

Claire selbst wartete nicht auf eine Erklärung. Sie hatte nichts zu sagen – weder ihren Eltern noch irgendwem sonst. Denn sie hatte keine Ahnung, warum ihr Ehemann, der sie in den letzten zwei Monaten vergöttert hatte, plötzlich zu einem ignoranten Idioten geworden war.

Sie ging die Treppe hinunter und stützte sich an den Wänden. Ihre Beine waren wie aus Gummi, ihr Körper taub vor Schmerz. Doch sie kämpfte sich hinunter, während die anderen ihr folgten.

„Du wirst ihn dort nicht finden, Laire.“ Die Worte ihres Vaters hielten sie auf.

Claire sah ihn mit tränennassen Wimpern an.

Dominic ging zu ihr und seufzte: „Der Mann, der mit seiner Ex-Freundin gegangen ist, wird nicht nach Hause zurückkehren. Er wird wahrscheinlich in einem der Hotelzimmer fuc...“ Er verschluckte die Worte, als ihm selbst die Tränen in die Augen stiegen.

„Komm einfach zurück, Claire. Ich finde dir einen besseren Ehemann als ihn. Ich schwöre es.“

Claire sagte kein Wort. Sie stieg in das Auto ihres Bruders und startete den Motor.

Sie kam nach Hause in eine totenstille Stille. Was einst ein fröhlich summendes Zuhause voller ihres Lachens und ihrer Liebkosungen gewesen war, war nun dunkel und leer von jedem Gefühl von Geborgenheit. Es fühlte sich an, als würde Claire in ein frisch ausgehobenes Grab treten.

Sie fühlte sich wie eine Leiche. Eine wandelnde Leiche.

Niemand war da. Das Haus war so, wie sie es am Abend verlassen hatten. Claire schleppte sich ins Wohnzimmer, wo sie auf ihre Haushälterin Thea traf. Eine bemerkenswerte Frau von fünfzig Jahren mit wunderschönem goldenen Haar. Sie wurde blass, sobald sie Claire sah.

„Mrs. MacIntyre“, Thea eilte zu ihr, um ihr zu helfen, da sie sich buchstäblich hinschleppte.

Ein Nicken von Claire ließ sie erstarren, nur wenige Zentimeter bevor sie sie berührte.

„Ist Hunter nach Hause zurückgekehrt?“, fragte sie mit zitternder Stimme.

Die Haushälterin senkte den Blick: „Nein, Madam.“

Claire schickte sie fort, während sie sich auf das Sofa setzte. Es war zehn Minuten nach vier am frühen Morgen. Die Atmosphäre war kühl geworden. Mit bloßen Schultern und Armen spürte sie, wie Kälte über ihre Haut kroch. Doch selbst dann kümmerte es sie nicht, sich zu wärmen.

Sie dachte an ihre zweijährige Beziehung zurück.

In diesen zwei Jahren war Hunter ihr gegenüber gleichgültig und kalt gewesen. Erst in der Nacht ihrer Hochzeit hatte sie erkannt, dass es für ihn eine Zweckheirat war.

Er hatte sie nie berührt. Nicht einmal geküsst.

Für die Wunden und den Schmerz, die jemand anderem ihm zugefügt hatte, bestrafte er sie direkt, indem er ihr gegenüber gleichgültig und gefühllos war.

Sie wartete dort, den Blick auf die Tür gerichtet, die sie offen gelassen hatte. Sie sah nicht weg, wartete ungeduldig auf ihren Ehemann.

Das Geräusch eines ankommenden Autos erfüllte die Luft, gerade als die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont lächelten. Das Wohnzimmer wurde langsam heller.

Claires Rücken spannte sich, als sie Schritte hörte. Ihr Herz konnte nicht aufhören, unaufhörlich zu rasen. Sie fühlte sich die ganze Zeit über erstickt.

Als Hunter in ihr Blickfeld trat, zitterte ihre Brust. Er sah müde aus. Er war von Elend umhüllt, als wäre seine Frau gestorben.

Doch es war nicht der Schmerz, seine Frau verloren zu haben, der sein Gesicht blass erscheinen ließ. Indem er sie der Welt zum Spott überließ, zeigte er, dass er sich nie um sie gekümmert hatte.

Claires Nerven flammten vor Adrenalin auf, als Hunter sie bemerkte. Er war überrascht. In seinem Blick lag etwas, das sagte, dass er nicht bereit war, mit ihr zu sprechen.

Welcher Ehemann wäre das schon, nachdem er seine Frau so enttäuscht hatte?

Ihr Gewissen spottete. Doch Claire zwang ihren schwachen Körper nach oben. Sie ging langsam auf ihn zu. Als sie ihn erreichte, wäre sie fast zu Boden gefallen.

Hunter fing sie an der Taille auf. Ihre Blicke trafen sich. Claires Hände, die sie zur Stabilisierung auf seine Schultern legte, wurden heiß, als sie mit seinem warmen Körper in Berührung kamen.

Nachdem er ihr geholfen hatte, sich aufzurichten, betrachtete er ihr Gesicht. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, als er die Schnittwunde an ihrer Lippe sah – eine brutale Wunde, die zu bluten begann, sobald sie sprach.

„Wie geht es Zara?“, fragte sie, und er sah weg.

Claire lachte sarkastisch über seine Reaktion.

„Du erwartest doch nicht, dass ich nach ihr frage, oder? Warum auch, nachdem sie mir meinen Ehemann gestohlen hat?“ Hunters Kiefer spannte sich an, seine Zähne pressten sich zusammen.

„Claire, zieh Zara nicht da rein. Es war nicht ihre Schuld, dass ich gegangen bin“, begann er ruhig, doch Claire hob die Hand.

Ihre Brust bebte vor Schmerz, weil er diese Frau unterstützte, die erst vor zwei Jahren zurückgekehrt war. Während die Frau, die zwei Jahre lang an seiner Seite gewesen war – seine Ehefrau – unter Herzschmerz und allem Möglichen litt, konnte er sie nicht einmal ansehen.

„Du wirst mir heute zuhören, Hunter. Du wirst mir einfach zuhören.“

Fortsetzung folgt...

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