เข้าสู่ระบบRosas Sicht
„Setz dich.“
Alessandro erhob nicht die Stimme. Das schien er niemals nötig zu haben. Rosa stand mitten in einem Wohnzimmer, das so groß war wie das gesamte Mietshaus von Signora Conti. Unter ihren nackten Füßen lag Marmor, hinter ihr erstreckte sich eine Glasfront, durch die Mailand unter ihnen wie verstreutes Glas glitzerte. Und sie setzte sich nicht.
„Ich bin kein Hund.“
„Nein.“ Er ging zu einem Schrank, goss sich zwei Fingerbreit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit in ein Glas und bot ihr nichts davon an. „Hunde wissen, wann sie gehorchen müssen.“
„Was willst du von mir?“ Ihre Stimme brach beim Wort willst, und sie hasste es. Sie hasste es, dass vier Tage sorgfältiger Planung damit geendet hatten, dass sie im Bühnenkostüm eines Fremden Penthouse stand und ihren Morgenmantel mit einer weiß geknöchelten Faust zusammenhielt. „Geld? Ich habe keins. Genau deshalb habe ich versucht, …“
„Ich weiß, warum du Fabrizio bestehlen wolltest.“ Er drehte sich mit dem Glas in der Hand zu ihr um und musterte sie, als wäre sie ein Gemälde, über dessen Kauf er noch nachdachte. „Ich will dein Geld nicht, Rosa. Ich habe mehr davon, als ich in drei Leben ausgeben könnte.“
„Was dann?“
Er stellte das Glas ab, ohne daraus zu trinken. Mit vier gemächlichen Schritten durchquerte er den Raum und überbrückte die Entfernung zwischen ihnen, bis sie das Kinn heben musste, um ihm in die Augen zu sehen. Bis sie die Wärme spürte, die von ihm ausging, obwohl er bewusst einen Abstand zwischen ihren Körpern ließ.
„Ich will wissen, warum eine Frau, die so kämpft wie du, für Männer tanzt, die es nicht verdienen, sie auch nur anzusehen.“ Seine Stimme war leiser geworden, und irgendwie war das schlimmer als der kalte Befehl im Wagen. „Ich will wissen, was sich unter all dieser Auflehnung verbirgt, die du wie eine Rüstung trägst.“
„Das ist keine Antwort.“
„Nein.“ Etwas Dunkles bewegte sich hinter seinen Augen. „Es ist ein Geständnis.“
Rosas Puls hämmerte so heftig, dass sie sicher war, er müsse ihn an ihrem Hals sehen können. Sie wich einen Schritt zurück – einen einzigen, mehr ließ der Raum nicht zu –, bis ihr Rücken gegen das kalte Fensterglas stieß. Hinter ihr breiteten sich die Lichter Mailands aus, als stünde sie am Rand der Welt und hätte keinen Ort mehr, an den sie fallen konnte.
„Du hast gesagt, ich würde bezahlen.“ Ihre Stimme zitterte, und sie ließ es zu, denn so zu tun, als wäre es anders, hätte Kraft gekostet, die sie nicht mehr hatte. „Wie?“
„Mit deinem Körper.“ Er sagte es ganz sachlich, ohne Grausamkeit in der Stimme, was die Worte irgendwie härter traf als jeder höhnische Spott. „Du gehörst jetzt mir, Rosa. Mein schmutziges Geheimnis. Meine private Obsession. Du wirst hier leben. Du wirst essen, was ich dir gebe, und tragen, was ich auswähle. Und jede Nacht, wenn ich dich will …“ Sein Blick glitt langsam und bedächtig an ihr hinab und wieder nach oben. „… wirst du hier sein.“
„Nein.“
„Nein?“ Eine dunkle Augenbraue hob sich. Er wirkte eher neugierig als wütend.
„Ich werde mich dir nicht einfach ausliefern. Ich bin kein Gegenstand, über den du einfach entscheiden kannst.“ Ihre Hände waren nun zu Fäusten geballt, die Nägel gruben sich halbmondförmig in ihre Handflächen, während ihr alter Überlebensinstinkt durch jede einzelne Faser ihres Körpers brüllte. „Wenn du eine Hure willst, dann kauf dir eine. Ich stehe nicht zum Verkauf.“
„Du standest in dem Moment zum Verkauf, als du versucht hast, Fabrizio die Brieftasche abzunehmen.“ Er trat näher, so nah, dass der Abstand zwischen ihnen beinahe verschwunden war. Nah genug, dass sie die Wärme spüren konnte, die von ihm ausging, und in seinen dunklen Augen ein Aufflackern bemerkte, das beinahe Bewunderung ähnelte. „Du durftest nur deinen eigenen Preis nicht festlegen.“
„Geh weg von mir.“
„Zwing mich.“
Es war keine Provokation. Zumindest nicht ganz. Seine Stimme war leiser als das, beinahe neugierig, als wollte er tatsächlich sehen, was sie mit dieser Herausforderung anfangen würde. Rosas Hand schnellte nach oben, noch bevor sie sich endgültig zum Schlag entschlossen hatte.
Er fing ihr Handgelenk einen Zentimeter vor seinem Gesicht ab. Er verdrehte es nicht, tat ihr nicht weh. Er hielt es einfach fest, absolut unbeweglich, während sie sich gegen seinen Griff stemmte und feststellen musste, dass er keinen Millimeter nachgab.
„Da bist du ja“, murmelte er. Etwas in seiner Stimme hatte sich verändert, war rauer geworden. „Das ist die Frau, die ich auf der Bühne gesehen habe.“
„Lass mich los.“
„Zieh dich aus.“
Das Wort traf sie wie eine Ohrfeige. „Was?“
„Du hast mich gehört.“ Sein Daumen bewegte sich einmal langsam und bedächtig über die empfindliche Haut ihres Handgelenks. Sie verabscheute es, dass ihr Atem bei dieser Berührung stockte. „Zieh es aus. Oder ich tue es.“
„Ich werde nicht …“
„Rosa.“ Ihr Name klang aus seinem Mund leise und endgültig, wie eine Tür, die sich irgendwo schloss, wo sie sie nicht sehen konnte. „Ich bin kein geduldiger Mann. Ich übe mich in Geduld mit dir, weil mich etwas an dir so sehr interessiert, dass ich mir die Mühe mache. Verwechsle das nicht mit Schwäche.“
Sie starrte zu ihm auf. Zu diesem Mann, dem die Hälfte einer Stadt gehörte, auf dessen Wort hin Männer starben und der sie gerade ansah, als wäre sie das faszinierendste und zugleich unerträglichste Wesen, dem er seit Jahren begegnet war. In ihrer Brust zog sich etwas zusammen, das nichts mit Angst zu tun hatte.
Sie rührte sich nicht.
Er ließ ihr Handgelenk los.
Seine Hände fanden den Gürtel ihres Morgenmantels. Langsam, bedächtig, als gäbe er ihr jede Gelegenheit der Welt, ihn aufzuhalten. Dabei wusste er, dass sie es konnte. Sie sah es an der Anspannung seines Kiefers, dass er wusste, sie würde es nicht tun. Nicht tun konnte. Ein verräterischer, wütender, verängstigter Teil von ihr hatte sich der Unausweichlichkeit dieses Augenblicks bereits drei Stockwerke tiefer auf dem Rücksitz des Wagens ergeben, als er ihren Namen ausgesprochen hatte, als gehöre er ihm.
Die Seide glitt von ihren Schultern und sank zu ihren Füßen.
Alessandro erstarrte.
„Mia regina“, murmelte er so leise, dass sie es beinahe überhörte. Seine Augen waren dunkel und unergründlich im Licht der Stadt, das durch die Glasfront hinter ihr hereinströmte.
Rosa entwich ein zittriger Atemzug, den sie nicht kontrollieren konnte.
Welche Antwort sie auch hätte finden können, welcher letzte Rest Widerstand auch noch in ihr geharrt hatte – alles löste sich in dem Moment auf, als er die Hand hob, ihre Wange umfasste und ihr Gesicht zu sich hin neigte. Das Letzte, was sie sah, bevor ihre Augen zufielen, war die furchtbare, hungrige Gewissheit in seinen Augen.
Die Lichter der Stadt verschwammen. Das Glas an ihrem Rücken wurde kalt, dann warm und schließlich völlig bedeutungslos.
Und irgendwo in der Dunkelheit dieses Penthouses, dreißig Stockwerke über einer Stadt, die ihren Namen nicht kannte, hörte Rosa auf, die Frau zu sein, die davonlief.
Am Morgen würde sie verstehen, was sie das gekostet hatte.
Rosas Sicht„Du warst bei Elena. Das ist alles?“Alessandro blickte nicht von dem Glas in seiner Hand auf, als er die Frage stellte. Er stand mit dem Rücken zu ihr am Fenster des Esszimmers. Hinter ihm erstrahlte der Mailänder Dom in goldenem Licht, und seine Worte fielen in die Stille des Raumes wie ein Stein, der in einen tiefen Brunnen geworfen wurde.Rosa blieb unmittelbar hinter der Tür stehen. Ihre Finger schlossen sich fester um den Riemen ihrer Tasche.„Das ist alles.“„Du warst vier Stunden weg.“„Wir haben geredet. Kaffee getrunken. Sie hat ein bisschen geweint.“ Rosa zwang sich zu einem leichten Schulterzucken und hasste, wie steif es sich anfühlte. „Du weißt doch, wie Elena ist.“„Das weiß ich.“ Erst jetzt drehte er sich langsam zu ihr um. Das bernsteinfarbene Getränk in seinem Glas fing das Licht ein, als er es auf dem Tisch abstellte. Seine Augen glitten über ihr Gesicht, als würde ein Mann einen Vertrag Zeile für Zeile lesen und nach einer versteckten Klausel suchen. „I
Rosas Sicht„Du siehst aus, als hättest du nicht geschlafen.“Alessandros Stimme erreichte Rosa am nächsten Morgen beim Kaffee. Sie zwang ihre Hände, die Tasse ruhig zu halten, und zwang ihr Gesicht zu einem Ausdruck, der nicht verriet, dass sie die schlaflose Nacht damit verbracht hatte, auf eine Drohung zu starren, die sich in ihre Gedanken eingebrannt hatte.Wir wissen ganz genau, wo Signora Conti wohnt.„Schlechte Träume“, sagte sie, was nicht einmal gelogen war.„Wegen letzter Nacht?“ Etwas Vorsichtiges huschte über sein Gesicht. Vielleicht Schuldgefühle, weil sie in der Lagerhalle diesen Teil seiner Welt hatte miterleben müssen, weil sie gesehen hatte, zu welchem Mann er hatte werden müssen. „Es tut mir leid, dass du diesen Teil meiner Welt sehen musstest.“„Daran liegt es nicht.“ Rosa stellte die Tasse ab, bevor ihre zitternden Hände sie verrieten. „Mir geht es gut. Wirklich.“Er musterte sie einen Moment länger, als ihr lieb war. Seine dunklen Augen entgingen nichts, und sie z
Rosas SichtRosa traute ihrer Stimme nicht und antwortete deshalb nur mit einem leichten Nicken. Dann verschwand sie im Flur und ließ ihn mit den Geistern allein, die dieser Anruf heraufbeschworen hatte.In dieser Nacht schlief sie nicht. Sie lag wach in dem riesigen, viel zu weichen Bett und lauschte dem gedämpften Klang seiner Stimme, der durch die Wände drang. Tief und eindringlich, gelegentlich scharf, mit etwas darin, das gefährlich nahe an Verzweiflung grenzte. Zum ersten Mal, seit sie vor vier Nächten diese Bühne betreten hatte, fragte sie sich weniger, wie sie Alessandro Morettis Welt entkommen konnte.Stattdessen fragte sie sich zunehmend, was genau dieser Anruf ihn kosten würde.Als die Morgendämmerung grau und kalt über den Türmen des Doms hereinbrach, war seine Stimme verstummt.Rosa war noch immer wach, als sie hörte, wie sich die Tür seines Arbeitszimmers öffnete und seine Schritte unmittelbar vor ihrer Schlafzimmertür innehielten. Einen langen, angespannten Moment blieb
Rosas Sicht„Du hast mir nicht gehorcht.“Alessandros Stimme hallte durch das Penthouse, kaum dass sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte. Sie klang tief und rau, auf eine Weise, die Rosa noch nie zuvor bei ihm gehört hatte. Es war weder der kalte Befehl aus dem Speisezimmer noch das Verlangen aus dem Flur. Etwas anderes lag darin, etwas, das bis zum Zerreißen angespannt war und sich nur mit Mühe zusammenhielt.„Ich wollte nicht einfach hier herumsitzen.“ Rosa erhob sich von dem Sofa, auf dem sie sich eine Stunde lang zusammengerollt hatte, während sie den Schuss in Gedanken immer wieder durchlebte, bis sich der Klang wie eine Rille in ihren Schädel gegraben hatte. „Du hättest getötet werden können.“„Das geht dich nichts an.“„Es ging mich in dem Moment etwas an, als du mich in dein Leben gezerrt hast.“ Ihre Stimme zitterte, doch sie wich nicht zurück. Sie ließ sich auch nicht von der Erinnerung an sein Gesicht auf der anderen Seite der Lagerhalle davon abhalten, jetzt auf ihn zuz
Rosas Sicht„Signorina, Sie dürfen nicht hier draußen sein.“Die Stimme des Portiers verfolgte Rosa durch die Lobby, doch sie stieß bereits die Glastüren auf und trat hinaus in die beißende Kälte der Mailänder Nacht. Sie hatte den Mantel über das schwarze Kleid geworfen und ihre Schuhe irgendwo im Penthouse zurückgelassen. Stattdessen berührten ihre nackten Füße das eisige Pflaster.Dumm. Leichtsinnig. Es war ihr egal.Alessandros Wagen war bereits verschwunden. Doch Lucas Wagen stand noch da, die zweite schwarze Limousine, die am Straßenrand mit laufendem Motor wartete und deren Scheinwerfer zwei Lichtkegel durch die Dunkelheit schnitten.Rosa riss die hintere Tür auf, bevor sie es sich anders überlegen konnte.„Bring mich zu ihm.“Luca drehte sich auf dem Fahrersitz zu ihr um. Sein breites Gesicht spiegelte eine Mischung aus Bestürzung und Unglauben wider.„Signorina, ich habe den Befehl, Sie im Gebäude zu behalten.“„Und ich habe das Gefühl, dass du es bereuen wirst, deinem Boss er
Rosas Sicht„Wer ist ein Verräter?“Rosas Stimme hallte den Flur hinunter, noch bevor sie sich endgültig dazu entschlossen hatte, ihm zu folgen. Alessandro fuhr herum, das Telefon noch immer ans Ohr gepresst. Der Blick, den er ihr zuwarf, ließ sie drei Fuß entfernt wie angewurzelt stehen bleiben. Es war keine Wut, zumindest nicht ganz, sondern etwas Kälteres, etwas, das den Marmorboden unter ihren nackten Füßen schief erscheinen ließ.„Geh zurück an den Tisch.“ Seine Stimme war tief, abgehackt und kaum unter Kontrolle.„Nein.“„Rosa …“„Du hast gesagt, ich dürfe niemals mit deinen Geschäftspartnern sprechen und niemals nach deinen Geschäften fragen.“ Sie verschränkte die Arme und hob das Kinn, entschlossen, sich die Angst, die ihr die Wirbelsäule hinaufkroch, nicht anmerken zu lassen. „Schön. Ich frage nicht nach deinen Geschäften. Ich will wissen, warum der gefährlichste Mann Mailands gerade in seinem eigenen Esszimmer kreidebleich geworden ist.“Etwas zuckte über sein Gesicht – viel







