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KAPITEL 5: DIE REGELN DES KÖNIGS

ผู้เขียน: U.C BELLE
last update วันที่เผยแพร่: 2026-10-27 20:59:38

Rosas Sicht

„Du bist spät dran.“

Rosa blieb im Türrahmen des Speisezimmers stehen. Das schwarze Kleid umspielte ihre Oberschenkel, und ihr Herz hämmerte noch immer von dem Kampf, den sie mit dem Reißverschluss, mit Adriana und vor allem mit sich selbst ausgefochten hatte.

„Ich wusste nicht, dass ich mich hier ein- und ausstempeln muss.“

„Das musst du jetzt immer.“ Alessandro blickte nicht von den Papieren auf, die vor ihm auf dem Tisch ausgebreitet lagen, doch etwas in seiner Stimme verriet ihr, dass er jede einzelne Sekunde ihrer Verspätung registriert hatte. „Setz dich.“

Sie setzte sich. Nicht, weil er es ihr befohlen hatte – das stellte sie sich ganz bewusst und ausdrücklich klar, als wäre dieser Unterschied von Bedeutung –, sondern weil ihre Beine vor Nervosität so heftig zitterten, dass sie kaum noch stehen konnte, ohne sich weiter beweisen zu müssen, dass sie einen Standpunkt vertrat, den ohnehin niemand zur Kenntnis nahm.

Schließlich blickte er auf. Seine Augen glitten langsam und prüfend über sie, und etwas in seinem Kiefer spannte sich an, auf eine Weise, die sie nicht deuten konnte.

„Adriana hat gut gewählt.“

„Adriana hat gewählt. Ich hatte keine Meinung dazu.“ Rosa griff nach dem Wasserglas vor sich, weil sie etwas brauchte, womit sie ihre Hände beschäftigen konnte. „Wird das jetzt mein ganzes Leben sein? Dass andere Menschen alles entscheiden und ich einfach nur … innerhalb ihrer Entscheidungen existiere?“

„Vorerst.“ Er legte den Stift hin, verschränkte die Hände und musterte sie mit einer Konzentration, die sie dazu brachte, sich unruhig zu fühlen – und sich gleichzeitig über sich selbst aufzuregen, weil sie sich überhaupt unruhig fühlte. „Dafür ist der heutige Abend da. Regeln, Rosa. Damit du genau verstehst, wie dein Leben von nun an aussehen wird.“

„Wie großzügig von dir.“

Ein Muskel in seinem Kiefer zuckte, doch er ließ sich nicht provozieren.

„Du wirst hier in diesem Apartment leben. Du wirst das Gebäude nicht ohne mich oder ohne ausdrückliche Erlaubnis verlassen. Und selbst dann wirst du begleitet.“

„Ich bin also eine Gefangene.“

„Du wirst beschützt.“ Seine Stimme wurde schärfer. „Das ist ein erheblicher Unterschied. Und du würdest ihn verstehen, wenn du auch nur die Hälfte von dem wüsstest, was durch die Türen meiner Welt kommt.“

„Dann klär mich auf.“

„Nein.“ Seine Antwort war knapp und endgültig. „Du musst die Einzelheiten meiner Geschäfte nicht kennen. Du musst wissen, welchen Platz du darin einnimmst.“

Rosas Hände ballten sich in ihrem Schoß zu Fäusten, während ihre Nägel halbmondförmige Abdrücke in ihre Handflächen gruben.

„Und welchen Platz habe ich genau? Sag es deutlich. Ich will hören, wie du es aussprichst.“

Alessandro lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Einen Moment lang zog sich die Stille so lange hin, dass sie glaubte, er würde überhaupt nicht antworten. Als er schließlich sprach, war seine Stimme tief und leise geworden, auf eine Weise, die ihr die Härchen an den Armen aufstellte.

„Du wirst mit niemandem über das sprechen, was in diesem Haus geschieht.“ Seine Augen wichen nicht von ihren. „Du wirst mich niemals berühren, es sei denn, ich erlaube es dir. Du wirst meine Geschäftspartner niemals ohne meine Erlaubnis treffen. Wenn ich nach dir rufe, kommst du. Wenn ich dir sage, dass du warten sollst, wartest du.“ Er machte eine Pause, bewusst gesetzt, grausam in ihrer Ruhe. „Und du wirst unter keinen Umständen versuchen, dieses Haus zu verlassen.“

„Oder was?“

„Oder ich höre auf, geduldig mit dir zu sein.“ Er sagte es so gleichmäßig, dass es eine ganze Sekunde dauerte, bis die Drohung darunter sie eiskalt in der Magengrube traf. „Und du willst nicht erleben, wie das aussieht.“

Rosas Kehle schnürte sich zu. Trotzdem zwang sie sich, seinem Blick standzuhalten und nicht als Erste wegzusehen, obwohl ihr Puls so laut hämmerte, dass sie sicher war, er müsse ihn auf der anderen Seite des Tisches hören können.

„Du redest über Regeln, als wäre ich einer deiner Soldaten.“ Ihre Stimme zitterte leicht, und sie hasste es. „Als hätte ich einen Vertrag unterschrieben, den ich nie zu Gesicht bekommen habe.“

„Das hast du.“ Etwas flackerte hinter seinen Augen auf – keine wirkliche Schuld, aber etwas, das ihr nahe genug kam, dass sie den Ausdruck auf einem Gesicht, das für Grausamkeit geschaffen schien, beinahe nicht wiedererkannte. „In dem Moment, als du versucht hast, Fabrizio die Brieftasche abzunehmen, hast du ihn unterschrieben. Ich habe diese Bedingungen nicht festgelegt, Rosa. Das Leben hat es getan.“

„Das ist eine bequeme Erklärung, die du dir selbst zurechtlegst.“

„Vielleicht.“ Er nahm seinen Stift wieder in die Hand, als wäre das Gespräch beendet, ganz gleich, ob sie bereit dazu war oder nicht. „Aber dadurch wird sie nicht weniger wahr.“

Die Stille dehnte sich zwischen ihnen aus, dicht und aufgeladen, sodass der Raum kleiner wirkte, als er tatsächlich war. Rosa starrte auf ihren unberührten Teller und das Weinglas, aus dem sie sich nicht zu trinken getraut hatte, und spürte, wie die Erschöpfung der vergangenen zwei Tage mit einem Mal über sie hereinbrach – schwer und erbarmungslos.

„Warum ist es dir wichtig“, fragte sie leise, ohne aufzusehen, „ob ich deine Regeln befolge oder nicht? Du könntest mich töten. Du hättest mich schon in der ersten Nacht töten können. Stattdessen sitzt du hier und erklärst mir die Bedingungen, als hätte ich überhaupt eine Wahl.“

Der Stift hielt inne.

Als Rosa schließlich den Blick hob, sah Alessandro sie mit einem Ausdruck an, den sie bisher noch nicht an ihm gesehen hatte. Etwas Ungeschütztes, etwas beinahe Rohes, das so schnell wieder verschwand, wie es aufgetaucht war.

„Weil ich nicht will, dass du tot bist“, sagte er leise. „Ich will dich …“

Er brach ab. Sein Kiefer spannte sich an, als wäre das Ende dieses Satzes etwas, das selbst er noch nicht laut auszusprechen bereit war.

„Du willst mich was?“

„Iss dein Abendessen, Rosa.“

„Nein.“ Sie legte die Gabel so hart auf den Tisch, dass sie klirrend gegen das Porzellan schlug. Ein alter, trotziger Funke flammte in ihrer Brust wieder auf, ungeachtet all ihrer Instinkte, die ihr rieten, still zu sein. „Du kannst nicht beinahe so etwas sagen und dich dann wieder hinter deinen Regeln verstecken. Beende den Satz.“

Alessandro erhob sich so abrupt, dass sein Stuhl beinahe umkippte. Für einen herzstillstehenden Augenblick glaubte Rosa, sie sei zu weit gegangen, dass nun der Moment gekommen war, in dem seine Geduld tatsächlich endete, so wie er es ihr angedroht hatte.

Er umrundete den Tisch. Sie zwang sich, nicht zurückzuzucken, als er direkt vor ihr stehen blieb, so nah, dass sie den Kopf in den Nacken legen musste, um seinem Blick standzuhalten.

„Ich will, dass du aufhörst, mich anzusehen, als wäre ich das Schlimmste, was dir jemals passiert ist“, sagte er mit rauer Stimme, leiser, als sie ihn je gehört hatte. „Obwohl ich weiß, dass ich genau das bin.“

Rosa stockte der Atem irgendwo tief in ihrer Brust.

Einen Moment lang – einen langen, beängstigenden, elektrisierenden Moment – bewegte sich keiner von ihnen.

Seine Augen suchten ihr Gesicht ab, als würde er nach einer Erlaubnis suchen, um die er nicht gebeten hatte und die sie ihm nicht gegeben hatte. Und sie spürte, wie etwas in ihrer Brust aufbrach, das nichts mit Angst zu tun hatte und alles mit einem Verlangen, das sie sich mit aller Macht weigerte, beim Namen zu nennen.

Dann vibrierte ein Telefon scharf auf dem Tisch und zerschmetterte alles, was sich beinahe zwischen ihnen ereignet hätte, in hundert Stücke.

Alessandro richtete sich auf, trat zurück, und die Maske legte sich so schnell wieder über sein Gesicht, als hätte sich eine Tür mit einem Schlag geschlossen. Er warf einen Blick auf das Display, und die Farbe wich vollständig aus seinem Gesicht.

„Alessandro?“ Rosas Stimme klang leiser, als sie beabsichtigt hatte. „Was ist los?“

Er antwortete nicht. Er war bereits auf dem Weg zum Flur, das Telefon ans Ohr gepresst, während seine Stimme in rasches, abgehacktes Italienisch überging, dem sie nicht vollständig folgen konnte. Ein Wort jedoch verstand sie, denn er wiederholte es zweimal, leise und voller Zorn.

Traditore.

Verräter.

Rosa saß wie erstarrt am Tisch. Der Wein war unberührt, das Abendessen kalt. Sie beobachtete, wie die sorgfältig aufrechterhaltene Selbstbeherrschung des Königs von Mailand im Flur vor ihren Augen zerbrach, und begriff mit einem Schaudern, das nichts mit dem Marmorboden unter ihren nackten Füßen zu tun hatte, dass das, was gerade durch seine Tür gekommen war, alles verändern würde.

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