Masuk„Dreiunddreißig?!“ Kate schrie es beinahe. Ihr Mund stand einfach offen. „Brenda, was für ein dreiunddreißigjähriger Mann braucht ein Kindermädchen?!“
„Er braucht kein Kindermädchen! Er braucht eine persönliche Assistentin mit Wohnsitz und eine Haushälterin, weil er ein elender, wütender Mistkerl ist, der es nicht schafft, auch nur eine einzige Person länger als zwei Tage in diesem Haus zu behalten!“, schrie Brenda zurück und rieb sich noch immer den Kopf. „Er erholt sich von einer schweren Knieoperation, steckt in einer Schiene fest und behandelt jeden, der durch seine Haustür kommt, wie einen Feind.“ Ich setzte mich auf meinen Fersen zurück und starrte auf den Flyer in meiner Hand, als könnte sich das Papier verändern, wenn ich nur lange genug hinsah. Dreiunddreißig. Verschlossen. Gerade von einer Knieoperation zurück. „Wie heißt er?“, fragte ich leise. Meine Gedanken waren bereits weit voraus. Brenda seufzte und kramte nach einer Wasserflasche in ihrer Tasche. „Leroy. Leroy James.“ Die Luft wich mit einem Schlag aus meinen Lungen. Ich spürte förmlich, wie sie mich verließ. Leroy James. Die unangefochtene Legende der Liga. Dreifacher Champion. Der gefürchtetste Kapitän im Profisport. Der Sensenmann auf dem Eis. Er war außerdem Bellas älterer Bruder. Genau die reiche Erbin, mit der Edward gerade live im nationalen Fernsehen seine Verlobung bekannt gegeben hatte. „Ella? Alles okay?“, fragte Kate, als sie bemerkte, wie still ich geworden war. „Du siehst aus, als hättest du gerade einen Geist gesehen.“ „Ich weiß, wer er ist“, flüsterte ich. Meine Finger schlossen sich fester um das Papier, bis es in meiner Faust zerknitterte. „Er ist Bellas Bruder. Das Mädchen, für das Edward mich verlassen hat.“ Brenda hielt mitten in der Bewegung inne, die Wasserflasche halb an den Lippen. Ihre Augen wurden groß. „Warte … diese James-Familie? Oh, verdammt. Auf keinen Fall, Ella. Du kannst nicht für diesen Mann arbeiten. Wenn er herausfindet, wer du bist …“ „Das wird er nicht“, fiel ich ihr ins Wort und sprang auf die Füße. Der Adrenalinschub in meinen Adern brannte die Tränen einfach weg. „Edward hat mich als besessene Stalkerin dargestellt, um sich selbst zu retten, aber in den Nachrichten war mein Gesicht kaum zu sehen. Leroy James hat keine Ahnung, wer ich bin. Er braucht nur jemanden, der sein Haus putzt und seine schlechte Laune erträgt.“ „Ella, es wird nicht einfach werden“, warnte Kate und stand neben mir auf. „Wenn Edward dich dort sieht …“ „Wenn Edward mich dort sieht, umso besser“, spuckte ich aus. Etwas Dunkles und Scharfes flammte zum ersten Mal seit einer Woche in mir auf. „Soll er mich ruhig dabei sehen, wie ich 3.500 Dollar pro Woche im Haus seines zukünftigen Schwagers verdiene, während er glaubt, er hätte mich zerstört. Ich brauche das Geld für die Krankenhausrechnungen meines Vaters, Kate. Vier Tage Arbeit werden seine Behandlung bezahlen.“ Ich drehte mich mit entschlossenem Gesicht wieder zu Brenda. „Gib mir die Adresse, Brenda. Ich gehe.“ „So funktioniert das nicht. Du musst zuerst ein Vorstellungsgespräch bestehen“, sagte Brenda und schüttelte den Kopf. „Und der Manager der Agentur ist noch ein weiteres Problem.“ „Dann schick meinen Lebenslauf sofort hin“, sagte ich und trat näher. „Sag ihnen, dass ich sofort anfangen kann. Mir ist egal, wie schwer das Vorstellungsgespräch ist.“ Achtundvierzig Stunden später war mir egal, wie schnell die Agentur arbeitete oder wie Brenda meine Bewerbung ganz nach oben auf den Stapel geschoben hatte. Alles, was zählte, war die Bestätigung in meinem Posteingang und die lange Liste an Regeln, die damit kam. Ich hatte die Hintergrundüberprüfung bestanden, eine strenge Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben und offiziell den Job für meine erste Woche bekommen. Bevor ich mich an diesem Morgen auf den Weg zum Anwesen machte, hielt ich im Krankenhaus an, um meinen Vater zu besuchen. Ich stand neben seinem Bett auf der stillen, kalten Intensivstation und lauschte dem langsamen Piepen des Herzmonitors. Dass er dort lag, bedeutete, dass er dem Tod nahe war, und trotzdem weigerte ich mich, ihn aufzugeben. Er war der sanfteste Mann, den ich kannte. Sein ganzes Leben lang hatte er bei eisigem Wetter Taxi gefahren und Achtzehn-Stunden-Schichten gearbeitet, nur um mein Studium der Physiotherapie zu finanzieren. Während all dieser Zeit hatte dieser Mann seine schwere Nierenerkrankung geheim gehalten und trotz der Schmerzen weitergearbeitet, bis sein Körper schließlich versagte. Meine Mutter hatte uns vor Jahren verlassen. Sie hatte ihn für einen anderen Mann verlassen. In dem Moment, als es schwierig wurde. Ich hasste sie dafür. Ich würde nicht zulassen, dass mein Vater jetzt starb, und ich würde dieser herzlosen Frau ganz sicher keinen Grund zum Feiern geben. Er war ein Kämpfer. Und ich würde jeden einzelnen Dollar bezahlen, der nötig war, um ihn am Leben zu halten. „Ich werde ständig nach ihm sehen, während du arbeitest, Ella“, flüsterte Kate und legte mir eine warme Hand auf die Schulter. „Konzentrier dich darauf, den Job zu behalten. Ich kümmere mich hier um alles.“ Ich küsste die kalte Stirn meines Vaters, drückte seine Hand noch einmal fest und verließ das Zimmer, bevor ich dort völlig zusammenbrechen konnte. Um neun Uhr setzte mich ein Taxi am Ende einer privaten Straße hoch oben in den Hügeln ab. Hinter riesigen schwarzen Eisentoren stand eine moderne schwarze Villa, die eher wie eine Festung als wie ein Zuhause aussah. Sie stand allein auf der Klippe, umgeben von hohen Bäumen und abgeschnitten von allem anderen auf der Welt. Ich warf meine Tasche über die Schulter, ging zur Gegensprechanlage und drückte den Knopf. Die Tore öffneten sich mit einem leisen Summen. Niemand sagte ein Wort. Ich ging die lange steinerne Auffahrt hinauf und mein Herz hämmerte die ganze Zeit. Fünf Assistentinnen hatten innerhalb eines Monats gekündigt. Brendas Warnungen liefen in meinem Kopf immer wieder ab, aber ich richtete meinen Rücken auf und strich mein Shirt glatt. Ich hatte ein Jahr lang überlebt, indem ich mich hinter einem lügenden Ex versteckt hatte. Ein mürrischer dreiunddreißigjähriger Sportler würde mich nicht brechen. Das sagte ich mir zweimal. Ich erreichte die gewaltige Eingangstür und klingelte. Zehn Sekunden. Dann zwanzig. Ich hob die Hand, um erneut zu klopfen, doch die Tür wurde so plötzlich aufgerissen, dass das Glas klirrte. Die Worte blieben mir im Hals stecken. In der Tür stand eine 1,93 Meter große Wand aus breiten Schultern, sturm grauen Augen und zerzaustem schwarzem Haar. Eine hässliche weiße Narbe zog sich durch seine rechte Augenbraue und verlief bis hinunter in Richtung Kiefer. Dunkle Tattoos bedeckten seine kräftigen Arme. Sein breiter Brustkorb zeichnete sich unter einem engen schwarzen T-Shirt ab, während sein linkes Bein in einer schweren Knieorthese fixiert war. Er stützte sich schwer auf einen schwarzen Gehstock und sah furchteinflößend aus. Leroy James. Er starrte mit Augen auf mich herab, die kalt genug waren, Feuer einzufrieren. Erschöpft. Genervt. Wütend. Alles gleichzeitig. „Du bist spät“, knurrte er. Seine tiefe Stimme vibrierte in der Türöffnung. „Willst du da stehen und mich anstarren, oder kommst du rein?“ Ich schluckte und zwang meine Füße, die Schwelle in den dunklen Flur zu überqueren. Das Haus roch nach Holz, Parfüm und starkem Kaffee. „Ich bin Ella David“, sagte ich und hielt meine Stimme so ruhig wie möglich. „Die neue persönliche Assistentin mit Wohnsitz.“ Er nannte mir nicht einmal seinen Namen. Er schloss die schwere Eingangstür hinter mir mit einem lauten Klicken ab und musterte mich von meinem unordentlichen Pferdeschwanz bis hinunter zu meinen alten Lederstiefeln. Sein Mund verzog sich. „Sie haben ein Mädchen geschickt, das aussieht, als wäre es noch auf der Highschool“, murmelte er und schüttelte den Kopf. „Unglaublich.“ „Highschool?“ Diese sture Seite in mir flammte sofort auf. Ich umklammerte den Riemen meiner Tasche fester und sah direkt in diese kalten grauen Augen. „Ich bin dreiundzwanzig, Mr. James“, sagte ich scharf und deutlich. „Und wenn Sie nicht wollen, dass Ihre sechste Assistentin noch vor dem Frühstück wieder geht, würde ich Ihnen empfehlen, Ihre schlechte Laune abzulegen. Ich bin hier, um zu arbeiten, nicht, um mich von Ihnen herabwürdigen zu lassen.“ Er erstarrte. Langsam neigte er den Kopf. Seine dunklen Brauen zogen sich zusammen, als könnte er nicht glauben, dass jemand, der halb so groß war wie er, es gewagt hatte, ihm zu widersprechen. Die Wucht seiner Präsenz machte das Atmen schwer. Ich sah trotzdem nicht weg. Ich wünschte, er wüsste, wie sehr ich arrogante Sportler hasste. Fünf lange Sekunden. Das Haus war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Dann hob sich der Mundwinkel seiner vernarbten Lippen zu einem kalten, gefährlichen Lächeln. „Wow“, flüsterte er mit tiefer, dunkler Stimme. „Mal sehen, wie viele Stunden du durchhältst, kleines Mädchen.“ Panik traf mich wie kaltes Wasser. Dieser Blick in seinen Augen riss mich direkt zurück in die Realität. Die Krankenhausrechnungen meines Vaters. 3.500 Dollar in bar. Ich brauchte diesen Job, um meinen Vater am Leben zu halten. Warum stritt ich mich zwei Sekunden nach meinem Betreten seines Hauses mit einer Hockeylegende? Wenn er mich jetzt hinauswarf, würde mein Vater seine Behandlung verlieren. Die Sturheit wich aus mir. Angst nahm ihren Platz ein. „Es tut mir leid“, sagte ich schnell. Meine Hände verkrampften sich um meine Tasche, während ich einen kleinen Schritt zurücktrat. „Es tut mir leid, Mr. James. Ich hätte nicht so mit Ihnen reden dürfen. Es tut mir wirklich leid.“ Er antwortete nicht sofort. Er stand einfach da, groß und still, und sah auf mich hinunter. Seine Augen blieben auf meinen, während er beobachtete, wie sich die Panik auf meinem Gesicht ausbreitete. Die Stille zog sich. Sie tat weh. „Küche“, sagte er scharf. Er drehte sich um und stützte sich schwer auf den Gehstock, während er den Flur entlangging. „Schwarzer Kaffee. Zwei Shots Espresso. Kein Zucker. Du hast drei Minuten.“„Frei?“„Was zum Teufel soll das überhaupt bedeuten?“, fragte ich.Er antwortete nicht sofort. Stattdessen ließ er seinen Blick langsam über mich wandern, vom Scheitel bis zu meinen Schuhen, als würde er etwas begutachten und hätte sich noch nicht entschieden, was er davon halten sollte. Dann deutete er mit dem Kinn auf die Taschen, die auf dem Boden standen.„Warum stehst du immer noch einfach da herum? Hilf mir mit denen.“„Oh.“Ich eilte zu ihm, schnappte mir zwei der schwereren Taschen und blieb dicht hinter ihm. In der Küche stellte er seine beiden Taschen auf die Arbeitsplatte, drehte sich um, nahm mir die Taschen aus den Händen und stellte sie mit einem rauen Grunzen ab, als würde ihn selbst das Kraft kosten.„Du siehst aus, als könntest du etwas Wasser gebrauchen“, sagte ich, während er sich mit dem Handrücken über die Stirn fuhr.Er schüttelte den Kopf und winkte ab. „Nein. Mir geht’s gut.“ Er zupfte an seinem Hemd, richtete es und sah mich dann wieder an. „Also … du bist die
Er gab mir drei Minuten.Ich drehte mich um und rannte beinahe den Flur hinunter, während mein Herz direkt in meinen Magen rutschte.Das Haus war riesig.Viel zu riesig.Schwarze Böden, schwarze Wände, überall Glastüren. Jede Ecke sah aus wie die davor. Ich bog links ab, öffnete eine Tür, weil ich dachte, es wäre die Küche, und landete in einem dunklen Fitnessraum. Ich rannte zurück, bog rechts ab und stand plötzlich vor einem Innenpool, der unter den Lampen glänzte.Wo zum Teufel war die Küche?Normalerweise zeigt einem jemand zu Beginn eines neuen Jobs wenigstens das Haus. Hier nicht.Dieser mürrische Mistkerl hatte mir einfach einen Befehl hingeknallt, als müsste ich den Grundriss seiner Festung bereits auswendig kennen.Panik und Frust schnürten meine Brust so fest zu, dass es wehtat. Die Uhr lief.Die Intensivstationsrechnungen meines Vaters hingen von dieser verdammten Tasse Kaffee ab, und ich war wie eine Idiotin in einem Haus verloren, das mich offenbar nicht haben wollte.Ich
„Dreiunddreißig?!“ Kate schrie es beinahe. Ihr Mund stand einfach offen. „Brenda, was für ein dreiunddreißigjähriger Mann braucht ein Kindermädchen?!“„Er braucht kein Kindermädchen! Er braucht eine persönliche Assistentin mit Wohnsitz und eine Haushälterin, weil er ein elender, wütender Mistkerl ist, der es nicht schafft, auch nur eine einzige Person länger als zwei Tage in diesem Haus zu behalten!“, schrie Brenda zurück und rieb sich noch immer den Kopf. „Er erholt sich von einer schweren Knieoperation, steckt in einer Schiene fest und behandelt jeden, der durch seine Haustür kommt, wie einen Feind.“Ich setzte mich auf meinen Fersen zurück und starrte auf den Flyer in meiner Hand, als könnte sich das Papier verändern, wenn ich nur lange genug hinsah.Dreiunddreißig. Verschlossen. Gerade von einer Knieoperation zurück.„Wie heißt er?“, fragte ich leise. Meine Gedanken waren bereits weit voraus.Brenda seufzte und kramte nach einer Wasserflasche in ihrer Tasche. „Leroy. Leroy James.“
„Iss wenigstens zwei Löffel, Ella. Bitte.“Kate schob mir eine dampfende Schüssel Pasta hin. Der Geruch bekam mir nicht. Mein Magen verkrampfte sich sofort. Ich saß immer noch auf dem Wohnzimmerboden, mit dem Rücken fest gegen das Sofa gedrückt, und klammerte mich an ein Sofakissen, als wäre es das Einzige, was in meinem Leben noch Halt gab.Sie hatte mich nach dieser brutalen Nacht im Taxi nicht in meine eigene Wohnung zurückgehen lassen. Sie sagte, wenn ich allein blieb, würde ich mich nur immer tiefer in meinen Gedanken verlieren und jedes einzelne Wort wiederholen, mit dem Edward mich zerstört hatte. Sie hatte recht. Aber auch hier hörte die Fäulnis in meiner Brust nicht auf, sich weiter auszubreiten.Ich konnte nicht einmal mehr nachhalten, wie viel ich ihr inzwischen schuldete. Sie hatte ihre Ersparnisse angegriffen, nur um mir genug zu leihen, damit ich die Intensivstationsrechnungen meines Vaters für eine weitere Woche bezahlen konnte. Es war ein Pflaster. Die Wunde darunter b
ELLAMan erkennt den Teufel nicht immer sofort, wenn er einem gegenübersitzt. Manchmal braucht es nur einen hässlichen Auslöser, bevor er die Maske fallen lässt und man sieht, was die ganze Zeit darunter gelebt hat.Edward ist dieser Teufel. Mein Freund. Oder der Mann, der es einmal war, denn nach heute Nacht weiß ich nicht mehr, was zum Teufel wir überhaupt noch sind. Ich weiß bereits, was er ist. Das rede ich mir immer wieder ein. Und trotzdem fleht ein Teil von mir, Gott helfe mir, darum, aufzuwachen und festzustellen, dass das alles nur ein krankhafter Albtraum ist.„Edward.“ Sein Name kam gebrochen über meine Lippen. Ich schluckte Tränen hinunter, die mir bis tief in den Hals brannten. Mein Verstand konnte den Mist, der aus seinem Mund kam, einfach nicht begreifen. Alles prallte an mir ab.Ich trat näher, zitternd, und suchte sein Gesicht nach auch nur einem winzigen Rest des Mannes ab, den ich zwölf Monate lang geliebt hatte. „Musst du das wirklich so weit treiben? Liebst du mic







