LOGINIn dem, was wie das feinste Kleid aussah, das ich je gesehen hatte, warf ich einen letzten, verweilenden Blick auf mein Spiegelbild.
Ich atmete scharf aus und versuchte, das hektische Pochen in meiner Brust zu beruhigen. Endlich, nach einer Ewigkeit des Verborgenseins, würde ich mit meinem … nach draußen gehen.
Ich schnaubte. Das Wort Ehemann schmeckte bitter auf meiner Zunge.
Als ich aus dem Haus trat, entdeckte ich Damian bereits auf dem Rücksitz des schnittigen Wagens sitzend, seine Augen auf sein Handy geheftet. Ich öffnete die hintere Tür, um mich zu ihm zu setzen, doch er warf mir einen so eiskalten Blick zu, dass mir das Blut in den Adern erstarrte. Ich verstand die stumme Warnung sofort, schloss die Tür, eilte nach vorne und schlüpfte auf den Beifahrersitz neben dem Fahrer.
Zwanzig Minuten später hielten wir vor dem prächtigsten, atemberaubendsten Modehaus, das ich je gesehen hatte. Damian hatte während der gesamten Fahrt kein einziges Wort gesagt.
Während der Motor lief, saß ich still und wartete auf ihn. Er blickte nicht auf und nahm meine Anwesenheit nicht wahr.
Nach zwei qualvollen Minuten Stille warf er schließlich einen Blick über die Schulter. „Bist du immer noch hier? Ich gehe nicht mit dir rein. Nimm das."
Er zog eine schwarze Karte aus seinem Portemonnaie und drückte sie mir in die Hand. „Du hast fünf Minuten."
Ohne ein weiteres Wort senkte er den Blick zurück auf seinen Bildschirm.
Ich stieg aus dem Auto und ging in die Boutique, während ich mich fühlte wie ein verlorenes Hündchen. Zum ersten Mal seit einem Jahr atmete ich frische Luft, sah die Welt, und alles fühlte sich wild fremd an.
Drinnen erstreckten sich Reihen prachtvoller Designerkleider vor mir. Meine Augen wanderten über die luxuriösen Stoffe, bis sie auf einem schlichten, eleganten Abendkleid in voller Länge verweilten.
„Das wäre perfekt", flüsterte ich und griff danach, um den Stoff zu prüfen.
Aus dem Nichts bewegte sich ein Schatten in meinem Augenwinkel, und eine Hand griff zum Ständer. Instinkt übernahm, bevor mein Gehirn es verarbeiten konnte. Mit einer schnellen, blitzartigen Bewegung, von der ich nicht wusste, dass ich sie besaß, wirbelte ich herum, ergriff das Kleid und drückte das Handgelenk des Fremden mit purer, explosiver Kraft zurück.
„He, he! Was stimmt nicht mit dir?", keuchte der Mann, seine Augen weit aufgerissen vor purem Entsetzen.
Ich starrte ihn zurück an, mein eigenes Herz hämmerte gegen meine Rippen. Ich hatte noch nie eine so rohe, überwältigende Kraft durch meine Adern strömen gefühlt.
Was ist gerade mit mir geschehen?, dachte ich und starrte auf meine zitternden Hände hinab. Woher kam diese Stärke?
Als ich das pure Entsetzen auf dem Gesicht des Mannes sah, zwang ich mich, meinen Griff zu lockern, und stammelte eine Entschuldigung hervor. „Ich … es tut mir so leid! Ich … ich weiß nicht, was über mich gekommen ist. Ich habe so etwas noch nie zuvor getan."
Der Mann schüttelte langsam den Kopf und rieb sich ungläubig das Handgelenk. „Das war kein normaler Reflex … das war uralte Macht." Er hielt inne und musterte mein Gesicht. „Wie heißt du?"
Ich zögerte, während ich das Kleid immer noch fest an meine Brust gedrückt hielt, mein Verstand taumelte noch vom Schock über meine eigenen Handlungen.
„Claire", murmelte ich.
Er nickte langsam und deutete auf das Kleid. „Ich wollte eigentlich nur ein Foto vom Stoffmuster machen, bevor du … diesen Griff bei mir angewendet hast. Entschuldige, dass ich dich erschreckt habe."
„Ich … ich dachte, du wolltest es mir wegschnappen", gestand ich verlegen und hielt Damians Kreditkarte hoch, die ich so fest umklammert hatte, dass meine Knöchel weiß geworden waren.
„Ah, ich verstehe", murmelte der Mann mit einem schwachen, faszinierten Lächeln.
Nachdem ich an der Kasse bezahlt hatte, verließ ich das Modehaus mit meiner Einkaufstüte in der Hand. Der Fremde folgte ein paar Schritte hinter mir.
Er hielt auf halbem Weg die Stufen hinunter inne. „Macht es dir etwas aus, wenn ich …"
Bevor er seinen Satz beenden konnte, schwang die hintere Tür von Damians Auto auf. Damian stieg aus, seine dunklen Augen hefteten sich auf mich, glitten dann mit tödlicher Intensität zu dem Mann, der neben mir stand.
Der Fremde blickte zwischen Damians hoch aufragender Gestalt und mir hin und her und hob die Hände in einer stummen Friedensgeste. „Ah. Ich sehe, du bist mit jemandem gekommen."
„Tschüss", sagte ich schnell, riss mich los und eilte zum Auto, bevor Damian die Beherrschung verlieren konnte.
In dem Moment, als ich auf den Vordersitz glitt, schlug Damian seine Tür zu.
„Mich interessiert eher meine Karte", verlangte er kalt von hinten. „Hast du sie noch?"
Ohne ein Wort griff ich nach hinten und legte die Karte in seine ausgestreckte Hand.
Ich sank tief in den Ledersitz, während der Motor aufheulte und der Wagen vom Bordstein losfuhr. Doch meine Gedanken waren meilenweit entfernt, gefangen in jenem Moment in der Boutique.
Warum habe ich diese Art von Kraft in mir verborgen? Wer bin ich wirklich?
Nach Frau Alex' Aussage konnte ich das seltsame, beunruhigende Gefühl in meiner Brust nicht abschütteln.Damian beschützen? Den kalten Teufel?Damian hasste mich. Er hasste es sogar, mein Gesicht anzusehen. Seit ich mit ihm verheiratet war, hatte er mich nie berührt, geküsst oder mir auch nur einen einfachen Kuss auf die Wange gegeben. Ich hatte seine eisige Distanz längst als mein Normal akzeptiert.„Du musst aufhören, an Damian zu denken, und dich darauf konzentrieren, wie die Schule nächstes Wochenende wird", klang Rias Stimme durch das Telefon und riss mich aus meinen sich überschlagenden Gedanken.Ich schnaubte in den Hörer. „Schule? Bist du sicher? Mit meiner billigen Garderobe kann ich niemals mithalten mit dem, was diese Schüler tragen."„Hey, hör auf damit! Vertrau mir, ich werde immer an deiner Seite sein, erinnerst du dich?", sagte Ria, ihr Ton so verspielt wie immer. Obwohl sie sich kürzlich von ihrem Freund getrennt hatte, hatte sie sich davon nicht unterkriegen lassen.„
Während der Fahrt nach Hause wollte ich Damian so verzweifelt von dem erzählen, was im Modehaus geschehen war. Doch wie immer gab er mir keine Öffnung, sein Ausdruck war eine Mauer aus Stein, die die Worte in meiner Kehle zum Schweigen brachte. Während ich sein scharfes Seitenprofil im Rückspiegel betrachtete, fragte ich mich zum hundertsten Mal, was für ein Mann er unter diesem Eis wirklich war.„Halt an", durchschnitt seine Stimme die Stille.Der Fahrer gehorchte sofort und brachte den Wagen sanft zum Stehen. Ohne aufzublicken, schob Damian mir erneut seine Kreditkarte zu.„Du musst etwas mit deinen Haaren machen. Ich will nicht, dass Oma wieder eine ihrer Predigten anfängt. Ich habe es verdammt satt."Da bemerkte ich, dass wir vor einem der exklusivsten Friseursalons der Stadt geparkt hatten.Als ich die Karte aus seinen Fingern nahm, hielt ich inne. Sein Gesicht war immer noch auf sein Handy gerichtet, doch trotz all seiner Mühe, so zu tun, als kümmere es ihn nicht, erhaschte ich
In dem, was wie das feinste Kleid aussah, das ich je gesehen hatte, warf ich einen letzten, verweilenden Blick auf mein Spiegelbild.Ich atmete scharf aus und versuchte, das hektische Pochen in meiner Brust zu beruhigen. Endlich, nach einer Ewigkeit des Verborgenseins, würde ich mit meinem … nach draußen gehen.Ich schnaubte. Das Wort Ehemann schmeckte bitter auf meiner Zunge.Als ich aus dem Haus trat, entdeckte ich Damian bereits auf dem Rücksitz des schnittigen Wagens sitzend, seine Augen auf sein Handy geheftet. Ich öffnete die hintere Tür, um mich zu ihm zu setzen, doch er warf mir einen so eiskalten Blick zu, dass mir das Blut in den Adern erstarrte. Ich verstand die stumme Warnung sofort, schloss die Tür, eilte nach vorne und schlüpfte auf den Beifahrersitz neben dem Fahrer.Zwanzig Minuten später hielten wir vor dem prächtigsten, atemberaubendsten Modehaus, das ich je gesehen hatte. Damian hatte während der gesamten Fahrt kein einziges Wort gesagt.Während der Motor lief, saß
Die Tür glitt mit einem leisen Klicken auf. Durch die Schatten erkannte ich die Umrisse seiner großen Gestalt und seines dunklen, verschwitzten Gesichts.Was macht er schon wieder hier?, dachte ich entsetzt und zog verzweifelt das Bettlaken über meinen halbnackten Körper.Damian trat näher, beugte sich hinab, bis sein Atem meine Wange streifte. Seine Hand glitt in mein Haar, griff so sanft hinein, dass ich für einen Sekundenbruchteil zu hoffen wagte. Ich dachte, er würde mich endlich als die Frau sehen, die er lieben sollte.Stattdessen richtete er sich gerade auf, seine dunklen Augen glitzerten im schwachen Licht. Ohne ein Wort drehte er sich um, ging zur Tür und schlüpfte hinaus, wobei er die Tür leise hinter sich schloss.„Was für ein absoluter Sonderling", murmelte ich zu mir selbst und zog das Laken fester gegen meine Brust.Bald strömte Morgenlicht durch das Fenster und kündigte die Ankunft eines neuen Tages an. Ein weiterer Tag als eingesperrte Schattenehefrau von Damian Sleek.







