ログインWährend der Fahrt nach Hause wollte ich Damian so verzweifelt von dem erzählen, was im Modehaus geschehen war. Doch wie immer gab er mir keine Öffnung, sein Ausdruck war eine Mauer aus Stein, die die Worte in meiner Kehle zum Schweigen brachte. Während ich sein scharfes Seitenprofil im Rückspiegel betrachtete, fragte ich mich zum hundertsten Mal, was für ein Mann er unter diesem Eis wirklich war.
„Halt an", durchschnitt seine Stimme die Stille.
Der Fahrer gehorchte sofort und brachte den Wagen sanft zum Stehen. Ohne aufzublicken, schob Damian mir erneut seine Kreditkarte zu.
„Du musst etwas mit deinen Haaren machen. Ich will nicht, dass Oma wieder eine ihrer Predigten anfängt. Ich habe es verdammt satt."
Da bemerkte ich, dass wir vor einem der exklusivsten Friseursalons der Stadt geparkt hatten.
Als ich die Karte aus seinen Fingern nahm, hielt ich inne. Sein Gesicht war immer noch auf sein Handy gerichtet, doch trotz all seiner Mühe, so zu tun, als kümmere es ihn nicht, erhaschte ich heute einen Blick auf etwas Anderes. Einen schwachen, sorgfältig verborgenen Schatten der Sorge.
Ich trat auf den Bürgersteig. Der Salon war belebt, und eine Gruppe von Männern, die in der Nähe der Einfahrt standen, drehte sofort die Köpfe, ihre Augen verfolgten jede meiner Bewegungen. Ich schnaubte leise. Selbst mit meinem blassen, ungepflegten Aussehen starrten sie mich an.
Bevor ich einen weiteren Schritt machen konnte, schwang Damians Autotür auf.
Seine dunklen Augen huschten zu mir, dann glitten sie mit tödlicher Gleichgültigkeit über die Männer. Er trat ins Sonnenlicht hinaus und richtete seine Manschetten.
„Ich brauche sowieso eine Haarbehandlung. Geh hinter mir", befahl er und schob sich an mir vorbei.
Ich gehorchte und blieb ein paar Schritte hinter ihm. Von hinten fiel mir auf, wie makellos er aussah, sein dunkles Haar perfekt gestylt, seine Präsenz beherrschte die ganze Straße.
Warum würde er eine Haarbehandlung brauchen?, murmelte ich zu mir selbst.
Er hielt an den Glastüren inne, als er bemerkte, dass ich zurückblieb. Er drehte sich um, seine Augen fixierten meine mit scharfer Missbilligung. „Ich habe nicht gesagt, bleib eine Meile zurück. Direkt hinter mir."
Ich beschleunigte meinen Schritt und schlüpfte direkt nach ihm hinein.
Er warf einen flüchtigen Blick durch das luxuriöse Interieur. „Kein Herrenbereich vorhanden?", fragte er die Empfangsdame.
Die Frau schüttelte höflich den Kopf. „Wir bedienen hauptsächlich Frauen, mein Herr. Der Herrensalon ist ein paar Straßen weiter …"
„Kein Problem. Ich setze mich einfach hin und warte … auf sie", unterbrach er glatt, den Blick immer noch auf sein Handy gerichtet, als würde ihn das Gespräch kaum interessieren.
Er sank in einen der plüschigen Ledersessel im Wartebereich, völlig gleichgültig. Ich starrte ihn ungläubig an. Warum ist er plötzlich bereit, auf mich zu warten?
Ich hatte keine Zeit, es zu verarbeiten, bevor die Stylistin mich zu ihrer Station brachte. In der nächsten Stunde wusch, behandelte und stylte sie mein Haar und verwandelte die stumpfen, verfilzten Strähnen in weiche, glänzende Wellen.
Als sie fertig war, starrte ich schockiert in den Spiegel. Die Frau, die mich ansah, wirkte strahlend, ihre Gesichtszüge markant und fein.
„Ist … bin das wirklich ich?", flüsterte ich.
Damian blickte von seinem Bildschirm auf, sein Kiefer spannte sich an, während seine Augen über mich glitten. „Ich habe dir gesagt, du sollst ihre Haare richten, nicht ihr Gesicht anfassen", sagte er, sein Ton wurde dunkler.
„Ich habe ihr Gesicht nicht angefasst, mein Herr", antwortete die Stylistin warm und bewunderte ihr Werk. „Sie sieht einfach aus wie eine Prinzessin …"
Damian stand abrupt auf, bevor die Frau ihren Satz beenden konnte. „Geh schon mal zum Auto vor. Ich bin gleich hinter dir. Ich muss noch ein paar Dinge auf meinem Handy klären."
Ich erstarrte und zeigte auf den Ausgang. „Du willst, dass ich allein rausgehe?"
„Tu einfach, was ich sage, und hör auf zu jammern", schnappte er leise.
Ich drehte mich um und ging hinaus, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen bei jedem bizarren Wechsel in seinem Verhalten. Das war nicht der Damian, den ich kannte. Oder vielleicht spielte er nur eine Rolle, weil wir in der Öffentlichkeit waren. Ich verdrängte den Gedanken, als ich auf den Rücksitz glitt, gefolgt Sekunden später von Damian, der so kalt und distanziert wie immer war.
Frau Alex wartete am Haupteingang, als unser Wagen in die Einfahrt einbog.
In dem Moment, als ich ausstieg, eilte sie herüber, zog mich in eine warme Umarmung und legte eine sanfte Hand auf meine Taille. „Oh, meine süße Claire! Du siehst so schön aus. Ich wusste, dass ein strahlendes Mädchen darunter verborgen war!"
Damian stieg hinter mir aus und beugte sich hinunter, um Frau Alex eine kurze, respektvolle Umarmung zu geben. Als er sich zum Gehen ins Haus wandte, hielten sie ihre nächsten Worte in seinen Schritten inne.
„Ich habe gehört, das Unternehmen hat sich eine neue Investorengruppe aus China gesichert", sagte Frau Alex leise. „Ich denke, es ist Zeit, dass du ins Büro zurückkehrst."
Damian versteifte sich, seine Schultern wurden starr. „China? Warum so plötzlich? Weißt du, wer sie sind?"
„Sei nicht beunruhigt, Damian. Ich weiß, wie vorsichtig du bist, aber diesmal sind sie seriös", beruhigte ihn Frau Alex sanft. „Geh einfach und triff sie."
Ein dunkler, gefährlicher Schatten zog über Damians Augen. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich auf dem Absatz um, stieg wieder ins Auto und raste die Einfahrt hinunter.
Frau Alex legte eine Hand auf meine Schulter und sah zu, wie das Auto durch das Tor verschwand. „Er hasst es, wenn Außenstehende sich in die Familiengeschäfte einmischen. Damian mag kalt wirken, aber innerlich trägt er eine schwere Last. Lass dich nicht von seinen scharfen Kanten täuschen, meine Liebe, er hat darunter ein gutes Herz. Ich brauche, dass du ihm all deine Unterstützung gibst."
Ich stieß ein leises Schnauben aus. Ihm Unterstützung geben? Dem Mann, der mich wie einen Geist behandelt?
Frau Alex sah mir tief in die Augen, ihr Ausdruck wechselte zu absoluter Ernsthaftigkeit. „Er ist alles für diese Familie, Claire. Versprich mir etwas."
Sie hob die Hand und umfasste sanft meine Wange. „So wie er dich beschützt … musst auch du ihn beschützen."
„Ihn beschützen?", murmelte ich, gründlich verwirrt. „Wie könnte ich jemanden wie Damian überhaupt beschützen?"
Frau Alex schüttelte langsam den Kopf, ein rätselhafter Blick in ihren Augen. „Du musst noch nicht verstehen, wie. Aber es gibt überall Feinde, Claire … deshalb brauche ich dich an seiner Seite."
Nach Frau Alex' Aussage konnte ich das seltsame, beunruhigende Gefühl in meiner Brust nicht abschütteln.Damian beschützen? Den kalten Teufel?Damian hasste mich. Er hasste es sogar, mein Gesicht anzusehen. Seit ich mit ihm verheiratet war, hatte er mich nie berührt, geküsst oder mir auch nur einen einfachen Kuss auf die Wange gegeben. Ich hatte seine eisige Distanz längst als mein Normal akzeptiert.„Du musst aufhören, an Damian zu denken, und dich darauf konzentrieren, wie die Schule nächstes Wochenende wird", klang Rias Stimme durch das Telefon und riss mich aus meinen sich überschlagenden Gedanken.Ich schnaubte in den Hörer. „Schule? Bist du sicher? Mit meiner billigen Garderobe kann ich niemals mithalten mit dem, was diese Schüler tragen."„Hey, hör auf damit! Vertrau mir, ich werde immer an deiner Seite sein, erinnerst du dich?", sagte Ria, ihr Ton so verspielt wie immer. Obwohl sie sich kürzlich von ihrem Freund getrennt hatte, hatte sie sich davon nicht unterkriegen lassen.„
Während der Fahrt nach Hause wollte ich Damian so verzweifelt von dem erzählen, was im Modehaus geschehen war. Doch wie immer gab er mir keine Öffnung, sein Ausdruck war eine Mauer aus Stein, die die Worte in meiner Kehle zum Schweigen brachte. Während ich sein scharfes Seitenprofil im Rückspiegel betrachtete, fragte ich mich zum hundertsten Mal, was für ein Mann er unter diesem Eis wirklich war.„Halt an", durchschnitt seine Stimme die Stille.Der Fahrer gehorchte sofort und brachte den Wagen sanft zum Stehen. Ohne aufzublicken, schob Damian mir erneut seine Kreditkarte zu.„Du musst etwas mit deinen Haaren machen. Ich will nicht, dass Oma wieder eine ihrer Predigten anfängt. Ich habe es verdammt satt."Da bemerkte ich, dass wir vor einem der exklusivsten Friseursalons der Stadt geparkt hatten.Als ich die Karte aus seinen Fingern nahm, hielt ich inne. Sein Gesicht war immer noch auf sein Handy gerichtet, doch trotz all seiner Mühe, so zu tun, als kümmere es ihn nicht, erhaschte ich
In dem, was wie das feinste Kleid aussah, das ich je gesehen hatte, warf ich einen letzten, verweilenden Blick auf mein Spiegelbild.Ich atmete scharf aus und versuchte, das hektische Pochen in meiner Brust zu beruhigen. Endlich, nach einer Ewigkeit des Verborgenseins, würde ich mit meinem … nach draußen gehen.Ich schnaubte. Das Wort Ehemann schmeckte bitter auf meiner Zunge.Als ich aus dem Haus trat, entdeckte ich Damian bereits auf dem Rücksitz des schnittigen Wagens sitzend, seine Augen auf sein Handy geheftet. Ich öffnete die hintere Tür, um mich zu ihm zu setzen, doch er warf mir einen so eiskalten Blick zu, dass mir das Blut in den Adern erstarrte. Ich verstand die stumme Warnung sofort, schloss die Tür, eilte nach vorne und schlüpfte auf den Beifahrersitz neben dem Fahrer.Zwanzig Minuten später hielten wir vor dem prächtigsten, atemberaubendsten Modehaus, das ich je gesehen hatte. Damian hatte während der gesamten Fahrt kein einziges Wort gesagt.Während der Motor lief, saß
Die Tür glitt mit einem leisen Klicken auf. Durch die Schatten erkannte ich die Umrisse seiner großen Gestalt und seines dunklen, verschwitzten Gesichts.Was macht er schon wieder hier?, dachte ich entsetzt und zog verzweifelt das Bettlaken über meinen halbnackten Körper.Damian trat näher, beugte sich hinab, bis sein Atem meine Wange streifte. Seine Hand glitt in mein Haar, griff so sanft hinein, dass ich für einen Sekundenbruchteil zu hoffen wagte. Ich dachte, er würde mich endlich als die Frau sehen, die er lieben sollte.Stattdessen richtete er sich gerade auf, seine dunklen Augen glitzerten im schwachen Licht. Ohne ein Wort drehte er sich um, ging zur Tür und schlüpfte hinaus, wobei er die Tür leise hinter sich schloss.„Was für ein absoluter Sonderling", murmelte ich zu mir selbst und zog das Laken fester gegen meine Brust.Bald strömte Morgenlicht durch das Fenster und kündigte die Ankunft eines neuen Tages an. Ein weiterer Tag als eingesperrte Schattenehefrau von Damian Sleek.







