MasukKYTHAN BLACKTHORNE (Wolf: Vexan)„Setzt euch“, sagte ich und nickte zu den Stühlen gegenüber meinem Schreibtisch. „Ich rufe es jetzt auf.“Rythan setzte sich nicht. Stattdessen stellte er sich hinter mich, eine Hand auf die Rückenlehne meines Stuhls gestützt, nah genug, dass ich die Hitze spüren konnte, die von seinem Fieber ausging.Zithan nahm auf dem Stuhl Platz, saß aber ganz vorn auf der Kante, die Ellbogen auf den Knien, als ob ein Zurücklehnen alles nur verlangsamen würde.„An welchem Tag?“, fragte Zithan mit angespannter Stimme.„Am 10. dieses Monats“, antwortete Rythan.Ich öffnete das Sicherheitsportal, scrollte durch das Archiv und fand den Stream für Tylas altes Büro — die Kamera, die unauffällig über dem Bücherregal montiert war.Meine Hand harrte länger über dem Play-Button, als sie es hätte tun sollen.„Was auch immer da zu sehen ist“, sagte Vexan leise, „du bist nicht der Einzige, der es sehen muss. Drück auf Play, Kythan.“Ich drückte auf Play.Das Filmmaterial war sc
KYTHAN BLACKTHORNE (Wolf: Vexan)Meine Augen verengten sich. Ich hatte niemanden kommen lassen.„Komm rein“, sagte ich tonlos.Die Tür öffnete sich, und die beiden traten gemeinsam ein, Schulter an Schulter.„Was macht ihr beide hier? Ich habe nach keinem von euch gerufen.“Rita trat als Erste vor und ließ Keon einen halben Schritt hinter sich, als hätte er sie stumm dazu bestimmt, den Anfang zu machen. „Es geht um Celine“, sagte sie.Ich richtete mich auf, noch bevor ich es verhindern konnte.„Nachrichten. Das müssen Nachrichten sein.“ Mein Puls schoss in die Höhe, schnell und plötzlich, ein Stoß von etwas, das ich mir tagelang nicht erlaubt hatte richtig zu fühlen. Hat sie Rita endlich gesagt, wo sie ist? Hat sie eine Botschaft durch sie geschickt, etwas, das sie sich nicht getraut hatte, uns direkt zu sagen?„Wo ist sie?“, platzte es aus mir heraus, bevor ich überhaupt beschlossen hatte, danach zu fragen — viel zu schnell, viel zu roh, ganz anders als die kontrollierte Stimme, die
KYTHAN BLACKTHORNE (Wolf: Vexan)Ich setzte mich zum Frühstück, ohne auf meine Brüder zu warten. Kein Sinn. Rythan hatte mich gestern Abend angefleht, sein Meeting mit Mr. Liam zu übernehmen — er lag mit Fieber im Bett, was ehrlich gesagt zu erwarten war.Alles, was in den letzten Tagen passiert war, hatte ganz offensichtlich seinen Tribut gefordert.Zithan schlief unterdessen wahrscheinlich immer noch und erholte sich von dem emotionalen Trümmerhaufen, in dem wir anderen anscheinend schwammen.Es war an der Zeit, dass ich mich selbst um Dilala kümmerte. Ihre Drohungen waren mir inzwischen völlig egal.Entweder veröffentlichte sie dieses Video und sprengte damit ihre eigene Ehe zusammen mit allem, was sie in den Händen zu haben glaubte, um meinen Bruder zu erpressen, oder sie zog sich komplett zurück.Rythan ließ sich damit zu viel Zeit. Für einen Mann, der diese Spiele einst mit links spielte, war es fast beeindruckend, wie nachlässig er geworden war.Ich nahm den letzten Schluck mei
CELINE "Vater, es war meine Schuld — bitte gib ihr nicht die Schuld." Die Worte platzten aus mir heraus, bevor er noch etwas sagen konnte. "Es tut mir leid, Marcus." Die Stimme von Königin Uria erklang als Nächstes, ruhig wie immer, und zwar auf eine Art und Weise, die mich noch schlechter fühlen ließ, weil ich sie da hineingezogen hatte. "Ich wollte ihr einfach nur helfen. Sie musste weg, also habe ich ihr geholfen zu gehen." Mein Vater stieß einen schweren Atemzug aus, wobei die Anspannung darin allmählich nachließ. "Du hättest es mir sagen sollen, Uria. Dann hätte ich nicht die letzten Tage damit verbracht, mir das absolut Schlimmste auszumachen." "Vater, das geht auf meine Kappe." Meine Stimme bebte, aber ich drängte mich trotzdem durch. "Ich war diejenige, die sie angefleht hat, es dir nicht zu sagen. Wenn du auf jemanden wütend sein willst, dann sei auf mich wütend." Er stieß ein leises Lachen aus — müde, aber mit einer Wärme darunter. "Dummes Mädchen. Alles, was zählt, is
CELINE (Wolf: Casey) Wir waren im Handumdrehen zu Hause. Ich war aus dem Auto, bevor es überhaupt richtig stand, und stürzte direkt durch die Haustür. Tante Ruby kam gerade aus der Küche, eine dampfende Tasse vorsichtig in beiden Händen. In dem Moment, in dem sie mich sah, strahlte ihr ganzer, ausdrucksvoller Blick auf. „Gott sei Dank bist du zurück“, sagte sie und kam bereits auf mich zu. „Hier. Trink das, bevor es kalt wird.“ Ich musterte die Tasse, als hätte sie mir persönlich etwas angetan. „Was ist das?“ „Kräuter.“ Sie sagte es so, als würde das alles erklären. „Kräuter wofür?“ „Für das Zeug, das immer noch in deinem System sitzt.“ Sie hielt inne und musterte mein Gesicht mit einer ruhigen Ernsthaftigkeit, die so gar nicht zu ihrer sonstigen Herzlichkeit passte. „Und für deinen vergifteten Wolf.“ Ich blinzelte sie an. Einmal. Zweimal. Mein Gehirn brauchte volle drei Sekunden, um zu begreifen, was sie da gerade gesagt hatte. „Wie bitte – vergiftet?“ „Mm-hm.“ Sie nickte.
CELINE (Wolf: Casey) Ich starrte eine volle Minute lang auf mein Telefon und versuchte mit aller Kraft, die Textnachricht allein dadurch verschwinden zu lassen, dass ich mich weigerte, wegzusehen. Der Name, der dort stand, war der letzte, den ich erwartet hatte. Wie zum Teufel ist sie an meine Nummer gekommen? Meine Gedanken wanderten sofort zu Rythan. Er musste sein Telefon so unvorsichtig herumliegen gelassen haben, dass sie meine Kontaktdaten daraus bekommen konnte. Das passte ins Bild. Bei dieser Familie schien einfach alles auf Schlamperei zu beruhen. „Und etwas Wichtiges – was sollte das denn heißen?“ Ich wandte mich nach innen. „Hey, Casey. Hast du eine Ahnung, was sie will?“ Stille. Nichts als das Summen meiner eigenen Gedanken, die zu mir zurückhallten. Eine weitere Nachricht vibrierte herein. RUF MICH AN. Ich schnaubte laut auf. „Meint die das eigentlich ernst?“ „Casey, glaubst du nicht, wenn es wirklich so ernst wäre, hätte sie es einfach in die Nachricht geschrie






