로그인Die Nacht war dicht und vollkommen sternenlos.Azrael stand am schweren, gewölbten Fenster seines privaten Gemachs, die Hände flach auf dem kalten steinernen Sims ruhend. Unten waren die Innenhöfe des Schlosses still, doch die Stille fühlte sich wie eine körperliche Last an, die auf seine Brust drückte.Zum ersten Mal, seit er die Krone übernommen hatte, fühlte er sich vollkommen allein. Alles um ihn herum zerbrach. Die vorgetäuschte Schwangerschaft, der blutige Verrat im Tempel, das verschwundene Kind und die plötzliche Erkenntnis, dass Garret, sein engster Verbündeter, im Verborgenen agierte – es war zu viel, um es allein zu tragen.Als Alpha-König bestand seine erste und einzige Pflicht darin, ein unzerbrechlicher Schild für sein Volk zu sein. Doch während er in die Dunkelheit hinausblickte, fühlte er sich seiner Macht beraubt. Er hatte das Reich im Stich gelassen. Er hatte die Menschen enttäuscht, die von ihm absolute Sicherheit erwarteten.
Die Welt kehrte zu Isolde in Stücken zurück. Zuerst ein schweres, hämmerndes Pochen hinter ihren Augen. Dann die rhythmische, knochenerschütternde Vibration hölzerner Planken unter ihrem Rücken.Für eine schöne, flüchtige Sekunde lächelte sie. Sie fühlte sich leicht, schwebend durch einen dunstigen, schmerzlosen Nebel. Ich bin tot, dachte sie. Es ist vorbei. Ich bin bei Roderick. Sie streckte die Hand in die Dunkelheit aus und erwartete, dass ihre Finger seine vertraute Wärme trafen, erwartete, dass er sie in seine Arme zöge und ihr sagte, sie seien sicher vor dem Hof, sicher vor dem Alpha, sicher vor allem.Stattdessen schabten ihre Knöchel an rauem Segeltuch. Der Nebel in ihrem Kopf verdampfte und wurde durch einen scharfen, sauren Gestank ersetzt, der ihren Magen heftig aufsteigen ließ. Es roch nach nassem Heu, verfaultem Getreide und frischem Kuhmist.Die Vibration unter ihr war kein friedlicher Übergang ins Jenseits. Es war ein Wagenrad, das in eine tiefe Spur auf der Schotterstr
Azrael stand in den Kerkern. Berichte waren zu ihm gelangt, dass einer der Gefangenen konkrete Informationen darüber haben könnte, was mit Lady Ying geschehen war.Er fühlte sich schuldig und gequält, dass so etwas unter seiner Aufsicht hatte geschehen können.Sein dunkler Umhang hing reglos von seinen breiten Schultern herab, und seine bernsteinfarbenen Augen strahlten mit einer gefährlichen, räuberischen Ruhe. Die Kerkerwachen arbeiteten mit einer verzweifelten, hektischen Effizienz, in der Angst, dass ein einziger Fehler den Zorn des Alpha-Königs auf sie herabziehen könnte. Azrael anzusehen bedeutete, einen Mann zu betrachten, der nicht nur durch Titel herrschte, sondern durch die pure, unbestreitbare Kraft der Natur.An den Ketten von der Decke in der Mitte der Kammer hing ein gebrochener Mann, dessen Zehen kaum noch über die nassen Dielen schleiften. Er blutete aus einem Dutzend flacher Schnittwunden, sein Atem rasselnd.In der dämmrigen, flackernden Ecke der Zelle, gerade außerh
Der Schlamm unter Isolde war kalt, aber Roderick war kälter.Sie saß im feuchten Gras, die Knie fest an die Brust gezogen, und hielt ihn. Ihre Arme waren um seinen Oberkörper geschlungen und drückten ihn so fest, dass ihre Muskeln schmerzten, als könnte bloße körperliche Kraft das Leben zurück in seine Lungen pressen. Sie wiegte ihn hin und her. Es war eine langsame, rhythmische, verzweifelte Bewegung, die Art von beruhigender Geste, die man einem Kind gibt, das einen bösen Traum hatte. Aber Roderick würde aus diesem nicht mehr aufwachen. Das schwere, unnachgiebige Gewicht seines Körpers in ihren Armen änderte sich nicht, egal wie sehr sie sich wiegte.„Wach auf“, flüsterte sie gegen seinen Hals.Ihre Stimme war winzig, ein zerbrechliches Ding, das im Wind auseinanderbrach. Es war kein Befehl einer Prinzessin. Es war nur die Bitte eines Mädchens, das plötzlich sehr verloren war. „Bitte, Roderick. Öffne einfach die Augen. Sieh mich an.“Sein Gesicht blieb vollkommen still. Der scharfe
Der Schlamm unter Isolde war kalt, aber Roderick war kälter.Sie saß im feuchten Gras, die Knie fest an die Brust gezogen, und hielt ihn. Ihre Arme waren um seinen Oberkörper geschlossen, drückten ihn so fest, dass ihre Muskeln schmerzten, als könne reine körperliche Kraft das Leben zurück in seine Lungen pressen. Sie wiegte ihn hin und her. Es war eine langsame, rhythmische, verzweifelte Bewegung, die Art beruhigender Geste, die man einem Kind gibt, das einen schlechten Traum gehabt hat. Aber Roderick würde aus diesem nicht erwachen. Die schwere, unnachgiebige Realität seines Gewichts in ihren Armen änderte sich nicht, egal wie sehr sie sich wiegte.„Wach auf“, flüsterte sie gegen seinen Hals.Ihre Stimme war winzig, ein zerbrechliches Ding, das sich im Wind auflöste. Es war kein Befehl einer Prinzessin. Es war nur eine Bitte eines Mädchens, das plötzlich sehr verloren war. „Bitte, Roderick. Öffne einfach die Augen. Sieh mich an.“Sein Gesicht blieb vollkommen still. Der scharfe Witz
Die Große Halle des Nachtreichs roch nach gebratenem Wildschwein, zerstoßener Lavendel und dem scharfen, metallischen Geruch kalter Ambition.Drei Tage waren vergangen, seit die Wehen nachgelassen hatten, drei Tage, seit die Hebammen das Blut von den steinernen Böden gewischt und dem Hof einen weinenden, silberhaarigen Jungen präsentiert hatten. Azrael hatte ein Festmahl verlangt, um den Anlass zu markieren. Die Hohen Lords und Ladies des Rates hatten geantwortet und füllten die gestuften Bänke der Halle in einem Meer aus schweren Seiden, lackierter Rüstung und scharfen, berechnenden Augen. Aus der Ferne sah es aus wie eine Feier. Aus der Nähe fühlte es sich an wie ein Schlachtfeld, das auf den ersten Pfeil wartete.Azrael saß auf dem Obsidianthron, seine Haltung entspannt, doch seine Augen musterten unablässig die Menge. Zu seiner Linken saß Morgana. Sie trug ihren Status wie eine zweite Haut, ihr dunkles Kleid floss über die Armlehne, ihre Finger strichen über den Rand eines silbern
AZRAELDer Fluch war wieder da.Lauter als sonst.Vier Jahre davon. Vier Jahre, in denen ich gegen meinen eigenen Wolf, gegen meinen eigenen Verstand kämpfte, jede gottverdammte Sekunde.Ich saß auf meinem schwarzen Hengst, die Wüstensonne brannte auf das weiße Leinen meiner Gewänder—geschichtet, f
LUCIENNEFreiheit fühlte sich anders an, als ich erwartet hatte.Nach allem, was passiert war, wusste ich nicht einmal mehr, wohin ich eigentlich lief.Wir rannten stundenlang—meine Lungen brannten, die Füße bluteten durch meine dünnen Pantoffeln, Äste rissen an meinen schmutzigen Kleidern. Marcus
LUCIENNEIch hatte noch drei Tage zu leben.Ich verbrachte sie damit, mich daran zu erinnern, wie man stirbt.Der Kerker war genau so, wie ich es erwartet hatte: kalter Stein, Ratten und Dunkelheit, die dick genug war, um daran zu ersticken. Ich machte mich in der Ecke am weitesten vom Eimer, der n
LUCIENNESie warteten auf mich wie Wölfe, die ein Lamm umkreisen.Die große Halle erstreckte sich unter uns, weit und kalt, erleuchtet von Fackeln, deren Flammen tanzende Schatten über die Steinwände warfen. Rudelmitglieder füllten den Raum—Krieger mit den Händen an ihren Waffen, Älteste mit ernste







